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Mundart Lausitzisch - Schlesisch

20.05.07, 12:23

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´s gleezsche Häusla

Schneeweiße heizra Mände
Die reine Aachablende,
Die aale Tiere met hocher Schwele
A Laderriemla heebt drenne die Fälle,
Onderem Schendeldoche die Feuerletter,
Eim Kihstolle brenne zwee Schänze on Etter,
Dervier der Westhoffa glei
On´s Quatschkaboimla derbei:

Na gell, fella Häusla hoots
Bei ons ei der Groofschaft Glooz

(Robert Karger)

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Edytor zaawansowany
  • hanys_hans 20.05.07, 12:24

    Uff Ustern zu

    Jitz hoot`s om längsta bei ins geschneit:
    Die Usterwuche ies nimme weit.
    Die Polmakatzla warn bale blühn,
    Schnieglöckla hoot`s schunt
    Eim Pusche stiehn, eim junga Groase
    A klenner Hoase, macht lauter Mannla,
    Wischt sich die Noase.
    Die Kinder, die Ranga, die wull`n a fanga,
    Mit langa Stecka hopsa se über Grabla und Hecka.
    Hops macht is Hasla, hops ei`s Looch!
    War koan anooch?
    Die Sunne plinzelt voo uba runder,
    Wane roatpern eim Durfe nunder.
    Wuhien ma sitt, wuhien ma fährt,
    Die Strooßa sein wie ausgekehrt.
    Gänsebluma uff jedem Tammla,
    Drunda derr Schafer treibt seine Lammla;
    Omseln pfeifa und Finka schloan,
    Die eene hiert uuf, die andre fängt oan.
    Ei jedem Goarta, verr jedem Toare
    Nischt wie Katla und Drusseln und Stoare.
    Die Sperliche quitscha, die Hummler summa,
    Ma werd noch ims Gehiere kumma,
    Ma werd om Ende noch toob dervoo.
    Woas ies dernoo?
    Singt ock, singt ock, euch giehts ju gutt
    Ihr hott ju noch geferres Blutt.
    Und derr Winter, dar ale toaprige Järge,
    Hoot sich verkrucha eis Geberge.
    A hoot sich verkrucha,
    Merr warn a nich sucha.
    Die Bluma hotta`s glei gewußt,
    Doß und a hotte naus gemußt.
    Kaum woar a aus`m Püschla naus,
    Doo koama schunt die errschta raus.
    Und hurtig, hurtig die Kinder ginga
    Summersinga, summersinga:
    Summer, Summer , Summer
    Iech bien a klenner Pummer.
    Der Herr ies schien, die Froo ies schien.
    Lußt ins nich zu lange stiehn.
    Die guldne Schnure gieht üms Haus.
    Tud aus! Tud aus!
    Treibt a Tud zum Durfe naus!
    (von Ernst Schenke)
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:24
    Schmeckuster im de Fisse, meine Schmeckuster die schmeckt sisse,
    Schmeckuster im de Beene, bleib's ganze Johr derheme.
    Schmeckuster im de Kniee, hot' ganze Johr keene Sliehe (Flöhe).
    Schmeckustern im a Oarsch, wenns wieh tut, do soa's.
    Schmeckuster im a Bauch, dos ist der ale Brauch.
    Â Â Â Â Schmeckuster im a Ricke, husts ganze Johr viel Glicke.
    Schmeckuster im de Ärme, doas sich Gott derborme.
    Schmeckuster im a Kop, zerschläst's ganze Johr keen Top.
    Schmeckuster über de Noase, do drüber left a Hoase.
    Schmeckuster um de Wanga, wir wem a Hoase fange.
    Im Munde der Jugend lautet er derber:
    Madla, Madla, loß dich peitscha,
    doaß dich ne de Flehlan beißa!
    und dann folgt der Heischevers:
    gim mer a E,
    oder zwe
    und a Stickla Usterkucha,
    ich war dich hinger draußa sucha.
    (von Maxivick)
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:25
    " Guda Murja im a Gründunscht`g ".

    "Guda Murja im an Gründunscht`g!
    Die Frau - giht im Hause rüm,
    sie hoat an weiße Schürze üm
    mit an ruta Bande,
    Sie ist die schienst` im Lande,
    sie wird es nun doch denka
    an wird uns nun woas schenka."

    "Guda Murja im a Summer!
    Bin a kleener Bummer,
    bin a kleener König;
    gabt mir ne zu wenig,
    lußt mich ne z`r lange stihn
    will a Häusle wätter gihn!"
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:25
    "War`ne Ziege ei`m Hause hoot, muß au leida, doaß dar Buck durch`s
    Fanster guckt."


    "Su lange inser Herrgott nimmt, nahm ich wieder!"
    soate Honnfriede. Do noam a`s vierte Weib.

    "Voater", soate derr Junge, "mir kennta zusomma laba wie Brieder,
    wenn du dir doas Priegeln obgeweh`n kinnt`st."

    "Kupp-orbeet strengt oa." Do zug derr Uckse `s irschte Moal an Pflug.

    "Wenn dan derr Teifel ne hult, zuwoas ies a dann doo?" soate derr
    Pauer vu semm` Ufkoata (Advokaten)?

    "Derr liebe Herrgott wohnt au eim Kaller", soate derr Kerchvoater,
    wie a zum Weine ging.

    Warum ies a Hoan uff`m Kerchturme?
    Wenn`s an Henne wär, müßte derr Kanter jeden Murgen nuff giehn
    und die Eer runder huln.

    "Bei mir muß olles reene sein" soate dar Pauer. Doo zug a de Kotze
    aus`m Milcheemer und strich se dr`ieber ob.

    Wenns zu Trippeln oafängt, koan jeder Raan profezein.

    War`s mit dam zu tun kriegt, hott a Fiesch oam Schwanze gepackt.

    Hoan de Jumpfern`n stachlige Haut, doo blein se Jumpfern
    und warn keene Braut.
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:25
    Â Mei Gartla

    A Gartla muuß ma honn verr siech
    Schien eigeteelt und ohne Viech
    Gutt eigezehmt und ne zu gruuß
    Doss ma sich ne obrackern muuß
    Is ies zu wink a Blumrabatla
    Schunn besser is a kleenes Gartla
    Mit Beemla, Sträuchern und mit Bätlan
    Mit Bluma, Grienzeug und mit Heetlan
    An hinda eene Summerlaube
    Do koan ma ausruhn wie an Taube
    Ies schien, - do hoot ma viel zu tun
    Zu groaba, jata und begissa
    Denn die Suloate sool ne schissa
    Wenns rahnt, do gieh ich nei eis Haus
    Und sah vergniecht zum Fanster naus
    Do sools doch watern an au blitza
    Doas koan ju bluus mem Gartla nitza
    Denn Rahn muuß sein, und Sunnaschein
    Do koan dann olles gutt gedeihn
    An au derr Wind dar darf ne faaln
    Sust konnste tube Blieta sahn
    Dos andre macha Binn an Hummeln
    Die sich dann uff da Blieta tummeln
    Die summa und die fliega rimm
    Vu vorne har bis hinda nimm
    Und lohn sich vu kemm Menscha schtiern
    Die wulln doch kene Zeit verliern
    Aus damm wert dann, siehs eene Pracht
    Dar schiene Honig draus gemacht
    An frieh, wenns nooch ganz duuster ies
    Do sah ich naus, wie`s Water ies
    Is Fanster mach ich uuf ganz leise
    Do pfefft oo schunn die erschte Meise
    Die huppt dan ei memm Gartla rimm
    Und sitt sich schunn nooch Wermlan im
    Die Laubehoa ich austaffiert
    mit Bluma, wie sichs doch gehiert
    An uff dos Daach an Waterfoane
    Mit am geschnitzta Gockelhoane
    Do sah ich wu derr Wind har kimmt
    Und wie is Water sich benimmt
    Doas ies dann meine klene Welt
    Die mich da hier zusomma hält.

    (Arthur Trauschke)
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:26
    Immer denk ich on derheeme

    Immer denk ich on derheeme on die Schläsing lieb und traut,
    bunte Wiesa, griene Bäume, wies der Herrgott hingebaut.

    Uff der Kunrodstoler Seite guckts Kapella weit ins Land,
    links derhinga liegt de Leite, rechts dervier der Kullerrand.

    Und dos Liebersdorf grißt rieber, Liebersdorf und's Kiepalooch,
    bis zum Uksakuppe rieber zieht dar schworze Grubarooch,

    drunda liegt eim breeta Toole Salzbrunn schmuck und wunderschien,
    und eim letzta Sunnastrohle glänzt doos "Schlessla Ferschtensteen"

    majestätisch reckt durthinga inse Huchwald stulz sei Haupt,
    niemand tut sei Liedla singa vu "des Waldes Grienumlaubt".

    Wurzelbarg du ala Knucha, du läßt dich beschwerlich giehn,
    doch ich denk, eim sauerm Luche, muß doch bal derr Springuff bliehn.

    Guldner Frieden, Rebockschenke, wie mich dos noch immer juckt,
    und ich sah a Kliema Willem, wie a ei die Diele spuckt.

    Und ich sah a Friedrich Fritze hindarm Lodatische stiehn,
    an Zigarre a poor Witze, und donn konnste wieder giehn.

    Alles dos, wie weggerissa,
    nee, su konns ju gor nee blein.
    Lust Euch Alle recht schien grießa,
    blus nochmol derrheeme sein.

    (Waldenburger Heimatbote 1979)

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  • hanys_hans 20.05.07, 12:26
    Die Ufabank (Ofenbank)

    von Helmut Nitzsche

    Oam Kachelufa ganz entlang
    do stoand die aale Ufabank.
    Dervor a bunter Vorhang hing.
    Die Banke woar a praktisch Ding.
    Die Teppe, wie die eiser'n Pfoanna,
    die foanda Ploatz durt wie die Koanna.
    Ma soag doas Zeug ne, doas woar kloar,
    weil oalles hingerm Vorhang woar.
    Doch uf dar Bank, dam woarma Platzla,
    do soassa Oma und doas Katzla.
    Besondersch wenn doas Waater schlecht,
    woar beeda dieser Ploatz siehr recht.
    Die Oma warmte sich a Ricka
    und toat durt ganne Strimpe stricka.
    Und dernaba ihre Koatze
    bewegt' doas Wullkneul mit dar Toatze.
    Die Ufabanke woar a Ding,
    oan dam derheeme jeder hing.
    Fier ihre Dienste soag ich danke
    inserer ala Ufabanke.
    Oals ich die Heimat hoab besucht,
    do hoab ich au oan sie geducht.
    Oals ich ei insrer Kiche stoand,
    die Ufabanke nimme foand.
    Die Koatze is schunt lange tut,
    die Oma uf dam Karchhof ruht.
    Weil sich verändert hoat die Welt,
    ma die Erinn'rung gern behält.
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:26
    Die Ufabank (2. Version)
    Glatzer Volkslied

    Im Wenter, wenn`s oft stermt on schneit,
    Wenn`s watern tut wie ne gescheit,
    Wenn`s Wendsweha schmäßt bis os Fanster ron,
    Doß ma oft ne naussahn kon,
    On is derzu gor schrecklich kalt,
    Doß ma kenn Hund naustreiba tut:
    Jo, do is om schiensta of der Ufabank,
    Wenn dos Pfeifla briet, do wird die Zeit ne lang.
    Wenn dos Feier prasselt, is eim Stiebla worm,
    Do kons watern, doß es Gott erborm.
    On setzt ma dann recht schien beisomm`,
    On is Gemietlichkeit gekomm`n,
    Do wird derzählt on Spaß gemacht,
    Manchmal bis zu metternacht.
    Der Kaffeetop stieht ei dam Rär,
    On wer will, der schenkt sich halt ei,
    On do setzt ma sich halt of die Ufabank,
    Denn beim Kaffeetop, do werd die Zeit ne lang.
    Wenn dos Feier prasselt, is eim Stiebla worm,
    Do kons watern, doß es Gott erborm.
    Of der Welt, do is halt imm`r asu,
    Do gahn die Leut`halt kene Ruh;
    A jeder, dar will halt wos bessers sein,
    On a beldt sich gor viel ein.
    Do is om besta, `s Pfeifla har,
    On ma lacht sich halt ens derzu;
    Denn om schiensta is halt of der Ufabank,
    Wenn dos Pfeifla briet, do werd die Zeit ne lang.
    Wenn dos Feier prasselt, is eim Stiebla worm,
    Do kons watern, doß es Gott erborm.

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  • hanys_hans 20.05.07, 12:26
    `s verkannte Huchdeitsch
    (von Josef Tatsch)

    Der erschte Schultag wor gekumma.
    Die Mutter hotte, ganz geruhrt,
    ihr Jongla bei der Hand genumma
    on zo der Schule hiegefuhrt.
    Jetzt soß se ganz alleen derheeme
    on machte schun `n langa Hols,
    ob denn dos Honsla nee bal keeme -
    a wor halt doch ihr ganzer Stolz.
    Nu endlich kom har em die Ecke
    on zo der Türe reimarschiert
    a neia Zeeker stromm om Recke,
    wie`s für en Schüller sich gehiert.
    "Nee", bormt die Mutter, "nee, ihr leite,
    asu lang wor mei Honsla fort!
    Derzähl` ok glei, wie worsch denn heite,
    wos hot der Lehrer denn gesort?"
    "Jo", meente Hons, "dos ward wull plocha,
    wenn ick a ok verstanda hätt`!
    Du warscht a müssa salwer frocha;
    met ons hot har ok "biemisch" geredt."


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  • hanys_hans 20.05.07, 12:27
    Die Ziederboahn

    Ihr kinnt se sahn juhraus, juhrein
    eim Ziedertoale raus und rein.
    Vu Zeit zu Zeit, doas muß ma soan,
    do isse schunn ganz schien gefoahrn;
    jedoch mir wissa’s ganz genau,
    die ihs auch monchmal siehr, siehr flau.
    Die ganze Schuld, ma koan doch schlissa,
    hot wull der Winter om Gewissa.
    Dar hot die Ziederboahne soat
    Und ufte schun zum Norrn gehoat.
    Wenn’s nämlich stebert
    und wenn’s schneit,
    do giehts ne lange ne weit.
    Ei Olbenruf, dort uba druba,
    do kimmt se mühsam oageschuba.
    Doas gieht asu; wie olle wisa,
    bis ei de Stoadt mit Hindernissa.
    Der Schnie, dar recht ei Barthelsdruf
    bis zu der Feueresse nuff.
    Die zwee Maschinlan tun sich schinda,
    `s gieht ne noah vurnem ne noah hinda,
    der Heizer flucht, die Schipper schwitza,
    der Zug, der sitzt und bleibt au sitza;
    der Schnie, der tutt a Weg versperrn,
    war nitfoahrn weil, muß warta lern.
    Wam groade ne vorm Woarta graut,
    der koan ja sitza blein, bis`s taut.
    Doas eene ihs bluß schien und gutt,
    die Dörfler hoan no ruhig Blutt;
    die loon sich ne Müh ` verdrissa,
    au wenn sie schließlich loofa missa.
    Ihr Leute, mit der Ziederboahn
    do müßt ihr schun Verständnis hoan,
    die fährt ju sust zu jeder Zeit,
    doas heeßt natürlich, wenn`s schneit;
    und kimmt se au`Stunde später,
    ma macht ne glei a Mordsgezeter,
    ma singt au ne glei Kloagelieder,
    zum Summer fährt se sicher wieder;
    Ich garantier`, vo Oanfang Mai,
    bis weit ei a Oktober nei.
    Die ihs schun gutt, de Ziederboahn,
    mir brauchta bluß kenn Winter hoan.

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  • hanys_hans 20.05.07, 12:27
    Doas Tieschtuch

    Neulich but a Handelsmoan
    Menner Froo a Tieschtuch oan.
    Ich koam derzu und meente bissig:
    „A Tieschtuch ihs ganz überflüssig!“
    Doo soate jer ufdringlich und zäh:
    „Überflüßig? Warum denn, hä?“
    A schienes Tischtuch hoan doch heute,
    denk ich olle bessern Leute!
    Doo soate ich mit heiser Stimme:
    „Mir sein keene bessern Leute nimme!
    Mir braucha wirklich su en Wiesch nich!
    Mir hoan ju ken Tisch!

    Hans Rößler
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:27
    Der Nachtwächter

    A kimmt eim Durfe runder
    wie sunst noch nie
    Doas ies a reenes Wunder,
    A kimmt zu frieh!

    A kimmt mit sein`m Hunde.
    Nu doo! Nu doo!
    Zu frieh`n vulle Stunde.
    Schuld is de Froo.

    Krach hoan se bis im achte
    Mitsoamm gehoat.
    Doo schlich a naus ganz sachte.
    A weeß sich Roat.

    Zum Wächterhäusla loofa
    Ar und sei Hund.
    Durt kinn se ruhig schloafa
    Wie moanchmal schunt.

    Und wird heut nich gefiffa,
    Doo schlooft ock su.
    Doas hoat`r wullt begriffa:
    „Där Moan braucht Ruh!“

    Hankowiak
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:28
    Dar biese Troom

    Grußes Schlachtfest woar gewast;
    Endlich woar derr Obend doo.
    Olle Kotza wurda groo
    Und der Kolle kruuch eis Naast.
    Vuulgesackt sei Bäuchla woar;
    Denn a hotte gutt gestuppt
    Wellfleesch, Wellwurscht, Plimpelwurscht,
    Viel getrunka und gesuppt,
    Wie`s halt ies onn sichta Taga,
    Obends leit eem oll`s eim Maga.
    Kolles Maga, dar woar vuulgesackt
    Und dam Kolle woar nich wuhl.

    Die Nacht woar schworz wie Pech und Room.
    A Käuzla uff`m Dache rief,
    Und wie derr Kolle endlich schlief,
    Doo hott`a goar` n biesa Troom:
    Ging derr Wind eim Uwarühre,
    Kloppt woas onn die Stubatüre,
    Koama lauter; ees, zwee, drei -
    Lauter fette Schweinla rei.
    Woar a ganzes Uufgebiete,
    Hotta lange Messer miete.
    Lauter Schweinla, lauter fette,
    Koama uff zwee Benn geloofa,
    Koama olle
    Bis onns Bette,
    Wu derr Kolle
    und toat schlofa.
    Finga olle oan zu singa,
    Stonnda doo und zeigta olle
    Lauter blanke Masserklinga:
    Kolle, Kolle, Kolle, Kolle,
    Kolle, du werscht jitz geschlacht`t
    Und aus dir werd Wurscht gemacht!

    Jitz fing doas Erschte oan zu sprecha:
    “Nuck nuck, merr warn a bale Stecha!”
    Und wie doas Erschte und hotte gered`t,
    Doo meente doas Zweete: ”A ies hibsch fett,
    Doo denk iech wull, doo wärsch is beste,
    Merr machta Wurscht, und zwoar gepreßte!”
    Doo meente doas Dritte:”`s ies gutt, `s ies gutt,
    Surgt ock ferr Blutt!”
    Jitz sproach doas Erschte: “Woas mach merr denn aber
    Mit dan Nierlan und mit dar Laber?”
    Doas Zweete sproach:”Doas macht keene Mühe,
    Doas kimmt oll`s ei die Brühe”
    Und doas Dritte sproach: “Macht ock errscht kee Gelärme,
    Surgt ock ferr Därme!”
    Doo finga se olle zu grunza oan:
    “Därme werd a wull salber hoan!”
    Und wackelta olle mit ihra Rüsseln:
    “Surgt ock ferr Schüsseln, surgt ock ferr Schüsseln.”
    Und doas Erschte sproach: “Merr warn ins setza:
    Masser wetza, Masser wetza!”
    Und wie se und hotta die Messer geschliffa,
    Doo meente doas Zweete: “Jitz zugegriffa.
    Hie gibt`s errscht kee Aber und kee Wenn,
    Merr nahma`n bale bei a Benn.
    Ees nimmt a beim linka, ees nimmt a beim rechta.
    Mier beeda haln a, ihr beeda stecht a!”
    Doo wurde dam Kolle ganz angst und bange,
    A loag und wond sich wie`n Schlange,
    A grief nooch derr Lompe,
    A grief noch`m Tochte,
    A flug aus`m Pochte.
    Und wie a naberm Bette loag,
    Doo wurd`a munter und erschroak.
    Nee, duchts´a, nee, kunnd`s tülscher sein,
    Ma kunnde jitz schunt`n Bluttwurscht sein.
    A grief sich onn die Uhrn, a grief sich onn die Beene,
    Nee Gott sei Dank, a woar noch keene.
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:28
    Derr Groabs`n ihr Häusel.

    Is hoot schunt tagelang geschneit.
    Der Schnie lait dick, dar Schnie lait weit.

    Ma koan nich mieh ei olle Ecka
    sugoar die Eisaboahn blieb stecka,
    derr Schnieflug fährt eim Dorfe nunder,
    Is doas a Wunder?

    Doas kleene Haus der Groabs`-Marie,
    doas steckt gur siehr eim hucha Schnie.
    Ma sitt erscht keene Türe.
    Die Fansterla, die viere,
    die hoot derr Wind gutt eigepackt.
    Doas ganze Häusla is versackt.

    Zum Friehjuhr, wenn die Sunne kimmt,
    bestimmt doas Durf eim Wosser schwimmt.
    Poßt uf, derr Schnie werd Montsche,
    na, doas gibt a Gepontsche!
    Doas Wosser stieht eim ganza Urt,
    dann schwimmt doas schiene Häusla furt,
    ju, üm doas Häusla ies geschahn -
    ihr werd`s ju sahn!

    Doch wenn doas Häusla nich zerrgieht,
    wenn`s uf semm Plotze feste stieht,
    wenn`s nich zerrweecht und standhoaft bleit,
    nee, wie sich doa die Groabs`n freit.
    Doa lacht dann die Marie:
    Ock furt, du bieser Schnie!


    - - Oelsebach-Hannes - -

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  • hanys_hans 20.05.07, 12:28
    Die schlesische Mundart

    Wenn alles, was zu dichten und zu schreiben
    ich je versucht auch müßte untergehn
    im Strom der Zeit und ihrer Stürme Wehn -
    die schlesischen Gedichte werden bleiben,
    weil sie entsprossen treu aus der Natur
    und heimisch sind auf heimatlicher Flur.

    Carl von Holtei (1858)
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:29
    AUSBREITUNG DER SCHLESISCHEN MUNDARTEN

    HERKUNFT DER SCHLESIER

    Mit dem Begriff ',Schlesische Mundarten" ist - räumlich gesehen - nicht die
    Provinz Schlesien gemeint. Die fast Sieben Millionen ostdeutscher Menschen, die
    schlesisch sprachen wohnten auf einem Raume, der erheblich größer war als
    Preußisch-Schlesien Dieses bildete nur den Mittelpunkt eines Gebiets, zu dem
    nach allen Seiten hin noch große Räume mit Menschen schlesischer Zunge gehörten

    Im Westen erweiterte sich die schlesische Sprachlandschaft um das Gebiet der
    alten "Sechsstädte": Lauban, Görlitz, Löbau, Bautzen, Zittau (Kamenz sprach
    obersächsische Mundart), im Nordwesten und Norden bis zur niederdeutschen
    Sprachgrenze um die Niederlausitz (ausgenommen die wendischen Orte) und die
    Kreise Crossen, Züllichau und Schwiebus

    Im Südwesten und Süden zählte zur schlesischen Sprachgemeinschaft Nordböhmen mit
    Reichenberg und Friedland das südliche Riesengebirge und Ostböhmen mit
    Hohenelbe, Trautenau und Braunau, im Südosten Ostschlesien und Nordmähren mit
    Mährisch-Schönberg, ferner das Oppa-land (das "Österreich-Schlesien") und das
    Kuhländchen.

    Im Osten sprachen Grenzstriche der früheren Provinz Posen schlesisch: Lissa,
    Storchnest und Leiperode, Adelnau, Schildberg und Kempen. Die Grenze des
    geschlossenen schlesischen Sprachgebiets führte (von Süden nach Norden) über
    Piltsch, Zauditsch bei Katscher Bauerwitz, Leisnjtz bei Leobschütz Zülz,
    Falkenberg, Oppeln, Karlsmarkt, Reichtal bei Namslau, Groß Wartenberg nach
    Neumittelwalde. Westlich dieser Linie waren nur geringe nichtdeutsche
    "Einschübe" vorhanden: Außer mährischen Dörfern des Hultschiner Ländchens
    einige Dörfer mit tschechisch sprechenden Bewohnern in der Lewiner Ecke der
    Grafschaft Glatz (im "Böhmischen Winkel"), drei Dörfer bei Strehlen (Ansiedlung
    tschechischer Protestanten unter Friedrich dem Großen) sowie Teile des Kreises
    Hoyerswerda und Rothenburg/OL, wo wendisch gesprochen wurde.

    In Oberschlesien gehörten als geschlossene Stadt- und Dorfsiedelungen zur
    schlesischen Mundart: Kreuzburg mit Konstadt, Pitschen und Rosenberg, Oppeln mit
    Malapane, Groß Strehlitz, Guttentag, Himmelwitz und Peiskretscham, Oberglogau
    mit Krappitz, Klein Strehlitz, Proskau, Cosel, Gnadenfeld, Mechnjtz und Ratibor,
    Gleiwitz mit Schönwald, Reigersfeld und Kieferstädtl, Hindenburg, Beuthen,
    Königshütte, Kattowitz, Anhalt, Tarnowitz, Lublinitz, Loslau, Sohrau, Pleß und
    Rybnik. Besonders erwähnenswert als Volkstumsinseln sind Schönwald bei Gleiwitz,
    Anhalt und Kostenthal.

    Weiterhin gehörten zur schlesischen Sprachgemeinschaft die im polnischen und
    tschechischen Staate liegenden Sprachinseln: z. B. Bielitz, Alt-Bielitz,
    Wilmesau und die Zips.

    In diesen großen Raum, der sich zum schlesischen Sprachraum herausbildete
    strömten seit dem 13. Jahrhundert die Siedler, die Bauern- und Handwerkersöhne
    aus altdeutschem Land. Was sie in der neuen Heimat verbindet, ist zunächst die
    Blutsverwandtschaft; ihr geistiger Ausdruck aber ist die in den Grundzügen
    gleiche Mundart. Bereits im 14. Jahrhundert ist eine schlesische Gemeinsprache
    entwickelt, die sich vor allem auf dem Dorfe bis in unsere Tage erhalten hat,
    Einzelne Landschaften, Herrschaftsbereiche oder Parochien haben für sich wieder
    Teilmundarten entwickelt.

    Die gemeinsamen Spracheigenheiten, insbesondere der Vokalismus und
    Konsonantismus, weiterhin die Familien- und Ortsnamen lassen Rückschlüsse auf
    die Herkunft der Siedler zu. So zeigt z. B. Wolfgang Jungandreas in seinen
    "Beiträgen zur Erforschung der Besiedlung Schlesiens", daß einem Reinharz,
    Romers und Rückers bei Fulda ein Reinerz, Roms und Rückers in der Grafschaft
    Glatz entsprechen. In der Tat stammt auch ein beachtlicher Teil der deutschen
    Siedler aus Hessen, aus Mainfranken und Bayern. Etwa die Hälfte der urkundlich
    überlieferten Familiennamen weist auf thüringisch-meißnische Herkunft. Auch die
    schlesischen Dorfnamen auf -au, -bach, -berg, -burg, -dorf, -feld, -heide,
    -kirch, -hain, -stein, -walde, -wiese sind mitteldeutschen Ursprungs. Die
    Bildung auf -seifen (seiffen) tritt gruppenweise im Erzgebirge, Nordböhmen, im
    Iser- und Riesengebirge, in Mähren und in "Österreichisch Schlesien" auf und
    läßt auf die Einwanderung fränkischer Bergleute schließen. Der Anteil der
    niederdeutschen Namen ist gering; er beträgt etwa nur ein Fünftel der
    mitteldeutschen.

    Diesen Ergebnissen der Namensforschung entspricht auch die Mundart. Ihre
    Grundlage ist überwiegend mitteldeutsch' thüringisch' fränkisch, hessisch. Darin
    sind verflochten bayerisch-österreichische und niederdeutsche Lauteigenheiten.
    Das Bild wechselt von Ort zu Ort, von Tal zu Tal, von Landschaft zu Landschaft.
    So finden sich z. B. in der Mundart von Ratsdorf und Mährisch-Altstadt
    vorwiegend bayrisch-österreichische Lauteigentümlichkeiten; ähnlich liegt es
    auch - wenn auch schwächer - in Schönwald bei Gleiwitz' in Spindelmühle im
    Riesengebirge, in Kieslingswalde in der Grafschaft Glatz und in Katscher O.S.


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  • hanys_hans 20.05.07, 12:29
    DIE LAUTLICHEN HAUPTMERKMALE DER SCHLESISCHEN MUNDARTEN
    Welches sind nun die gemeinsamen lautlichen Merkmale der schlesischen
    Mundarten?
    Wolf von Unwerth hat sie in seiner 1908 von der Breslauer Universität
    preisgekrönten Schrift zusammengefaßt. Die Ergebnisse seiner Forschung sind
    indessen besonders durch Wolfgang Jungandreas und Ernst Schwarz ergänzt'
    erweitert und berichtigt worden.
    Danach zeigen sich über alle Teilmundarten hinweg folgende gemeinsame Züge:
    1. Altes (mittelhochdeutsches mhd.) langes a und gedehntes o fallen im
    Schlesischen zusammen; beide werden langes o (~ oo)
    mhd. schaf (Schaf) = schoof
    mhd. bodem, boden (Boden) = boodn
    Ebenso fällt altes (mhd.) langes o und gedehntes u zusammen; beide werden
    langes u ( = uu)
    mhd. groz (groß) = gruus mhd. busch (Busch) = puusch
    Ebenso fallen folgende vier alte (mittelhochdeutsche) Laute zu einemvLaut
    zusammen: mhd. langes e' oe' gedehntes i und ü. Alle werden zu langem i ( ii) ;
    oe und gedehntes ü werden also entrundet.
    mhd. zehe (Zehe) = tsiine
    rnhd. boese (böse) = biise rnhd.
    rnül, müle (Mühle) = miile
    rnhd. wise (Wiese) = wiise
    2. Alte (mhd.) kurze Selbstlaute sind nicht nur in offener Silbe gedehnt worden,
    sondern auch in geschlossener Silbe, wenn früher in der verlängerten Form ein
    Doppelmitlaut stand:
    rnhd. ktoz (Klotz) = kloots rnhd. loch (Loch) = looch
    rnhd. nus (Nuß) = nuus rnhd. tisch (Tisch) = tiisch
    3. Die alten (mhd.) Doppellaute uo, üe, ie, die zu u, ü und i geworden sind,
    werden vor t und inlautendem stimmlosen Geräuschlaute gekürzt:
    rnhd. huot (Hut) = hut rnhd. ruofen (rufen) =
    rufa
    rnhd. büechel (Büchlein) = bichl rnhd. sliezen (schließen)
    = schlissa
    4. Altes germanisches mp und pp ist erhalten:
    stampan (stampfen) = stompa
    top (Topf) = tup (schlesisch: aim tupe = hochdeutsch: im Topf e)
    5. Altes (westgermanisches) d ist zu t verschoben
    dac (Tag) = taak
    dam (Damm) = toam; (schlesisch: uffm torne = hochdeutsch: auf dem Damm)
    Diese Lautverschiebung weist jedoch bemerkenswerte Unterschiede auf in der
    Stellung nach l, n und r. Während nach 1 und n d gilt, ist das t nach r
    geblieben (schlesisch gortn [Garten] und schlesisch haln aus halden, hinda aus
    hinten).
    6. Statt zu erwartendem b und d steht p und tu
    Bauer = paur buckel = pukl
    brüllen = priln dumm = tum
    Docht = toocht
    7. Einige andere Lauterscheinungen kennzeichnen das Schlesische:
    a) Im Auslaut (wie auch inlautend neben stimmlosem Mitlaut) wird der Stimmton
    aufgegeben, es tritt eine Lautverhärtung ein:
    Lob = loop Tag = taak

    lebt = laapt

    Diese Erscheinung ist nichts anderes als das mittelhochdeutsche Auslauts-Gesetz.
    Es zeigt sich, daß das Schlesische (wie alle Dialekte) eine konservative
    Mundart ist, daß es manche Züge aus der mittelhochdeutschen Zeit bewahrt hat.
    b) Gegenüber den Nachbarmundarten, sowohl dem Obersächsischen und dem
    Nordwestböhmischen' unterscheidet sich das Schlesische durch die Bewahrung des
    Stimmtones bei Verschluß- und Reibelauten. Die schlesische Mundart kennt also
    das stimmhafte b' d, g' vielfach auch ein w für inlautendes f. Der Schlesier
    sagt biise -, während z. B. der Komotauer beeße spricht. Schlesisch heißt es
    uuwa' nordwestböhmisch aber uufm.
    c)Auch die wirkliche Verdoppelung, wie wir sie heute nur noch in Südschweizer
    Mundarten und im Italienischen hören, wie sie aber im Mittelhochdeutschen
    allgemein üblich war, findet sich im Schlesischen. Es heißt in der Grafschaft
    Glatz folla, fallen, aim toppe, im Topfe mit einer deutlichen "Zweigipflichkeit"
    des inlautenden Mitlauts, also fol-la.
    8. Beachtlich sind schließlich auch Gemeinsamkeiten des Wortschatzes. Es genügt,
    hier das schlesische ok, landschaftlich och (althochdeutsch okkeret, okkert) =
    nur oder bloß anzuführen, das sich deutlich vom neer des Nordwestböhmischen
    abhebt. Es ist aus der alten Heimat mitgebracht worden und hat sich im
    Schlesischen so allgemein durchgesetzt, daß es infolge seines häufigen Gebrauchs
    geradezu zum Kennzeichen des Schlesischen geworden ist.
    Als typisch schlesisch seien nur noch zwei Wörter genannt: "Kretscham" und
    "Böhm."
    · "Kretscham" ist aus dem polnischen karczma (tschechisch krcma) =
    Dorfschenke übernommen und durch Metathese zu schlesisch "kratschm" entwickelt
    worden. Von daher leiten sich die verschiedenen Formen des bezeichnend
    schlesischen Familiennamens Kretschmar, Kretschmer, Kretschmann ab.

    · Mit "Böhm" (beem, biim, biima) ist bekanntlich unser
    Zehnpfennigstück
    gemeint. Die Bezeichnung soll auf die Zeit der Luxemburger in Böhmen
    zurückgehen, unter denen Schlesien durch den Vertrag von Trentschin 1335
    endgültig ein Glied des Deutschen Reiches wurde.
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:29
    DIE SCHLESISCHEN TEILMUNDARTEN
    Daß sich im Schlesischen trotz aller Gemeinsamkeiten im Vokalismus und
    Konsonantismus eine große Zahl "Teilmundarten" entwickelt haben, fällt bis auf
    den heutigen Tag jedem aufmerksamen Beobachter auf. Die wissenschaftliche
    Mundartforschung trifft (nach Wolf von Unwerth) zunächst eine Zweiteilung in
    Stammundarten und Diphthongierungsmundarten.

    Stammundarten
    Unter Stammundarten versteht man diejenigen, die den im Schlesischen
    entwickelten Selbstlautstand im ganzen bewahrt haben; unter
    Diphthongierungsmundarten solche, die den Vokalismus besonders durch
    Zerdehnungen weitergebildet haben.

    Die Grenze zwischen beiden verlief von Crossen über den westlichen Teil des
    Kreises Grünberg, Naumburg a. Bober, Sorau, Sagan, Sprottau, Primkenau,
    Kotzenau, Haynau, Arnsdorf, Liegnitz, Oyas, Tentschel, Groß Baudiß, Weicherau,
    Lorzendorf, Ober Struse, Kanth, Kattern, Postelwitz, südlich Vielguth und
    Bernstadt über Wabnitz, Stradam nach Neumittelwalde.

    Alles, was westlich, südlich und südöstlich dieser Linie lag, gehörte zu den
    schlesischen Stammundarten, alles, was nördlich lag, zu den
    Diphthongierungsmundarten.
    Die Sprachlandschaft der Stammundarten gliedert sich wiederum in eine Reihe
    "Untermundarten":
    a) Da ist vor allen das "Gebirgsschlesische" zu nennen. Seine lautlichen
    Eigenheiten sind folgende:
    I. Das Endungs-a, d. h. das -en des Hochdeutschen bei Substantiven und Verben
    (soweit bei Verben der Wortstamm nicht auf "l" oder "nn" ausging) wird zu -a
    Die Menschen = menscha Die Kirschen = kerscha
    laufen = loofa essen = assa
    II. Die Verkleinerungssilbe -lein wird zu -la.
    Bäumchen = beemla Töpfchen = tipla
    III. mhd. kurzes e erscheint - soweit es nicht zu a geworden ist - als langes
    geschlossenes e.
    reden = reeda zeln = zeela
    IV. Für das -age, -oge des Mhd. (sagen, gezogen) steht uo oder oa, oder oi:
    sagen = soan, suon; gezogen = gezuon, gezoin
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:30
    Als Beispiel für das Gebirgsschlesische:
    "Tausend Worte Schlesisch" (Von Ernst Schenke)
    Jeder Mensch, woher er auch mag stammen,
    Redet gern, wie ihm der Schnabel wuchs.
    Doch wenn er mit "Höhern" kommt zusammen.
    Wird er vornehm und besinnt sich flugs.
    Denn der Dialekt paßt nicht für jeden,
    sagt er sich teils ängstlich, teils mit List,
    Aber wir wolln jetzt mal "Schlesisch" reden,
    Wie der Schnabel uns gewachsen ist.
    Assa, trinka, schloofa, stiehn und sitza
    Sagt bei uns der Mensch, der sich nicht ziert.
    Renna, loofa, liega, friern und schwitza,
    Das wird hier von jedermann kapiert.
    Essen, trinken, schlafen, stehn und sitzen
    Ist auch in der Schläsing täglich Brauch;
    Rennen, laufen, liegen, friern und schwitzen
    muß der "Usinger" wie andre auch.
    Wischt er die Nase sich, so ist's die "Noase",
    Läßt er sich einen Zahn ziehn, ist's "derr Zoahn",
    Schießt einen Hasen er, so ist's "derr Hoase",
    Die Frau, das ist "die Froo", der Mann "derr Moan".
    Uba, unda, haußa oder hinne
    Bringt der Schlesier sein Dasein zu;
    Kommt er nicht hinaus, so steckt er drinne,
    "Trübetimplich" ist er, doch auch "fruh".
    "Mucksch" ist er mitunter, "mieseldrähtig",
    "Eppsch" tun kann er, wenn ihn was verdrießt,
    "Freindlich" kann er sein, jedoch auch "grätig",
    Wenn er hustet, "kuuzt" er, dieses "Biest".
    Liebt er ein "Madel", nennt er sie "is Schatzla",
    "Mei Schamster" sagt zu ihm das junge "Blutt";
    Umhalst er sie und gibt er ihr "a Schmatzla",
    Spricht leise sie zu ihm: "Iech bien derr gutt!"
    Ist die Liebe dann soweit gediehen,
    Daß 'ne Heirat draus wird, macht er "Huxt",
    Möglichst wenn im Mai die "Beeme bliehen",
    Und da wird getanzt, "geteebst", "gejuxt".
    "Kließla" gibts von frischem "weeßnem Mahle",
    "Sträselkucha", Sauerkraut und "Krien"
    und "derr Bräutjam" spricht zur Braut: "Na, Ahle,
    Is's uff inser Huxt nich wunderschien?"
    Doch später, da gibts "Surga monch Gebindla",
    Do wird "is Köppla" schwer "als wie a Kerbs"
    Und wenn "derr Seeger" schlägt "is letzte Stündla"
    Spricht er: "Ju, ju, iech gieh jitz uff a Sterbs".
    Die Grenze des Gebirgsschlesischen führt von Rochlitz im deutschböhmischen
    Riesengebirge über die Tafelfichte, Bad Schwarzbach, an der Schwarzbach entlang
    bis unterhalb Friedebergs an den Queis, von da über Greiffenberg, Löwenberg,
    Goldberg, Lobendau, Wildschütz, Koischwitz, Alt Beckern, Arnsdorf, Jeschkendorf,
    Groß Tinz, Mois, Gräbendorf, Fürstenau, Kanth, Zobten, Strehlen, Münsterberg,
    Ottmachau, Neisse, Zülz, Oberglogau, Leobschütz. Im Süden bildet die
    deutsch-tschechische Sprachgrenze den Abschluß, so daß die sudetenschlesischen
    Mundarten von Ostböhmen (nach Ernst Schwarz freilich infolge starker Eigenheiten
    als besondere Mundartgruppe aufzufassen), vom Braunauer Ländchen, vom
    Adlergebirge, von ehemals Österreichisch-Schlesien, und vom Oppaland noch zum
    Gebirgsschlesischen zu rechnen sind.
    b) Eine Abart des Gebirgsschlesischen bildet das Glätzische. Seine
    Teilmundarten, zu denen das "Niederdörfische" (um Neurode) und das
    "Oberdörfische" (Habelschwerdt-Mittelwalde) ,die Mundarten von Braunau, von den
    deutschen Gemeinden im Adlergebirge, von Grulich und von Freiwaldau
    (Österreichisch-Schlesien) gehören. weisen folgende gemeinsamen Züge auf:
    I. i und u werden zu e und o geheilt:
    Milch = melch Junge = jonge
    II. mhd. ou wird zu langem a (= aa)
    boum = baam ougen = aacha
    III. mhd. ei und öu und -age, oge werden zu offenen langen Lauten oder zu
    Zwielauten:
    fleisch = flääsch, flaisch, flaasch böume = bääme, boime, baime
    wagen = wään, woin gezogen = getsään, getsoin
    Im Gedicht des verdienstvollen Glatzer Heimatdichters Robert Karger werden die
    Besonderheiten des "Gleetzischen" deutlich:
    "Dodoowa been ich derhaime"
    Nammt a Stecka ei de Hand,
    Lott ons of de Barje steija!
    Satt, wos fier a Wonderland
    Onsa Aacha sich tutt zeija!

    Leit's nie donda heegebrätt,

    Wie a hibsch gemostert Tichla?
    Oawer goar, wenn ainer hätt
    Oofgebleetert's Belderbichla?
    Dodoowa been ich derhaime,
    Wuu zengstrem Barje stehn.
    Mai Groofschoft, mei ainzije, klaine,
    Du Ländla, wunderscheen!

    c) Westlich grenzt innerhalb der Stammesmundarten an das Gebirgsschlesische
    die "Oberlausitzer Mundart" mit dem Gebiet der alten "Sechsstädte" (nur Kamenz
    i. Sa. ausgenommen, das obersächsische Mundart spricht), und dem Nordböhmischen
    um Reichenberg und Friedland i. B., östlich des Gebirgsschlesischen trifft man
    auf die Mundarten des Brieg- Grottkauer Landes. Im Lautstand sind sie ziemlich
    gleich.

    I. Anstelle des Gebirgsschlesischen Endungs-a erscheint hier ein silbisches n
    oder m. Es heißt also:
    essen = assn schlafen schloofn. schoofm


    II. Ebenso tritt für das -la in der Verkleinerungsform ein silbisches "l"
    Bäumchen = beeml Töppchen = tipl
    III. Für das lange geschlossene e des Gebirgsschlesischen steht ein langes
    offenes ä (= ää):
    reeda = räädn zeela = tsääln

    IV. Das -nt und -nd erscheint hier als -ng:
    gefunden = gefung hinten = hing
    mhd. ze endes = zengst
    V. mhd. langes i wird im Brieg-Grottkauer Gebiet zu langem ä mhd. swin = swään
    VI. mhd. kurzes e in knecht, recht u. ä. wird zu ai (ein deutlicher Zwielaut):
    also knaicht, raicht, wobei das i nur kurz an das lange a angehängt wird.
    VII. die Lautverbindungen .age, oge erscheinen als oi:
    sagen = soin gezogen = getsoin
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:31
    VIII. R und l werden sehr guttural (gaumig) gesprochen. Diese Sprechweise (die
    sich auch in den Diphthongierungsmundarten findet) wird gern als Einfluß des
    Polnischen ausgegeben, da die Polen ebenfalls ein gutturales l kennen. Aber es
    läßt sich nachweisen, daß ein solches l schon im Spätmittelalter im
    Schlesischen zu finden ist, nicht bloß im Nordschlesischen und im
    Oberlausitzischen, sondern auch im Nordböhmischen, wo ein slawischer Einfluß um
    diese Zeit ausgeschlossen ist. Das sind Aussprachen des l, die von daheim aus
    dem altdeutschen Land mitgebracht worden sind. Wir haben ja die ähnliche
    gutturale Bildung des 1 auch im Holländischen und Englischen.

    Das Beispiel von Rudolf Gärtner mag für die Oberlausitzer Mundart die
    lautlichen Eigentümlichkeiten zeigen.

    "'s koam amo Ennr zu mir, woas kenner aus der Äberlausitz woar, dar
    wullte uf
    Äberlausitzsch woas viertroin, ich sellt'sn waign derr Aussprooche
    iebrhiern.
    Ich soite: ,Na, doo schißt ock luus!' Und a fungk oa. Ar hott aber 'n
    Zungenschlaag nö richt'g wegk, ar kunnte sei Schmecklappel nä wie sichs gehurrt
    an Maule rimwelkern, derrmitte klong olls su troige, 's woar kee Soft hinne.

    ,Halt!' soit ich, ,woart amo! doo miß merr irschtert a boar Vuriebungn machn
    derrzu! doas mit dan ,r' is noo nä richt'g und doas mit ,l' o nä; Soit amo:
    ,rrr'-
    ,r' machte dar. -
    Nee, Ihr mißt de Zunge ubm on Gubm oalähn, su ,rrr'. Nu soit amo
    Rrrhabarrrberrr'.
    ,Rhabarber'- ,Nee, Rrrhabarrrberrr'.
    ,Rrhabarrber.' Nu, doas is no kenner, darde ei derr Äberlausitz
    gewachsn is. -
    Doo hoa 'ch Euch amo woas uhfgeschriebn dohiet, ich waarsch Euch amo
    vierlaasn, doas laast Ihr derrnoo amo:

    ,Ei Ruppersdorf doo rissn de Riepl Rießler-Reinhulds Runkelriebm raus und ei
    Reinsch-Richards rutn Rampler-Rusn-Rankn rupptn die Rajkl o noo droarim!'
    Na, ich ducht mersch ju glei - 's woar nischt nä.
    Mitm ,L' gings glei goar nä. Ich goabm doo an annern Zädl: Nü laast amo:
    Lucke-Lobl, Lurenz-Laberächt und Liebschersch-Lui ei Lekkerschdurf giehn ei
    leisn Laderlotschn und lussn 'ch lange schunt lange Loodn wachsen!'

    Nu loas darsch groade wie's enner macht, darde vermeinswägn aus Berlin is.

    ,Nee', soit ich doo, ,nahmt merrsch nä iebl, a Edlruller wardt Ihr eim Labn
    nä'."

    Die Diphthongierungsmundarten

    Das Gebiet der Diphthongierungsmundarten umfaßt die Kreise Grünberg, Glogau,
    Fraustadt, die nördlichen Teile der Kreise Freystadt, Sagan. Sprottau, Steinau,
    die Kreise Wohlau, Lüben, Trebnitz, Trachenberg und Militsch sowie Teile der
    Kreise Breslau und Oels.

    Diese Sprachlandschaft wird volkstümlich als das "Neiderländische" bezeichnet.
    Es weicht in seinen Lautverhältnissen auffallend von den Stammmundarten ab.

    I. Für das i des Stammgebietes tritt ai oder (im NW und 0) langes e:
    Tisch = taisch oder teesch Schnitte = schnaite oder schneete

    II. Für uu der Stammundarten tritt au oder (im NW und 0) langes o:

    Stube = schtaube oder schtoobe gruß = graus oder groos
    III. Für oo des Stammgebiets steht im NW und 0 au:
    Toop = taup Kohle = kaule
    Im mittleren Teile steht dafür ein langes offenes o, das lautlich dem a in engl.
    water entspricht und gewöhnlich oa geschrieben wird.
    Toop = toap koole = koale
    IV. mhd. langes i erscheint zwischen Oels und Glogau als langes fast
    geschlossenes e:
    Swin = schween
    Im gleichen Raum ist mhd. langes u zu langem fast geschlossenem o geworden.
    hus = hoos
    Im gesamten Gebiet wird ein gutturales (gaumiges) L gesprochen, das im
    Grünberger Kreise (ausgenommen der westliche Teil) nach dunklen Selbstlauten
    oft verloren geht, oder nach hellem Selbstlaut, oder wenn es silbe-bildend
    auftritt, als kurzes o erscheint:

    Teil = taio Vogel = foago

    viel = vaio

    Derr Graußknaicht (von Arthur Schoke)

    Eich bei a Graußknaicht vau alem Schlaag,
    Eich schoff und schuffte a ganze Taag.
    Eich huo kenn Sunntich is ganze Jauhr
    Froet ock meen Poer, 's wirklich wauhr.
    Zwee Sackvell truo eich uff eimuol weg,
    A stärksten Kerle, eich schmeeß'n ei a Dreck.
    Maukleißol aß eich dree Schissoln uff,
    En Rinken Klaublichwurscht noch aubendruff,
    Und Laderhausen, die huo eich au,
    Und Taubak schnupp eich, 's ie halt asau.
    Mei Vuoter seelig kunnts au nie laun,
    Und eich bei ebens see eenz'ger Sauhn.

    Zwischen den Stammundarten und den Diphthongierungsmundarten liegt in den
    Kreisen Breslau, Neumarkt, Liegnitz, Lüben, Haynau, Goldberg die

    Kräutermundart


    Sie führt ihren Namen von den "Kräutern", den Krautbauern, die um Breslau
    wohnten und wöchentlich zweimal mit ihrem "Kraut" zum Markt nach Breslau kamen.

    Im südlichen Teil des oben bezeichneten Gebiets gilt noch das -a und -la des
    Gebirgsschlesischen; der weitaus größere Teil hat aber schon das silbische -n,
    -m und -l. Man spricht hier schon schneete, schtoobe wie im Neiderländischen"
    aber noch schwain und haus wie im Gebirge.
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:31
    Uber das

    Oberschlesische


    gibt es so gut wie keine wissenschaftlichen Arbeiten, wenn man von den
    hervorragenden Beiträgen Gusindes, Maks, Friedrich Graebischs und einiger
    kleiner Mundartsammler absieht, die sich nur mit Schönwald, Kostenthal, Anhalt,
    Bielitz u. ä. befassen, also mit den mittel- und oberdeutschen Sprachinseln von
    Oberschlesien. Wie die Volkstumsverhältnisse in diesem Teile Schlesiens lagen,
    das hat die oberschlesische Abstimmung am 20. März 1921 klar bewiesen, obwohl
    sie unter den denkbar ungünstigsten Umständen für uns Deutsche durchgeführt
    wurde.

    Sprachlich wurde in den am Anfang dieses Aufsatzes als geschlossene Stadt- und
    Dorfsiedelungen genannten Orten (die 1921 mit 85-95 % für Deutschland stimmten)
    meist ein volkstümliches Hochdeutsch gesprochen. das sich im Tonfall
    unverkennbar als oberschlesisch erwies. Die Arbeiter auf Hütten und in Gruben
    sprachen vielfach eine Mischung von Deutsch und Wasserpolnisch. Hier traf man
    den Kumpel, der in Beuthen, Gleiwitz, Königshütte, Kattowitz, in Rudahammer und
    Bobrek unter Tage schwitzte den Sefflik, den Karlik, den Antek und den Franzek -
    oft genug schon von den Schlesiern verkannt, nicht zu reden von denen, die in
    Hamburg. München oder Konstanz wohnten. Wer hat gewußt, was für ein gesundes
    und urtümliches Volksleben sich hier entfaltet hatte! Wem war bekannt. wie treu
    deutsch die Oberschlesier in ihrem Denken und Tun sich immer gezeigt hatten!
    Kann man es ihnen übelnehmen, wenn sie "sähr beese" werden, wenn da einer kommt
    und sie wegen ihres Dialektes zu Polen stempeln will? Dann wird der Antek nicht
    bloß "beese", da wird er "schlächt" und - da "hast du nicht ginstigk". Aber
    sonst ist der Oberschlesier, ganz gleich ob es der Antek (Toonla sagen sie im
    Gebirge) oder der Franzek (Franzla) oder der Josek (Joosla) ist, sonst ist er
    ein sehr "gemietlicher" Mensch, der einen gesunden Humor hat, freilich nicht
    immer für zarte Nerven berechnet.

    Es ist hier nicht möglich, dies näher auszuführen. Wenn nirgends auf der Welt,
    so hat sich hier das Gesetz der Muttersprache ausgewirkt: Menschen mit
    slawischen Namen haben sich als die treuesten Deutschen erwiesen und umgekehrt:
    Menschen mit schönen deutschen Familiennamen als Feinde alles Deutschen. Sie
    waren freilich in Oberschlesien in der Minderheit. Auch Gewalt und Verlockung
    konnten daran nichts ändern. Schließlich zeugen für das deutschsprachige
    Oberschlesien seine bedeutenden Dichter und Schriftsteller: Eichendorff,
    Freytag, Ulitz, Wiessalla. Scholtis, Hayduk, Niekrawietz u. a.
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:31
    BEDEUTUNG DER MUNDARTEN


    Wenn für jeden Menschen seine Mundart ein lebendiges Stück der Heimat bedeutet,
    dann trifft das heute ganz besonders für die Schlesier zu. Die Mundart ist mehr
    als ein interessantes Stück der Dialektforschung, sie ist auch mehr als ein
    Stück gemütlicher Unterhaltung bei Heimatabenden, sie ist lebendes Erbe von
    Vater und Mutter und lebendiges Zeugnis für urwüchsiges Deutschtum im deutschen
    Osten. Dieses Zeugnis aus Herzensgrund zu leben und zu geben ist heilignüchterne
    Aufgabe und Verpflichtung der Schlesier.

    (von MaxiVick)

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  • hanys_hans 20.05.07, 12:32
    Schlesische Mundart im Westen


    Veröffentlicht von E. Kunick am 1.7.1968 im schlesischen Gebirgsboten



    Die 16 geschlossenen Transporte, die im Mai 1946 den Hauptteil der
    Kreisbevölkerung heraus-brachten, gingen nach Niedersachsen.

    Der Niedersachse, besonders auf dem flachen Lande, spricht sein Platt fast in
    allen Lebenslagen. Platt ist ihm die Hauptsache, die Muttersprache, die er
    beherrscht. Hochdeutsch ist ihm mühsam angelernt, in dem er sich nicht sicher
    fühlt, in dem er dauernd den dritten und vierten Fall falsch gebraucht. Er
    spricht auch in der Stadt, wenn es irgend geht, sein Platt und ist sicher, das
    ihm der Städter die Anwort gibt, ohne die Nase zu rümpfen. Ähnlich liegen die
    Verhältnisse in Bayern und Schleswig Holstein, wo auch viele Schlesier leben.

    Anders war es in Schlesien. Die schlesische Mundart weicht vom Hochdeutschen
    viel weniger ab als das Platt. Deshalb sah der Städter in Schlesien in der
    Dorfmundart irrtümlicherweise ein verdorbenes mißbrauchtes Hochdeutsch und
    lehnte sie ab, obwohl sein Stadtdeutsch auch von der Mundart her beeinflußt war.
    Aber auch der Dörfler, der die Mundart im Gespräch Seinesgleichen gern
    gebrauchte, schämte sich ihrer häufig, wenn er mit Städtern redete.

    Jetzt in der Fremde weiß der Schlesier erst, wie er an seiner Mundart hängt. Mit
    den Mitreisenden in der Bahn z.B. fühlt er sich gleich freundschaftlich
    verbunden, wenn er ihn an seiner Sprache als erkennt, Auch der Schlesier aus der
    Stadt hört oder liest heute gern Gedicht oder eine Erzählung in schlesischer
    Mundart. „Erst in der Fremde hab ich dich gefunden, mein
    Schlesierland.“

    Und doch ist die Lage der Erhaltung des Schlesischen hier im Westen nicht
    günstig. Der Niedersachse wird sich der zugewanderten Minderheit zuliebe nicht
    ändern. Zudem sprechen die zahlreich Vertriebenen, die aus den Provinzen an der
    Ostsee hierher kamen, auch Platt. So ist der Schlesier überall in der
    Minderheit, sei bei der Arbeit, sei es im Verkehr oder sei es in der Schule. In
    den acht Dörfern der Winsener Elbmarsch sind von 480 Schülern nur 60 Schlesier,
    von denen etwa die Hälfte noch im Kindesalter die Heimat verlassen mußte. Im
    Unterricht sprechen unsere Kinder hochdeutsch, in der Pause und auf der Straße
    mit ihren Kameraden Platt. Das Schlesisch hält sich am besten in den bäuerlichen
    Schlesierfamilien, in denen noch mehrere Kinder zu Hause sind. Das genügt nicht
    um den Rückgang der schlesischen Mundart aufzuhalten. Was für ein schlesisch
    wird sich wohl entwickeln, wenn die bayrischen, die schwäbischen, ober- und
    niedersächischen usw. Sch-lesierdirndel und –buben in der schlesischen
    Heimat
    wieder zusammen kommen.

    Wir wollen nun nicht lange sprachliche Erörterungen über unsere Mundart bringen,
    sondern einige Proben der schlesichen Gebirgsmundart geben. Den älteren
    Heimatfreunden sind die sicher eine Freude. Beim Klang schlesischer Laute wacht
    die Erinnerung an die Kindheit und das Heimatdörfchen auf, da stehen
    Jugendfreunde und spätere Bekannte wieder lebendig und unserer Seele.
    Schlesisches Lachen und schlesischer Humor, schlesische Sitte und schlesischer
    Brauch umgeben uns, aber auch schlesische Gemütstiefe und schlesischer Ernst. In
    den schlesischen Landsmannschaften, die das Verbundenheitsgefühl der
    schlesischen Menschen untereinander und mit der Heimat pflegen, nehmen die
    schlesische Mundart und das schlesische Lied einen hervorragenden Platz ein. Es
    gilt, was unser Landsmann Max Hermann Neiße gesungen hat:

    „Was man liebt, kann man nie vergeben; heimatlich vertraute Töne überall
    uns
    treu umwehen; denn die Heimat bleibt bestehen in dem Lied verstoßener
    Söhne.“

    Schlesier, erfreue dich an einem schlesischen Buch, lies aber auch deinen
    Kundern daraus vor! Führe deine Kinder zu unseren Landsmannschaften zu! Rege sie
    ab, ein schlesisches Buch zu lesen! Wenn ihnen dies anfangs auch nicht ganz
    leicht fallen wird, sie werden sich einrichten und Freude daran finden, etwas
    von Ernst Schenke oder einen anderen schlesischen Dichter zu lesen, vorzulesen
    oder im frohen Kreise vorzutragen. Unsere Heimatzeitungen, wie der "Schlesische
    Gebirgsbote“, können auch hierbei helfen. Unsere schlesischen
    Landsmannschaften
    sollten kleine Leihbüchereien für ihre Heimatfreunde anlegen. In diesen sollen
    aber auch unsere hochdeutschen Dichter aus Schlesien mit ihren Erzählungen,
    Romanen und Abhandlungen nicht fehlen.

    Die schlesische Mundart ist nun einmal unsere heimische, uns Schlesiern eigne
    Sprache. Sie unser Vätererbe. Vor 100 und mehr Jahren, als in Schlesien die
    Landbevölkerung noch überwog, war sie fast die alleinige Sprache unser Ahnen.
    Wir wollen sie als Vätererbe nicht vergessen und unseren Kindern und Enkeln
    soweit es möglich ist, weitergeben.






    Der aale Seeger
    Als geborener Landshuter bin ich früher jedes Jahr zu Besuch nach Landeshut
    gekommen. Als isch einmal meinem Onkel, den Uhrmachermeister Springer in der
    Wallstraße besuchte, erlebte ich nachstehende Unterhaltung, die mit viel
    Vergnügen gemacht hat und die ich hier in schlesischer Mundart wiedergeben
    möchte.

    Ei a Loadn koam anne Pauerfroo mit am Kurbe rei. „Schien duda Murgn! Iech
    breng
    ock insern aala Seeger; mei Moan hoot`n rundergeschmissa, und nu gieht a
    nimme.“

    „Nanu, wie ies denn doas possiert?“ woar die Froage.

    Na, doas weil Ihn`glei derzähln. Vurigen Sunntich hotta m`r Stiftungsfest vom
    Militärvereine, und a poar Fraß- und Schißbuda woarn oo doo. Oabends woar mei
    Moan eia Kratschn geganga un ei dr Nacht turklich heemgekumma. Ei dr Nacht hott
    a dann ne eis Bette gefunda und hott sich ei der Stube uffs Sofa geläht. Doas
    woar ganz gutt. Aber mitta ei dr Nacht hier ich`n uff eemol prilln und gleich
    druff a Gepulter. Ich stieh uf und mache Licht und doar sah iech die
    Bescheerung! Do loag nämlich inser aaler Seeger unda uff die Diele, und mei Moan
    soaß ganz verdreht uff`n Sofa und soate: „Bies ock ne biese, Emma, mir
    hoat
    getreemt, is wullte mich enner erschissa, do hoa iech um Hilfe geprillt. Dobe
    muß iech mit`m Hemdsärmel oam Perpentickel hängagebliebn sein. Do ies derr
    Seeger zuerscht uff miech und dann ei die Stube gefolln.“ Woas sullte iech
    nu
    dazu soan? Is Verrickste ies, woas `m getreemt hotte. A meente: „Weeßte,
    war
    mich erschiessa wullte? Da Schißbudamoan! Iech gucjte oabends zu, wie geschussa
    wurde. Do stoand a bemoalter Moan aus Blecj, da zum Uffziehn ging. Dar machte
    egoal sei Maul uf und zu. Jedesmol, wenn as ufmachte, froaß a a Kließla, kee
    richtiges, ock ees aus Gips. Uff die ruffkummada Kließla mußte ma schissa, daaß
    se dam Blechmoane eim Maule zerplotzta. Da Schißbudamoan mit dam grußa Maule ies
    mir nu ei der Nacht eigekumma; a hoote salber a Gewehr und zielte uf
    miech.“
    Honn de denn su anne Verricktheit schunn amol gehiert? - - -

    Na, kurz und gutt, oam andern Murgn honn mir a Seeger wieder uffgehanga, aber a
    tickte bluuß a poarmoal, dann blieb a stiehn. Mei Moan soate: „Do wärscht
    a halt
    missa miete no Landshutt nahma, wenn de uff a Moarkt giehst“. Und nu breng
    iech
    a Invaliden.“

    „Es is gutt, Froo Kretschmern“, meente derr Meester, „ich wird
    sehen was kaputt
    ist, in 14 Tagen können Sie ihm wiederholen.“

    Der Kratschmern schimpfte beim Nausgiehn: „Muuß m`r der Aale die Uhre
    runderschmeißa! Na, laba Se ock gesund!“

    Willi Schien, Düsseldorf

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  • hanys_hans 20.05.07, 12:32
    Kräutermundart'

    Diejenigen Bauern und Gärtner, welche in Breslau ihr ‚Kraut' feilboten,
    wurden
    auch ‚Krautbauern' genannt. Da die Krautbauern aus weitem Umkreis von links
    und
    rechts der oder immer wieder in Breslau zusammentrafen, hatte sich hier in der
    Mitte Schlesiens sogar eine eigene Mundart, die sogenannte
    ‚Kräutermundart',
    entwickelt. Sie war von Liegnitz bis Oels verbreitet und vereinigte sprachliche
    Besonderheiten des Gebirgsschlesischen, das überwiegend links der Oder, und des
    Neiderländischen, das rechts der Oder verbreitet war.

    Wî toier duos ascho? -
    Sechs grascho duos ascho! -
    Gots hago, Gots hago,
    So toier duos ascho?
    --
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:32
    Eich tanze mit der mûme,
    Ai, wuoz wirt der féter suon?
    De mûme haut ane blûme,
    Der feter weilse huon,
    Unt eich auch, unt eich auch,
    Mêne schirze hót a lauch.

    Ich tanze mit der Base,
    Ei, was wird der Vetter sagen?
    Die Base hat eine Blume,
    Der Vetter will sie haben,
    Und ich auch, und ich auch,
    Meine Schürze hat ein Loch .
    --
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:33
    Schnuoderniko, schnuoderniko,
    suosz uf der wêde,
    hót a glimscho, hót a glimscho,
    wûlde weitn schnêdn,
    a sâ sich im unt uo,
    s' hóte kaine druo,
    a sâ sich im unt uo,
    s' hóte kaine druo,

    Schnadernikel, Schnadernikel,
    saß auf der Weide,
    hat ein Messer, hat ein Messer,
    wollte Weiden schneiden,
    er sah sich um und um,
    es waren keine dran,
    er sah sich um und um,
    es waren keine dran.

    --
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:33
    Gedicht des Monats Oktober 2004

    Herbstmaneever

    Ihr Loite, dreht etz rechtiech uff!
    Doas Beßla Geld! Ach, plommp doo druuf!
    Häärt bloß nee off doas Remgeploapper,
    Die Rente, die werd emmer knoapper.
    Doas Spoarn, es hoot doch goar kann Zweck,
    Die letzta Zeetscher messa weg.

    Weil ons der Staat oa's Laader gieht,
    Denn dar hoot ooßiech Oppetiet.
    Ar sefft on fresst zom Wahrverschieta,
    Tutt noie Plooja ons uufbieta,
    Ar ieberleet, on britt on britt,
    Wu's wu zom Oaboahrn ärn woas gitt.

    A, wenn ma woas eim Strompe hoot,
    Doo wiel ar droa, schookschwääre Noot!
    Ar macht der Jujend a känn Mutt,
    Ma freet siech blooß, ies doas denn gutt? -
    Wie sella die die Zukonft sahn? -
    Woas soll ock waarn!? Woas soll ock waarn!? -

    Sei mer denn wärkliech schon oam Ende?
    Wu ies die Wende? Wu die Wende?? -
    Koan's dar? - Koan's jerr? - Waar blooß? Waar?
    Ma sitt derkroitze on derquaar.
    On toappst wie blend doarch doas Gelände.
    Fall't zom Erboarma blooß die Hände.

    Es ies beim ganza Remmgeteever,
    Geroade wie beim Herbstmaneever.
    Ma schisst siech off a Wenter ei
    On hofft off's Eis, - doas friert oalls ei.
    Hofft, doaß on wenn doas Friehjoahr kemmt,
    Oalls woas derfroarn dervoone schwemmt.

    Erhard Gertler

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  • hanys_hans 20.05.07, 12:33
    Auf der Kaschel

    Och es schneit! Was einmal da mehr!
    Komm, wir gehen kascheln!
    Ja, hast du auch Schuhe mit Zwecken?
    Gib dir Obacht! Jez komm ich!
    Schups mich nur nicht um!
    Jez mach ich schupupo.
    Jäsdäkusche, meine Hantschkes sind klatschnaß!
    Jessas, da war ja eine Lusche!
    Komm nächstens eher! Wenn die Finsterkeit kommt und die Laternen
    Angehen müssen wir wieder zu Hause sein – sonst gibt es Dresche!
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:34
    Auf der Eisbahn im Wilhelmspark

    Borg mir mal die Leijer!
    Kuck, der Dikus kann einen Flieger!
    Sollen wir zusammen eine Kanone probieren?
    Das war aber kriwatschlich!
    Ja, so wie beim Semmelbacken
    Geh`n wir in die Bude zum Aufwärmen- da ist ein Kanonek!
    Ich hab einen Behm auf ein Glas Milch
    Ich hätte jetzt Zips auf einen Krupniok.
    Zuhause gibt es bestimmt Be-Schnitten! Oder Häckerle.
    Ich freue mich schon auf meine warmen Potschen… und ich auf Mama!

    Tschüss

    Erinnerungen von Magda Roggel, 1. Vorsitzende des „Gleiwitzer Kreis“

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  • hanys_hans 20.05.07, 12:34
    Ein Wort gibt das andere –

    Und die Heimat

    Reist man in deutschen Landen,
    wird man überall verstanden,
    wenn man schlichtweg hochdeutsch spricht;
    manch Wort jedoch versteht man nicht
    in Gegenden, wer will`s bestreiten,
    mit sprachlichen Besonderheiten.
    So gab`s in unserem Heimatland
    Auch Worte die nur uns bekannt.

    Kohlrabi ist`ne Oberrübe,
    wer Dresche kriegt, der bekommt Hiebe,
    Welschkraut ist Wirsing, wie man weiß,
    wer kaschelt, der rutscht übers Eis,
    Haderlok ist ein Lumpensammler,
    ein Hacher ist ein halber Gammler.
    Mit Gutalin putzt man die Schuhe,
    die Potschen bring`n den Füssen Ruhe.
    Babe ist Kuchen, Brinkel sind Krümmel,
    ein Pampoin ist ein richt`ger Lümmel.
    Wer schlafen will braucht`ne Zudecke,
    ein Reissbrettstift heißt bei uns Zwecke,
    ein Behm ist ein 10-Pfennig-Stück,
    auf Buxliks hat der Lehrer Spick,
    Gallert, das ist schöne Sülze,
    kriegt sie haue, ja dann brüllt sie.
    Lusche ist`ne Wasserpfütze,
    wer sportlich ist, trägt Schiebermütze.
    Mit Stürzen deckt man Töpfe ab,
    den Motscher bringt gar nichts auf trab,
    spiekige Bojkes sind etwas zum Lachen,
    der Schmodder trägt dreckige Sachen,
    Laberaffen labern was einmal da mehr.
    dem Tetka geht wirklich alles verquer.
    Jeder Kuschik – du meine Güte,
    ein Demlak ist `ne doofe Tüte,
    pschinzo – das haste dir wohl gedacht,
    wer tschiupt, hat ein Tauschgeschäft gemacht.
    Klacken sind Wasserrüben,
    Säuglinge sehr den Nuppel lieben.
    Mit tschiepperle, tschip, tschip lockt man die Hühner,
    Pamufl machen keine Diener

    Pichl er so viel Sobtziks aus der Pulle,
    kommt sie gleich mit der Nudelkulle,


    `ne Krause ist ein Einmachglas,
    Wichse auf den Toches ist kein Spaß.
    Pullen geht man stets allein,
    Krupniok, das ist die Wurst vom Schwein.
    Der Dupa ist zu gar nichts nutz.
    Wer pumpst, kennt nichts vom Umweltschutz.
    Fuschikokel besagt alles
    Außer Denver oder Dallas.

    Noch manches Wort` könnt ich zitieren,
    doch würde viel zu weit es führen.
    Ein Wort nenn`ich jetzt noch zum Schluss,
    weil ich es einfach nennen muss.
    Es drückt, ob hitzig, ob mit Kühle,
    aus der Palette der Gefühle:
    Anerkennung, Tadel, Lob
    Sanft und freundlich, wütend, grob,
    dies Wort vergess ich nimmer
    Pjeron, pierunie – es passt immer.

    (Heinz Olesch)

    Dieser Beitrag wurde von Rudolf Kalka dem 2. Vorsitzender des „ Gleiwitzer
    Kreis“ übermittelt.


    --
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:34
    Der Wieheißter

    Präziser: Wörter, wie wir sie kennen. - Oder: noch kennen?

    Eine Erinnerungsmöglichkeit für alle Oberschlesier.

    Verfasser: Karl Mosler, Hohe Straße 140, 50129 Bergheim
    .
    Einige Erklärungen zur Wahl der hier aufgenommenen Wörter. Im Prinzip sollten
    hier nur Wörter oberschlesicher (schlesischer) Mundart stehen, die so nicht -
    oder aber ganz selten - in anderen Regionen deutscher Sprache gebraucht werden.
    Wörter, die die Eigenständigkeit der deutschen Kultur in Oberschlesien betonen.
    Deswegen wurden hier keine Wörter polnischen Ursprungs berücksichtigt, trotzdem
    sie von vielen Menschen zur oberschlesichen Mundart gerechnet werden. Aber
    Ausnahmen bestetigen die Regel: Denn auch hier finden Sie doch einige markante
    Wörter, deren Wiege die polnische Sprache ist.

    Und noch etwas: Natürlich ist diese Liste unvollständig. Ich hoffe, daß ich sie
    mit Ihrer Hilfe, liebe Oberschlesier, liebe Gleiwitzer, weiter ausbauen kann.
    Auch Korrekturen oder Ergänzungen sind erwünscht. Außerdem habe ich am Ende der
    Liste noch einige, mir eingeflüsterte Wörter untergebracht, die auch auf ihre
    Übersetzung warten.
    Beim Erstellen dieser Liste haben mir maßgeblich geholfen: Paul Weirauch, Rudolf
    Kalka, Dr. Gerhard-Paul Fabian und andere Mitglieder des Gleiwitzer Kreises wie
    auch Herr Wolfgang Haase
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:35
    A wenn i föih van Frai bäimgäib däu schlög´s grod hälwa draa

    Abgerührte -> Kuchen aus Rührteig, Rührkuchen, Sandkuchen(?), Napfkuchen

    abschreiben -> im Sinne: auf einen Brief antworten

    achte, neune, ... -> Zählweise, Anzahl

    Ambrot -> Abendbrot

    Antree -> Diele, Eingangsbereich der Wohnung

    Baba, Babe -> Stürzkuchen

    Backpfeife -> Maulschelle, Ohrfeige

    Bäre -> Beere

    Bebbock -> Gespenst, Geist (böser)

    Befej -> Küchenschrank

    begratschen -> etwas (unnötig) berühren, schmutzig machen, befummeln

    Behm -> 10-Pfennigstück

    Beitel -> (kleiner) Junge

    belabern -> vollreden, aufdringlich einreden, über jemanden herziehen

    bemammeln -> bekleckern, beschmieren (das Gesicht beim Esssen)

    Beuka -> Geschichte, Erzählung

    Beutlik -> kleiner Beutel

    bissel -> ein wenig, etwas

    Blaubeeren -> Heidelbeeren (vaccinium)

    Blaukraut -> Rotkraut

    Blödock -> dummer, blöder Mensch

    Bob -> Bohnenart (dick, groß)

    Boden -> Dachspeicher, Trockenboden

    Bombsel -> Bonbon

    Brillok -> Brillenträger (junger)

    Brinkel -> Krümel

    Brinkel -> Krümel

    Bua -> Beule

    Bumelka -> geschwänzte, nicht abgearbeitete Schicht

    Bunzlok -> Tontopf, Tongeschirr (aus Bunzlau)

    Bux -> Taugenichts, Lausbube, (Dieb)

    Buxlik -> kleiner Lausbube

    Dämlack -> dummer, dämlicher Mensch

    Dickusch -> Dicker

    dotte -> dort

    Dragoner -> großer Mensch (Weib), Mannesweib, stark gebauter Mensch

    drapko -> schnell

    dreiviertel-, halb-, viertel-
    -> Zeitangabe: z.B.: dreiviertelzwölf = ein Viertel vor Zwölf

    Dresche -> Prügel, eine Abreibe bekommen, Schläge

    Dummerjahn -> einfältiger, dummer Mensch

    Dupa -> einfältiger, dummer Mensch

    Dupek -> Einfaltspinsel, dummer Mensch

    er hat sich nich gegeben -> er hat sich nicht in's Boxhorn jagen lassen

    erscht -> zuerst
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:35
    Der Oberschlesische Wortschatz gesammelt und herausgegeben von
    Oberschlesier Dr.Walla
    Mit der Buch "So spricht man in Oberschlesien" wird der Wortschatz
    unserer O/S Heimat dargestellt.Es ist das erste Mal,daß der Versuch
    unternommen wird, das O/S Sprachgut zu sammeln und zu erhalten.
    Mit dieser Arbeit soll auch der Beweis erbracht werden,daß der O/S
    Hausdialekt mit der polnischen Sprache sehr wenig zu tun hat.Die
    Behauptung der Polen,daß unsere Heimat ein urpolnisches Land sei,
    soll mit Arbeit widerlegt werden.Die starke Polonisierung O/S in
    der letzten Jahrzehnten hat es nicht vermocht, das O/S Hausdialekt
    zu vernichten.Die Treue zur Heimat zeigt sicherst,wenn man die Sprache,
    Sitten und Gebräuche der Heimat erhält; so lange das der Fall ist,
    kann uns niemand unsere OBERSCHLESISCHE HEIMAT streitig machen.

    -----------------------------------------------------------------------------
    abkatschern -- abwaschen
    Abtret ------- WC
    Abzug --------- Abzugshahn bei dem Gewehr
    Achtel,Achtelik,Achtlik-----1/8 Schnaps
    Aiwaj--------------Jude aus Galizien
    A kaj to-----------aber was aber wo
    Andrus--------------Landstreicher
    Anfangowatsch-------Beginnen,anfangen
    Antreh--------------Wohnungsabschluss
    Aplusyna------------Orange
    Babrok--------------Schmutzfink
    bastlowatsch--------Werken,basteln
    Bäsuch--------------Besuch
    Beitel--------------kleiner Junge
    Biäschiade----------Besuch,auf Biäschade gehen
    biglowatsch---------bügeln
    Biok----------------Schläger,Raufbold
    Blachosch-----------Blechner
    Bleistyft-----------Bleistift
    Bomelok-------------Bummler
    Brylok--------------Brilenträger
    Breniosch------------Trinker
    ---------------------------------------------------------------------------
    Galan schou na Solete i spolou se.
    U Heidle war eine große Haia.
    Schpotlawy Schpotloku nie rajtzuj se.
    Mosch Schitsch stargano.
    Mosch kichol jak Elefant.
    Kaj walisch? No na Bahnhof.
    Na Bahnhofie pisneuo Fünf Uhr.
    Karlik Schlips tschi welos.
    Halt deine klapatschka.
    Jodech motz Krepli,Konsek Koutschu i Wurschtu,o Jesderkuschie tak ech se
    objod i dostou potom Laksyrki schech zokwilka lotou na Hajschel.

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  • hanys_hans 20.05.07, 12:36
    Wenn ich heute Dir woas wünsche
    Sulls ock bluß doas eene sei:
    Immer a recht fruh Gemitte
    Und doas Harz voll Sunneschein!

    Wras ma Glücke heeßt eim Läben
    Und im woas bearmt und surgt
    Nimmt zu risch a bieser Winde weg -
    ' s ist ju olles ock geburgt-

    Doderwägen winsch ich nichte
    Wie Dei Harz vull Sunneschein
    Und su recht a fruh Gemnitte
    Doo koan duch kee Wind nich nein
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:36
    Biegt ma uff am langa Wäge
    Im ne neue Ecke rim
    Tutt ma wull a brikel roasta
    Und ma sitt sich amoal im.

    Heute sist de ooch zurücke
    Denkst: Ich hoa's duch weit gebrucht
    Doß dar Wäg su lang wird wärden,
    Hätt ich wärklich nich geducht!

    Steeenich woar a ufft und hulprich
    Stellweise zwoarscht ooch schien
    Gellock hä zurücke mechste
    Duch beleibe nimmeh giehn?

    Gieht`s ooch noch a Stückla wetter
    Ges duch aber ist gewiß:
    Im a Obend gieht sichs besser
    Wenn ma gleich ang müde is.

    Gieht hernooch dar Wag zu Ende
    Wenn de sunne undergieht
    Und doas T ur zur grußa Heemte
    Noahnde, uffen vier dir steht

    wird St. Petrus freundlich sprecha
    Gelt, du kimmst recht gerne oan
    Na kumm rei du langegeester
    Wandermüder Pilgermoan

    Duch bis hurthien gieht recht staate
    Nimm der och gehierig Zeit
    Und wir wünschen recht vu Harzen
    's wäre noch a brinkel weit.

    Möchta uff dar Weiterreese
    Dir recht viele Bluma bliehn
    Doß de soan mußt: Im a Obend
    Gieht sich's wärklich irschte schien!"

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  • hanys_hans 20.05.07, 12:36
    Derr Kerschboom

    Derr Kerschboom blieht! Nee, satt ock die Pracht!
    Gestern hoot ma nooch nischten gesahn.
    Oaber obends dar worme Raan,
    do ies a derblieht ei derr tiefa Nacht.

    Derr Kerschboom blieht! Kummt olle raus!
    Wie an junge Braut, asu stieht a do.
    De Sunne lacht, un de Luft ies loo,
    un tausend Binn, die summa ims Haus.

    Der Kerschboom blieht! Un sei weeßes Kleed
    streechelt a linder, a zoarter Wind.
    Su streechelt de Mutter ihr liebes Kind.
    Un itze ies es Friehling weet und breet!

    Das Gedicht stammt von Wilhelm Vielhauer.
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:36
    Noch ein Gedicht vom blühenden Kirschbaum:

    De Grußmoad kimmt früh zur Haustüre raus
    und reibt de verschlofena Oga sich aus.
    De blecherne Milchkoanne hoot se ei Hända
    und wiel ei a Kühstoal zum Melka sich wenda.
    Uff eemoal do schreit se: "Herr Jesses, die Proacht!
    Der Kerschboom ies ufgeblüht heut über Noacht.
    WieŽs duftig und frisch dorch a Hof rüberzieht.
    Der Kerschboom blieht, der Kerschboom blieht!"

    Derfrischt und gestärkt dorch enn kernfesta Schloof
    gieht o schunt der Pauer durt über a Hof.
    "Nu satt ock a Kerschboom, no gestern goanz öde,
    und heutŽ stieht a do ei emm schluhweeßa Kleede.
    Nu ies oaber Zeit, doaß mer Summerkurn seet
    und doaß mer die letzta Kartuffeln vulls leet
    und doaß mer mit Moacht itz oans Mistfoahra gieht,
    der Kerschboom blieht, der Kerschboom blieht."

    Eim Ufa knistertŽs und die Feueresse roocht,
    weil ebenst de Fraue a Murgenkoffe kocht,
    und wie se ei der Joagd dorchs Fanster tutt gucka;
    "Nee satt bluß die Blüta, die schnieweißa schmucka.
    Na, Gott seiŽs gedoankt, doaß doas Friehjoahr fängt oan,
    nu werd doch doas Vieh baale Grienfutter hoan.
    De Freede, wenn vull doann der Milchkaller stieht,
    der Kerschboom blieht, der Kerschboom blieht."

    Der Friedl derwacht, und er joammert und kloat,
    ihm tremmte, doaß ar wieder keene Schuloarbeet hoat.
    Uf eemoal: "Woas ies denn durt vürgegoanga?
    War hoat denn uff a Kerschboom die Bluma gehoanga?
    Heidi, nu ies Summer, heidi, nu ies schien,
    gelt Mutter, nu koan iech boarfiessig giehn.
    Die Stieweln, die gieb ock dam Lumpamoanna miet,
    der Kerschboom blieht, der Kerschboom blieht."

    Der Froanze ging oabends, wie oalles schunt schluf,
    zur Russel und pischbert: "Moachs Fansterla uff.
    Denn siech, ich tu dir woas Gutts vermelda,
    vu heute oan koaste dich ne mie verkälta.
    Ei dan Blieta uffŽm Kerschboom singt schunt der Stoar,
    und wenn se wärn reif sin, do sein ber a Poar.
    Mach uff, doaß der Duft dorch dei Fansterla sprüht,
    der Kerschboom blieht, der Kerschboom blieht"

    Dieses Gedicht stammt aus der Feder von Robert Sabel.
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:37
    's ies geschlacht

    Onser Nutschla ies geschlacht,
    's woar doas Oallerbeste.
    Hoot emmer 's Kreppla laargemacht
    On froaß oalle Reste.

    Ieber a Joahr hoa mersch gehoat,
    's hott a fett Genecke.
    Klääne Äujlan hooats gehoat
    On woar rond on decke.

    Etza hoan ses oabgestocha
    On ei brocka lieja;
    Flääsch on Woarscht on Goalertknocha,
    Oalls doas woas mer mieja.

    Och, wie watt ons doas on schmecka,
    Ei a nächsta Taaga!
    Die Gusche wa mer ons belecka
    On ons behn a Maaga.

    A ganzes Joahr lang watt's nee fahla,
    Doo oa Woarscht on Broota. -
    On doas Nächste woas mer haala,
    Watt a wieder gutt geroata.

    Erhard Gertler

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  • hanys_hans 20.05.07, 12:37
    Kiehehitta

    Mier treiba naus! Mier treiba naus!
    Die Kiehe off die Wääda.
    Eim Stoalle hillts kä Viech nee aus,
    Nää satt ock blooß die Frääda!

    Se troaba rään zom Gronde datt,
    Met huuch gehobnem Schwanze.
    Die Frääde haat, nä, satt ock , satt!
    Ies wie beim Kärmeßtanze.

    Die Pfuuta schlenkarn hie on har,
    Zengst naus die ganze Strecke.
    Die Koalbe on doas Exla a,
    Oalle sein rään gemecke.

    Doas letze Grien, nä ies doas schien,
    War koan die Fraßlost massa?
    Met a Klaua tief eim Klie-e stiehn,
    Dernoo Kliebliemlan frassa.

    Oals Härttajengla henderhar,
    Doas Peitschla lett ma knoalla,
    -'s Kartoffelfoier lodert a,-
    Waam teet doas nee gefoalla?

    Och welche Lost! Och welche Lost!
    Mier sein doch Pauerkender.
    Aach wenn's äm oosiech Oarbt a kost,
    Mier laaba halt gesender.

    Erhard Gertler
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:37
    Oktober

    Oktobertage bloo und kloar,
    Rut hängt derr wilde Wein ümsToar,
    Schien roocha die Kartuffelfeuer,
    Reif sein die Trauba om Gemäuer.
    Die letzte Ruse ies vertreugt,
    Derr Alerveibesummer fleugt.
    Die Schwalbla zwitschern noch awing,
    Ziehen furt und sein verschwunda flink.

    Bunt ies derr Puusch und jede hecke
    Und jedes schleppt Kartufelsäcke,
    Und jedes giecht und hilft beim Klauba.
    Merr nahma Kerbse ob und Trauba,
    Merr hulln a Mais vom Felde rei,
    Merr hubeln Kraut und sauerns ei,
    Merr giehn die reifa Nüsse schloan,
    Merr loaba Rüba uff Woam,
    Merr trata underm Weezenkranze
    Mitsomma van zu Lust und Tanze,
    Merr schoffa durt, merr arbta hier,
    Und surga ferr a Winter vür.

    Oktobertage kloar und bloo,
    Wie schnell ies jitz der Obend doo,
    Wie zeitlich schunt werd Licht gemacht.
    Die Hersche hiert ma ei derr Nacht,
    Ma hiert oo ob und zu enn Schuuß,
    Die Sterne leuchta kloar und gruuß.

    Doch jitz erchäbt sich gruußer Sturm.
    Is roast und heult üm Haus und Turm.
    Derr bunte Puusch werd groo und koahl,
    Die Wulka hänga bis ei's Toal,
    Kee Blatla meh om Boome bleit,
    Und aus woarsch mit derr guda Zeit.

    (aus "Das heitere Ernst Schenke Buch" Schlesische Erzählungen und Gedichte im
    Jahreslauf)

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  • hanys_hans 20.05.07, 12:38
    • Re: Mundart Lausitzisch - Schlesisch
    hanys_hans 26.10.05, 23:30 zarchiwizowany

    Doas Schweinla

    Nee, doas Schweinla, nee, doas schiene,
    "Sieh ock, Moan!" rief die Pauline.
    "Sieh ock, Moen, doas weiße Falla!
    Sieh ock, jitz kimmt's aus'm Stalla (Ställchen).
    Sieh ock, sieh ock - ganz alleene,
    Nee, die ollerliebsta Beene,
    Nee, die ollerliebsta Guckla,
    Sieh ock, sieh ock - Nuckla, Nucbla!
    Sieh ock, jitze steckt's a Rüssel
    Ei die Schüssel.
    Sieh ock, sieh ock, siste, siste!
    Jitze wühlt's awing eim Miste.
    Nee, herrjekersch, sieh ock, Moan,
    Sitt sich doas possierlich oan!
    Und is dräht sich
    Und is lät sich,
    Sieh ock, sieh ock, und is frät sich.
    Und is fängt ang oan zu brumma
    Und is werd glei runderkumma
    Voo dam Miste, voo dam frische
    Und is läßt sich nich erwischa.
    Nee, doas ollerliebste Dingla
    Hoot a Schwänzle, wie a Ringla.
    Sieh ock, wie derrsch puutzig tutt!
    Nee, bien iech dam Dingla gutt!
    Hätt merr groade nich gegassa,
    Weßte, Moan, iech kännd derrsch frasse!"
    Doch doas guldne Schweinla jitze
    Lät sich mitta ei 'n Fütze.
    Und is lät sich
    - Und is dräht sich -
    Och, und die Pauline frät sieh.
    Und doas Ding, doas kleene, stromme,
    Sielt sich ei dam nossa Schlomme.
    "Sieh ock, Moan!" rufft die Pauline,
    Nee doas Schweinla - nee, doas schiene,
    Roabeschworz kimmt's aus dar Füitze!
    "Nu", spricht ar - "doo friß ock jitze."


    (Ernst Schenke)


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  • hanys_hans 20.05.07, 12:38
    Ustermurga

    Die Kuppe ies noch weiß,
    Doch unda, uff derr Bache
    Schwimmt furt is letzte Eis,
    Die Omsel uff 'm Dache
    Singt, laut ihr Usterlied.
    Eim Goarta Stoare feifa.
    A lindes Lüftla zieht,
    Und Kinderpotschla greifa
    Nooch Himmelschlüsseln schien.
    Junghaasla munter springa,
    Und Lercha, Lercha singa,
    Und Polmakatzla blühn.
    Derr Lenz gieht übersch Land
    Hält Veilchen ei derr Hand
    Und weeß - is werd gelinga.

    (Ernst Schenke)
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:38
    Eim Oktober

    Eim Oktober, eim Oktober
    läst der Herbstwind üm die Schober,
    Werd ist Loob eim Pusche bunt,
    Und die Astern blühn, die zoarta,
    Und die Schwalbla überm Goarta
    Zwitschern leise: "Laabt gesund!"

    Eim Oktober, eim Oktober,
    Gieht durchs Land a Moan, a grober,
    Packt die Beeme oan und spricht:
    "Schütteln war iech euch jitzunder
    Olls woas uba ies muuß runder,
    Wenn glei Ost und Krone bricht!"

    Eim Oktober, eim Oktober,
    Troan die Neiße und der Bober
    Und die Uder Wosser viel,
    Und merr spürns onn olla Enda,
    Onn a Füssa, onn a Hända,
    Doß derr Winter Kumma wiel.

    (aus "Das heitere Ernst Schenke Buch" Schlesische Erzählungen und Gedichte im
    Jahreslauf)
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:39
    Die Obrechnung

    Der Schmidt ging obends über Land
    Die eechne Krücke ei derr Hand.
    Sei Nupper, dan a Gootlieb nante
    A selba Wäg uff beemzu rannte.
    Eim Pusche traffa sich die beeda,
    Und ferr enn Strolch hält jeder jeda.
    Die packa sich ei finstrer Nacht
    Und haun sich, doß die Schwoarte kacht.
    Uff eemoll spricht derr Schmidt: "Nanu,
    Woas ies denn doas ? - Dich kenniech ju !"
    Derr Gootlieb, dar zwoar nich viel fitt,
    Dar sricht: "Och du bist's, Rupper Schmidt ?"
    Beteppert stiechn beeda jitze
    "Nee", spricht derr Schmidt, "du machst schunt Witze.
    Gllei mit derr Kricke miech zu schloan
    Asu woas koan iech nich vertroan.
    Du hättst diech sulln a bisla zügeln,
    Nu mußt' iech diech halt oo verprügeln.
    Doch chier' amoll, doas ies nich schlim.
    Js gieht ju schunt siehr lange drim,
    Doß iech mit dir mei liebes Sühnla
    Zu rupsa hoa a kleenes Hühnla.
    Schunt wuchalang beobacht't iech,
    Doß sich dei Gaansch, doas Luderviebch
    Mit senn zahn Gänsa asu gerne
    Kimmtreibt bei mir ei derr Luzerne.
    Jech wulld' miech lange schunt beschwern,
    Und diech amoll awing belehrn,
    Doß sich asu woas nicht gehiert,
    Nu ies ju doas dohie possiert,
    Doo ies dar Foll ferr miech erlädigt."
    Derr Gootlieb rufft: "Nee, wie doas poßt !
    Mir fällts vom Herza wie 'n Lost.
    Jech wulld' diech oo schunt längst besucha
    Weil deine Hinner seit drei Wucha
    Sich ei memm Goarta mausig macha.
    Nu huste ju dei Teel gekriggt.
    Nee, wie siech doas doch monchmoll schickt."
    "Nu äbenst" spricht derr Nupper Schmidt,
    "Doo is ju gutt, doo sein merr quitt."

    (aus "Das heitere Ernst Schenke Buch" Schlesische Erzählungen und Gedichte im
    Jahreslauf)


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  • hanys_hans 20.05.07, 12:39
    Obendlied Von Ernst Schenke

    Jitz foahrn die Wane wieder nei,
    Derr Obend kimmt geganga.
    Derr Schäfer treibt die Lammla ei,
    Die freedig heemverlanga.
    Die Sunne ies eim Undergiehn,
    Is erschte Sternla sitt ma stiehn,
    Die Nacht hoot oangefanga.

    Die Felder liega stille doo,
    Die Reenla und die Stäge;
    Um Puusch und Wiese toerds schunt groo,
    Verloon sein olle Wäge.
    Derr Nabel spinnt um Boom und Strauch,
    Vom Puusche kimmt a kühler Hauch,
    Derr Kauz rufft eim Gehäge.


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  • hanys_hans 20.05.07, 12:40
    's ies geschlacht

    Onser Nutschla ies geschlacht,
    's woar doas Oallerbeste.
    Hoot emmer 's Kreppla laargemacht
    On froaß oalle Reste.

    Ieber a Joahr hoa mersch gehoat,
    's hott a fett Genecke.
    Klääne Äujlan hooats gehoat
    On woar rond on decke.

    Etza hoan ses oabgestocha
    On ei brocka lieja;
    Flääsch on Woarscht on Goalertknocha,
    Oalls doas woas mer mieja.

    Och, wie watt ons doas on schmecka,
    Ei a nächsta Taaga!
    Die Gusche wa mer ons belecka
    On ons behn a Maaga.

    A ganzes Joahr lang watt's nee fahla,
    Doo oa Woarscht on Broota. -
    On doas Nächste woas mer haala,
    Watt a wieder gutt geroata.

    Erhard Gertler



    Kiehehitta

    Mier treiba naus! Mier treiba naus!
    Die Kiehe off die Wääda.
    Eim Stoalle hillts kä Viech nee aus,
    Nää satt ock blooß die Frääda!

    Se troaba rään zom Gronde datt,
    Met huuch gehobnem Schwanze.
    Die Frääde haat, nä, satt ock , satt!
    Ies wie beim Kärmeßtanze.

    Die Pfuuta schlenkarn hie on har,
    Zengst naus die ganze Strecke.
    Die Koalbe on doas Exla a,
    Oalle sein rään gemecke.

    Doas letze Grien, nä ies doas schien,
    War koan die Fraßlost massa?
    Met a Klaua tief eim Klie-e stiehn,
    Dernoo Kliebliemlan frassa.

    Oals Härttajengla henderhar,
    Doas Peitschla lett ma knoalla,
    -'s Kartoffelfoier lodert a,-
    Waam teet doas nee gefoalla?

    Och welche Lost! Och welche Lost!
    Mier sein doch Pauerkender.
    Aach wenn's äm oosiech Oarbt a kost,
    Mier laaba halt gesender.

    Erhard Gertler

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  • hanys_hans 20.05.07, 12:40
    Uff derr Uder bien iech derrheeme

    von Ernst Schenke

    Uff berr Uder bien iech derrheeme,
    Mei Koahn ies meine Welt,
    Woffer, Stranb unb Beeme,
    Nicht, woas merr besser gefällt.

    Meine Arbeit ies mei Stulz,
    Fech foahre Gisa, iech foahre Hulz,
    Kohle aus oberfchlesischa Gruba,
    Steene aus insem Geberge druba.
    Fech foahre Garschte, iech foahreWeesze
    Woas Tausende fchossta mit Mühe unb Schweesze.

    Über merr huuch diee Wulka zihn
    Frisch bläst merr derr Wind ei die Hoare,
    Meine Keefe gieht weit ei die Sremde hien,
    Fech foahre, iech soahre.

    Wosser, Strand unb Beeme,
    Nicht, woas merr besser gesällt,
    Uff derr Uder bien ich berrheeme,
    Mei Koahn ies meine Wlelt.

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  • hanys_hans 20.05.07, 12:40
    Der kluge Moan
    (Ernst Schenke)

    Doo woar amoll a klenner Moan,
    Dar machte sich enn gruußa Ploan.
    A schienes Haus, a Packsla Guld,
    Doas hält a gerne hoan gewullt.

    Flink ließ a sich enn Geldsaak nähn,
    Die Leimt woar gutt, a kunnd sich frähn,
    Die errschte Arbeit woar geschafft,
    Jitz, sproach doas Mannla, werd gerofft.

    Vuul muuß a warn, dar ganze Saak,
    Bis ruff, dernoo ies Feiertaag.
    Doas Mannla sproachs, und schunt gings luuß,
    Is Geld woar kleen, derr Saak woar gruuß.

    A raffte Toaler, blank und rund,
    A hoot sich kaum die Luft gegunnt.
    Und sattersch, wie die Zeit verging,
    Doo hott a Geld, und nich zu wing.

    Die Zeit war doo, derr Saak woar vuul,
    Jitz woar dam Mannla endlich wühl.
    Jitz, sproach a, war iech errschtens baun
    Und zweetens gute Bissla kaun.

    Voo Hörnlan war iech miech jitz nahm,
    Die war iech merr mit Putter schmärn.
    Wurscht war iech assa, Fleesch und Speck,
    Sust hoot doas Laba goar kenn Zweck.

    Und ies gebaut mei neues Haus,
    Doo lahn iech miech zum Fanster naus,
    N Toobakfeife werd geroocht
    Und mittichs Iah iech miech eis Poocht.

    Und jeda Taag gieh iech spotziern,
    Iech war a feines Laba führn.
    Doas Mannla hotts kaum ausgeducht,
    Doo hoot derr Tuud onns Haus gepucht.

    A koam und noahm doas Mannla miet,
    Aus woar is Laba und is Lied,
    Weg woar doas Mannla voo derr Welt,
    Die Erba teelta sich is Geld.

    (Leimt -> Leinwand, Poodit -> Bett)

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  • hanys_hans 20.05.07, 12:40
    Das Konzert

    Ernst Schenke

    Letzt soaß ein Tümpel durte
    A Froosdi und machte: „Quak!"
    Und wie derr Gaansch doas hurrte,
    Doo macht a: „Gaak, gaak, gaak!"

    A Entla hotts vernumma
    Und hurtig woarsch derrbei,
    Is koam glei hargeschwumma
    Und schnatterte miet nei.

    Kaum woar a Versal gesunga,
    Doo gings: „Miau, miau!"
    Die Kotze koam gesprunga,
    Derr Hofhund rief: „Wau, wau!"

    A ballte noch nicht lange,
    Doo fluug a kienner Fink
    Huuch uff die Wäschestange
    Und fief gar flink, flink, flink.

    Nu krähte uff'm Steene
    Oo glei derr Gockelhoahn,
    Is Ferkeria, is kleene,
    Doas fing zu quietscha oan.

    Derr gruuße Uchse brummte,
    Die Kalbla machta: „Muuh!"
    A kleenes Mückla summte,
    Die Omsel fief derrzu.

    Drei Battelmusikanta,
    Die spielta durt a Lied
    Und olle Kinder rannta
    Glei hien und soanga miet.

    Doo woar doas n Musikke,
    Nee, hätt err bluus gesahn,
    Asu a schienes Stücke
    Werds nich glei wieder gan!


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  • hanys_hans 20.05.07, 12:41

    Die Grottkauer Vesper

    Gruttke is 'ne schiene Stoadt
    Struderi de rallala
    Do hoan se letzt 'ne Vasper gehoat
    Struderi de ra
    Spansch, ungarisch hoan s'gesunga
    Struderi de rallala
    Mit Lichtlan sein se rimgesprunga
    Struderi de ra
    Uf 'm Chure stund a grußer Schrank
    Struderi de rallala
    Do hinga d' Pfeiflan korz un lang
    Struderi de ra
    Und wie a ieber de Kletzlan griff
    Struderi de rallala
    A jedes Pfeifla enzaln pfiff
    Struderi de ra
    Dar eene wullde 'ne Schachtel zerschneida
    Struderi de rallala
    Do wunkt'm a andrer: ar sull's loan bleiba
    Struderi de ra
    Dar eene hoat eis Hulz neug'bissa
    Struderi de rallala
    Do hoat doas Ding juchheisa gekrissa
    Struderi de ra
    Jetzt broachte se zwee Zuber oan
    Struderi de rallala
    Dadruffe hoan se rimgeschloan
    Struderi de ra
    Dan een dan koan ich goar ne vergassa
    Struderi de rallala
    Dar wulld's a messinga Doarm uffrassa
    Struderi de ra
    Do stund a Ding uf eenem Bein
    Struderi de rallala
    Doas mucht' am Teifel sene Grußmutter sein
    Struderi de ra
    Und wie ar'm su ieber a Bauch wegstrich
    Struderi de rallala
    Do brummt' doas Ding goar firchterlich
    Struderi de ra
    Zuletzt do koam a tälscher Moan
    Struderi de rallala
    Dar hoat am Stuck a Säckla droan
    Struderi de ra
    Doas hoat a a Leiten firgerackt
    Struderi de rallala
    Und moncher hoat woas neigestackt
    Struderi de ra

    VOLKSLIED

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  • hanys_hans 20.05.07, 12:42
    Kleines Breslauer Wörterbuch

    Wenn ich an meine Kindheit denke, fällt mir ein >Kleines Wörterbuch
    Breslauer
    Ausdrücke und Redewendungen ein. Ob ein Breslauer Dia­lekt existiert, ist
    umstritten. Meines Wissens gibt es nur eine Breslauer Aussprache des
    Hochdeutschen. Das ist eine Vereinfachung, Zuammen-ziehung und etwas verwaschene
    Redeweise der differenzierten hoch­deutschen Wörter oder - kurz gesagt - so ein
    >Nuscheln<. Zur Bres­lauer Sprechweise gehört auch, daß pf als f (Ferd,
    Feife,
    Flaume), z gelegentlich als scharfes s = ß (umßingeln), daß gelegentlich i als ü
    (Kürche, Kürschen) ausgesprochen werden und schließlich viele Bres­lauer
    >Wasser
    im Zahn< haben. Natürlich kennt der Breslauer auch Wortneuschöpfungen. Die
    Breslauer Sprache ist durchaus etwas Echtes, wenn auch nicht einem Dialekt wie
    dem schlesischen vergleichbar. In abgewandelter Form hört man Breslauer
    Ausdrücke in Berlin - aber welcher Berliner stammt schon nicht aus Breslau? Fern
    vom heimat­lichen Breslau nimmt man nun neue, >einheimische<
    Redewendungen an.
    Unüberhörbar klingt aber Breslauer Reden durch, das sich auch un­sere in der
    >Fremde< geborenen Kinder schon angewöhnt haben.

    Nun einige Proben: Ärschlich - >Agathe, da Gashahn tropft, die Puppe
    kotzt< -
    Appelgriebsch - Bändel (Schnur, auch >Spuckat<) - Bäudel -Beule - bleede
    - Blöo
    - Dienstbolzen (Dienstmädchen) - dämlich - Däm­lack - Dätz - Fangnus - fantern -
    Fatzke - Ferdekuttel - flennen -Flunsch - Föten - Fütze - fummeln - Funzel
    -Gake-Gamel- grätschen -Hienerplinz - Hopse - Irsel (Ursel) - Karussel (Betonung
    auf dem u) -kascheln (seh wie französisches g in Loge zu sprechen) - Kascher -
    kat-schen - Kirte (Kurt) - Kirve (Kurve) - klatschen (verraten) - Klomut-tel -
    Klunker - Knäppel (Knöpfchen) - Koppstick - kriewatschlig -kummocke (komm doch)
    - labern (reden) - Laberlätzel - Latschen (Pan­toffeln) - latschen (gehen) -
    Lilie (Spucke oder Speichel) - Lulatsch -Lusche (hier wieder seh wie französisch
    g) - Lutschbombon - mähren (langweilig sein) - manschen - Menkenke - Mohspritze
    - Mostrich -motschen - Muttel - Nischel - nu freilich - Nulpe - nuppeln -
    nuscheln - Oberrüben - Oberstiebchen - Pampe-Pampel-Pauer-Pimmer - plee-ken -
    plemplem - Posemuckel - Potschen - Puckel - Ränftel - Kitsche -schacken -
    Schickse - Schippelkugeln - >schischau, schäm dich, alle Leute sehn
    dich!< -
    Schiß - Schnaftel - Schneesicher - Schnicke - Schnipsel -Schnutelschaber -
    schupsen - Seeche - Sipo - Steppel - Tachtel - Teele (Hund) - tälsch - Tippel -
    tschitscheringrien - tumm - timplich - ver-kotteln - verkudeln - vespern -
    Watsche - > Wiederkloppe zehrt nich< -Zinken (Nase) - zinnen (aus den
    Augenspalten gucken) - zu'ner (ge­schlossener) Wagen.
    Auf Vollständigkeit konnte diese Aufstellung natürlich keinen Wert legen. Aber
    das genügt wohl.

    KLAUS OESTERREICH

    Der Breslauer Gabeljürge

    Der aale Meergot, ar heeßt wull Näpptun, derr wollde eim schläsischen Wosser
    einst ruhn -und da de Schläsinger ihm gutt gesunnen, do da bauten se lauter
    Näpptunsbrunnen, wunderscheene barocke Plantsch- und Wosserbecken, Arabesken und
    Orniamente an der Kaschte ihren Ecken -und der Gabeljürge sälber, die Gabel ei
    der Hand, wor a Wosserspucker uff huchem Stand.
    Wos brauchten die Schlesier Versailles und Sanssouci -reich wie de Ferschten,
    dos waren ju sälber sie, drum mährten se ärscht gor nich lange und viel, sundern
    leisteten sich uff'm Ringe ihr Wosserspiel -do kunnde man obends aristokratsch
    zengstrüm bummeln und iebertags liss man de Kleenen zumpeln und tummeln -dos
    machte Vagniegen, dos machte tälsch und froh ei Gruß-Brassel, Liegnitz, Gleiwitz
    und sustewo.
    Dar Name Näpptun, derr freilich kunnde nischt sagen und drum insern Schlesiern
    ooch gor nich behagen -asu ward der olle Römer plutze und korzerhand in a
    gemütlichen Gabel Jürgen umbenannt, und als a sulcheener dürft" er's prubieren,
    mit'n Klabatschken um de Wette zu tischkerieren: A prustet, schwoppert,
    plustert, gockert wos er kann, a flennt und lacht druff, der Gabeljürge, dr
    Wossermann!
    Und eemol, ihr Leute, do reckt a de kripplichen Glieder,
    do schlumpert der Jürge zur Heemte plutz wieder,
    do läßt er sei Wosser licht loofa und plätschern,
    do läßt er's mal hopsen und preschen und treetschern -
    ei sieben Forben sponnt er an Friedensbogen,
    verpudit, da wird ohne Gemähre heemwärts gezogen -
    Schluß mit'm labrigen Lasten- und Ausgleichsgewürge,
    uff gieht's ei de Täler und übersch Gebürge -
    na, leeft mer ock blußig:
    heem will ich und muß ich -
    dos soat euch der Gabeljürge!

    GABELJÜRGE

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  • hanys_hans 20.05.07, 12:42
    schlesische Redewendungen

    Wie ins dar Schnaobel gewachsa ies
    Sechzig schlesische Sprichwörter, Scherzausdrücke und Redewendungen. Ein
    Beitrag zur Wesensart des Schlesiers.
    Wie man aus den Sprüchen Salomos, den Sprichwörtern des israelitischen
    Volkes, auf den Charakter des Volkes bedeutsame Schlüsse ziehen kann, so
    können wir mit den schlesischen Sprichwörtern einen Beitrag zur
    Kennzeichnung der Wesensart des Schlesiers geben. Wir nennen darum im
    folgenden sechzig Sprichwörter, Scherzausdrücke und Redewendungen des
    Schlesiers.
    1 Ock nie verzaoga, solange noo a Kliessla eim Tuppe ies (Kliessla=Klößel)
    - sagt der Schlesier. Dies Sprichwort deutet schalkhaft die mit wenigem
    zufriedene, geduldig ausharrende Art des Schlesiers an. Wir haben auch nicht
    verzagt, als "kee Kliessla eim Tuppe" war, als wir in der Notzeit der
    Nachkriegsjahre manchmal mittags nicht wußten, was wir abends essen sollten.
    2 's kimmt, wies kimmt, 's kimmt immer (kimmt == kommt) - deutet scherzhalt
    die mehr passive Haltung des Schlesiers an. Er ist mehr Amboß als Hammer. In
    ähnlicher Weise sagt er von der Medizin, und nicht nur von dieser.
    3 Hilfts, dao hilits, hilfts nischt, dao schodt's wingstns nischt (wingsins
    = wenigstens^.
    4 Nu ja ja, nee nee - eine Verlegenheitslormel, die die etwas unbestimmte
    Art des Schlesiers andeutet, der nicht anstoßen möchte.
    5 Närnd giehts drähnder haar und zu wie uff dar Walt (Närnd = nirgends,
    drähnder == drehender, verdrehter, haar und zu: Tautologie) - sagt der
    Schlesier, wenn er sich scherzhaft zu sonderbaren Dingen äußern will, die
    ihn aber nicht aus der Fassung bringen können.
    6 Mao muß ulfs Beste hulla und ufis Schlimmste gefaßt sein - die Dinge
    nehmen, wie sie kommen, sich nicht unterkriegen lassen.
    7 Eim Menschenlabn giehts wie eim Stolle, daos timmste Viech plääkt am
    mährschtn (plääkt = blökt, brüllt, mährschtn = meisten) - über einen Protz
    macht sich der Schlesier in seinem schlichten Sinn nur lustig. Verleumdungen
    bringen ihn nicht aus dem Häuschen. Dafür hat er gleich mehrere Sprichwörter
    zur Hand:
    8 'ch hao an breetn Pucki, dao hol viel Platz.
    9 War sich ärgert, dar wird groo und hat zeitlabends nischt davoo.
    10 Wenn Ärger fett macht, 'ch wöög zwee Zentner.
    Der gesprächige Schlesier weiß in seiner redseligen schalkhaften Art mit
    vielen Worten auszudrücken, das man auch mit einem Worte wiedergeben könnte.
    Statt "meinetwegen" sagt er z. B.
    11 Wa-ign mir und und männertholbn mag dar Junge Haosn kriegn (Wa-ign mir =
    meinetwegen, männertholbn == meinethalben, also dasselbe) oder:
    12 's bleibt sich Jack wie Hoos und Strump wie Niederschuh.
    13 'sis noo nie ei dam Tippi, ei dams kochn sull - meint, es ist noch nicht
    so weit.
    14 Wenn d" Schneckn weern biesein un d Reis-chgebindl werrn bliehn, waar'ch
    kumm (biesein = überstürzt laufen, Reis-chgebindl = Bund Reisig)
    - umschreibt redselig; ich komme gar nicht.
    15 Ee Tippi eis andre und a Wischhaoder daozwischn (Wischhaoder ==
    Autnehmelappen) - antwortet man einem Neugierigen, der fragt, was gibt es
    denn fressen? "Gebratene Lämmerschwänzel' meint dasselbe. Seinen Mitmenschen
    kann der Schlesier scherzhaft, bildhaft in freundlichem Humor in vielfacher
    Weise beschreiben:
    16 Aar is su lang wie dar Tag vor Juhonns (Johanni der längste Tag im Jahr),
    oder
    17 Aar is su gruus, ar kennt aus dar Dachrinne suppn, oder

    18 Wenn daar schtienich stirbt, daan missns' mitn Uulhäkl immreissn
    (schtienich eigenartige schlesische Konjugationsform statt stehend, vgl.
    "sei kuchnich Wasser == kochend Wasser im Sdilesierlied, Uufhäkl =
    Ofenhaken) - alles drei scherzhalt einen großen Mann andeutend.
    19 Aar is suu stork, aar kinnt Kirchen feeltroin (feeltroin = feiltragen,
    herumtragen).
    20 Aar sitt aus, als wenn err zahne derwirgt und dan Elften ei dar Mache
    hätt (derwirgt = erwürgt, ei dar Mache = in Arbeit).
    21 Wenn ich verwirrt war, 'ch zerreiß aan' Laaberwurscht (verwirrt = böse),
    bildhaft, scherzhaft von einem starken, bösen, wütenden Menschen gesagt.
    22 Aar hat noo d' Eierschaln hingern Uhrn - er ist unreif.
    23 Aar pullt, als wenn ar am Spisse hing (prillt = brüllt).
    24 Aar plääkt wie a Feuerkolb (pläkt = blökt, Feuerkalb ein Hörn, mit dem
    bei Feuer alarmiert wird) - er schreit laut.
    25 Aar frißt wie a Scheundrescher (mit dem Flegel in der Scheune zu dreschen
    galt als besonders schwere Arbeit) - hat guten Appetit.
    26 Aar hott aane Wompe wie a Achtzigtaolerlaard (Wompe == Bauch,
    Achtzigtalerpferd seinen Wert bezeichnend und seine Größe) - ist dick.
    27 Mao kennt'n a Vaterunser durch'n Pitch bloosn, oder
    28 Aar sitt aus wies Leidn Christi, oder
    29 Aar kraobst (oder grätscht) rim wie die Fliege ei dar Puttermilch -
    scherzhafte Bezeichnungen für einen leidenden Menschen.
    30 Aar macht Schriete wie aan Gärtnerschkuh (Gärtner-Wirtschattsbesitzer, im
    Westen "Kotier") große und doch wieder unbeholfene Schritte.
    31 Aar glänzt wie Schinders sei Insitsaak (Schinder = Fleischer, Insit =
    Fett, Schmär) - er ist fett, geölt.
    32 Aar hott keene eenz'ge Laus im Gsicht und keene Schuhschmiere frißt ar oh
    nie - sagt man scherzhaft von einem Menschen, von dem nicht viel zu sagen
    ist.
    33 Aar sitt aus wie a junger Elitbiehmer (Biehm-Böhm. Die gangbarste Münze
    in Schlesien ist der "Böhm". Das Wort erinnert daran, daß die Münzstätte in
    Böhmen war, ähnlich wie das in ganz Deutschland bekannte Wort "Taler" von
    Joachimstal in Böhmen, den Ort der dortigen Münze, herkam)
    - er sieht vornehm aus.
    34 Aar tutt, als wenn dar grüße Hund sei Paote war - tut stolz.
    35 Aar tutt, als err dan Heiligen die Zinn abgebissen hätt (Zinn == Zehen)
    - er tut scheinheilig.
    36 Aar sitzt drin wie d' Maode eim Speck - er hat sich gut hereingesetzt, es
    geht ihm gut.
    37 Aar rennt rim wie d' Maus ei a Sechswuchn (nach der Geburt der Kleinen,
    wenn sie viel zu beschaffen hat) oder
    38 Aar is bewuschbert wie a Ihrwirmel (bewuschpert von wisbern, Ihr-wirmel =
    Ohrwurm mit seinen vielen Füßen) - Er ist emsig, umsichtig, betulich, wie
    eben der Schlesier ist.
    39 Aar hotfs weg wie Schmieds Kotz, wenn ses getressn hott - er v^/Steht
    seine Sache.
    In seinem köstlichen echten Launen-Humor weiß der Schlesier freundlich ein
    liebes Wort scherzhaft zu sagen. Ich habe es selbst erlebt, wie der Bauer
    beim Schweineschlachten nach dem Tischgebet sagte:

    40 Nao doo lußt Euch ock besser schmeckn als es ies.
    41 A Bißl was mecht schunt sein (schunt = schon) - ist bald als Scherzwort,
    bald als Antwort gedacht, wenn man das gute Essen des Gastes rühmt, bald dst
    es auch Begleitwort, wenn man etwas "mitbringt". Der Schlesier kommt nicht
    gern mit leeren Händen. - Er möchte .immer Freude machen, ist mitteilsam.
    42 De timmsten Bauern honn d' grißtn Katuffln - kann er wohl sich selbst
    verhöhnend bei gutem Essen sagen.
    43 Uff daam kann man bis Bautzn reiten - sagt man von einem stumpfen Messer.
    Ganz aus dem Lebensbe'reich des .Bauern sind auch die 'folgenden Scherzworte
    genommen:
    44 Uffs maogerschte Faard satzn sich d' märschtn Fliegn wir sagen gern
    umgekehrt "Die schlechtesten Früchte sind es nicht, an denen die Wespen
    nagen."
    45 's hoot ieberall aan Hund, dar d' beßt - überall gibt es böse Menschen.
    46 Kleene Kräätn honn oo Gift - auch kleine Menschen sind gelegentlich
    schlecht.
    47 Daor Windmiller soit immer: 's kimmt rimm (soit = sagt, rim = herum). Wir
    sagten in Schlesien 1946, wenn du ein Geheimnis zwei anderen sagst. dann
    kannst du es gleich in der Zeitung der "Roten Armee" abdrucken.
    In scherzhaften Ausdrücken kann' sich der Schlesier nicht genug tun.
    48 Zum Oderzuschittn - sagt er gewollt übertrieben, wenn etwas in großer
    Fülle vorhanden ist.
    49 Mir in heute keene Fenggeige zu teuer (Plenniggeige, eine Geige, die nur
    einen Pfennig kosten würde) - für scherzhaftes Protzen.
    50 Udos nie zuviel wird, drei Biehm seins schunt - scherzhafter Ausdruck
    gegenüber einem kleinen Gernegroß.
    51 Dao drin is ja mancher Mutter ihr Kind - hier liegt allerlei
    durcheinander.
    * Die Seite 69
  • hanys_hans 20.05.07, 12:43
    boarbs = barfuss
    Heet =
    Heffa =
    hieschloon = der Länge lang hinfallen
    hinne = drinnen
    Kareete = altes, klappriges Gefährt (Auto, Wagen)
    katschen = schmatzen, ist aber nicht ganz genau, im sächsischen gibt es
    den Ausdruck "kätschen", der trifft es genau.
    Koastawoan = Kastenwagen
    Kulle = Kugel
    Letterwaanla = Leiterwagen
    Loda = Haare
    Lootsche =
    maahrn = mehrn, langsam sein, Zeit verplempern
    Maiakatschka =
    noatschen = heulen
    plempern = kenne ich nur als "verplempern" = Zeit vergeuden
    Omssa = Ameisen
    praaschen =
    Puusch = Wald
    Roaber = Schubkarre aus Holz
    Ruttabasa = Besen, meist aus Birkenreisig gebunden
    Schnicke = Haue, Dresche
    Schwuppe = Rute, Peitsche
    timplich = dumm, ungeschickt
    a Treppl = ein Tropfen
    urschen = vergeuden
    Waanla = kleiner Wagen
    Ziehne = Zehe

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  • hanys_hans 20.05.07, 12:43
    Dar biese Troom

    Grußes Schlachtfest woar gewaast;
    Endlich woar derr Obend doo,
    Olle Kotza vvurda groo
    Und der Kolle kruuch eis Naast —
    Vuulgesackt sei Bäuchla woar;
    Denn a hotte gutt gestuppt
    Wellfleesch, Wellwurscht, Plimpelwurscht,
    Viel getrunka und gesuppt,
    Wie 's halt ies onn sichta Taga,
    Obends leit eem oll's eim Maga.
    Kolles Maga, dar woar vuul
    Und dam Kolle woar nich wuhl. —
    Die Nacht woar schworz wie Pech und Room.
    A Käuzla uff'm Dache rief,
    Und wie derr Kolle endlich schlief,
    Doo hott' a goar 'n biesa Troom:

    Ging derr Wind eim Uwarühre,
    Kloppt woas onn die Stubatüre,
    Koama lauter — ees, zwee, drei —
    Lauter fette Schweinla rei.
    Woar a ganzes Uufgebiete,
    Hotta lange Masser miete.
    Lauter Schweinla, lauter fette,
    Koama uff zwee Benn geloofa,
    Koama olle...
    Bis onns Bette,
    Wu derr Kolle ...
    Und toat schlofa.
    Finga olle oan zu singa,
    Stonnda doo und zeigta olle
    Lauter blanke Masserklinga:
    Kolle, Kolle, Kolle, Kolle,
    Kolle, du werscht jitz geschlacht't
    Und aus dir werd Wurscht gemacht!
    Jitz fing doas Errschte oan zu sprecha:
    »Nuck nuck, merr warn a bale stecha!«
    Und wie doas Errschte und hotte gered't,
    Doo meente doas Zweete: »A ies hibsch fett,
    Doo denk iech wull, doo wärsch is beste,
    Merr machta Wurscht, und zwoar gepreßte!«
    Doo meente doas Dritte: »'s ies gutt, 's ies gute,
    Surgt ock ferr Blutt!«
    Jitz sproach doas Errschte: »Woas mach merr denn aber
    Mit dan Nierlan und mit dar Laber?«
    Doas Zweete sproach: »Doas macht keene Mühe,
    Doas kimmt oll's ei die Brühe.«
    Und doas Dritte sproach: »Macht ock errscht kee Gelärme,
    Surgt ock ferr Därme!«
    Doo finga se olle zu grunza oan:
    »Darme werd a wull salber hoan!«
    Und wackelta olle mit a Rüsseln:
    »Surgt ock ferr Schüsseln, surgt ock ferr Schüsseln.«
    Und doas Errschte sproach: »Merr warn ins setza:
    Masser werza, Masser wetza!«
    Und wie se hotta die Masser geschliffa,
    Doo meente doas Zweete: »Jetzt zugegriffa.
    Hie gibt's errscht kee Aber und kee Wenn,
    Merr nahma 'n bale bei a Benn.
    Ees nimmt a beim linka, ees nimmt a beim rechta.
    Mier beeda haln a, ihr beeda stecht a!«
    Doo wurde dam Kolle angst und bange,
    A loag und wond sich wie'n Schlange,
    A grief nooeh derr Lompe,
    A grief nooeh 'm Toochte,
    A flug aus 'm Poochte.
    Und wie a naberm Bette loag,
    Doo wurd' a munter und erschroak:
    »Nee, duchl' a, nee, kunnd 's tälscher sein,
    Ma kunnde jilz schunt'n Bluttwurscht sein.
    A grief sich onn die Uhrn, a grief sich onn die Beene,
    Nee Gott sei Dank, ar woar noch keene.«

    Ernst Schenke

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  • hanys_hans 20.05.07, 12:43
    Gedichte
    in breslausch Platt

    Wie da Voata de Woahrhalt raußa krähk

    Arthur Hintz

    "Voata! Voata! heeat bloß!"
    "Bälk nich so! Was ös denn los?"
    "Wie öch eeascht sai öm Waal
    on varn Boom e Ast ma spaal,
    doo off eenmool! öch kick off!
    on was kömmt de Baark eroff?
    Ach, was öch doo bloß vaschrock,
    Wälw1 on Wälw! meh as e Schock!"

    "Junga! ai! das ös nich wooha!
    Öch, öch sai van fuffzich Jooha,
    hoa so veel nach nie jesaahne!
    Wie sull das denn nu jeschahne!
    Junge, host bai nich jelooge?
    Ai, du sullst da das bloß wooge!"

    "Na, öch hoa möch kunnt vazähle!
    Man am Dutz watt keena fehle!
    Nä, am Dutz fehlt keena nicht,
    sach se daitelch öm Jebrich2!"

    "Ap das anna Woahrhait ös?!
    Wenn de laikst, denn kriest ma Röß3!
    Soag! Wie woasch mötte Wälw?
    Woare wörkelch Stöcka zwälw?"

    "Na, öch weeß es nicht jenau,
    wurt ma verre Ooge grau,
    woaa och amäng bloß eena?
    Öch, öch schmöß wie doll mött Steena!
    Eena woasch gaingz jewöß!
    Joo! Da hatt e staark Jeböß!
    On was funkate de Ooge!
    Eena woasch onjelooge!"

    "Junga! ai! besönn da gutt!
    Söst, es göppt was mött da Rutt!
    Waa se meea man foatz hole
    on es Laada deea vasohle!"

    "Voatache, Voatache, bloß nich schlooge!
    Hoa och wörkelch nich jelooge!"
    "Na, wie woasch? Sachst denn eene?"
    "Nä, jesahne - hoa öch - keene!
    Man - wie woasch dach man doo?
    Ruschele4 ruschelt es eerowo!"

    1Wölfe 2Gebirge 3Prügel 4rascheln

    zum Gedichtverzeichnis
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:44
    Gedichte
    in breslausch Platt

    Da Spiggel

    Emma Dankowski

    Da Spiggel hängt doo anna Waingt.
    Öch kick erain on dönk, da Saingt
    hott mea woll de Ooge beed
    bes bowe hön hait volljesträt!?

    Das sull öch saine? Das aale Waip?
    Öch kick on kick, öch zerj on knaip
    anne Ohare meea wacka deeg:
    Das sai nich öch! Das ös re aal Zeeg!

    So e Jesöcht! So e waissa Kopp,
    so e Zogelche, wo eeascht da Zopp?
    Na, Kinga, das kann öch nich saine -
    es Licht wat woll so dammlich schaine!?

    Nu hoa öch woll all ewa re Joha
    önne Spiggel goanich rainjesahne.
    Hait steh bedammelt öch davoa
    on weeß nich, wie das kunn jeschahne.

    Was öch daläwt ön dissa Zeit,
    das lätt söch wörklich nich beschraiwe.
    Es woa halt schwäa, woa keene Fraid,
    öch wullt dabön nich stöcke blaiwe. ?

    Du dwatscha Spiggel anna Waingt,
    kannst ma en Puckel ruinga renne.
    Öch nahm döch nich meh ön de Haingt,
    öch wa dalleen möch bessa kenne.

    Aus:Heimatbrief für den Kreis Heilsberg Nr 9 / 2000


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  • hanys_hans 20.05.07, 12:44
    Gedichte
    in breslausch Platt


    E scheen Stöck Orbeit

    A. Schmidt

    "So e Lokmativ ös Ehre wert,
    se zieht doch meh wie so e Pferd.
    De pust woll wacka dichtig ooch,
    das sitt doch jeda annem Rooch;
    onn ganz von Eisa ös das Biest.
    Drömm kann man och behaupte driest,
    daß das e scheen Stöck Orbeit ös",
    so sogt da Grobschmött Käs aus Plöß,
    als dä e mol za Kästing fua
    möt eenem ahle Plößsche Bua.
    Von Wieps wull mötta Bohn Käs weita
    näh Mäkleborg zom Pächta Reita.
    Dä gab ömm Herwst e Tochta aus,
    die hairot onnes Käs'sche Haus.
    Ein Käs sein Sohn, dä junge Käs,
    woa Reitasch Maike noch a Näs!
    Wie kamm denn dä nah Mäkleborg?
    Na, wäscht je höre, horch man, horch!
    Bei onsem Börna wurda Meia,
    do macht a Potta, kooft och Eia.
    Denn ging a off de Wandaschaft.
    Önn Pose gings em schaudahaft,
    Pellkartoffle, Schnaps onn Grötz
    kriet do ze fresse Käse Frötz.
    De Schmachtgort mußta enga schniere,
    ömm Winta selwst ömm Bett noch friere.
    Do macht a söch denn bahlche off
    onn zog nah Mäkleborg e roff.
    So kamma bei a Pächta Reita,
    das andre fung söch do stracks weita.

    Nu muß wo rasch zom Käs', dem ahle,
    de Bohn wett nu wol do all hale.
    Onn wie gedocht, so wor's geschehne,
    wa sage do de Bohn all stehne,
    s' woa ze soge de höchste Zeit,
    önn Wieps stand all da Zug bereit.
    Da Käs, dä ahl, neugieag sea,
    stund noch ömma verra Tea,
    ging ömm de Lockmatiw e römm
    onn docht, es öss je noch nich schlömm.
    Bekickt genau de Dampfawoge
    onn brommt: "Söss goa nich ze soge,
    was Mensche könne alla mache,
    do dröba ös nu nich ze lache!
    So was seh wa nich önn Plöß,
    das weeß öch söcha onn gewöß,
    e scheen Stöck Orbeit, das muß man losse."
    Do wurd a scharf za Seit gestosse.
    Nu merkt a eascht, was do woa
    onn klaut söch ärgalich am Oa.
    Da Zug da pufft am Käs vabei
    onn höat nich off sein Geschrei:
    "Höll stöll, höll stöll, höll doch noch stöll!
    Öch doch noch mött za Kästing wöll!"
    Da Zug, da kömmat söch nich drömm,
    das woa ferre Käs nu schlömm.
    "Na, schod nuscht", brommt a söch do noch,
    "e scheen Stöck Orbeit worres doch!"


    Aus: "Sposge Sache zom Lache", in ermländisch breslauischer Mundart,
    verfaßt von A. Schmidt, Hauptlehrer a. D., Seeburg 1913, 2. vermehrte Auflage.
    Erschienen im Verlag Bruno Weiß Nachf. Paul Schmidt, Seeburg, Ostpr.
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:44
    Gedichte
    in breslausch Platt


    Wie da Nachtwächte Kucklick ömm Schillahaische gefange woa

    Von A. Schmidt

    Önn Seebeck önn dä kline Stadt,
    die kaum 3000 Seele hatt',
    Do woa Ruh bei Tag onn Nacht,
    so lang da Kucklick hill sträng Wacht.
    Wenn dä böß off de Pfaif öm zehne,
    denn kunn man keene Katz meh sehne;
    Nich offern Marcht, och nich ömm Winkel,
    nich am Kanta, nich am Hinkel.
    Ömm zehn schloß jeda Kofmann zu;
    denn ging da Kucklick ooch za Ruh.
    Da setzt söch önnes Schillahaus
    onn schliff söch ongesteat aus.
    Do fing a denn bahl sachtche an
    ze schnarke wie e Dreschamann.
    Da trömt, da sätzt daheeem am Tösch
    on stärkt söch an gebrotne Fösch.
    Fösch oß an ferr sein Lawe gäre,
    do wußt a nömma offzehöre.
    De Mutta schenkt ein Bia ein,
    das macht de Mohlzeit eascht fain.
    Doch höat nu, was waita kamm:
    Als a nu saß am Tösch so stramm,
    do trömt a, daß e grieses Schwein
    getrennt kamm önn de Stowe nein.
    Das schmöß ein ömm de Stuhl am Tösch,
    vaschött ein ooch de letzte Fösch.
    Onn ooch das Kannche möttem Bia
    vaschont nich eenst das Borschtetia',
    Es rennt em kenn de Fiss ooch noch
    onn grunzt gewaltig "och, och, och".
    Onn wia nu so lait onn zabbelt
    onn mötte Häng e römma grabbelt,
    Do merkt a eascht, wo an woa,
    onn klaut söch hellsche hingrem Oa.
    Als hä so soß onn schliff ömm Haische,
    do schlöch söch nämlich ran ganz laische
    En spos'ga Herr aus Graws Hotel
    onn ging dem Schnarka offes Fell.
    Do schmöss a ömm dös Schillahaische
    onn rennt denn rasch zeröck ganz laische.
    Do la da Kucklick wie e Maus
    ömm ömgestölpte Hillahaus.
    Da bolloascht mette Kletz nach obe
    onn fing zuletzt och an ze tobe;
    Da flucht onn wättat off de Borsche,
    onnwett zemorgens noch e forsche.
    Doch all sein Puche, all sein Schömp,
    das hilf ein doch nich off de Strömp.
    Do fing an zuletzt ze schraie,
    daß en eena sull befraie;
    Doch hilf ein alla nich vom Fleck,
    de Nos' bleeb stöcke doch ömm Dreck.
    Do hilf keen Bete, hilf keen Singe,
    da lag se fest wie önne Schlinge,
    Böß öwalangs ömm Segasch drai
    bei Grows gehöat wurd sein Schrai.
    Do kamma denn de Gäste raus,
    onn röchte off dös Schillahaus,
    Das domals stund an Schäfasch Eck,
    wie so e Topp mött fröscha Fleck.
    Ös woa nu de höchste Zeit,
    daß onnsa Kucklick wurd befrait.
    Da woa müd all onn marod
    onn glaubt all söcha anne Tod.
    Nu dankt a sea dise Laite,
    die en aussa Klemm befraite.
    Do göng a heem onn lät söch hön
    onn docht nu so önn seinem Sönn:
    Nu kraifst nich mee önns Schillahaus,
    du kömmst sonst nich mee höl e raus,
    Dem Borgemeesta ging a melle,
    da sullt de Borsche stracks bestelle,
    Da sull se gründlich ooch bestrofe,
    daß se en losse ruhig schlofe.
    Da Borgemeesta wurd nu schlömm,
    onn schöckt rasch önna Stadt e römm
    Onn liess de Borsche verr söch komme.
    Neupauasch, Kutschke, Grammsche, Glomme,
    doch keene wußt was anzegäne
    Von dem, was önna Nacht geschähne.
    Se kriete do bloße Repremende,
    onn die Geschicht ös nu zu Ende
    .

    Aus: ""Sposge Sache zom Lache", in ermländisch-breslauischer Mundart,
    ", verfaßt von A. Schmidt, Hauptlehrer a. D., Seeburg 1913, 2.vermehrte Auflage.
    Erschienen im Verlag Bruno Weiß Nachf. Paul Schmidt, Seeburg, Ostpr.
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:45
    de.wikipedia.org/wiki/Karl_von_Holtei

    Karl von Holtei entstammte einer evangelischen Offiziersfamilie. Seine Eltern
    waren der Hussarenoffizier Karl von Holtei und Wilhelmine, geb. von Kessel. Er
    besuchte das Maria-Magdalenen-Gymnasium in Breslau und studierte anschließend an
    der Universität Breslau Jura. Bereits in seiner Jugend war er als Schauspieler,
    Dramaturg, Regisseur und Bühnendichter tätig.

    Zusammen mit Karl Seydelmann begann Holtei 1815 seine Schauspielerlaufbahn am
    Schlosstheater des Grafen Johann Hieronymus von Herberstein in Grafenort in der
    Grafschaft Glatz. Dort lernte er die Sängerin Louise Rogée kennen, die 1821
    seine erste Frau wurde und nach nur vier Ehejahren verstarb. In Grafenort war
    Holtei in 12 Spielsaisons Leiter des Schlosstheaters. Dort schrieb er auch seine
    ersten schlesischen Dialektgedichte. 1826/27 begleitete er den Grafen
    Herberstein nach Paris. In Grafenort machte er Bekanntschaft mit dem originellen
    Kaplan Georg Seipel, dem er als "Pater Jörgel" in dem Roman "Christian Lammfell"
    ein literarisches Denkmal gesetzt hat. Seine Bühnenwerke "33 Minuten in
    Grünberg", "Die Majoratsherren" und "Der Russe in Deutschland" wurden in
    Grafenort uraufgeführt. 1838 verstarb dort 16jährig sein Sohn Heinrich. Aus
    unbekannten Gründen verlies Holtei 1843 Grafenort, das er als seine zweite
    Heimat bezeichnet hat.

    1824 war Holtei Direktions-Sekretär und Dramaturg am Königsstädtischen Theater
    am Alexanderplatz in Berlin. Von 1837 bis 1841 Theaterdirektor in Riga; dort
    starb 1839 seine zweite Frau, die Schauspielerin und Sängerin Julie Holzbecher.
    1842 übernahm er die künstlerische Leitung des Breslauer Stadttheaters.
    Gastspielreisen führten ihn auch nach Wien, Prag, Dresden, Hamburg und Weimar.

    Holtei war mit Joseph von Eichendorff und Gustav Freytag befreundet. In den
    Jahren 1827, 1829, 1830 und 1831 besuchte er Goethe in Weimar, der seine
    Mundartgedichte lobte.

    Etwa ab dem Jahr 1850 widmete er sich der Herausgabe seiner Theaterstücke und
    versuchte sich auch als Romanautor. Seine Erzählung Ein Mord in Riga war eine
    der ersten deutschen Kriminalerzählungen.

    Ab 1849 lebte Holtei bei seiner Tochter in Graz und kehrte 1863 nach Breslau
    zurück. Als alter Mann fand er Aufnahme und Pflege im Kloster der Barmherzigen
    Brüder, wo er auch verstarb.
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:45
    Schlesien als Sprachregion

    Teilgebiete:

    1. Mundart des Brieg - Grotkauer Landes: „ Druckten een o underwags die
    Stieweln, do zug ma sich die Kloarscha hurtig oam Groabarande aus, hing se sich
    uf de Achsel oder oan a Stoab uf a Rücka, und nu gings borbs und gelenke wie a
    Firlafanz ufs Staadtla zu. Doas woar ´ n Lust, wenn man, und ma koam under da
    grußmächtiga Heffa Leute! “
    2. Diphthongierungsmundarten (=> Glogau, Liegnitz, Breslau)
    3. Gebirgsschlesisch: „Ich hott a Brota schunt gerucha“ („Ich hatte den
    Braten schon gerochen” ).
    Kirschen = Kerscha; essen = assa; Bäumchen ( Bäumlein ) = Beemla; Töpfchen
    = Tippla;
    „Jungla, nimm die Drungla, schlag die Kubulla, daß sie besser tschungla.“
    4. Glätzisch, Glatzer Dialekt: „De aala Braatla haala a” ( Die alten
    Brettchen halten auch).
    5. Kräuter Mundart ( Kräuter = Gemüsebauern )
    6. Neiderländisch: „Der Graußknaicht“. Eich bei a Graußknaicht vau alem
    Schlaag, /Eich schoff und schuffte a ganze Taag. / Eich huo kenn Sunntich is
    ganze Jauhr / Froet ock meen Poer, ´s wirklich wauhr.
    7. Osterzgebirgisch // Nordböhmisch (Reichenberg /Liberec)
    8. Oberlausitzer Mundart (Lausitzisch-Schlesisch)
    9. Oberschlesisch ("Wasserpolnisch")
    10. Oppaland (Troppauer Kreis) / Kuhländchen / Schönhengst / Iglau

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  • hanys_hans 20.05.07, 12:46
    War nischt derheiroat,
    nischt gewinnt, nischt erbt,
    dar bleibt a oarmes Luder
    bis'r sterbt!

    Wenn enner zu woas kumm'm will,
    do muß'r woas derfinn;
    sunnst koannerch's ganze Lab'm lang
    im a poar Pfennge schinn!
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:46
    Abern, Apern - Kartoffeln
    Abernkoallchel - Kartoffelklöße
    Abernmaucke - Kartoffelmus
    ärschlch - rücklings
    Blaaich - Blech
    doasterwaaign - deswegen
    Haarch - Hering
    Huxt - Hochzeit
    Knaaicht - Knecht
    Koastenroaper - Schubkarre
    loabern - unnützes reden
    Mengenke - Flunkerei
    Montch - Montag
    Nubber - Nachbar
    oack - nur
    Oarbeet - Arbeit
    Oaräde - Anrede
    Ploatsch - ungeschickter Mensch
    raaicht - recht
    Seeger - Uhr
    Simd - Sonnabend
    Simdvirmittche - Sonnabendvormittag
    troige - trocken
    Uhren - Ohren
    Waaig - Weg
    Woin - Wagen
    Woampe - Bauch
    Zutsch - Gezeter

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  • hanys_hans 20.05.07, 12:47
    " Oack ne jechn! "

    was soviel heißt wie "Immer mit der Ruhe!".

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  • hanys_hans 20.05.07, 12:47
    Iech wor dr‘heeme. -> Ich war zuhause.
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:48
    MC "Schlesische Mundart " von Johannes Renner
    Wiedersehen mit der Heimat Schlesien.
    Inhalt u. a.:
    "Das Hitrogbratla"
    "Halleluja Frau Pastor"
    "Jetzt wird gesturba"
    "Doas lied vom Reißa"
    u. v. a. m.


    www.schlesien.de/shop/index.php4?classname=store.product&classaction=detail&id=38

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  • hanys_hans 20.05.07, 12:50
    Ma muß awing ei Übung bleiba

    Die schläsche Sproache, möchte ma sprecha,
    doas möchte ich euch, ihr Schlesier soan,
    doo muß ma baale dermiet recha,
    doaß sie kee Mensch mehr sprecha konn.

    Die aala Leute, dies verstonda,
    die drieba uufgewachsa sein,
    schläsch lasa und oo sprecha kunnta,
    warn immer weniger, saats ok ei!

    Is gibt goar viele schläsche Bichla,
    ma sommelt sie und hebt sie uuf,
    uff su Geschichtla und oo Sprichla.
    Doo hiert a jeder gerne druuf.

    Ma muß awing ei Übung bleibe,
    a Kindern woas uff schlesisch soan,
    die Heemte sull ma oo beschreiba,
    hott ihrs gehiert ? – Doo fangt ock oa!

    Sieglinde Gottschall
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  • hanys_hans 20.05.07, 12:50
    „Huch, huch sulln se laaba“, ruffa de Gäste
    immer wieder beim freudigen Feste.
    Denn Ihr misst wissa, der Günter und de Hanne, seine Braut,
    die wurda vor 50 Joahrn miteinander getraut.
    Doamoals fond ar de Rechte, dar is gutt.
    Sie is a lieb Madel, wie Milch und Blutt.
    Und heute is Huxt – juchhe, Holdriho!
    Ar is so glicklich, woaß fahlt im denn no?
    In de Toafel rim freun sich de lustiga Gäste,
    aus Kiche und Keller fuhr uff ma is Beste.
    Ma hoat a dam Tage no schrecklich viel fier,
    mit’m Tanza und Singa, beim Schnops und beim Bier.
    Ma machte sich dann endlich zum Heemgiehn bereit –
    is junge Vulk blieb ganz gerne no do.
    Doch oalles is sich hier eenig und kloar:
    Doas de Huxt wirklich eenzig schien woar.
    Un nun Günter sein Geständnis:
    Ich gestieh ohne mich zu schama,
    ich bin der Hanne schrecklich gutt.
    Toat se aus purer Liebe nahma,
    do woar se halt a guder Hutt.
    Mehr sein so altmodisch und ohne Treue,
    tutts ferr ins keene Ehe gahn.
    Drum kinn mer jitzt und ohne Reue
    da langa Weg zurücke sahn.
    Dann sein mer Hand ei Hand geganga,
    mer wullda stets beisoamma sein.
    Und sein o runzlig jetzt Wanga,
    mei Weib wird mer de Schinnste blein.

    Erwin Fellendorf


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  • hanys_hans 20.05.07, 12:51
    Die Schlietafoahrt - Ernst Schenke

    Fertig stieht derr gruße Schlieta,
    Jitze werd'n Faohrt gemacht!
    War läßt sich doas zweemoll bieta?
    Frisch geschneit hoots über Nacht.
    O die Freede doas Vergniega,
    Immer uff derr Strooße lang:
    Kling klang, kling klang,
    Hurtig eigestiega!

    Kling klang, kling klang,
    Klingelt inse Schelle.
    Hott'err euch gutt eigepackt?
    Hübsch die Beenla zugedackt?
    Uufgepoßt, hier hoot derr Wäg
    Schunt awig Gefällt
    Kling klang, kling klang,
    Klingelt inse Schelle.

    Kling klang, kling
    Flocka schneits vom Himmel.
    Satt ock, wie derr Roppa jecht,
    Macht merr bluuß doas Fahrd nicht schlecht!
    Und demaba, wie geschmärt,
    Troabt der Hons, derr Schimmel.
    Kling klang, kling klang,
    Flocka schneits vom Himmel.

    Kling klang, kling klang,
    Giehts wie lauter Glöckla.
    Über Schulza's Wiese naus,
    Durt guckt schunt derr Kerchturm raus,
    Durt ies schunt is Nupperdurf,
    Bei jem Ackerfleckla.
    Kling klang, kling klang,
    Giehts wie lauter Glöckla.

    Kling klang, kling klang,
    Doß merr bluuß nich kippa.
    Setzt euch feste uff a Sitz;
    Denn is gieht bergrunder jitz.
    Follt merr bluuß nich etwand raus,
    Brecht merr nich die Rippa!
    Kling klang, kling klang,
    Doß merr bluuß nich kippa.

    Hingerm dritta Windmühlhübel
    Kehrn merr ei a Kratschem ei.
    Zuviel Kälde ies vom Übel,
    Kratschmer, breng woas Wormes rei!
    Obends fünkeln olle Sterne,
    Und merr foahrn die Strooße lang,
    Kling klang, kling klang,
    Schien brennt die Laterne.



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  • hanys_hans 20.05.07, 12:51
    Der Kachelufa - Walter Hübner-Fischbach

    Eim Kachelufa kroacht dos Kien, die Scheitla tun sich wärma,
    Setz dich ock schnell uffs Bänkla hien an tu vum Summer schwärma.

    Noch hot der Winter seine Kroft, die Kälte will dich schinda,
    Doch hots dos Üfla stits geschofft, zu wärm die kleena Kindla.

    A wärmt au Mutter, Voter und die Muhme, inse Gutte,
    An au dos Hundla hingerm Grund, sitzt do - an freet sich dutte.

    Der Voter steckt sichs Pfeifla oan, die Mutter stuppt die Sucka,
    Dos Katzla fängt zu schnurra on die Kinder, die wulln bucka.

    Dann schlofa sie gemittlich schien eim Bette underm Kissa,
    An träum wie bale Blümla bliehn. Schnieglöckla an Narzissa.

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  • hanys_hans 20.05.07, 12:51
    Is Frühjoahr kimmt! - Elisabeth Hauke

    Derr Christboom liegt noch hingerm Stolle, is Neue Joahr is längst verbei.
    Beim letzta, leisa Flockenfolle wünscht ich doas Frühjoahr mir herbei.

    Doas bißla Schnie nooch uff a Wiesa werd vu derr Sunne weggewischt.
    Wu unterm Eis de Bächla fließa, an grüne Decke ufgetischt.

    Vo olla Berga spür' ichs kumma, a reenes Lüftla, mild und kloar;
    hoab schun a erschta Stoar vernumma, is wird bestimmt a gudes Joahr.

    Baald giet derr Pauer uff de Felder und de Natur wird fruh gestimmt.
    Is singt und grünt ei Flur und Wäldern:
    Freut euch, ich Leute, is Frühjoahr kimmt!


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  • jaborygyn 31.08.07, 12:15
    Dojzdzrou`ech sam kans wortoov ze tuplowanyma "oo", jak we
    szrajboongu podle Tadzikowego mustra?!

    Cy by to n'y boou sztych do bitvy uo taky zapisowan'y we
    Schloonzskym schyloonygo "o"?
  • hanys_hans 01.09.07, 21:32
    jaborygyn napisał:

    > Dojzdzrou`ech sam kans wortoov ze tuplowanyma "oo", jak we
    > szrajboongu podle Tadzikowego mustra?!
    >
    > Cy by to n'y boou sztych do bitvy uo taky zapisowan'y we
    > Schloonzskym schyloonygo "o"?

    Teroski widzisz co to niy je Tadzikowy muster ino richtik blank stary Sloonski
    muster...

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  • hanys_hans 20.05.07, 13:07
    Max und Moritz von Wilhelm Busch
    in der Mundart der Grafschaft Glatz
    von Erhard Gertler in Grafschafter Mundart übertragen - frei nach Wilhelm Busch



    Max on Moritz

    Ääne Jongageschechte ei sieba Stecklan
    ei's Pauersche ieberträän
    vu Gertler Erhardtan (Glootz)

    Max on Moritz, wie se woarn,
    Hielda oalle Welt zom Noarrn.
    Uufgemoalt on zom Betrachta,
    Siste woas die Beeda machta.
    Warscht vielleichte drieber lacha,
    Weil se doas met dir nee macha,
    Oaber tu ocke bedenka:
    Wie des treibst, watt's diech a lenka!
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  • hanys_hans 20.05.07, 13:07
    Vannaweg

    Nä, woas liest on häärt ma heute,
    Vu a Kendarn bloos ihr Leute!?
    Neuliech erschte vu daan Della,
    Max on Moritz, - em Goot's Wella!

    Max und Moritz

    Die woarn a doarch guude Lährn,
    Nee a Beßla zo bekährn.
    Toata heechstens drieber spotta,
    Weil se nischt eim Steppel hoatta.
    Fer die Tommhäät woarn se gutt,
    On es fahlt 'a nee oa Mutt.
    Äppel, Bärna, Quatschka stahla,
    Leute frech zom Offa haala
    Uubadruuf nooch Viecher queela!
    Och, woas kennt ma oalls derzehla! -
    Bloos ei Kärche oder Tschule,
    Stelle setza off'm Stuhle,
    Doas woar fer die Beeda nescht,
    Oaber, 's hoat se doch derwescht.
    Nä, doas woar a biese Deng,
    Wie's daan beeda Perschlan geng!
    Derwääjen ies, woas se getrieba,
    Uufgemoalt on uufgeschrieba.
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  • hanys_hans 20.05.07, 13:10
    Erschtes Steckla

    Moancher tutt siech sehr bemiehn,
    Faaderviechzeug uufzoziehn.
    Erscht amoal der Ääer wääjen,
    Sein die Veechel schonn a Sääjen.
    Zweetens derf ma nee vergassa,
    Koan ma se oals Broata assa.
    Drettens sein se zo beroppa,
    On die Faadarn koan ma stoppa,
    Ei die Kissa, ei die Bette,
    Weil ma's ganne woarm halt hätte.

    Witwe Bolte, satt ock har,
    Wullde halt asu woas a.

    Denn oa Hinnarn hoat se dreie ,
    On änn Hoahn miet ei der Reihe.
    Max on Moritz doochta glei:
    Doo ies woas fer ons derbei.
    Bessres kunde siech nee bieta,-
    Flink werd Bruut atzwee geschnieta,
    Ei vier Tääle, jedes Stecke,
    Wie a klääner Fenger decke.
    Ieberkreutzt, ganz vanna droa,
    Kneppa se die Stecklan oa.

    Leen die Fäden dann genau,
    Ei a Hof der guuda Frau.

    Kamm hoat doas der Hoahn derschnoaba,
    Hoat a schonn a Koop gehooba.
    Kreht ganz laut : Kikerikie!
    's renna glei die Puttlan hie.

    Hoahn on Hinner picka druuf,
    Jeder siech a Bräckla uuf.

    Noach em Schlenga, satt ock satt!
    Kund kä äänzjes nemme fatt.

    Zärrn siech salber kreuz on quaar,
    Met daan Brocka hie on har.

    Flattarn ängstliech ei die Hieh,
    Jesses nä! Satt bloos nee hie!

    On se blein met ihan Stränga,
    Oa äm därra Oaste hänga.
    A goar jämmerlieches Klään,
    Gieht etza doarch Mark on Bään.

    Dreimoal klatschts nooch! Ei! Ei! Ei!
    Met'm Laaba iss verbei.


    Witwe Bolte ei der Koammer,
    Häärt eim Bette doas Gejoammer;

    Bieses oahnt se on stärzt naus:
    "Goot du nä!" Woar doas a Graus

    "Kullert, kullert ock ihr Träpplan,
    Datte, datte ei a Äppan,
    Meine Hoffnong on mei Traam,
    Baumelt off'm Oappelbaam!"

    Glei dernooch, ei vuulem Schmerze,
    Foast se siech a schonn a Herze,
    Nemmt doas Masser, setzt es oa,
    Schnätt se vu daam Oaste roa.

    On met tiefem Trauerblecke,
    Wackelt se ei's Haus zorecke.
    Soa, doas Steckla ies verbei,
    Oaber's zweete kemmt ju glei.
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  • hanys_hans 20.05.07, 13:11
    Zweetes Stecke

    Wie die Witwe Bolte donda,
    Hoallwägs oalls aweng verwonda,
    Toat se hie on har semmliarn,
    Woas de etza selt poassiearn?
    Ob ma die Verstoarbna kende,
    -Die zo zeitiech on geschwende,-
    Ganz em Stella on ei Ährn,
    Gutt gebroata nooch verzährn.
    Freiliech woar die Trauer gruuß,
    Wie se nackiech on ganz bluuß,
    Oabgeruppt oam Uufa hinga,
    Die vu Taaga nooch on ginga,
    Iebra Hof, ieber a Goarta,
    Emmer hibsch ein Sande schoarrta.-

    Och, die Bolten flärrte wieder,
    On der Spetz toat prav on bieder.
    Max on Moritz mochta's richa,
    Schnell offs Daach toata se kricha.

    Doarch a Schorstään zom Vergnieja,
    Sahn se datt die Hinner lieja,
    Die schonn ohne Koop on Gorjan,
    Goldbraun ei der Pfoanne schmorjan.

    Groade gieht met'm tiefa Taller,
    Witwe Bolte ei a Kaller.

    Zo da brauna Hinnerbrost,
    Kriecht off Sauerkraut se Lost,
    Schien met Zwiebel on met Speck,
    Potzt se ganze Tallvel weg.

    Off'm Dache ies woas luus,
    Ääne Frääde riesengruuß.
    Max hoat, doas a oalles kloappt,
    Ääne Angel mietgeschloappt.

    Wuppdiech! Doarch a langa Schlond,
    Kemmt der erschte Voojel schonnt.
    Klack! Oam Hoaka hängt der Zwette;
    Husch! Zor Esse naus der Drette;
    Wupps! Der Vierte da verschwend,
    Doarch a Schornstään, wie der Wend.
    Spetzla soach doas ganz genau,
    On a machte glei Radau.

    Flink vum Dache, fatt blooß fatt,
    Met der Beute, satt ock satt!

    Jeckersch nä, woas sool doo waan,
    Wenn die Bolten doas watt sahn!?

    Doo stieht se wie oagenitt,
    Wie se ei die Pfoanne sitt.

    Oalle Hinner die woarn fatt.-
    "Spetz!" doas prellt se, "Watt ock, watt!

    Hundoos! Verpochtes Viech!
    Oaber etz versohl iech diech!"

    Met'm Läffel, kreuz on quar,
    Zieht se iebersch Spetzla har.
    Da zerrt naus on jault derbei,
    Denn a fiehlt siech scholdenfrei.

    Max on Moritz, schien verstackt,
    Schnoarcha, weil se vuulgesackt.
    Bäuche hoan se, gruuße Beula,
    Ei a Guscha Hinnerkeula.

    Doas zweete Steckla ies verbei,
    Oaber's Drette kemmt ju glei.
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  • hanys_hans 20.05.07, 13:14
    Drettes Steckla

    Oalla woar a gutt bekannt,
    Schneider Bäck wurd a genannt.

    Wochakroam on Roockoazieche,
    Schwoalbaschwänze zor Genieche,
    Hoosa, Westa met zich Toascha,
    Decke Joppa on Gomoascha, -
    Oalle Klonkan die ma wullde,
    Machte Bäck, wenn a on sullde.
    On a toat siech nee ärn drecka,
    Woas zo ändarn oder flecka.
    Drooselte a Knäppla rem,
    Woar doas goar nee asu schlemm.
    Henda, vanna, eins, zwei, drei,
    Wie on wu, a machts halt glei.
    Oalles koan der Määster Bäck,
    Denn doas ies sei Lääbenszweck.
    Joa, asu änn guuda Moan,
    Jeder mecht zom Freunde hoan.
    Max on Moritz oaber doochta,
    Wie se daan ei Raasche broochta.
    Nämliech, noahnde bei säm Hause,
    Lief 'n Baache met Gebrause.

    Iebersch Woasser leit a Braat,
    Doas verbend änn Troampelpfaad.

    Max on Moritz tun ganz ääja,
    Heimliech fix a beßla sääja.
    Met ämm Raatze glei a Stecke,
    Schneida se doo ei die Brecke.
    Wie die Sääjerei verieber,
    Plääka se zom Hause nieber:

    "Rietzraatz, rietzraatz, Schneidernaatz,
    Kemmt zom Gassla reigeraatzt!"
    Oalles kunde Bäck verträän,
    Bloos nee Schneidernaatz zo sään!
    Wenn a 's äämoal bloosich hoarte,
    Ei'm die Buust wie Feuer bohrte.

    Uufgescheucht, met seiner Elle,
    Berscht a fer die Haustierschwelle.
    Häärt eim Ärjer zom "Rietraatz,"
    Emmer wieder: " Schneidernaatz!"

    On schonn ies a off der Brecke,
    Krach! Doo brecht se ei zwee Stecke.

    Wieder klengt's vu weitem keck:
    "Schneidernaatz!" Dann plumpst a weg.

    Wie a on ies huuchgekoamma,
    Kemmt a Gänsepoar geschwoamma.

    On bevor a ganz versackt,
    Schnell a nooch a Flossen packt.

    Beede Pfuuta ei der Hand,
    Fliecht a miet' a o a Rand.

    Na, doas woar nee groade schien,
    Schwuppenoaß sitt man doo giehn.

    Glei dernoochern vu daam Flattarn,
    Kriecht a ennerlieches Mattarn.

    Doo muuß ma die Bäck'n preisa,
    Die me'm hääßa Biejeleisa,
    Ieber Bäckas Wampla gieht,

    Bes der Kroampf siech ganz verzieht.
    Jeder sääte: " Weßt 'ärn schonnt!?
    Bäck ies wieder ganz gesond!"

    Soa, doas Steckla ies verbei,
    Oaber's vierte kemmt ju glei.
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  • hanys_hans 20.05.07, 13:19
    Viertes Steckla

    Ääs, doas selda oalle wessa,
    Doaß die Menscha lanna mesa.
    Jeder meßte, wenn a's koan,
    's Alphabeet eim Steppel hoan.
    Nee allääne Laasa, Schreiba,
    Sool vernempftiech ma betreiba;
    Nee off's Rechnan blooßiech sahn,
    Siech derwääjen Miehe gaan,
    Sondan a die weisa Lährn,
    Muuß ääs met Vergniejen häärn.

    Doas ma's met Verstande machte,
    Lährer Lämpel drieber wachte
    Max on Moritz mächt ma sään,
    Toat doas wetter goar nee frään.
    Nä, doo goaba se nischt druuf,
    Poaßta nee derwääjen uuf.
    Nu, doo woar der prave Lährer,
    Doch vum Tobak a Verährer.
    Woas, doas ies doch kääne Frooche,-
    Nooch da ganza Taagesplooche,
    Asu a guuder aaler Moan,
    Siech a werkliech genna koan.
    Max on Moritz ieberleeta,
    Wie se daam a Deng woll drehta?
    Ob a met sänn Tobakpfeifa,
    Datt vielleicht wär oazogreifa?
    Äämoal, es woar Sonntiechs goar,
    Lämpel oa der Orjel woar,

    On o a Registarn zuuch,
    Doas doas Kärchadaach siech buuch.
    Schliecha siech die beeda Ranga,
    Ei sei Häusla met Verlanga,
    Wu die Määrschaumpfeife stoand,
    Die der Maxe a glei foand.

    Moritz, aus der Hoosatoasche,
    Zieht die Flentapolverfloasche.
    Schitt oalls ei die Pfeife nei,
    's ies die räänste Zauberei. -
    Schnelle etz Reißaus genomma,
    Glei watt Lährer Lämpel komma.

    Da dreht em die Ecke nemm,
    Groade schonn a Schlessel remm.
    Seine Nota hoat a miete,
    Loascht nu hääm, met miedem Schriete,

    Ganz zofriede eim Gemitte
    Nieber ei die aale Hitte.

    Dankboarkeit zieht ei em noa,
    Wie a zend sei Pfeifla oa.

    On dann sprecht a: " Woas änn fräät,
    Ies halt die Zofriedenhäät!"

    Rums! - Doo gibts änn gruußa Knoal,
    Doas ei Brocka ieberoal,
    Flieja oalle Mebelstecke
    On eim Quoalme hooka decke,
    Seejan Teppla, Tintafoaß,
    Tobaktuuse, Woassergloas.

    Onderm Doampf, doar oalls bestaabt,
    Sitt ma Lämpel, dar nooch laabt,
    Oaber off'm Recka liecht,
    Denn a hoat woas weggekriecht.

    Noase, Hand, Gesechte, Ohrn,
    Die sein schwarz, wie bei a Mohrn.
    A die Loada off der Bärnne,
    Sein rasiert bes off's Gehärnne.

    War sool etz die Kender lährn,
    A Verstand bei a vermährn?
    War sool fer a Lämpel macha,
    Seine ganza wechtja Sacha?
    On erscht räächa koan a nee,
    Denn die Pfeife ies atzwee.
    Met der Zeit werd oalles gutt,
    Bloos die Pfeife bleit kaputt.

    Soa, doas Steckla ies verbei,
    Oaber 's femfte kemmt ju glei.
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  • hanys_hans 20.05.07, 13:21
    Femftes Steckla

    Ganz ägal oa welcha Ecka,
    Ääner hoat äann Onkel stecka.
    Da sool siech em a bemiehn,
    Denn asu woas fend a schien.
    Emmer freundliech tutt man grissa,
    Räumt em oalles vu a Fissa.
    Brängt 'm groade woas a wiel,
    Zeitong, Pfeife, Faaderkiel,
    Wenns a'n ärjend wu on dreckt,
    Räßt on bäßt, oder goar zweckt,
    Ies ma eifriech bei der Hand,
    Bes die Schmerza sein verbannt.
    Oder doas nooch a poar Priesa,
    A der Onkel meßte niesa,
    Sprecht ma: " Prost!" on freet woas hoat?
    "Dankscheen!" - "Na, doo half Euch Goot!"
    Kemmt a speet oam Oamde hääm,
    Tutt ma'm oalls zo Hofe trään
    Stiefan, Pootscha, Metze, Weste,
    Steckt a woarm, ies doas doas Beste.
    Denn met sechna wenzja Sacha,
    Koan ma 'm Onkel Frääda macha.
    Max on Moritz, och Herr je!
    Poaste woll doas Ganze nee.
    Härcht ock, met woas fer am Denge,
    's Onkel Fretzan biese genge.

    Na, ihr weßt doch ganz gewieß,
    Wenn Mäakaaferzeit on ies.

    Ei a Bääma hie on har,
    Fliecht on krecht on kroappelt dar.

    Max on Moritz satt ock oa,
    Schittan se vum Baame roa.

    On se spärrn, du meine Gitte,-
    Oalle Viecher ei die Titte.

    Loan se danne wieder glei,
    Onder Onkels Ziche frei.

    Miede ies der Onkel, siste,
    On a klattert ei die Kiste.

    Nooch am Beßla ei siech hoarcha,
    Fengt a a schonn oa zo schnoarcha.

    Doo off äämoal knesterts, rääschelts,
    Off der Decke kroatzts on knärschelts.

    Ääner, dar de vanna droa,
    Grefft glei Fretzas Noase oa.

    "Ha!" pläkt a, "War zweckt 'n miech!?"
    Packt a schonn doas biese Viech.

    Druuf met Klatscha on met Klooppa,
    Sitt ma'n aus 'm Bette hoppa.

    "Do!" Schonn wieder hoat a änn,
    Oam Genecke o a Bänn.

    Onkel Fretze keilt on schleet,
    Oalles woas siech em a dreht.

    Dann ei seiner gruußa Wuut,
    Quetscht on troampelt a se tut.

    Oalle iss met euch woll jetzt!?
    Gell, ihr Eeßer, etza etz!

    Senkt dann ei die Kissa nieder,
    Onkel Fretze schnoarcht glei wieder.

    Soa, doas Steckla ies verbei,
    Oaber 's sexte kemmt ju glei.
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  • hanys_hans 20.05.07, 13:22
    Sextes Steckla

    Bäcker bränga siech hoalb em,
    Groadenet, em Uustarn rem,
    Wenn se lauter guude Sacha,
    Fer die Feiertaage macha.
    Max on Moritz schmeltzt der Gauma,
    Guttzlan hooats datt, zom Verstauma!

    On derwääjen hoat entschlossa,
    Määster 's Backhaus oabgeschlossa.

    Also, wiel doo ääner moppsa,
    Muuß a doarch die Esse hoppsa.

    Huuusch! Doo koamma schonn zwee Roaba,
    Doarch die Esse noa gestoaba.

    Och, se stärza, - siste, siste!
    Glei ei 's Mahl doo ei der Kiste.

    Doo! Doo sattersche a baale,
    Schluhweiß! On zengstrem met Mahle.

    Oaber glei, zo iham Vergnieja,
    Sahn se Pratzalan datt lieja.

    Knacks!! - Doo gieht der Stuhl atzwee;

    Jeckersch! Jeckersch, je mie nee!

    Ganz eim Tääge eigehellt,
    Ies doas nee a Joammerbeld?

    Schonnte kemmt der decke Bäcker
    Packt siech glei die Zockerschlecker.

    Weckelt se eim Tääge ei,
    Bruute war'ns em eins zwei drei.

    Ei a Uufa, dar nooch glieht,-
    Nei! - Doas euch oam Hendarn brieht!

    Raus dermiete, aus der Glutt;
    Denn etz sein se braun on gutt.

    Jeder denkt, etz sein se fatt.-
    Oaber nä! Nä! Satt ock satt!

    Knack! Knack! Knack! Ärnt wie zwee Mäuse,
    Frassa se siech doarchs Gehäuse.

    On der Bäckermääster sitt:
    "Och Herr je! Doo lääft der Kitt!".

    Soa, doas Steckla ies verbei
    Oaber 's letzte kemmt ju glei.
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  • hanys_hans 20.05.07, 13:23
    Letztes Steckla

    Max on Moritz, wehe oich!
    Etza giehts ioch glei oas Zoich!

    Warom messa die zwee Frecha,
    Lächer ei die Säcke stecha??

    Satt, doo schleppt der Pauer Mecke,
    Groade seine Kärnersäcke.

    Oaber kamm, doas a on naus,
    Lääft der erschte Saak schonn aus.

    Sprecht eim Emdrehn : "Haat Iech deechte,
    Da verliert schonn oa Gewechte!"

    Ha! Doo sitt a vuller Frääde,
    Max on Moritz eim Geträäde.

    Schwupps! On flink, on zack, zack, zack!
    Sackt a ei , doas Lumpapack.

    Max on Moritz werd ganz schwiele,
    Denn etz komma se zor Miehle.

    "Meller! Meller! Komm ock schnelle!
    Moahl mer doas doo off der Stelle!"

    "Har dermiete! Hoarttiech!" sprecht a,
    "Nei! Met daan zwee biesa Frechta!"

    Racke! Racke! Racke! Racke!
    Knärscht die Miehle met Geknacke.

    Och, woas muuß ma schließlich sahn,
    Koan aus sechta Kallslan waan!?


    Endliech, doas mersch nee vergassa! -
    Hoan die Gänse se gefrassa.
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  • hanys_hans 20.05.07, 13:24
    Henderhar

    Kam ies Trauer eigekährt,
    Wie eim Dorfe ma's erfährt.
    Witwe Bolte, wääch on melde,
    Sproach: "Etz bien iech erscht eim Belde!"
    "Ju, ju!" Määnte doa der Bäck,
    "Jongastecklan hoan känn Zweck!"

    "Sattersch! Sattersch!" sääte Lämpel,
    "Asu giehts ä'm tomma Plempel!"
    "Freiliech !" rief der Bäckermääster,
    "Luuder woarn se schonn, die Ääster!"
    "Ausgezoahlt!" schempft Onkel Fretze,
    "Hoan siech etz die tomma Wetze!"

    "Jo, jo!" hiehnte da Pauer Mecke,
    "Die woarn halte zu gemecke!"
    On eim Oarte gings zengstrem,
    Em die Beeda iss nee schlemm!
    "Goot sei's gedankt, es ies verbei,
    Met der Iebeltäterei!"

    aus: "METAMORPHOSEN. Neue Mundartübersetzungen des MAX und MORITZ",
    herausgegeben von Prof. Manfred Görlach, Universitätsverlag C. WINTER,
    Heidelberg, 1998
    mit freundlicher Genehmigung des Autors Erhard Gertler

    Text mit einem Teil der Abbildungen abgedruckt in
    "Grofschoaftersch Häämtebärnla - Jahrbuch 1999 der Grafschaft Glatz", S. 134-
    139,
    Verlag Zentralstelle Grafschaft Glatz e. V., Lüdenscheid, 1998
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  • szwager_z_laband 20.05.07, 17:30
    obejz, a my mysleli ze Mafiozy som we Gliwicach;)
  • hanys_hans 03.07.07, 22:02

    Grüßt mir das alte Odertor,
    Mit seinem Bahnhof dicht davor
    Grüßet die Schwedenschanze mir
    Grüßt mir das alte Bitterbier,
    Grüßt Scheitning mir und Morgenau,
    Grüßt mir das Rathaus alt und grau,
    Grüßt mir den Graben in der Stadt
    Weil er die fett`sten Karpfen hat.

    Laßt mir mein altes Odertor,
    Mit seinem Bahnhof dicht davor,
    Lasset die Schwedenschanze mir,
    Laßt mir das alte Bitterbier,
    Laßt Scheitning mir und Morgenau,
    Laßt mir das Rathaus alt und grau,
    Laßt mir mein liebes Schlesiertal,
    Grüßt mir mein Breslau 1000 mal.
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  • hanys_hans 03.07.07, 22:03
    Uff derr Uder

    Uff derr Uder bien iech derrheeme,
    mei Koahn ies meine Welt,
    Wosser, Strand und Beeme,
    nischt, woas merr besser gefällt.

    Meine Arbeit ies mei Stulz,
    iech foahre Eisa, iech foahre Hulz,
    Kohle aus oberschlesischa Gruba,
    Steene aus insem Geberge druba.
    Iech foahre Garschte,
    iech foahre Weeße.-

    Woas Tausende schoffta mit Mühe und Schweeße.
    Über merr huuche die Wulka hziehn,
    frisch bläst merr derr Wind ei die Hoare,
    meine Reise gieht weit ei die Fremde hien,
    iech foahr, iech foahre.

    Wosser, Strand und Beeme,
    nischt, woas merr besser gefällt,
    iff der Uder bien iech derrheeme,
    mei Koahn ies meine Welt.

    Uder= Oder, Garschte= Gerste, Weeße = Weizen.
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  • hanys_hans 03.07.07, 22:03
    Der Zutaberg (Zobtenberg)

    Ach Zutaberg! Du schiener, blooer Hübel,
    Du bist urnar a Wächter uf em Turm,
    Du meld’st uns iglich Guttes, iglich Übel,
    Du meld’st uns Rägen, Sunneschein und Sturm.
    Wie uffte ha ihch nich gelinzt aus meinem Stübel,
    Nach dir gelinzt und deiner Ohnefurm:
    Denn warschte bloo, do kunnt ma Rägen spieren,
    Und warschte groo, do gingen ber spazieren.”
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  • hanys_hans 03.07.07, 22:04
    Mei Gartla

    A Gartla muuß ma honn verr siech
    Schien eigeteelt und ohne Viech
    Gutt eigezehmt und ne zu gruuß
    Doss ma sich ne obrackern muuß
    Is ies zu wink a Blumrabatla
    Schunn besser is a kleenes Gartla
    Mit Beemla, Sträuchern und mit Bätlan
    Mit Bluma, Grienzeug und mit Heetlan
    An hinda eene Summerlaube
    Do koan ma ausruhn wie an Taube
    Ies schien, - do hoot ma viel zu tun
    Zu groaba, jata und begissa
    Denn die Suloate sool ne schissa
    Wenns rahnt, do gieh ich nei eis Haus
    Und sah vergniecht zum Fanster naus
    Do sools doch watern an au blitza
    Doas koan ju bluus mem Gartla nitza
    Denn Rahn muuß sein, und Sunnaschein
    Do koan dann olles gutt gedeihn
    An au derr Wind dar darf ne faaln
    Sust konnste tube Blieta sahn
    Dos andre macha Binn an Hummeln
    Die sich dann uff da Blieta tummeln
    Die summa und die fliega rimm
    Vu vorne har bis hinda nimm
    Und lohn sich vu kemm Menscha schtiern
    Die wulln doch kene Zeit verliern
    Aus damm wert dann, siehs eene Pracht
    Dar schiene Honig draus gemacht
    An frieh, wenns nooch ganz duuster ies
    Do sah ich naus, wie`s Water ies
    Is Fanster mach ich uuf ganz leise
    Do pfefft oo schunn die erschte Meise
    Die huppt dan ei memm Gartla rimm
    Und sitt sich schunn nooch Wermlan im
    Die Laubehoa ich austaffiert
    mit Bluma, wie sichs doch gehiert
    An uff dos Daach an Waterfoane
    Mit am geschnitzta Gockelhoane
    Do sah ich wu derr Wind har kimmt
    Und wie is Water sich benimmt
    Doas ies dann meine klene Welt
    Die mich da hier zusomma hält.

    Arthur Trauschke
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  • hanys_hans 03.07.07, 22:05
    "Gleetzisch"

    "Dodoowa been ich derhaime"
    Nammt a Stecka ei de Hand,
    Lott ons of de Barje steija!
    Satt, wos fier a Wonderland
    Onsa Aacha sich tutt zeija!

    Leit's nie donda heegebrätt,

    Wie a hibsch gemostert Tichla?
    Oawer goar, wenn ainer hätt
    Oofgebleetert's Belderbichla?
    Dodoowa been ich derhaime,
    Wuu zengstrem Barje stehn.
    Mai Groofschoft, mei ainzije, klaine,
    Du Ländla, wunderscheen!

    Robert Karger
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  • hanys_hans 03.07.07, 22:05
    Derr Graußknaicht
    (von Arthur Schoke)

    Eich bei a Graußknaicht vau alem Schlaag,
    Eich schoff und schuffte a ganze Taag.
    Eich huo kenn Sunntich is ganze Jauhr
    Froet ock meen Poer, 's wirklich wauhr.
    Zwee Sackvell truo eich uff eimuol weg,
    A stärksten Kerle, eich schmeeß'n ei a Dreck.
    Maukleißol aß eich dree Schissoln uff,
    En Rinken Klaublichwurscht noch aubendruff,
    Und Laderhausen, die huo eich au,
    Und Taubak schnupp eich, 's ie halt asau.
    Mei Vuoter seelig kunnts au nie laun,
    Und eich bei ebens see eenz'ger Sauhn.
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  • hanys_hans 03.07.07, 22:06
    "Tausend Worte Schlesisch"
    (Von Ernst Schenke)

    Jeder Mensch, woher er auch mag stammen,
    Redet gern, wie ihm der Schnabel wuchs.
    Doch wenn er mit "Höhern" kommt zusammen.
    Wird er vornehm und besinnt sich flugs.
    Denn der Dialekt paßt nicht für jeden,
    sagt er sich teils ängstlich, teils mit List,
    Aber wir wolln jetzt mal "Schlesisch" reden,
    Wie der Schnabel uns gewachsen ist.
    Assa, trinka, schloofa, stiehn und sitza
    Sagt bei uns der Mensch, der sich nicht ziert.
    Renna, loofa, liega, friern und schwitza,
    Das wird hier von jedermann kapiert.
    Essen, trinken, schlafen, stehn und sitzen
    Ist auch in der Schläsing täglich Brauch;
    Rennen, laufen, liegen, friern und schwitzen
    muß der "Usinger" wie andre auch.
    Wischt er die Nase sich, so ist's die "Noase",
    Läßt er sich einen Zahn ziehn, ist's "derr Zoahn",
    Schießt einen Hasen er, so ist's "derr Hoase",
    Die Frau, das ist "die Froo", der Mann "derr Moan".
    Uba, unda, haußa oder hinne
    Bringt der Schlesier sein Dasein zu;
    Kommt er nicht hinaus, so steckt er drinne,
    "Trübetimplich" ist er, doch auch "fruh".
    "Mucksch" ist er mitunter, "mieseldrähtig",
    "Eppsch" tun kann er, wenn ihn was verdrießt,
    "Freindlich" kann er sein, jedoch auch "grätig",
    Wenn er hustet, "kuuzt" er, dieses "Biest".
    Liebt er ein "Madel", nennt er sie "is Schatzla",
    "Mei Schamster" sagt zu ihm das junge "Blutt";
    Umhalst er sie und gibt er ihr "a Schmatzla",
    Spricht leise sie zu ihm: "Iech bien derr gutt!"
    Ist die Liebe dann soweit gediehen,
    Daß 'ne Heirat draus wird, macht er "Huxt",
    Möglichst wenn im Mai die "Beeme bliehen",
    Und da wird getanzt, "geteebst", "gejuxt".
    "Kließla" gibts von frischem "weeßnem Mahle",
    "Sträselkucha", Sauerkraut und "Krien"
    und "derr Bräutjam" spricht zur Braut: "Na, Ahle,
    Is's uff inser Huxt nich wunderschien?"
    Doch später, da gibts "Surga monch Gebindla",
    Do wird "is Köppla" schwer "als wie a Kerbs"
    Und wenn "derr Seeger" schlägt "is letzte Stündla"
    Spricht er: "Ju, ju, iech gieh jitz uff a Sterbs".
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  • hanys_hans 03.07.07, 22:59
    Die schlesische Mundart
    (Carl von Holtei, 1858)

    Wenn alles, was zu dichten und zu schreiben
    ich je versucht auch müßte untergehn
    im Strom der Zeit und ihrer Stürme Wehn -
    die schlesischen Gedichte werden bleiben,
    weil sie entsprossen treu aus der Natur
    und heimisch sind auf heimatlicher Flur.
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  • hanys_hans 03.07.07, 22:59
    Immer denk ich on derheeme

    Immer denk ich on derheeme on die Schläsing lieb und traut,
    bunte Wiesa, griene Bäume, wies der Herrgott hingebaut.

    Uff der Kunrodstoler Seite guckts Kapella weit ins Land,
    links derhinga liegt de Leite, rechts dervier der Kullerrand.

    Und dos Liebersdorf grißt rieber, Liebersdorf und's Kiepalooch,
    bis zum Uksakuppe rieber zieht dar schworze Grubarooch,

    drunda liegt eim breeta Toole Salzbrunn schmuck und wunderschien,
    und eim letzta Sunnastrohle glänzt doos "Schlessla Ferschtensteen"

    majestätisch reckt durthinga inse Huchwald stulz sei Haupt,
    niemand tut sei Liedla singa vu "des Waldes Grienumlaubt".

    Wurzelbarg du ala Knucha, du läßt dich beschwerlich giehn,
    doch ich denk, eim sauerm Luche, muß doch bal derr Springuff bliehn.

    Guldner Frieden, Rebockschenke, wie mich dos noch immer juckt,
    und ich sah a Kliema Willem, wie a ei die Diele spuckt.

    Und ich sah a Friedrich Fritze hindarm Lodatische stiehn,
    an Zigarre a poor Witze, und donn konnste wieder giehn.

    Alles dos, wie weggerissa,
    nee, su konns ju gor nee blein.
    Lust Euch Alle recht schien grießa,
    blus nochmol derrheeme sein.

    (Waldenburger Heimatbote 1979)
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  • hanys_hans 03.07.07, 23:00
    Die Ufabank (Ofenbank)
    von Helmut Nitzsche


    Oam Kachelufa ganz entlang
    do stoand die aale Ufabank.
    Dervor a bunter Vorhang hing.
    Die Banke woar a praktisch Ding.
    Die Teppe, wie die eiser'n Pfoanna,
    die foanda Ploatz durt wie die Koanna.
    Ma soag doas Zeug ne, doas woar kloar,
    weil oalles hingerm Vorhang woar.
    Doch uf dar Bank, dam woarma Platzla,
    do soassa Oma und doas Katzla.
    Besondersch wenn doas Waater schlecht,
    woar beeda dieser Ploatz siehr recht.
    Die Oma warmte sich a Ricka
    und toat durt ganne Strimpe stricka.
    Und dernaba ihre Koatze
    bewegt' doas Wullkneul mit dar Toatze.
    Die Ufabanke woar a Ding,
    oan dam derheeme jeder hing.
    Fier ihre Dienste soag ich danke
    inserer ala Ufabanke.
    Oals ich die Heimat hoab besucht,
    do hoab ich au oan sie geducht.
    Oals ich ei insrer Kiche stoand,
    die Ufabanke nimme foand.
    Die Koatze is schunt lange tut,
    die Oma uf dam Karchhof ruht.
    Weil sich verändert hoat die Welt,
    ma die Erinn'rung gern behält.
    zurück zum Seitenanfang
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  • hanys_hans 03.07.07, 23:00
    Die Ufabank (2. Version)
    Glatzer Volkslied


    Im Wenter, wenn`s oft stermt on schneit,
    Wenn`s watern tut wie ne gescheit,
    Wenn`s Wendsweha schmäßt bis os Fanster ron,
    Doß ma oft ne naussahn kon,
    On is derzu gor schrecklich kalt,
    Doß ma kenn Hund naustreiba tut:
    Jo, do is om schiensta of der Ufabank,
    Wenn dos Pfeifla briet, do wird die Zeit ne lang.
    Wenn dos Feier prasselt, is eim Stiebla worm,
    Do kons watern, doß es Gott erborm.
    On setzt ma dann recht schien beisomm`,
    On is Gemietlichkeit gekomm`n,
    Do wird derzählt on Spaß gemacht,
    Manchmal bis zu metternacht.
    Der Kaffeetop stieht ei dam Rär,
    On wer will, der schenkt sich halt ei,
    On do setzt ma sich halt of die Ufabank,
    Denn beim Kaffeetop, do werd die Zeit ne lang.
    Wenn dos Feier prasselt, is eim Stiebla worm,
    Do kons watern, doß es Gott erborm.
    Of der Welt, do is halt imm`r asu,
    Do gahn die Leut`halt kene Ruh;
    A jeder, dar will halt wos bessers sein,
    On a beldt sich gor viel ein.
    Do is om besta, `s Pfeifla har,
    On ma lacht sich halt ens derzu;
    Denn om schiensta is halt of der Ufabank,
    Wenn dos Pfeifla briet, do werd die Zeit ne lang.
    Wenn dos Feier prasselt, is eim Stiebla worm,
    Do kons watern, doß es Gott erborm.
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  • hanys_hans 03.07.07, 23:02
    `s verkannte Huchdeitsch
    (von Josef Tatsch)

    Der erschte Schultag wor gekumma.
    Die Mutter hotte, ganz geruhrt,
    ihr Jongla bei der Hand genumma
    on zo der Schule hiegefuhrt.
    Jetzt soß se ganz alleen derheeme
    on machte schun `n langa Hols,
    ob denn dos Honsla nee bal keeme -
    a wor halt doch ihr ganzer Stolz.
    Nu endlich kom har em die Ecke
    on zo der Türe reimarschiert
    a neia Zeeker stromm om Recke,
    wie`s für en Schüller sich gehiert.
    "Nee", bormt die Mutter, "nee, ihr leite,
    asu lang wor mei Honsla fort!
    Derzähl` ok glei, wie worsch denn heite,
    wos hot der Lehrer denn gesort?"
    "Jo", meente Hons, "dos ward wull plocha,
    wenn ick a ok verstanda hätt`!
    Du warscht a müssa salwer frocha;
    met ons hot har ok "biemisch" geredt."

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  • hanys_hans 03.07.07, 23:02
    Abend vor der Ernte

    Laß dich an diesen späten Sommerabend
    Den Hang hinauf und zu den reifen Feldern führen,
    daß uns ihr altes Gold noch einmal leuchte,
    der Erde Ruhm; Dank soll und Abschied ihm gebühren.

    Laß uns den Duft des Kornes noch einmal Spüren
    Und still die Ernte schwere Herrlichkeit besehn,
    die vollen Ähren, die in keinem Hauch sich rühren –
    denn morgen kann der Wind schon überdie Stoppeln gehen.

    Komm, tu mit mir noch einmal, eh`s in Nebel schwand,
    den letzten Gang durch herbstberührtes Abendland.
    Veröffentlicht von Josef Mühlberger im schlesischen Gebirgskurier am 1.9.1972
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  • hanys_hans 03.07.07, 23:02
    Die Ziederboahn

    Ihr kinnt se sahn juhraus, juhrein
    eim Ziedertoale raus und rein.
    Vu Zeit zu Zeit, doas muß ma soan,
    do isse schunn ganz schien gefoahrn;
    jedoch mir wissa’s ganz genau,
    die ihs auch monchmal siehr, siehr flau.
    Die ganze Schuld, ma koan doch schlissa,
    hot wull der Winter om Gewissa.
    Dar hot die Ziederboahne soat
    Und ufte schun zum Norrn gehoat.
    Wenn’s nämlich stebert
    und wenn’s schneit,
    do giehts ne lange ne weit.
    Ei Olbenruf, dort uba druba,
    do kimmt se mühsam oageschuba.
    Doas gieht asu; wie olle wisa,
    bis ei de Stoadt mit Hindernissa.
    Der Schnie, dar recht ei Barthelsdruf
    bis zu der Feueresse nuff.
    Die zwee Maschinlan tun sich schinda,
    `s gieht ne noah vurnem ne noah hinda,
    der Heizer flucht, die Schipper schwitza,
    der Zug, der sitzt und bleibt au sitza;
    der Schnie, der tutt a Weg versperrn,
    war nitfoahrn weil, muß warta lern.
    Wam groade ne vorm Woarta graut,
    der koan ja sitza blein, bis`s taut.
    Doas eene ihs bluß schien und gutt,
    die Dörfler hoan no ruhig Blutt;
    die loon sich ne Müh ` verdrissa,
    au wenn sie schließlich loofa missa.
    Ihr Leute, mit der Ziederboahn
    do müßt ihr schun Verständnis hoan,
    die fährt ju sust zu jeder Zeit,
    doas heeßt natürlich, wenn`s schneit;
    und kimmt se au`Stunde später,
    ma macht ne glei a Mordsgezeter,
    ma singt au ne glei Kloagelieder,
    zum Summer fährt se sicher wieder;
    Ich garantier`, vo Oanfang Mai,
    bis weit ei a Oktober nei.
    Die ihs schun gutt, de Ziederboahn,
    mir brauchta bluß kenn Winter hoan.
    zurück zum Seitenanfang

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  • hanys_hans 03.07.07, 23:03
    Doas Tieschtuch

    Neulich but a Handelsmoan
    Menner Froo a Tieschtuch oan.
    Ich koam derzu und meente bissig:
    „A Tieschtuch ihs ganz überflüssig!“
    Doo soate jer ufdringlich und zäh:
    „Überflüßig? Warum denn, hä?“
    A schienes Tischtuch hoan doch heute,
    denk ich olle bessern Leute!
    Doo soate ich mit heiser Stimme:
    „Mir sein keene bessern Leute nimme!
    Mir braucha wirklich su en Wiesch nich!
    Mir hoan ju ken Tisch!
    Hans Rößler

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  • hanys_hans 03.07.07, 23:03
    Der Nachtwächter

    A kimmt eim Durfe runder
    wie sunst noch nie
    Doas ies a reenes Wunder,
    A kimmt zu frieh!

    A kimmt mit sein`m Hunde.
    Nu doo! Nu doo!
    Zu frieh`n vulle Stunde.
    Schuld is de Froo.

    Krach hoan se bis im achte
    Mitsoamm gehoat.
    Doo schlich a naus ganz sachte.
    A weeß sich Roat.

    Zum Wächterhäusla loofa
    Ar und sei Hund.
    Durt kinn se ruhig schloafa
    Wie moanchmal schunt.

    Und wird heut nich gefiffa,
    Doo schlooft ock su.
    Doas hoat`r wullt begriffa:
    „Där Moan braucht Ruh!“
    Hankowiak

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  • hanys_hans 03.07.07, 23:04
    Dar biese Troom



    Grußes Schlachtfest woar gewast;
    Endlich woar derr Obend doo.
    Olle Kotza wurda groo
    Und der Kolle kruuch eis Naast.
    Vuulgesackt sei Bäuchla woar;
    Denn a hotte gutt gestuppt
    Wellfleesch, Wellwurscht, Plimpelwurscht,
    Viel getrunka und gesuppt,
    Wie`s halt ies onn sichta Taga,
    Obends leit eem oll`s eim Maga.
    Kolles Maga, dar woar vuulgesackt
    Und dam Kolle woar nich wuhl.

    Die Nacht woar schworz wie Pech und Room.
    A Käuzla uff`m Dache rief,
    Und wie derr Kolle endlich schlief,
    Doo hott`a goar` n biesa Troom:
    Ging derr Wind eim Uwarühre,
    Kloppt woas onn die Stubatüre,
    Koama lauter; ees, zwee, drei -
    Lauter fette Schweinla rei.
    Woar a ganzes Uufgebiete,
    Hotta lange Messer miete.
    Lauter Schweinla, lauter fette,
    Koama uff zwee Benn geloofa,
    Koama olle
    Bis onns Bette,
    Wu derr Kolle
    und toat schlofa.
    Finga olle oan zu singa,
    Stonnda doo und zeigta olle
    Lauter blanke Masserklinga:
    Kolle, Kolle, Kolle, Kolle,
    Kolle, du werscht jitz geschlacht`t
    Und aus dir werd Wurscht gemacht!

    Jitz fing doas Erschte oan zu sprecha:
    “Nuck nuck, merr warn a bale Stecha!”
    Und wie doas Erschte und hotte gered`t,
    Doo meente doas Zweete: ”A ies hibsch fett,
    Doo denk iech wull, doo wärsch is beste,
    Merr machta Wurscht, und zwoar gepreßte!”
    Doo meente doas Dritte:”`s ies gutt, `s ies gutt,
    Surgt ock ferr Blutt!”
    Jitz sproach doas Erschte: “Woas mach merr denn aber
    Mit dan Nierlan und mit dar Laber?”
    Doas Zweete sproach:”Doas macht keene Mühe,
    Doas kimmt oll`s ei die Brühe”
    Und doas Dritte sproach: “Macht ock errscht kee Gelärme,
    Surgt ock ferr Därme!”
    Doo finga se olle zu grunza oan:
    “Därme werd a wull salber hoan!”
    Und wackelta olle mit ihra Rüsseln:
    “Surgt ock ferr Schüsseln, surgt ock ferr Schüsseln.”
    Und doas Erschte sproach: “Merr warn ins setza:
    Masser wetza, Masser wetza!”
    Und wie se und hotta die Messer geschliffa,
    Doo meente doas Zweete: “Jitz zugegriffa.
    Hie gibt`s errscht kee Aber und kee Wenn,
    Merr nahma`n bale bei a Benn.
    Ees nimmt a beim linka, ees nimmt a beim rechta.
    Mier beeda haln a, ihr beeda stecht a!”
    Doo wurde dam Kolle ganz angst und bange,
    A loag und wond sich wie`n Schlange,
    A grief nooch derr Lompe,
    A grief noch`m Tochte,
    A flug aus`m Pochte.
    Und wie a naberm Bette loag,
    Doo wurd`a munter und erschroak.
    Nee, duchts´a, nee, kunnd`s tülscher sein,
    Ma kunnde jitz schunt`n Bluttwurscht sein.
    A grief sich onn die Uhrn, a grief sich onn die Beene,
    Nee Gott sei Dank, a woar noch keene.

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  • hanys_hans 03.07.07, 23:04
    Derr Groabs`n ihr Häusel.



    Is hoot schunt tagelang geschneit.
    Der Schnie lait dick, dar Schnie lait weit.

    Ma koan nich mieh ei olle Ecka
    sugoar die Eisaboahn blieb stecka,
    derr Schnieflug fährt eim Dorfe nunder,
    Is doas a Wunder?

    Doas kleene Haus der Groabs`-Marie,
    doas steckt gur siehr eim hucha Schnie.
    Ma sitt erscht keene Türe.
    Die Fansterla, die viere,
    die hoot derr Wind gutt eigepackt.
    Doas ganze Häusla is versackt.

    Zum Friehjuhr, wenn die Sunne kimmt,
    bestimmt doas Durf eim Wosser schwimmt.
    Poßt uf, derr Schnie werd Montsche,
    na, doas gibt a Gepontsche!
    Doas Wosser stieht eim ganza Urt,
    dann schwimmt doas schiene Häusla furt,
    ju, üm doas Häusla ies geschahn -
    ihr werd`s ju sahn!

    Doch wenn doas Häusla nich zerrgieht,
    wenn`s uf semm Plotze feste stieht,
    wenn`s nich zerrweecht und standhoaft bleit,
    nee, wie sich doa die Groabs`n freit.
    Doa lacht dann die Marie:
    Ock furt, du bieser Schnie!


    - - - Oelsebach-Hannes - - -
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  • hanys_hans 03.07.07, 23:05
    Zwei Lergen

    In jedem Land, in jedem Ort

    da gibt es ein bestimmtes Wort

    an dem man, wenn man es nur nennt,

    sofort den Eingeborenen erkennt.

    In Hamburg , z.B. beim Reeperbahnbummel,

    grüßt man einander mit "Hummel Hummel"

    und am Rhein tönt von jedem Eck,

    der frohe Ruf," na, da biste jäck!"
    In Breslau im a Gabeljerge,

    da gibt's nichts anderes als" DU Lerge"!

    Du Lerge,Mensch, das hat ein´Sinn,

    da liegt vielleicht Musike drin.
    "Arme Lerge" sagt man bei Kummer und Schmerzen

    und "feezige Lerge" beim Lachen und Scherzen.

    Beim Biertisch beim Kascheln, beim Schnicken, beim Tanzen,

    das Lerge-Wörtel kennt keine Instanzen,

    und seien die Kerle auch klein wie die Zwerge

    das erste und letzte ist immer "Du Lerge".

    In Genua warsch´in eim Speisehaus,

    ich kumm nei, zieh mir die Jacke aus,

    dann setz ich mich an a Tisch und warte.

    Der Kellner bringt mir die Speisekarte.

    Ich sag italienisch:" Momento Signore,

    ich möchte Spaghetti und Pomodore.
    Ein Vino blanco und ein Koteletti,

    ein Frikadelli und Zigaretti.

    " Los Tempo, Signori, Lerge, mach schnelle!"

    Aber der rührt sich nicht von der Stelle:

    "Mensch" spricht er, " hier doch bloß uff mit dam italienischen Gewerge,

    ich bin doch ooch aus Breslau du Lerge!

    "Na, sehn`Sie, da hatten sich in fünf Sekunden

    zwei echte schlesische Lergen zusammengefunden.
    zur Verfügung gestellt von W. Nöbel

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  • hanys_hans 03.07.07, 23:06
    Der Glockenguß zu Breslau


    War einst ein Glockengießer
    Zu Breslau in der Stadt,
    Ein ehrenwerter Meister,
    Gewandt in Rat und Tat.

    Er hatte schon gegossen
    Viel Glocken, gelb und weiß,
    Für Kirchen und Kapellen,
    Zu Gottes Lob und Preis.

    Und seine Glocken klangen
    So voll, so hell, so rein;
    Er goß auch Lieb' und Glauben
    Mit in die Form hinein.

    Doch aller Glocken Krone,
    Die er gegossen hat,
    Das ist die Sünderglocke
    Zu Breslau in der Stadt.

    Im Magdalenenturme,
    Da hängt das Meisterstück.
    Rief schon manch starres Herze
    Zu seinem Gott zurück.

    Wie hat der gute Meister
    So treu das Werk bedachtl
    Wie hat er seine Hände
    Gerührt bei Tag und Nacht!

    Und als die Stunde kommen,
    Daß alles fertig war,
    Die Form ist eingemauert,
    Die Speise gut und gar;

    Da ruft er seinen Buben
    Zur Feuerwacht herein:
    "Ich lass' auf kurze Weile
    Beim Kessel dich allein.

    Will mich mit einem Trunke
    Noch stärken zu dem Guß
    Das gibt der zähen Speise
    Erst einen vollen Fluß.

    Doch hüte dich, und rühre
    Den Hahn mir nimmer an,
    Sonst wär' es um dein Leben,
    Fürwitziger, getan!"
    11. Der Bube steht am Kessel,
    Schaut in die Glut hinein:
    Das wogt und wallt und wirbelt
    Und will entfesselt sein,

    Und zischt ihm in die Ohren
    Und zuckt ihm durch den Sinn,
    Und zieht an allen Fingern
    Ihn nach dem Hahne hin.

    Er fühlt ihn in den Händen,
    Er hat ihn umgedreht;
    Da wird ihm angst und bange,
    Er weiß nicht, was er rät'.

    Und läuft hinaus zum Meister,
    Die Schuld ihm zu gestehn,
    Will seine Knie umfassen,
    Und ihn um Gnade flehn.

    Doch wie der nur vernommen
    Des Knaben erstes Wort,
    Da reißt die kluge Rechte
    Der jähe Zorn ihm fort.

    Er stößt sein scharfes Messer
    Dem Buben in die Brust,
    Dann stürzt er nach dem Kessel,
    Sein selber nicht bewußt.

    Vielleicht, daß er noch retten,
    Den Strom noch hemmen kann:
    Doch sieh, der Guß ist fertig,
    Es fehlt kein Tropfen dran.

    Da eilt er abzuräumen,
    Und sieht, und will's nicht sehn,
    Ganz ohne Fleck und Makel
    Die Glocke vor sich stehn.

    Der Knabe liegt am Boden,
    Er schaut sein Werk nicht mehr:
    Ach Meister, wilder Meister,
    Du stießest gar zu sehrl

    Er stellt sich dem Gerichte,
    Er klagt sich selber an,
    Es tut den Richtern wehe
    Wohl um den wackern Mann.
    21. Doch kann ihn keiner retten,
    Und Blut will wieder Blut.
    Er hört sein Todesurteil
    Mit ungebeugtem Mut.

    Und als der Tag gekommen,
    Daß man ihn fährt hinaus,
    Da wird ihm angeboten
    Der letzte Gnadenschmaus.

    "Ich dank' euch", spricht der Meister,
    "Ihr Herren lieb und wert;
    Doch eine andre Gnade
    Mein Herz von euch begehrt:

    Laßt mich nur einmal hören
    Der neuen Glocke Klang.
    Ich hab' sie ja bereitet,
    Möcht' wissen, ob's gelang

    Die Bitte ward gewähret,
    Sie schien den Herrn gering;
    Die Glocke ward geläutet,
    Als er zum Tode ging.

    Der Meister hört sie klingen,
    So voll, so hell, so rein!
    Die Augen gehn ihm über,
    Es muß vor Freude sein:

    Und seine Blicke leuchten,
    Als wären sie verklärt;
    Er hat in ihrem Klange
    Wohl mehr als Klang gehört.

    Hat auch geneigt den Nacken
    Zum Streich voll Zuversicht;
    Und was der Tod versprochen
    Das bricht das Leben nicht.

    Das ist der Glocken Krone,
    Die er gegossen hat,
    Die Magdalenenglocke
    Zu Breslau in der Stadt.

    Die ward zur Sünderglocke
    Seit jenem Tag geweiht;
    Weiß nicht, ob's anders worden
    In dieser neuen Zeit.
    Wilhelm Müller, 1794-1827
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  • hanys_hans 03.07.07, 23:07
    Geburtstagsgedicht 1



    Wenn ich heute Dir woas wünsche
    Sulls ock bluß doas eene sei:
    Immer a recht fruh Gemitte
    Und doas Harz voll Sunneschein!

    Wras ma Glücke heeßt eim Läben
    Und im woas bearmt und surgt
    Nimmt zu risch a bieser Winde weg -
    ' s ist ju olles ock geburgt-

    Doderwägen winsch ich nichte
    Wie Dei Harz vull Sunneschein
    Und su recht a fruh Gemnitte
    Doo koan duch kee Wind nich nein --
    zur Verfügung gestellt von Rüdiger Piechulla
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  • hanys_hans 03.07.07, 23:07
    Geburtagsgedicht 2



    Biegt ma uff am langa Wäge
    Im ne neue Ecke rim
    Tutt ma wull a brikel roasta
    Und ma sitt sich amoal im.

    Heute sist de ooch zurücke
    Denkst: Ich hoa's duch weit gebrucht
    Doß dar Wäg su lang wird wärden,
    Hätt ich wärklich nich geducht!

    Steeenich woar a ufft und hulprich
    Stellweise zwoarscht ooch schien
    Gellock hä zurücke mechste
    Duch beleibe nimmeh giehn?

    Gieht`s ooch noch a Stückla wetter
    Ges duch aber ist gewiß:
    Im a Obend gieht sichs besser
    Wenn ma gleich ang müde is.

    Gieht hernooch dar Wag zu Ende
    Wenn de sunne undergieht
    Und doas T ur zur grußa Heemte
    Noahnde, uffen vier dir steht

    wird St. Petrus freundlich sprecha
    Gelt, du kimmst recht gerne oan
    Na kumm rei du langegeester
    Wandermüder Pilgermoan

    ((( diese Vers kann man auch weg lassen )))

    Duch bis hurthien gieht recht staate
    Nimm der och gehierig Zeit
    Und ich / wir wünsche / n recht vu Harzen
    's wäre noch a brinkel weit.

    Möchta uff dar Weiterreese
    Dir recht viele Bluma bliehn
    Doß de soan mußt: Im a Obend
    Gieht sich's wärklich irschte schien!"
    zur Verfügung gestellt von Rüdiger Piechulla
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  • hanys_hans 03.07.07, 23:13
    „Bergkrach“ von Paul Keller

    Ei der letzta Walpurgisnacht hotta amol de schläscha Barge Krach mitsomm. Wer
    hotte dan Krach ongefanga ? Nattierlich kee andrer Mensch als wie der Zotabarg
    (Zobten, 700 m). A hotte die Schniekuppe (1600 m) ´n ale Gake (´ne alte Gans)
    gehissa.

    "Was ?" schrie die Schniekuppe."Du Fatzke ! Was unterstiehste dich ? Bin ich
    nich Eure Kenigin ?"

    "Nee, du bist ´n ale Gake," verhorte der Zotabarg uff sem dicka Kuppe.

    "Nu, du niederträchtiger Latschel, du Faffermandla (Pfeffermännchen),
    du Ziegequork du ! Ich bien doch ´n feine, gebild´te Dame."

    "Jawohl ja, Sie sein ´n feine, gebildete Dame," sate der Huchwald, der sich zu
    banahma weeß, weil a vo a Salzburner (Salzbrunner) Kurgästa Plüh und Bildung
    gelernt hot.

    "Hal ock du die Frasse," sate der klobige Zotabarg zum Huchwalde,
    "sunst verrot ich´s erst, daß de anne Liebschoft mit der Eule hust.
    Ich sah´s schun, wie Ihr Euch immer pussiert. Und der Struchbarg stieht ni weit
    vo Euch weg."

    "Pfui, pfui," schrie der frumme Kreuzbarg bei Striegau, und durch olle die
    Foffabarge ei der Schläsing ging a Sturm, und se hielta ´m Zotabarge ´n
    Revermande. Der beleidigte Huchwald schmieß augenblicklich dam groba Karle ´n
    Päpel (Pack) Wulka on a Kupp, und de Eule schamte sich wie ´n ale Jumfer. Der
    Sturchbarg tat wie tulpe.

    "Was ist denn das für ein Skandal ?" fragte das huche Rad
    (´s war zu Kaisers Geburtstach werkliches geheemes huches Rad gewurn).
    "Wer lärmt denn da und stört die Nachtruhe ?"

    "Ach Exzellenz," sate die Schniekuppe,"´s sein nämlich wieder die
    klein´ Leute im Parterre, die Spektakel machen."

    "Natürlich der Pöbel," sate ´s werkliche huche Rad.
    "Wo sind den unsere Polizisten, die beiden Sturmhauben ?"
    Die Sturmhauba schliefa leider. ´s huche Rad grief ei seine tiefe Hosatosche, ei
    die gruße Schniegrube, zug an weißa Zädel raus und machte sich ´n omtliche Notiz
    über die schläfrige Pulizisten.

    Nu war´s a bissla stille. Uff emol pläkte der Pietschaberg bei Ingerschdurf
    (Hügel in der Nähe des Zobtens) wie a Feuerkolb. A behupte unter vielem
    Gewinsele, der Zotabarg hätt´ a mitt´m Fuße geschibbt.

    "´s ies gar nie wohr," striet´s der Zotabarg ab, "der ole Lopps, der
    Pietschabarg, is wieder bepietscht.
    Eene Krohe hot a immer eim Stäppel, merstenteels aber ´n ganza Heffa (Haufen)."

    "Ich - ich - bien - ganz - ganz - un - un - gar - nie - be - besuffa,"
    druxte der Pietschabarg, " aber - Zotabarg, du - du bist - uffte genug - benabelt."

    Olle Barge ei der Schläsing lachta, und der Zotabarg krigt ´n ganz verknutschte
    Bust. A recht´s olla mitnandern ei ganz urnara (ordinären) Ausdrücka vür, wie
    uffte eim Johre, daß sie benabelt gewast wär´n.
    ´s war´n lausige Liternei. Wenn´s wohr is, was dar Karl sate, do sein de
    schläs´scha Barge ´n ganz versuffne Klicke. Und was das Schlimmste derbeine ies:
    die hüchsta Spitza, die sein am üfftesta eim Nabel, die klen´n Kneppe, die blein
    viel klorer. Aber manchmol erwischt se´s oo.
    Sugar ´m frumma Kreuzbarge sate der Zotabarg nach, a hätte monchmol ´n klen´n
    Stäbrich (Rausch).

    "Aber," so schluß a, "bei a Monnsbildern is ni asu schlimm, wen se sich och
    manchmol asu recht einhüll´n;
    wenn sich aber a Froovulk (Frauenzimmer) ei der Wuche drei, vier, fünf, sechs,
    sieba Mol benabelt, dos ies ane Offaschande. Und a sittes Froovulk ies äben die
    Schniekuppe."

    Die Schniekuppe kreeschte ver Wutt.

    "Zotabarg," krächzt´se, "du bist ju a ganz gemeener, urnarer, geweeniglicher
    Dingrich.
    Nu, du tummer Grootsch (Tölpel) du ! Wos verstiehst´n du, wie´s ei hucha und
    hichsta Kreesen hargieht ?
    Do is asu viel Wind und eisige Kälde, doß ma sich monchmol a bisserla eisacka muß.
    Muß, du Offe, hierscht es ? Aber du warst ju schun immer asu a aler
    Stänkerfritze, dar keene Ruh´gab und sich über olles und jedes die Frasse
    zerriß. Deswägen hot dich ju och ünser Herrgott aus der onständiga Sudetenreihe
    rausgesotzt. Weil du keene Ruhe gibst, do hot a dich obseits vo olla ganz
    alleene gesotzt, wie der Schulmeester anne recht biese Range allene uff eene
    Uxabanke (Ochsen- oder Sünderbank) setzt."


    "Wos- wos ies denn eegentlich ?" fragt a däsig.

    "Ach, alter Herr," sate die würdige Bischofskuppe bei Ziegenhals,
    " es ist doch heute wieder die sündige Walpurgisnacht, da machen eben die Berge
    Skandal und lästern und führen gemeine Redensarten."

    "Ahähähähä," dröselte der Altvater, "jajajaja! ´s war immer asu- ´s war
    immer asu."

    Und wie a das su leise dudelte und mit eem verschlofna Blicke nach seim
    Lieblingstöchterla, ´m Heidebrünnel, niber liebäugelte, schlief a och
    schunt wieder ei.

    Nu zog aber der Schniebarg ei der Grofschoft lus, dar ies nämlich der
    Schniekuppe ihr Stiefbruder. Seit a ´n sehr schienes Aussichtstermla uff semm
    Kuppe hot, spricht a huchdeutsch.

    "Meine Herren," sat a, "wir lassen uns doch von dem erbärmlichen Zotenberge nich
    produzieren: wir werden ihn einfach aus insem Gebirgsverein nausschmeißen."

    "Nu, du Glatzer Naßla (Näschen),du," schrie der Zotabarg, "wie sprichst´n du ?
    Plombier dich ock nich ! ´s heest ju profetieren."

    "Provozieren," ächzte ´s gebildete huche Rad, "es ist entsetzlich, unter solchen
    Banausen zu leben."

    "Ja, ja Exzellenz," seufzte die Schniekuppe, "das sag´ich auch, und Exzellenz
    wissen doch, ich bin eine gebildete Frau. Ich verkehre mit Breslauern,
    Berlinern, Engländern und sugar Amerrekanern. Und ich bin
    patriotisch. Ein König und eine Königin von Preußen sind auf mir gewäst."

    "Prahl dich nich, tumme Gans," prillte der Zotaberg. "Krigst doch ken´n
    Orden ! Du und Patriotisch ! Vurna biste preiß´sch und hinga biste biehmsch
    (Vorn bist du peußisch und hinten böhmisch.). Und die Leute san, deine
    Hinterseite is immer noch scheener wie deine Vorderfront."

    "Gott, wie unanständig," sate der Veilchenstein (Veilchenstein, Kuppe des
    Riesengebirgskammes.), der beim huchen Rad immer eim Vorzimmer stieht.

    "Hal´s Maul, Veilchenstein, du bist a Jude !" schrie der Zotaberg.

    "Nu werd a gor noh antersemitisch," klong´s wie a Seufzer vu der Silberkuppe riber.

    "Ja, und du bist och´ne Judenschickse," schantierte der Zotaberg uff de Silberkuppe.

    "Judenschickse- pfui !" sate der frumme Annaberg bei Strehlitz, und nahm ´n
    Klusterbitter ver Entrüstung.

    "Rummel ! Rummel ! Rummel ! Rummel !" quitschte der Rummelsberg bei Strählen ver
    Freede. A is der reene Kuckuck, a prillt immer sen´n eegna Nama.

    Nu fiel´n de Walmbriger Barge (Waldenburger Berge) olle über a Zotabarg har: der
    Huchwald, der Sottelwald, der Schworze Barg, der Gotshibel, die Uxaköppe, und
    halt olle. Ur wär a ganz ormseliger Buschklepper, meenta se, ar und sei Bruder,
    der Geiersberg, wärn die leibhoftiga Satane, und orme Luder wär´n ´s,
    Blobeermichel, während sie, die reicha
    Walmbriger Barge, asu viel Kohle hätta.

    "Macht euch nie gruß," gurgelte der Zotabarg derzwischen, "macht euch ock ni
    mausig, daß ihr die Kolik im Bauche habt !"

    Iber da faula Witz ging a tuller Skandal lus. Die Schniekuppe wischte sich mit
    em Wölkla zwanzigmol hingernander die Nase und fächelte sich dann domiete, die
    Uxaköppe drohta mit a Hörnern, der Wulfsberg heulte, der Fuchsberg ballte, der
    Schnieberg schmieß ver Bust mit Lawin´n rim, ´s huche Rad machte sich wie
    verrückt Notizen, die Pferdeköppe wieherta, der Veilchenstein jommerte, der
    Krokonosch schimpfte uff biemisch, der Annaberg tronk immerfurt Klusterbitter,
    der Rummelsberg prüllte wie tälsch: "Rummel, Rummel," die Eule tat, als wenn se
    sich halbtut schamte, der Huchwald schwur, uff a Summer werd a a Zotabarg mit
    Hagelkörnern tutschissa (totschießen) wie mit eener Matrilljese, der Schworze
    Berg sah aus wie a wütender Näger, der Sturchberg schlug mit a Fliegeln, und die
    hunderttausend Mühlberge ei der Schäsing (in Schlesien) klopperta ver Uffregung.

    Do kam uff eemol der Liebe Herrgott ei seim himmelblooen Mantel aus seim
    Paradiese runder ei die liebe Schläsing und sate :

    "Bst ! Seid sti
  • hanys_hans 03.07.07, 23:14
    "Bst ! Seid stille ! Seid hübsch artig, meine lieba Kinderla ! Ihr seid
    ju olle su hhibsche, schmucke Perschla und Madla (Burschen und Mädchen)
    Ihr mißt euch ni händeln. Ich bien euch ju olla asu harzlich gutt.
    Gieht jitzt hibsch schlofa (schlafen), und wenn ihr murne früh wieder uffstieht,
    do flecht ich jedem an lichta, guldna Kranz ei de Hoore.
    Gieht schlofa, ihr Kinderla, gieht schofa !"

    Und der liebe Herrgott zug jedem anne weeche, mollige Nachtmütze über die Ohren.
    Do worn se gut und stille, sanftmittig wie die Lammla.
    Blussig der Knurrkupp vo Zotabarg kunde sich nicht asu plutze beruhigen. Wie ihm
    die Nachthaube schun über´s Maul wegrutschte, brummelte a drunder no leise ver
    sich : " De Scniekuppe ies doch ´n ale Gake !"

    Aus Paul Keller, Das Königliche Seminertheater. Bergstadtverlag (Wilhelm
    Gottlieb Korn).

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  • hanys_hans 15.08.07, 08:41
    Schlesien als Sprachregion

    Teilgebiete:

    1. Mundart des Brieg - Grotkauer Landes: „ Druckten een o underwags die
    Stieweln, do zug ma sich die Kloarscha hurtig oam Groabarande aus, hing se sich
    uf de Achsel oder oan a Stoab uf a Rücka, und nu gings borbs und gelenke wie a
    Firlafanz ufs Staadtla zu. Doas woar ´ n Lust, wenn man, und ma koam under da
    grußmächtiga Heffa Leute! “
    2. Diphthongierungsmundarten (=> Glogau, Liegnitz, Breslau)
    3. Gebirgsschlesisch: „Ich hott a Brota schunt gerucha“ („Ich hatte den
    Braten schon gerochen” ).
    Kirschen = Kerscha; essen = assa; Bäumchen ( Bäumlein ) = Beemla; Töpfchen
    = Tippla;
    „Jungla, nimm die Drungla, schlag die Kubulla, daß sie besser tschungla.“
    4. Glätzisch, Glatzer Dialekt: „De aala Braatla haala a” ( Die alten
    Brettchen halten auch).
    5. Kräuter Mundart ( Kräuter = Gemüsebauern )
    6. Neiderländisch: „Der Graußknaicht“. Eich bei a Graußknaicht vau alem
    Schlaag, /Eich schoff und schuffte a ganze Taag. / Eich huo kenn Sunntich is
    ganze Jauhr / Froet ock meen Poer, ´s wirklich wauhr.
    7. Osterzgebirgisch // Nordböhmisch (Reichenberg /Liberec)
    8. Oberlausitzer Mundart (Lausitzisch-Schlesisch)
    9. Oberschlesisch ("Wasserpolnisch")
    10. Oppaland (Troppauer Kreis) / Kuhländchen / Schönhengst / Iglau
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  • hanys_hans 18.08.07, 11:48
    * 1 Böhm (auch 'ahn Bemm') = Zehnpfennigstück
    * batki (Badehose)
    * durszlak (Durchschlag, Sieb in der Küche)
    * Fierhorken- Klumpehäckel = Feuerhaken
    * Gallert = Sülze (Gericht)
    * Gusche, Gosche (Mund), vgl schwäbisch "Gosch", dasselbe)
    * Guschla = Mund (von: Gosch[e])
    * (he-)rumurbern (herumsuchen,herumwühlen)
    * Jingla = Junge
    * Jungaohs (ungezogener Junge)
    * kartofle (Kartoffeln)
    * kascheln ( auf dem Eis rutschen)
    * Kascher (Hosenschlitz)
    * Kastrull (Kasserolle)
    * Kließla = Klöße
    * kokkeln = mit Feuer spielen
    * Kretscham = (Dorf-)Gasthaus
    * Kretschmer = Gastwirt
    * krewatschlich, kriwatschig (unordentlich, schräg), vgl. poln. "krzywy"
    ("schräg")
    * labern (faseln)
    * Lorke = schwacher Kaffee; Muckefuck
    * Lork = Miststück
    * Lotschen, Potschen = Hausschuhe
    * Luhsche = Jauche, Gülle (vgl. poln. "Łuża" "Pfütze")
    * Madla = Mädchen plural: Mädla
    * Merriebe = Mohrrübe, Karotte
    * Muppa = Mund
    * Mutzl = Kosewort
    * nerrsch = närrisch
    * Nudelkulle (Nudelholz)
    * Oberriebe(r) = Kohlrabi
    * ocke = auch
    * Pfloom = Zwetschgen, Pflaumen
    * Plaue (Kinderwagenverdeck, Verdeck)
    * Plotsch = Dummkopf
    * plotschig = sich dumm anstellen
    * Radbehr (Schubkarre)
    * Ritsche (Hocker)
    * Schnakala (Liebkosewort für Enkel)
    * sechen (wasserlassen)
    * Sicherka (Sicherheitsnadel)
    * Teppla, Tippla = Kochtopf
    * Tunke = Soße
    * (uf-)kloben = (auf) sammeln

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  • hanys_hans 20.10.07, 10:37
    Das Schönwäldische hat all die besonderen Merkmale, die der großen Gruppe
    der schlesischen Mundarten gemeinsam sind. Es läßt sich nicht mit einer
    bestimmten Einzelmundart zusammenstellen, sondern hat manche Eigentüinlichkeiten
    mit den Mundarten des schlesischen Gebirges, der Lausitz oder Nordböhmens,
    andere mit denen Österreichschlesiens oder der Grafschaft Glatz, wieder andere
    mit denen der schlesischen Niederung gemeinsam. Wichtig ist auch die große
    Verwandtschaft des Schönwäldischen mit der Mundart des Kuhländchens im
    nördlichen Mähren und mit der der Zips, so daß es geradezu die Verbindung mit
    diesen am weitesten gewanderten schlesischen Siedlern herstellt.
    Seit der Gründung Schönwalds hat sich die Sprache seiner Bewohner in ihrer
    Abgeschlossenheit weiter entwickelt; trotzdem fällt dem Kundigen ihr
    schlesischer Charakter sofort auf. Im Laufe der Zeit ist freilich manch
    polnisches Wort eingedrungen. Polnische Händler, Feldarbeiter und Einwanderer
    schleppten manches fremde Wort ein. Besonders für die Beziehungen des
    Familienlebens, für Erzeugnisse des Feld- und Gartenbaus, für Geräte und
    Nahrungsmittel, als Tier-, Kose- und Schimpfnamen finden sich polnische Wörter.
    Umgekehrt hat man in Schönwald noch für mehrere Orte der Umgegend die alten
    deutschen Namen festgehalten, während heute sogar die amtliche Schreibung längst
    die fremde Form aufgenommen hat. So heißt Knurow, das im 15. und 16. Jahrhundert
    Knauersdorf hieß, noch heute schönw. knausdrof; Ostroppa, das 1534 Stroppendorf
    genannt wird, heißt schtrepedrof, Zabrze, das 1300 Sadbre sive Cunczindorf
    heißt, trägt in Schönwald den Namen konsdrof. Auch Richtersdorf hat noch den
    älteren Namen Vogtsdorf, schönw. futsdrof.
    Der Wortschatz des Schönwäldischen hat ein ausgesprochen ostmitteldeutsches
    Gepräge, und es gibt darin kaum ein deutsches Wort, das sich nicht in anderen
    schlesischen Mundarten wiederfände. Was für die Herkunft der Schlesier im
    allgemeinen gilt, das gilt auch für die Schönwälder. In der Hauptsache waren es
    Osthüringer, vermischt mit Ostfranken, die den Hauptkern der deutschen Siedler
    bildeten. Aus der Mischung ihrer Sprache erwuchs das Schlesische als eine
    selbständige Mundart; und weil mit ihr das Schönwäldische so eng zusammengehört,
    so ist es äußerst wahrscheinlich, daß die Besiedler unseres Dorfes nicht
    unmittelbar ans dem Stammlande kamen, sondern schon eine Zeitlang im schlesichen
    Kolonisationsgebiete ansässig waren, ehe sie sich eine neue Heimat im
    oberschlesischen Walde suchten.
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  • hanys_hans 11.07.08, 17:07
    www.zakorzenienie.most.org.pl/za13/02.htm
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  • hanys_hans 27.07.08, 11:12
    www.orlandos.de/olspra.htm
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  • hanys_hans 26.09.08, 15:09
    Typische schlesische Wörter
    * ahn Böhm (auch ahn Bemm) = Zehnpfennigstück
    * Fierhorken; Klumpehäckel = Feuerhaken
    * Gallert = Sülze (Gericht)
    * Gusche, Gosche, Guschla Verkleinerungsform = Mund, vgl. schwäbisch "Gosch"
    * (he-)rumurbern = herumsuchen, herumwühlen
    * Jingla = Junge
    * Jungaohs = ungezogener Junge
    * kascheln = auf dem Eis rutschen
    * Kascher = Hosenschlitz
    * Kastrull = Kasserolle
    * katschen = schmatzen
    * Kließla = Klöße
    * Koochmannla = Pfifferlinge
    * kokkeln = mit Feuer spielen
    * Kretscham = (Dorf-)Gasthaus
    * Kretschmer = Gastwirt
    * krewatschlich, kriwatschig = unordentlich, schräg; vgl. polnisch krzywy
    ("schräg")
    * Kucha = Kuchen
    * labern = faseln (inzwischen in die deutsche Umgangssprache eingegangen)
    * Lorke = schwacher Kaffee, Muckefuck
    * Lork = Miststück
    * Lotschen, Potschen = Hausschuhe
    * Luhsche = Jauche, Gülle; vgl. polnisch kałuża "Pfütze"
    * Madla = Mädchen; plural: Mädla
    * Merriebe = Mohrrübe, Karotte
    * Muppa, Muppen = Mund
    * Mutzl = Kosewort
    * nerrsch = verrückt
    * Nudelkulle = Nudelholz
    * Oberriebe(r) = Kohlrabi
    * ocke = auch
    * Pfloom = Zwetschgen, Pflaumen
    * Pieronstwo = Ramsch, Zeugs, Krimskrams
    * Plaue = Kinderwagenverdeck, Verdeck
    * Plotsch = Dummkopf
    * plotschig = sich dumm anstellen
    * Puusch = Wald
    * Radbehr = Schubkarre
    * Ritsche = Hocker
    * Schnakala = Kosewort für Enkel
    * sechen = wasserlassen
    * Sicherka = Sicherheitsnadel
    * Teppla, Tippla = Kochtopf
    * Tschelotka = Verwandt-/Sippschaft, abwertend
    * Tunke = Soße
    * treuge = trocken
    * (uf-)kloben = (auf-)sammeln

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