hanys_hans
11.12.10, 20:39
Walddeutsche
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Als Walddeutsche oder Taubdeutsche (polnisch Głuchoniemcy[4]) wurden die Einwohner der mittelalterlichen deutschen Siedlungen zwischen Wisłoka und San bezeichnet. Die bekannteren Siedlungsgebiete sind Rzeszów, Pilzno, Łańcut im Norden der Beskiden, Krosno, Haczów, Sanok in den mittleren Beskiden; eine dritte Region liegt in der Gegend zwischen Biecz, Gorlice und Grybów in den südwestlichen Beskiden/ oder regio pedemontana [5].
Trachten der Głuchoniemcy, 1898[1]
Schon im alten polnischen Schrifttum des 16. bis 17. Jahrhunderts[6] wurde die Anwesenheit der deutschen Ansiedler im vorkarpatischen Raum vermerkt.
Im Lichte der bekannten Quellen und der bisherigen Studien ist anzunehmen, dass das Kolonisationswerk in den Regionen von Łańcut, Sanok, und Krosno von König Kasimir dem Großen veranlasst wurde (das Jahr 1349 ist traditionell das älteste belegte Datum, und bezieht sich auf die Gründung des Dorfes Krzemienica bei Łańcut, und zwischen Ende des 14. und Anfang des 15. Jh. abgeschlossen wurde.
Landkarte der Siedlungsgebiete der Walddeutschen in den Mittleren Beskiden im heutigen Polen
Als Herkunftsregion der Ansiedler wird auf Grund sprachwissenschaftlicher Analysen Schlesien, besonders die Umgebung der Stadt Neiße, oder Sachsen, besonders das thüringisch-sächsische Grenzgebiet beiderseits der Saale, angesehen. Dass es sich hier um ein reines Siedlungsgebiet der damaligen deutschen Ostkolonisation handelt [7], ergibt sich auch daraus, dass hier fast ausschließlich die Form des Waldhufendorfes anzutreffen ist, also die Dorfform, in der damals die deutschen Kolonisten siedelten [8]. Haczów, Krzemienica, Markowa, Urzejowice, Kombornia, und all die anderen Dörfer dieses Raumes sind typische Waldhufendörfer [9].
Spätgotische Holzkirche (14. Jh.) in Haczów; seit 2003 mit anderen Holzkirchen in Südpolen Weltkulturerbe der UNESCO. Der früher sehr hohe deutsche Bevölkerungsanteil wird besonders in den Kirchenbüchern deutlich. (Blick von der Straße)
Im 18. Jahrhundert erfolgte eine völlige Polonisierung der Nachkommen der deutschen Ansiedler, welche zur Verstärkung des Polentums im polnisch-ruthenischen Grenzbereich beitrug.
Enklaven der ländlichen deutschen Besiedlung in der 2. Hälfte des 14. Jh. und im 15. Jh. zwischen Wisłoka und San (wichtigere Städte); Pilzno (Pilsen), Brzostek, Biecz (Beitsch), Ropczyce, Wielopole (Großenfeld), Frysztak (Freistadt), Jasło (Jessel), Krosno (Krossen), Czudec (Schiedenz), Rzeszów, Łańcut (Landshut), Tyczyn, Brzozów (Bresen), Jaćmierz, Rymanów (Reimannshau), Ropczyce, Przeworsk, Jarosław (Jaroslau), Kańczuga, Przemyśl (Prömsel), Dynów (Denoph) und Sanok (Saanig)][10].
Ausschnitt aus der Weltkarte von Martin Waldseemüller; Siedlungsgebiete in Kleinpolen - 15. Jh.[2]
Deutsche Besiedlung Kleinpolens und Rotreußens im 15. Jahrhundert. Posen, 1934
2. Einzelnachweise
1. Zygmunt Ajdukiewicz Frachten der Głuchoniemcy [in:] Die osterreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Galizien. Wien 1898, page 281
2. Aus "Claudii Ptolemaei geographicae enarrationis libri octo", 1525, Strassburg
3. Franciszek Kotula. Pochodzenie domów przysłupowych w Rzeszowskiem. "Kwartalnik Historii Kultury Materialnej" Jahr. V., Nr. 3/4, 1957, S. 557
4. Ut testat Metrika Koronna, 1658, "quod Saxones alias Głuszy Niemcy około Krosna i Łańcuta osadzeni są iure feudali alias libertate saxonica" [in:] Ks. dr Henryk Borcz. Parafia Markowa w okresie staropolskim. Markowa sześć wieków. 2005 str. 72-189
5. "Thus the region adjoining the Carpathians and extending to a line Tarnów-Rzeszów-Jarosław, the hithero almost uninhabited regio pedemontana was settled by German-spealing Silesians and soon abounded in large Waldhufendorfer with Frankish hides and in towns whose German names were in many case indentical with place-names in Silesia (Landskron, Grunberg, [...] [in:] Göttinger Arbeitskreis. Eastern Germany. Holzner-Verlag, 1961. p. 79.
6. Szymon Starowolski: Polska albo opisanie położenia Królestwa Polskiego. Kraków. 1632. [Überse.: A. Piskadło]
7. Kötzschke-Kretschmar S. 98 ff.; Gause S. 22; Rost Sp.1
8. "Die Herkunft der Bemmanns" von Dr. Klaus Bemmann [1]
9. Wojciech Blajer. "Bemerkungen zum Stand der Forschungen [...]", ISBN 978-83-60545-57-7, Krosno. 2007, S. 57-106
10. Das Gebiet der »Gluchoniemcy«, der polonisierten deutschen Siedler des Mittelalters, auch als Walddeutsche bezeichnet. 15 Bezirke: Brzesko, Dąbrowa, Tarnów, Gorlice, Jasło, Pilzno, Ropczyce, Rzeszów, Strzyżów, Krosno, Sanok, Brzozów, Przemyśl, Przeworsk ud Jaroslau. [] Ortfried Kotzian. Die Umsiedler : die Deutschen aus West-Wollhynien, Galizien, der Bukowina, Bessarabien, der Dobrudscha und in der Karpatenukraine. 2005. S. 75.