Nachkriegskonzentrationslager in Oberschlesien

14.10.07, 12:19
Die Opfer der selbsternannten Racheengel
Deutsche Opfer der Nachkriegskonzentrationslager in Oberschlesien / Gedenken
nur noch bei Vertriebenen und der kleinen deutschen Minderheit
Peter Muschol

An die fünfzig Oberschlesier gedachten am 17. Juni ihrer Angehörigen, die im
Sommer 1945 im polnischen Konzentrationslager Zgoda im oberschlesischen
Industriegebiet starben.

Seit 1995 organisiert der ehemalige Lagerhäftling Gerhard Gruschka mit
"Deutschen Freundeskreisen in Polen" die Erinnerung an die Generation der
Großeltern und Urgroßeltern. Die Zahl der in dem berüchtigten Lager
umgekommenen Deutschen und auch der Polen, die als "Nazi-Kollaborateure"
denunziert wurden, ist bis heute unbekannt. Vorsichtige Schätzungen gehen von
1.518 Opfern aus.

Im Frühjahr 1945 übernahm der stalinistisch geprägte "Sicherheitsdienst"
(polnisch "Urzad Bezpieczénstwa Publicznego") die bereits im Krieg von der SS
errichteten Lagerbaracken für Zwangsarbeiter der nahegelegenen
Oberschlesischen Maschinen- und Waggonfabrik und trieb dorthin zentral in
Gleiwitz verhaftete deutsche Zivilisten in einem Marsch quer durch das
Industriegebiet.

Der "Sicherheitsdienst" bestand überwiegend aus Juden, die den Holocaust
überlebt hatten und nun eine willkommende Gelegenheit sahen, Rache an den in
Oberschlesien zurückgebliebenen Deutschen zu nehmen. Unter den in diesem KZ
Getötetem waren auch drei deutsche Geistliche. Neben über hundert von
sowjetischen Soldaten ermordeten katholischen Pfarrern sind es die einzigen
heute bekannten Opfer von Polen.

Der bekannteste unter ihnen war der ehemalige DNVP-Reichstagsabgeordnete und
CVer, Pfarrer Edgar Wolf. In der 1950 erschienenen Broschüre "Vom Sterben
schlesischer Priester" heißt es: "Pfarrer Wolf (...) war im Januar 1945 in
Schönwald (bei Gleiwitz) mit drei Klosterschwestern und seiner eigenen
Schwester zurückgeblieben. Während der Russenzeit war er zeitweilig zum
Ortsvorsteher bestimmt worden. Nach der Übernahme der Verwaltung durch die
Polen wurde er mit einer großen Anzahl von Männern, Frauen und Mädchen am 5.
Juli von der polnischen Miliz verhaftet und am folgenden Tag unter
Mißhandlungen in das Gleiwitzer Gerichtsgefängnis gebracht. Einige Tage später
wurde er dort laufend verhört und dabei schwer geprügelt. (...) Danach kamen
alle in das polnische Konzentrationslager nach Schwientochlowitz. Die meisten
erkrankten dort wegen mangelnder Ernährung an Hungertyphus. Infolge
vollkommener Entkräftung, Hungertyphus und schwerer Mißhandlungen ist Pfarrer
Wolf Mitte August dort verstorben."

1947 wurde das Lager aufgelöst und auf dem Gelände eine Kleingartenkolonie
angelegt. Die auf dem nahegelegenen Friedhof ausgeschaufelten Massengräber
sind eingeebnet, ihre genaue Lage wird verschwiegen und eine würdige
Bestattung der Gebeine bis heute abgelehnt. Erst 1995 konnten die Deutschen
Freundeskreise das ehemalige Lagertor von den Kleingärtnern erwerben und eine
bescheidene Erinnerung in Form einer kleinen Gedenktafel ermöglichen. Seit der
Wende wird jährlich ein Gedenkgottesdienst zelebriert, dieses Jahr vom
Seelsorger für die deutsche Minderheit in der Diözese Oppeln, Pfarrer Wolfgang
Globisch.

Die polnische Geistlichkeit meidet das Gedenken. Auch vom ehemaligen Papst
Johannes Paul II. gab es kein Wort des Gedenkens an die deutschen Opfer in
Oberschlesien. Letztlich ist es nur dem jüdischstämmigen US-Journalisten John
Sack zu verdanken, daß die grauenvollen Verhältnisse in diesem KZ bekannt
wurden. Der Wert seines verdienstvollen, aber weitestgehend unbeachtet
gebliebenen Buchs "Auge um Auge. Die Geschichte von Juden, die Rache für den
Holocaust suchten" (Kabel Verlag, Hamburg 1995, ISBN 3-8225-0339-8) liegt vor
allem in einer ausführlichen Quellensammlung.

Wie ein roter Faden zieht sich das Schicksal eines Mannes durch die
grauenvollen Schilderungen, des berüchtigten Kommandanten von
Schwientochlowitz, Oberst Solomon Morel. Unbehelligt lebte er bis 1992 in
Polen. Als die polnische Justiz gegen ihn Ermittlungen wegen des Verdachts des
Massenmordes einleitete, setzte sich Morel zu Verwandten nach Israel ab. Dort
lebte er sorgenfrei von einer polnischen Offiziersrente und einer
KZ-Entschädigung, obwohl er nie in einem Konzentrationslager inhaftiert war.
Am 14. Februar dieses Jahres starb er im Alter von 87 Jahren in Tel Aviv.

Daß von offizieller deutscher Seite das Gedenken an deutsche Opfer in
Schwientochlowitz gemieden wird, ist eigentlich nicht verwunderlich, könnte es
doch womöglich noch als Aufrechnung für deutsche Verbrechen gedeutet werden.
Dafür registrierten die Anwesenden 2007 zwei Vertreter der Stadtpolizei von
Schwientochlowitz, die ein Blumengebinde am Lagertor niederlegten. Zgoda hieß
übrigens bis 1945 "Eintrachtshütte".
© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. www.jungefreiheit.de 28/07 06. Juli 2007
    • ballest Re: Nachkriegskonzentrationslager in Oberschlesie 14.10.07, 23:13
      Danke Hanys!
      • alladyn15 Re: Nachkriegskonzentrationslager in Oberschlesie 14.10.07, 23:44
        Fascynujace....28 liter.
        Aborygeni maja tylko 12 na okreslanie,co sie wokol nich dzieje.
        I to nawet nie sa litery, tylko znaki,jakies tam.
    • ak_2107 Re: Nachkriegskonzentrationslager in Oberschlesie 15.10.07, 00:15
      hanys_hans napisał:

      ....... am Lagertor niederlegten. Zgoda hieß
      > übrigens bis 1945 "Eintrachtshütte".
      > © JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. www.jungefreiheit.de 28/07 06.
      Juli 200....

      Bundesamt für Verfassungsschutz o JUNGE FREIHEIT: ( Jahresbericht
      2004)

      „Bisweilen finden sich in Beiträgen von Redakteuren und
      Stammautoren gängige rechtsextremistische Argumentationsmuster oder
      positive Kommentare zu rechtsextremistischen Organisationen,
      Personen oder Publikationen. Besonderes Augenmerk scheint die JF auf
      die Relativierung der deutschen Schuld am Zweiten Weltkrieg zu
      legen.“

      JUNGE FREIHEIT wydawana jest w nakladzie 20 000 egzemplarzy,
      ma ok. 13 500 stalych abonentow.
      ( Slazacy w Rajchu sa oszczedni, ale zeby az tak....???)

      Od 1995 roku wydawnictwo jest pod stala obserwacja Urzedu ds. Ochrony
      Konstytucji Republiki Federalnej Niemiec w zwiazku z zarzutami o
      propagowanie prawicowo - ekstremisycznej propagandy.

      • alladyn15 Re: Nachkriegskonzentrationslager in Oberschlesie 15.10.07, 00:34
        Ja tu z nim tra lala,a on taki Marchwicki!
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