Bo My Niemcy chcielismy sie z wami dogadac

11.10.03, 22:11
Nie przeginaj paly i popadaj w swojaja wielko megalomanie
w swojej niewiedzy co ja ci zrobie ze ci tak w leb nabito

1) w latach 1934 do 1938 Herman Goering dysktowal w Bialowiezy na polowankach
z Pilsudzkim i Beckiem wspolny marsz na Moskwe tylko ze wzgledu na pazernosc
panow z Warszawy sie nie dogadali - panowie z Warszawy chcieli pol Syberii.
Wielki moralista Jedrzych Giertych dziadzia dzisiejszego rodzinnego mecenasa
pial hymny na kanclerza Niemiec w swojej ksiazce wydanej w 1938 roku w
Wilnie
"kajakiem po III Rzeszy" polityczno-krajozn awczej
w stylu _ Juz tylko za odzydzenie europy okcydentalnej swiat powinien stawiac
pomniki kaclerzowi III Rzeszy
ciekawe jakich wielkich czynow ten czlowiek jeszcze dokona - koniec cytatu
Tak spiewali na jeden ton twoi i moi az Hitlera pazernosc
z Warsiawki wkrzyla i ich wykopla - nieprzydatni

W ciagu dwoch tygodni zabezpieczyl sobie tylu robiac finte dyplomatyczna z
Moskwa - Ribbentrop jest jedynym swistakiem kotry Stalina zawinal w papierek
prowokujac go do wymordowania calego sztabu generalnego w przededniu wojny

2) Co ci sie jeszcze nie podoba
Wojna na zachdodzie - jak bys nie zawijal w papierek
to Francja i Anglia wypowiedzialy ta wojne i byly b. zdziwione podnoszac rece
do gory - pobity ryj boli

3) Nie podobaja ci sie polskie obozy koncentrcyjne dla Niemcow w Osiecimiu,
Lambimowicach, Potulicach, Suchej Wodzie, Legnicy i przymusowa polonizacja
Niemcow na Pomorzu Slasku Warmi i Mazurach
- ja jestem tego naoczynym swiadkiem i nie ja jeden - tego nozkami nie
zatupiesz i raczkami nie zamachasz
jak maly przedszkolaczek

    • silesius Re: Bo My Niemcy chcielismy sie z wami dogadac 11.10.03, 22:18
      Ein Mittelstaat wie die Republik Polen sah vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs
      in Botschaftern, Senatoren oder Abgeordneten bereits bedeutsame politische
      Figuren. Das wurde beispielsweise beim »Privatbesuch« des Botschafters William
      C. Bullitt in Warschau deutlich. Da berichteten die polnischen Zeitungen
      ausführlich über Ankunft, Aufenthaltsdauer und Aktivitäten des amerikanischen
      Besuchers und stellten ihn auch als Privatmann ihren Lesern vor.
      Schließlich »war er der vierte prominente Amerikaner, der nach Gouverneur
      Earle, Senator Guffey und Kongreßmann Lambeth Warschau in letzter Zeit besucht
      hat«, wie die Warschauer Zeitung »Express Poranny« am 14. November 1937
      schrieb - obwohl er seine Visite lediglich als persönlicher Freund des USA-
      Botschafters in Polen, Drexel Biddle, machte und keinerlei offizielle Funktion
      an der Weichsel wahrzunehmen hatte. Seine frühere Stellung als Sekretär des
      Präsidenten Woodrow Wilson wie auch seine aktuelle Position als amerikanischer
      Botschafter in Paris reichte in den Augen der Polen hin, um ihn mit solcher
      Aufmerksamkeit zu bedenken und auch zu vermelden, »daß Botschafter Bullitt
      Witwer ist und eine 15 Jahre alte Tochter hat, die für ihre Schönheit und
      Intelligenz gleichermaßen bekannt ist«.

      Daß auch das regierungsamtliche Polen den amerikanischen Gast aus Paris
      offiziell zur Kenntnis nahm, schien daher fast selbstverständlich und drückte
      sich in einem Gespräch mit dem polnischen Außenminister Jozef Beck am 16.
      November 1937 aus, dem dann noch ein Dinner »in honor of Mr. Bullitt« folgte.

      So kann es der Zeitgeschichtsforscher bei der Durchsicht der einschlägigen
      Geheimberichte der US-Botschaft in Warschau vom November 1937 lesen. Er erfährt
      aus ihnen auch, daß Bullitt als ein Freund Präsident Roosevelts galt und den
      Ruf »einer der hervorragendsten Fachleute in Außenpolitik« genoß, der auch US-
      Außenminister Cordell Hull eng verbunden war.

      In der Tat gehörte der aus Philadelphia gebürtige, von französischen
      Einwanderern abstammende William Christian Bullitt, dem im Herbst 1937 gerade
      die Ehrenbürgerschaft von Nimes verliehen worden war, zu den persönlichen
      Freunden und Beratern Roosevelts, der ihn gern mit »My dear Bill Buddha«
      anredete, er verwaltete im diplomatischen Dienst der Vereinigten Staaten
      bislang ebenso exponierte wie wichtige Botschafterposten. Dazu gehörte auch
      seine Entsendung als erster Missionschef der USA (nach Aufnahme der
      diplomatischen Beziehungen) in die sowjetische Hauptstadt im Spätherbst 1933.
      Seit 1936 leitete er die USA-Botschaft in Paris und sollte diesen Posten bis
      1941 beibehalten.

      Seine Besuche und Auftritte erregten immer Aufmerksamkeit und hatten letztlich
      nie bloß »streng privaten Charakter«, wie er sie gern in der Öffentlichkeit
      herabzuspielen suchte. Das zeigte sich auch bei seinem halbwöchigen Besuch
      Mitte November 1937 in Warschau. Nicht umsonst traf sich der polnische
      Außenminister Beck dreimal mit dem »Privatgast« aus Paris und führte auch ein
      Vieraugengespräch mit ihm, wie der amerikanische Botschaftsbericht vom 17.
      November 1937 ausweist. Darunter war im übrigen eine
      unprotokollarische »Selbsteinladung« des polnischen Außenministers zu
      einem »Kotelett-Essen« in der amerikanischen Botschaft am 17. November 1937,
      die nach dem Bericht Drexel Biddles »eine reizende und interessante Gelegenheit
      mit freimütiger und vertraulicher Unterhaltung« gewesen ist.

      Die Quintessenz der von Bullitt geführten Gespräche schlug sich schließlich in
      vier vertraulichen Memoranden nieder, die US-Botschafter Biddle mit seinem
      zusammenfassenden Bericht vom 26. November 1937 »streng vertraulich« an
      Außenminister Hull sandte.

      1937: Polen auf Hitlers Seite

      Das »Memorandum A« beschäftigte sich mit der Entwicklung in Sowjetrußland und
      den von Stalin gerade durchgeführten »Säuberungen«. Der ehemalige US-
      Botschafter in Moskau, William Christian Bullitt, unterhielt sich über dieses
      Thema mit dem neuernannten japanischen Missionschef in Warschau, Sako, und kam
      dabei zu der Erkenntnis, daß die stalinistischen Verfolgungen die Sowjetunion
      momentan weitgehend inaktiv machten. Eine Einschätzung, die Bullitt auch ein
      Jahr später noch vertreten wird und deretwegen er Moskau vorläufig außerhalb
      einer Anti-Hitler-Koalition sah.

      In »Memorandum B« geht es neben einer allgemeinen »Tour d'horizon« der
      politischen Lage in Großbritannien, Frankreich und in der Sowjetunion besonders
      um das deutsch-tschechische Verhältnis und um den Antisemitismus in
      Mittelosteuropa. Danach hat der polnische Außenminister Beck der Auffassung
      Bullitts, daß Frankreich bei einem deutschen Angriff auf die
      Tschechoslowakei »marschieren würde«, entschieden widersprochen, und
      zwar »hauptsächlich wegen seiner innenpolitischen Lage«. Seiner Meinung nach
      hat Frankreich bereits 1936 mit der ausgebliebenen Reaktion auf Hitlers
      Rheinland-Besetzung Schwäche gezeigt und damit seine Haltung gegenüber
      ähnlichen Vorkommnissen angedeutet. Entsprechend gedachte dann auch Polen sein
      Verhältnis zum Deutschen Reich zu gestalten; das hieß: wenn Deutschland für
      seine Volksangehörigen in der Tschechoslowakei Autonomie forderte, wollte dies
      Polen auch für seine Minderheit im Gebiet Teschen reklamieren.

      Die ein Jahr später, im Oktober 1938, gemeinsame Vorgehensweise von Deutschland
      und Polen gegen die ÜSR wurde demnach hier bereits anvisiert und damit
      Washington rechtzeitig genug über die wahrscheinliche Lösung der nachmaligen
      Sudetenkrise ins Bild gesetzt. Zumindest war nach diesem Gedankenaustausch
      zwischen Beck und Bullitt klar, daß sich Warschau den jeweiligen Schritten
      Berlins anschließen werde. Das bedeutete, daß eine etwaige Abtrennung der
      sudetendeutschen Gebiete von der Tschechoslowakei und eine Einverleibung in das
      Deutsche Reich folgerichtig auch eine polnische Annexion des Teschener Landes
      durch Polen nach sich ziehen würde, wie dies dann auch mit Vollzug des
      Münchener Abkommens geschehen ist. Die Warschauer Außenpolitik verfolgte also
      in jenen Monaten eine parallele Linie zur Berliner Tschechenpolitik.

      Deutsch-polnische Übereinstimmung in der Judenfrage

      Ähnlichkeiten wies die polnische Politik zur Praxis der deutschen auch auf dem
      Felde der Judenbehandlung auf. Dabei ging es schlicht um das Bestreben der
      deutschen wie der polnischen Regierung, möglichst viele Juden zur Emigration zu
      bewegen. Freilich lebten in Polen damals auch fast sechsmal mehr jüdische
      Einwohner als im Deutschen Reich, nämlich knapp drei Millionen. Sie machten
      rund zehn Prozent der Gesamtbevölkerung aus, während die fünfhunderttausend
      deutschen Juden nicht einmal ein Prozent der Einwohnerschaft Deutschlands
      darstellten.

      Nach dem »streng vertraulichen« Memorandum B der US-Botschaft in Warschau waren
      sich Beck und Bullitt darin einig, die prozentual überzähligen Juden nicht in
      ein einziges Land umzusiedeln, sondern »weitverbreitet« ins Ausland zu bringen.

      Im »streng vertraulichen Memorandum C« gibt die amerikanische Botschaft im
      wesentlichen die Lagebeurteilung des polnischen Marschalls Rydz-Smigly wieder,
      die dieser beim Vierer-Gespräch mit Außenminister Beck, Botschafter Bullitt und
      Botschafter Biddle abgegeben hatte. Sie gipfelte in der Feststellung, daß weder
      die Franzosen noch die Sowjets im Augenblick in der Lage seien, eine
      militärische Intervention durchzuführen, womit sich Rydz-Smigly in völliger
      Übereinstimmung mit seinem Außenminister befand. Botschafter Biddle vermerkte
      dies auch in seiner Niederschrift.

      Im vierten Memorandum (»Memorandum D«) hielten Bullitt und Biddle das polnische
      Groß
      • silesius Re: Bo My Niemcy chcielismy sie z wami dogadac 11.10.03, 22:18
        Beiderseitige Entspannungsbemühungen

        Zur Zeit des Bullitt-Besuches erschienen freilich die deutsch-polnischen
        Beziehungen weder feindselig noch gespannt; vielmehr hatten Berlin und Warschau
        wenige Tage vor Eintreffen des amerikanischen Spitzendiplomaten an der Weichsel
        ein Minderheiten-Abkommen geschlossen, das die bisherigen Belastungen des
        beiderseitigen Verhältnisses abzubauen geeignet war. Im Zusammenhang mit dieser
        Vereinbarung empfingen synchron am gleichen Tage, dem 5. November 1937,
        Reichskanzler Hitler in Berlin Vertreter des »Bundes der Polen in Deutschland«
        und der polnische Staatspräsident Moscicki eine Abordnung der deutschen
        Minderheit in Polen zur Demonstration der beiderseitigen Verständigung.

        Und was die Haltung Warschaus zu den deutsch-tschechischen Spannungen betraf,
        so hegte man an der Weichsel kaum freundlichere Gefühle gegenüber Prag, nachdem
        Anfang 1937 ein Buch des tschechoslowakischen Gesandten in Bukarest, Jan Seba,
        erschienen war (»Rußland und die Kleine Entente«), in welchem sich der Autor
        für eine gemeinsame Grenze zwischen der ČSR und der Sowjetunion einsetzte - und
        zwar - wie man in Warschau feststellte, auf Kosten Polens. Nach Meinung
        polnischer Kreise, die Marschall Rydz-Smigly nahestanden, stellte dieses Buch,
        dem der amtierende tschechische Außenminister Krofta ein Vorwort gewidmet
        hatte, einen weiteren Schritt Prags zu seiner Rolle als »Vorhut der Sowjetunion
        im Kriegsfalle« dar. Bekanntlich wird Berlin ein Jahr später denselben Verdacht
        gegen die Tschechoslowakei hegen und von einem bewußten Zusammengehen Prags mit
        Moskau sprechen. Das geht neben anderen Quellen auch aus den amerikanischen
        Botschaftsberichten aus Berlin während der sogenannten Sudetenkrise im Sommer
        1938 hervor.

        Die Zeit guter Nachbarschaft zwischen Deutschland und Polen setzte sich auch im
        folgenden Jahr fort. Da hielt sich Anfang Januar 1938 der polnische
        Außenminister für einige Tage in Berlin auf und wurde sowohl von Hitler als
        auch vom Reichsaußenminister und »weiteren führenden deutschen Staatsmännern«
        zu Gesprächen empfangen. Und als im März 1938, im Zuge der Angliederung
        Österreichs an Deutschland (»Anschluß«), die ausländischen Missionen in Wien
        geschlossen wurden, hat Polen nicht das Beispiel Bulgariens oder der Schweiz
        übernommen und seine bisherige Gesandtschaft in ein Generalkonsulat
        umgewandelt, sondern seine diplomatische Mission ohne Ersatz aufgelöst, was den
        deutschen Wünschen am meisten entsprach. In der sich immer deutlicher
        abzeichnenden Sudetenkrise bewahrte Warschau weiterhin wohlwollende Neutralität
        gegenüber Berlin und zeigte sich zuweilen ausgesprochen germanophil, obwohl
        sich der einstige Ministerpräsident und frühere Heeresminister, General
        Ladislaus Sikorski, laut amerikanischem Botschaftsbericht vom 4. November 1937
        in einem vielbeachteten Aufsatz für den Kurs »Weder mit Deutschland noch mit
        Rußland« ausgesprochen hatte und sich in Armeekreisen ein antideutsches Gefühl
        zu regen begann.

        Warschau verständigt sich mit Berlin

        So verdächtigte die polnische Regierung die Tschechoslowakei nach wie vor
        latenter Sympathien für den Kommunismus und richtete am 30. März 1938 eine
        Protestnote an Prag gegen die antipolnische Tätigkeit von Angehörigen der
        Komintern und der Kommunistischen Partei im Grenzgebiet zu Polen und zeigte
        sich von der tschechischen Antwortnote nicht ganz befriedigt. Desgleichen
        bemängelte die polnische Öffentlichkeit die Minderheitenpolitik der Prager
        Regierung und forderte für die polnische Minorität in der ČSR Autonomie
        und »Entschädigung für die Verluste, welche die polnische Bevölkerung seit 1918
        erlitten hat« - ähnlich den Erwartungen, die man in Berlin gegenüber der
        tschechischen Staatsführung in jenen Monaten hegte. Auch auf militärischem
        Gebiet lebten Prag und Warschau in Spannungen - wie dies von Berlin und der ČSR
        bekannt ist. Polen und Tschechen warfen sich gegenseitig aggressiv orientierte
        Truppenkonzentrationen an der Grenze vor, wobei Prag seine Truppenbewegungen im
        Grenzgebiet mit »innerpolitischen Notwendigkeiten« begründete. Diese bestanden
        in der Absicht, die für den 22. Mai 1938 vorgesehenen Kommunalwahlen in den
        deutsch besiedelten Gegenden durch Demonstration von Staatsmacht im Sinne der
        tschechischen Regierung zu beeinflussen. Als im Mai 1938 die Frage diskutiert
        wurde, ob Frankreich seinem Bündnispartner Tschechoslowakei bei einem etwaigen
        Konflikt mit Deutschland militärisch beistehen müsse, stellte Warschau
        unverblümt klar, daß es sich in einem solchen Falle nicht verpflichtet fühle,
        auf der Seite Frankreichs für die ČSR zu Felde zu ziehen.

        Damit nicht genug: während das Deutsche Reich wegen der sich zuspitzenden
        Sudetenkrise in Gegensatz zu Frankreich und Großbritannien zu geraten drohte
        und die Sowjetunion ihre Bereitschaft zu einer Hilfe für die ČSR signalisierte,
        verständigte sich die Warschauer Regierung mit Berlin über eine einheitliche
        Geschichtsdarstellung in den Schulbüchern und vereinbarte am 1. Juli 1938 mit
        der Reichsregierung, daß »jene Zeitabschnitte, in denen die beiden Länder in
        einem Gegensatz zueinander standen, sachlich und leidenschaftslos« darzustellen
        seien, und daß »insbesondere alle Ausdrücke und Wendungen vermieden werden
        sollen, die für das andere Land beleidigend oder herabsetzend wirken können«.

        Schulbuchempfehlungen schon 1938

        Mit diesen »Schulbuchempfehlungen« wollten Berlin und Warschau ein Signal für
        ähnliche Abmachungen mit anderen Staaten setzen und sie auch auf die Lehrbücher
        der übrigen UnterrichtsdisziPlinen ausdehnen. Die nach dem Zweiten Weltkrieg
        ausgehandelten Schulbuchempfehlungen hatten also bereits ein
        Vorgängerunternehmen im Jahre 1938.

        Fast im Gleichklang mit der Berliner Tschechenpolitik beschuldigte die
        Warschauer Regierung die Prager Staatsführung immer wieder zu weitgehender
        Toleranz gegenüber kommunistischen Umtrieben und übermittelte ihr
        beispielsweise am 23. Juli 1938 eine weitere Protestnote »gegen antipolnische
        Tätigkeit kommunistischer Elemente in der Tschechoslowakei«.

        Und als im Herbst die Sudetenkrise ihrem kritischen Höhepunkt zustrebte,
        kommentierte das offizielle Polen am 13. September 1938 die Hitler-Rede vom
        Vortag mit folgenden Feststellungen:

        »l. Die Rede des Kanzlers, die die internationale Lage klar darstellte,
        unterstreicht den Willen Deutschlands zur Erhaltung des Friedens und zu seiner
        Stabilisierung mit einer Ausnahme, nämlich der Tschecho-Slowakei, wo alles von
        der Regelung der sudetendeutschen Frage abhängig gemacht wurde.

        2. Die Rede unterstreicht die Bedeutung des Abkommens Deutschlands mit Polen
        aus dem Jahre 1934 für die Sache des Friedens. Durch dieses Abkommen ist Polen
        in das System der Stabilisierung der deutschen Grenzen als ein grundsätzliches
        Element für den Frieden einbeschlossen worden. Diese Auffassung wurde in Polen
        mit voller Anerkennung aufgenommen.

        3. Die kategorische Herausstellung des Interesses Deutschlands an dem
        sudetendeutschen Problem war in der gegenwärtigen Lage keine Überraschung.

        4. Die Rede des Kanzlers schließt eine von den inneren Änderungen in der
        Tschecho-Slowakei abhängige friedliche Regelung der sudetendeutschen Frage
        nicht aus.

        5. Die Hervorhebung des Grundsatzes der Selbstbestimmung für die
        Sudetendeutschen erfolgte vom Kanzler im Geiste der Verständigung. «

        »Fast nahtlose Übereinstimmung«

        Wer die aggressive Rede Hitlers auf dem NS-Parteitag in Nürnberg nachliest,
        kann diese polnische Kommentierung und Interpretierung nur wohlwollend und »von
        freundschaftlichem Verständnis getragen« finden. Immerhin hatte Hitler wenig
        Geduld gezeigt und sich nicht dumpfer Drohungen an die
        • silesius Re: Bo My Niemcy chcielismy sie z wami dogadac 11.10.03, 22:19
          Nutznießer der Sudetenkrise

          Ähnlich wie die deutsche Reichsregierung mit einer nachmaligen Autonomie der
          Slowakei rechnete, vertrat das offiziöse Polen in jenen Tagen - zum Beispiel in
          Verlautbarungen vom 23. September 1938 - den Gedanken einer selbständigen
          Slowakei, welche einen Zusammenschluß mit einer autonomen Karpatho-Ukraine
          eingehen und sich Ungarn anschließen sollte, damit Polen eine gemeinsame Grenze
          mit dem Magyaren-Staat erhalte. Und da die beiden Westmächte in der Tat
          zunächst nur die sudetendeutschen Gebiete in ihre Abtretungsempfehlung
          aufgenommen hatten, bzw. Benesch in seiner Geheimofferte (»Necas-Papier«)
          lediglich von sudetendeutschen Landstrichen gesprochen hatte, sah sich Warschau
          genötigt, seine territorialen Ansprüche an die Tschechoslowakei separat zu
          vertreten. So forderte die polnische Regierung am 27. September 1938 in einer
          Note an Prag eine umgehende Grenzrevision und erhärtete dieses Verlangen - nach
          einer hinhaltenden Antwort Beneschs - am 30. September 1938 zu einem Ultimatum,
          dem die ÜSR dann am 1. Oktober 1938 entsprach, da mittlerweile das Münchener
          Abkommen unterzeichnet und die Abtretung des Sudetenlandes praktisch in die
          Wege geleitet worden war. Die Vereinbarung zwischen Warschau und Prag lehnt
          sich im übrigen auffallend an die Bestimmungen des Münchener Abkommens an (z.
          B. Räumung des Gebietes durch die Tschechen und Besetzung durch polnische
          Truppen innerhalb von zehn Tagen, Verständigung über die Prozedur einer
          späteren Abstimmung, unverzügliche Entlassung aller Polen aus der tschechischen
          Armee und Freilassung der politischen Gefangenen polnischer Nationalität), wie
          ein Vergleich der beiden Texte deutlich macht. Analog zum Grenzziehungs-
          Ausschuß des Münchener Abkommens (Artikel 6), in welchem auch ein Vertreter der
          Prager Regierung Sitz und Stimme hatte, vereinbarte Warschau mit der ČSR
          eine »gemischte Grenzkommission« zur endgültigen Festlegung der polnisch-
          tschechischen Grenze und gab ihr zur Erledigung dieser Aufgabe bis zum 15. bzw.
          30. November 1938 Zeit.

          Der »Internationale Ausschuß« des Münchener Abkommens beendete seine
          Grenzfestlegung am 20. November 1938. Die Grenzregelung zwischen Warschau und
          Prag sah vor, daß nach der Abtretung der Kreisbezirke von Teschen und Freistadt
          (= Olsagebiet) Anfang Oktober 1938 noch die Region nördlich von Cadca (Czacza)
          und die nördliche Hohe Tatra zu Polen kamen. Ähnlich wie der deutsche
          Reichskanzler in seiner Berliner Sportpalast-Rede am 26. September 1938
          ausführte, »daß es - wenn dieses Problem gelöst ist - für Deutschland in Europa
          kein territoriales Problem mehr gibt«, erklärte die polnische Regierung nach
          Festlegung dieser endgültigen Grenzlinie, »keine weiteren territorialen
          Ansprüche gegen die Tschechoslowakei zu haben«. Ein Grenzzwischenfall am 26.
          und 27. November 1938, bei welchem nach Warschauer Darstellung zwei polnische
          Funktionäre verwundet worden waren, veranlaßte die polnische Regierung dann am
          28. November zur vorzeitigen Besetzung der Polen zugesprochenen Landstriche an
          der Hohen Tatra.

          Diese sich verzögernde Regelung des polnischen Minderheitenproblems in der
          Tschechoslowakei - wie auch die noch ausstehende Beilegung der ungarischen
          Ansprüche - fand dann in Zusatzerklärungen Chamberlains, Daladiers, Hitlers und
          Mussolinis in München Berücksichtigung. Darin wurde festgestellt:

          »Die Regierungschefs der vier Mächte erklärten, daß das Problem der polnischen
          und ungarischen Minderheiten in der Tschechoslowakei, sofern es nicht innerhalb
          von drei Monaten durch eine Vereinbarung unter den betreffenden Regierungen
          geregelt wird, Gegenstand einer weiteren Zusammenkunft der hier anwesenden
          Regierungschefs der vier Mächte bilden wird.« Und: »Seiner Majestät Regierung
          im Vereinigten Königreich und die Französische Regierung haben sich dem
          vorstehenden Abkommen angeschlossen auf der Grundlage, daß sie zu dem Angebot
          stehen, welches in Paragraph 6 der englisch-französischen Vorschläge vom 19.
          September enthalten ist, betreffend eine internationale Garantie der neuen
          Grenze des tschechoslowakischen Staates gegen einen unprovozierten Angriff.

          Sobald die Frage der polnischen und ungarischen Minderheiten in der
          Tschechoslowakei geregelt ist, werden Deutschland und Italien ihrerseits der
          Tschechoslowakei eine Garantie geben.«

          So hatte Polen nicht nur sein »München« betrieben und erreicht, sondern auch
          Anschluß an das Viermächte-Abkommen vom 29. September gefunden; und das
          weitgehend im Einklang mit der Berliner Tschechenpolitik und oft streckenweise
          mit gleichem Vorgehen.

          Erste Querschüsse aus Washington

          Die USA-Regierung sah diese Analogie zwischen Warschau und Berlin mit
          zunehmendem Unbehagen und reagierte auf doppelte Weise.

          Sie gab in Ergänzung zu den Ausführungen Roosevelts auf einer Pressekonferenz
          am 30. September 1938 und den Äußerungen Staatssekretär Hulls vom gleichen Tage
          auf diplomatischem Wege den beiden Westmächten zu verstehen, daß sie »München«
          als eine »Kapitulation der demokratischen Staaten« und als ein »Zeichen ihrer
          Schwäche gegenüber dem Deutschen Reiche« betrachte - und sie stärkte Polen
          durch die gleichen geheimdiplomatischen Kanäle nunmehr den Rücken gegen etwaige
          nachfolgende deutsche Forderungen an die Adresse Warschaus.

          So traf sich am 19. November 1938 William Christian Bullitt mit dem polnischen
          Botschafter in Washington, Graf Jerzy Potocki, zu einem ausführlichen Gespräch
          über die aktuelle Lage in Europa und konnte bei dieser Gelegenheit gleichsam
          den Gedankenaustausch von Warschau vor Jahresfrist fortsetzen, zumal Potocki
          durch seinen Verwandten Joseph Potocki, den Leiter der angelsächsischen
          Abteilung im polnischen Außenministerium, umfassend über den Bullitt-Besuch im
          November 1937 in Warschau informiert worden war. Nach seinem Geheimbericht an
          den polnischen Außenminister vom 21. November 1938 sprach Bullitt »über
          Deutschland und den Kanzler Hitler mit größter Vehemenz und starkem Haß« und
          davon, »daß nur Gewalt, schließlich ein Krieg der wahnsinnigen Expansion
          Deutschlands in Zukunft ein Ende machen kann«. Auf Potockis Frage, wie sich
          Bullitt einen künftigen Krieg gegen Deutschland vorstelle, gab dieser zur
          Antwort, »daß vor allem die Vereinigten Staaten, Frankreich und England
          gewaltig aufrüsten müßten, um der deutschen Macht die Stirn bieten zu können«.

          Weiter führte Bullitt nach dem Bericht Botschafter Potockis aus, »daß die
          demokratischen Staaten absolut noch zwei Jahre bis zur vollständigen Aufrüstung
          brauchten. In dieser Zwischenzeit würde Deutschland vermutlich mit seiner
          Expansion in Östlicher Richtung vorwärtsschreiten. Es würde der Wunsch der
          demokratischen Staaten sein, daß es dort im Osten zu kriegerischen
          Auseinandersetzungen zwischen dem Deutschen Reich und Rußland komme«. Nach
          Ausbruch dieses Krieges, vermutete Bullitt, »könne es sein, daß sich
          Deutschland zu weit von seiner Basis entferne und zu einem langen und
          schwächenden Krieg verurteilt werde. Dann erst würden die demokratischen
          Staaten Deutschland attackieren und es zu einer Kapitulation zwingen«.

          Bullitt verspricht Kriegsteilnahme

          Im übrigen sei die »Stimmung in den Vereinigten Staaten gegenüber dem Nazismus
          und Hitlerismus so gespannt, daß schon heute unter den Amerikanern eine
          ähnliche Psychose herrscht wie vor der Kriegserklärung der USA an Deutschland
          im Jahre 1917«. Auf Potockis Zwischenfrage, ob die USA an einem solchen Krieg
          gegen Deutschland teilnehmen würden, habe Bullitt geantwortet: »Zweifellos ja,
          aber erst dann, wenn England und Frankreich zuerst losschlagen! « Zur Lage und
          Rolle Polens führte der US-Spitzendiplom
          • silesius Re: Bo My Niemcy chcielismy sie z wami dogadac 11.10.03, 22:19
            Die deutsche Außenpolitik hatte sich seit Oktober 1938 dem Danzig-Problem
            zugewandt und sich in zwei Treffen zwischen Außenminister Ribbentrop und dem
            polnischen Botschafter Lipski geäußert. Danach sollte der vom Völkerbund
            verwaltete Freistaat in den deutschen Staatsverband zurückkehren, Polen jedoch
            zum Ausgleich bestimmte Rechte in Danzig und seinem Hafen erhalten, Daneben
            wünschte Berlin durch den Korridor »eine exterritoriale, Deutschland gehörige
            Reichsautobahn und eine ebenso exterritoriale mehrgleisige Eisenbahn« zwischen
            Pommern und Ostpreußen. Die polnische Seite konnte sich aber nicht zur Annahme
            dieser reichsdeutschen Vorschläge verstehen. Weder vermochte Hitler bei seinem
            Gespräch mit Beck noch Ribbentrop bei seinem Staatsbesuch in Warschau am
            26./27, Januar 1939 eine Zusage der polnischen Regierung zu erhalten, Polen
            hielt die bisherige Danzig-Regelung offenbar nicht für verhandlungsfähig und
            machte auch nicht die leiseste Andeutung einer Gesprächsbereitschaft in dieser
            Frage. Es liegt nahe, diese Kompromißlosigkeit mit den Bullitt-Gesprächen in
            Washington und Paris in Zusammenhang zu bringen.

            Daß die polnischen Politiker, insonderheit der als »deutschfreundlich« geltende
            Außenminister Josef Beck, bereits im Winter 1938/39 eine andere Sprache über
            Hitler und seine Regierung sprachen als wenige Monate zuvor, erhellt aus
            amerikanischen Geheimakten jener Tage.

            Da teilte der US-Botschafter in Warschau, Biddle, unter dem Datum des 10.
            Januar 1939 »strictly confidential for the President and the Secretary‹‹ nach
            Washington mit, was ihm der polnische Außenamtschef über seine Unterredungen
            mit Hitler und Ribbentrop am 5, und 6. Januar 1939 in Berchtesgaden berichtete.
            Danach habe der deutsche Reichskanzler während seiner allgemeinen »Tour
            d'horizon« eine »prahlerische Rückschau« auf seine Erfolge im vergangenen Jahr
            gehalten und sich ziemlich verärgert über Präsident Roosevelts Botschaft an den
            Kongreß vom 4. Januar 1939 gezeigt.

            Die für Hitler ärgerliche Passage der Kongreß-Botschaft Roosevelts
            lautete: »Worte können wertlos sein, aber der Krieg ist nicht das einzige
            Mittel, um der Auffassung der Menschlichkeit die gemäße Achtung zu verschaffen.
            Es gibt viele Methoden, auch abgesehen vom Krieg, die viel stärker und
            wirksamer sind als bloße Redensarten. Es gibt viele Methoden, um den Angreifer-
            Regierungen die unseren Völkern gemeinsamen Gefühle verständlich zu machen. Das
            wenigste, was wir tun können, ist, jede Handlung und jede Unterlassung zu
            vermeiden, die einen Angreifer ermutigen, helfen oder stärken könnte. «

            Nach dem Geheimbericht Biddles waren Beck und seine Regierung von diesen
            Ausführungen tief beeindruckt und zogen daraus die Folgerung, daß sich Polen
            und Frankreich alsbald über ihre Position gegenüber Deutschland einigen und
            schlüssig werden sollten, da man schließlich im gleichen Boot sitze. Näheres
            wollten Beck und der amerikanische Botschafter »in aller Ruhe« am Abend mit dem
            polnischen Generalstabschef besprechen. Aus den Bullitt-Darlegungen vom 19.
            November 1938 in Washington hatten sich also schon konkrete
            Regierungsvorstellungen über die künftige Haltung gegenüber Deutschland
            entwickelt.

            Bei dem vertraulichen Abendgespräch zwischen Beck, Biddle und dem polnischen
            Generalstabschef am 10. Januar 1939 in Warschau dürfte auch die antideutsche
            Stimmung unter dem polnischen Offizierskorps nicht unbeachtet geblieben sein,
            die sich in den nachfolgenden Wochen noch bemerkenswert steigerte. Sie fand der
            US-Botschafter immerhin so wichtig, daß er sie in einem ausführlichen Kabel vom
            20. Februar 1939 gleichfalls »strictly confidential« nach Washington meldete.
            Gewährsleute seiner Mitteilung waren der amerikanische Militär-Attaché in
            Warschau, Major Colbern, und der rumänische Botschafter in Polen. Die gerade zu
            beobachtende Beruhigung in den deutsch-polnischen Beziehungen betrachteten die
            polnischen Offizierskreise nach Mitteilung Biddles und seiner Informanten als
            eine vorübergehende Atempause, der auf kurz oder lang neue deutsche Anschläge
            folgen würden, die unter Umständen zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung
            zwischen Polen und Deutschland führen könnten.

            Aus einem anderen Vorkommnis, von dem Biddle »in strictly confidence« erfahren
            hatte, ging darüber hinaus hervor, daß auch die polnische Regierung von
            wachsender Antipathie gegenüber Deutschland erfüllt war. Lediglich der
            polnische Justizminister Grabowski galt noch als deutschfreundlich.
            Außenminister Beck, von dem vielfach behauptet wurde, daß er Deutschland
            gegenüber keine ablehnenden Gefühle habe, war jedenfalls nach dieser Quelle
            kein Sympathisant Berlins, wenn er sich auch vor sechs Wochen Hitler und
            Ribbentrop gegenüber freundlich gezeigt hatte.

            Antideutsche Demonstrationen

            Die »increasing anti-German feeling in Army circles and preponderant anti-
            German feeling in inner Government circles«, von denen in Botschafter Biddles
            Depesche No. 962 vom 20. Februar 1939 die Rede war, schienen sich auch auf den
            Straßen Warschaus und Posens zu verbreiten. Das bezeugt ein weiteres
            Geheimkabel der US-Botschaft in Warschau, In ihm berichtete Biddle von
            antideutschen Studentendemonstrationen vor dem Kriegsministerium in Warschau
            und dem deutschen Generalkonsulat in Posen. Sie wurden durch ein Schild
            ausgelöst, das nationalistische deutsche Studenten an dem Eingang der
            Danziger »Polytechnischen Hochschule« angebracht hatten und das die Aufschrift
            trug: »Für Hunde und Polen Zutritt verboten!« Die daraufhin von polnischen
            Studenten gefaßte Resolution mit der Forderung, Deutschland »wirtschaftlich,
            kulturell und sozial zu boykottieren«, schien ihren Kommilitonen in Warschau
            und Posen nicht zu genügen, so daß sie sich zu eigenen Protestzügen
            zusammenfanden, In der Hauptstadt sollen es nach Angaben des US-
            Botschaftsberichtes rund 500 Studenten gewesen sein, die vor dem
            Kriegsministerium »Nieder mit Hitler!« und »Nieder mit Becks prodeutscher
            Politik!« riefen, Danach riefen sie nach Marschall Rydz-Smigly und forderten
            ihn auf, Truppen nach Danzig marschieren zu lassen, Die Warschauer Polizei
            machte keinerlei Anstalten einzuschreiten, wodurch klar wurde, »daß die
            Regierung Sympathie mit der Demonstration hegte«. Versuche, die deutsche
            Botschaft zu erreichen, waren freilich vergebens, Laut amerikanischem
            Botschaftskabel trugen die polnischen Studenten in Posen die gleichen
            Forderungen vor und konnten eine Reihe von Fensterscheiben in der deutschen
            Bibliothek und den Büros einer deutschen Zeitung einschlagen.

            Weitere, ungleich größere Demonstrationen waren für den nachfolgenden Sonntag
            geplant, unterblieben aber wegen des Eintreffens des italienischen
            Außenministers in der polnischen Hauptstadt. Am 27. Februar 1939, also zwei
            Tage nach diesem amerikanischen Botschaftsbericht, brachte die polnische
            Regierung dem deutschen Botschafter ihr Bedauern über diese Vorkommnisse zum
            Ausdruck und sagte strenge Bestrafung der Schuldigen zu. Nicht ausgeschlossen,
            daß die Anwesenheit Graf Cianos (vom 25. Februar bis 1, März) diese
            Entschuldigung mit befördert hat, war doch Italien dem Deutschen Reich
            ideologisch und durch die »Achse Berlin-Rom« mehrfach verbunden. Der sich vom
            4, bis zum 6, März 1939 anschließende Besuch des rumänischen Außenministers
            Gafencu kam dagegen wieder dem Selbstverständnis Polens als aufsteigender
            Großmacht entgegen, wurden doch dabei erneut die Gedanken eines »dritten
            Europa« zwischen Ostsee und Schwarzem Meer - es war sogar von der Ägäis die
            Rede! - erörtert und einschlägige politische und wirtschaftliche Fragen
            besprochen.

            Das polnische Großmachtst
            • silesius Re: Bo My Niemcy chcielismy sie z wami dogadac 11.10.03, 22:21
              Das polnische Großmachtstreben wurde am 11. März 1939 mit der Forderung der
              offiziösen »Nationalen Einigung« nach Erwerb von Kolonien unterstrichen. Mit
              dem Erwerb geeigneter Landstriche wollte man auch der freien Auswanderung »in
              Länder, in denen das Polenblut entnationalisiert wird«, entgegenwirken und
              seine Volkssubstanz erhalten.

              Die deutsche Besetzung der Rest-Tschechei am 15. März 1939 nahm das offizielle
              Warschau zunächst gelassen hin und sprach schon am 16. März der nunmehr
              selbständigen Slowakei seine diplomatische Anerkennung aus. Dagegen verurteilte
              bekanntlich die amerikanische Regierung mit scharfen Worten das Vorgehen
              Deutschlands und weigerte sich, die de-facto-Übernahme der Verwaltung Böhmens
              und Mährens durch Deutschland als legal anzuerkennen. Unterstaatssekretär
              Sumner Welles erklärte am 18. März 1939 vor Pressevertretern sein Bedauern über
              das Vorgehen Deutschlands, »das den vorübergehenden Untergang der Freiheiten
              eines unabhängigen und freien Volkes zur Folge habe, mit welchem das
              amerikanische Volk besonders enge und freundschaftliche Beziehungen unterhalten
              habe«, und sprach in diesem Zusammenhang von »bewaffnetem Angriff«
              und »Willkürakten«. Die Formulierung vom »vorübergehenden Untergang« dürfte
              besonders für die Ohren des in Washington wohlgelittenen ČSR^-Expräsidenten
              Benesch gewählt worden sein; sie könnte freilich auch schon als eine versteckte
              Zielangabe künftiger amerikanischer Interventionspolitik verstanden werden. Der
              entschiedene Ton der Erklärung ist jedenfalls nicht zu überhören und fand
              alsbald auch in Warschau sein Echo.

              Kein Nachgeben Polens

              Das bestätigt auch Botschafter Biddles »strictly confidential« Geheimtelegramm
              vom 29. März 1939 an den »Secretary of State«. Darin gab er den wesentlichen
              Inhalt seines Gesprächs mit Außenminister Beck vom 28. März wieder. Es drehte
              sich in der Hauptsache um die deutsch-polnischen Beziehungen und die
              Entschlossenheit Warschaus, keinerlei Druck seitens des Reiches nachzugeben.
              Dafür stünde auch Polens wehrhafte Abwehrbereitschaft als »würdige, höfliche
              aber auch feste Antwort« auf bestimmte Ansinnen Berlins. Polen sei zwar für
              jede Verständigung auf der Ebene der Gleichberechtigung, jedoch nicht
              zugänglich für eine Lösung, die ihm durch Einschüchterung aufgenötigt werde.
              Daher wollte es einstweilen den gegenwärtigen Stand der Mobilmachung
              beibehalten, bis die gegenwärtige internationale Gefahr gewichen sei. Nach
              Auffassung Botschafter Biddles war Berlin in jenen Wochen »machttrunken« und
              nicht gewohnt, auf Widerstand zu stoßen; vielmehr würden deutsche politische
              Extremisten Hitler bedrängen, eine möglichst schnelle Annexion von Danzig
              durchzusetzen und auch die Ansprüche auf Durchfahrtsrechte durch den Korridor
              zu verwirklichen, Laut Biddles Bericht ist Marschall Rydz-Smigly damals davon
              überzeugt gewesen, daß Berlin darauf aus war, einen Krieg mit Polen zu
              provozieren; doch erfreue sich die feste Haltung der polnischen Regierung der
              geschlossenen Unterstützung durch das Volk, Und würde sie, etwa im Falle
              Danzigs, nachgeben, wäre das nicht nur ein Zeichen von Defaitismus, sondern
              würde auch zum Sturz der Regierung und damit auch Becks führen, Nach Meinung
              Biddles wäre der seinerzeitige deutsch-polnische Gegensatz nur beizulegen
              gewesen, wenn sich Berlin und Warschau auf eine klare Veränderung des Status
              von Danzig hätten einigen können und Berlin sich mit einem Wegerecht durch den
              Korridor - aber nicht einem exterritorialem Zugang - zufrieden gegeben und
              darüber hinaus auf weitere Streitfragen verzichtet hätte, wobei das Nachlassen
              der entstandenen schweren Spannungen zwischen beiden Ländern eine weitere
              Voraussetzung gewesen wäre.

              Auf einen solchen Kompromiß einigten sich aber bekanntlich Polen und
              Deutschland nicht; und die USA schienen auch nicht gewillt zu sein, ihn durch
              eine entsprechende Empfehlung zu fördern, Freilich dürfte die polnische Führung
              solchen Ratschlägen gegenüber auch wenig empfänglich gewesen sein. Das geht
              zumindest aus einem geheimen Diplomatenbericht zweier britischer Emissäre
              hervor, die im Mai 1939 im Auftrag ihrer Regierung eine Informationsreise durch
              Polen unternahmen und bei dieser Gelegenheit mit maßgeblichen Warschauer
              Politikern und Militärs konferierten. Da gaben ihnen die polnischen
              Gesprächspartner unmißverständlich zu verstehen, daß es für sie »hinsichtlich
              Danzigs bestimmte Konzessionen gäbe, die kein Pole freiwillig mache«, und daß
              sie nicht begreifen könnten, daß Engländer von »der Rechtmäßigkeit der
              Ansprüche Herrn Hitlers« sprächen; dabei müßten sie fragen, »was die Deutschen
              eigentlich in Prag täten«. Schließlich wüßten sie, die Polen, »mit den
              Deutschen besser umzugehen« als die Engländer.

              Mit dem Hinweis auf den deutschen Einmarsch in die Rest-Tschechei ist der
              maßgebliche Hintergrund für das polnische Verhalten aufgehellt.

              Die Polen wollten nicht das nächste Opfer deutscher Revisions- und
              Expansionspolitik sein, sondern Hitlers diesbezüglichen Ansprüchen gleich von
              Anfang an militant entgegentreten. Die von Bullitt wiederholt zugesagte
              Unterstützung Polens durch die USA ermunterte Warschau zweifellos noch
              zusätzlich zu seiner kompromißlosen Haltung.

              • silesius Re: Bo My Niemcy chcielismy sie z wami dogadac 11.10.03, 22:21
                Englands Garantieerklärung

                Zwei Tage nach Absenden des amerikanischen Botschaftsberichts erklärte dann der
                britische Premierminister Chamberlain am 31, März 1939 im Londoner
                Unterhaus, »daß die britische Regierung sich verpflichtet fühlt, Polen alle in
                ihrer Macht liegende Unterstützung zu leihen, wenn es … angegriffen werden
                sollte, namentlich wenn es klar wäre, daß der Angriff auf die Vernichtung der
                polnischen Unabhängigkeit abzielte, so daß der polnischen Regierung nichts
                anderes übrig bliebe, als sich mit ihren sämtlichen nationalen Mitteln zur Wehr
                zu setzen. Wir haben der polnischen Regierung entsprechende Zusicherungen
                gegeben«.

                Damit war diese bislang einzigartige britische Beistandsgarantie gegeben, die
                in den Augusttagen dann noch bekräftigt wurde und schließlich am 1. bzw. 3.
                September 1939 zum Eintritt Englands in den Krieg gegen Deutschland führen
                sollte, nachdem deutsche Truppen am Morgen des ersten September-Tages nach
                Polen eingedrungen waren.

                Einen ersten Schritt zur Mobilisierung seiner nationalen Wehrkraft hatte Polen
                im übrigen bereits am 28, März 1939 getan, als es die Emission einer
                Landesverteidigungsanleihe zum Zwecke des Ausbaus des Luftschutzes und der
                Luftstreitkräfte in einer Gesamthöhe von 1,2 Milliarden Zloty beschloß und
                General Skwarczynski am gleichen Tage erklärte, daß Deutschland durch seinen
                Einmarsch in die Rest-Tschechei ein fait accompli geschaffen habe, »wodurch
                Polen ohne Zweifel in eine schwere Lage« gebracht worden sei.

                Nicht besser wurde die Lage Polens durch die Erklärung des
                faschistischen »Giornale d'Italia« vom 4. April, in welcher Warschau an die von
                England und Frankreich nicht eingehaltenen Garantien für die ÜSR erinnert
                wurde, und durch die Klarstellung Moskaus vom gleichen Tage, wonach sich die
                Sowjetunion in keiner Weise verpflichtet fühle, Polen im Kriegsfall mit
                Kriegsmaterial zu versorgen und seine Rohstoffquellen für Deutschland zu
                sperren. Der Kreml signalisierte mit dieser Erklärung seine Bereitschaft, mit
                Berlin in näheren Kontakt zu treten, falls dies von deutscher Seite gewünscht
                werde.

                Am 6, April 1939 schloß Außenminister Beck seinen Staatsbesuch in London ab und
                konnte zusammen mit Premierminister Chamberlain und Außenminister Lord Halifax
                ein gegenseitiges Hilfeleistungsabkommen zwischen Polen und Großbritannien in
                Aussicht stellen.

                Der »Völkische Beobachter« Hitlers nannte dieses einen »gefährlichen Schritt«
                und zugleich ein Verlassen der vom polnischen Nationalhelden, Marschall
                Pilsudski, »vorgezeichneten klugen Bahn«, das zu einem »europäischen
                Brandstiftungsversuch« führen könnte. In diesem Zusammenhang kritisierte das
                Zentralorgan der NSDAP auch die Teilmobilmachung der polnischen Armee an der
                Grenze zu Deutschland und nannte sie eine »Herausforderung«.

                • silesius Re: Bo My Niemcy chcielismy sie z wami dogadac 11.10.03, 22:22
                  Pilsudskis Weg verlassen

                  Im Schatten dieser hochpolitischen Ereignisse auf diplomatischer und
                  publizistischer Ebene ereigneten sich auch einige Vorkommnisse, die von der
                  Nachwelt kaum registriert wurden. Zu ihnen gehören der Selbstmord des früheren
                  polnischen Ministerpräsidenten und engen Mitarbeiters Marschall Pilsudskis,
                  Oberst Walery Slawek, am 4. April 1939 und die durch Strafaufschub ermöglichte
                  Rückkehr des bisher im Exil lebenden Führers der polnischen Bauernpartei Witos
                  samt seinen anderen oppositionellen Gesinnungsfreunden am 11. April 1939. Kann
                  dem Freitod des Pilsudski-Vertrauten Slawek das Motiv einer Verzweiflung über
                  den eingeschlagenen Kurs unterstellt werden, so ist es nicht ausgeschlossen,
                  daß mit der Heimkehr der bisher in Polen unerwünschten Bauernführer ein Zeichen
                  der »nationalen Konzentration« gesetzt werden sollte.

                  Unbestritten ist dagegen die Maßnahme des Warschauer Parlaments vom 11. April
                  1939 ein weiterer Schritt zur Konfrontationsbereitschaft gewesen, als
                  beschlossen wurde, »im Falle der Mobilisierung oder bei sonstiger dringender
                  Notwendigkeit« jedes im Privatbesitz befindliche Verkehrsmittel der
                  Nationalverteidigung zur Verfügung zu stellen und die Bauern im gleichen Falle
                  zu landwirtschaftlicher Kollektivarbeit zu verpflichten. Die Wehrbereitschaft
                  Polens sollte durch diese Verfügungen erneut nachdrücklich unter Beweis
                  gestellt werden.

                  Am 25. April 1939 stellte die polnische Presse fest, daß sich die Beziehung
                  zwischen Moskau und Warschau angeblich in letzter Zeit »auf der Grundlage eines
                  gutnachbarlichen Verhältnisses entwickele und daß nunmehr seitens der
                  Sowjetunion ein besseres Verständnis für die polnischen Interessen zu bemerken«
                  sei. Diese von Warschau mehr gewünschte als tatsächlich zu beobachtende
                  Entspannung zwischen der Sowjetunion und Polen sollte Berlin andeuten, daß man
                  immer größere Rückenfreiheit gewinne und sich nicht als eingekreistes Land
                  erpreßbar fühlen müsse. In Wahrheit hatte sich der Kreml bereits insgeheim auf
                  eine deutsch-sowjetische Annäherung eingestellt und stand der prowestlich
                  ausgerichtete Außenminister Litwinow kurz vor seinem Rücktritt, der am 4. Mai
                  1939 dann auch offenkundig wurde. Im gleichen Ausmaße, wie das wohlwollende
                  Interesse des Kremls an Deutschland stieg, fielen die Sympathien der
                  Sowjetführung für Polen.

                  Lediglich Großbritannien bestärkte den polnischen Abwehrwillen, indem die
                  Londoner Regierung am 26. April 1939 einen Gesetzentwurf über die Mobilisierung
                  einbrachte, welcher die Einberufung der Reserven und Hilfskräfte in Zukunft
                  wesentlich erleichtern sollte. In einem zweiten Gesetzentwurf war die
                  Einführung einer beschränkten Dienstpflicht vorgesehen.

                  Beide Vorlagen sollten für den Zeitraum der nächsten drei Jahre Gültigkeit
                  haben. Damit schien der Erwartung, daß in dieser Zeit ein militärischer
                  Konflikt wahrscheinlich sein dürfte, weitgehend entsprochen.

                  Hitlers Antwort

                  Hitler reagierte auf diese polnischen und britischen Mobilisierungsvorkehrungen
                  mit einer Rede vor dem Deutschen Reichstag, in welcher er am 28, April 1939
                  neben der Kündigung des deutsch-englischen Flottenabkommens von 1935 auch den
                  deutsch-polnischen Vertrag vom Januar 1934 aufkündigte, was der Warschauer
                  Regierung durch die Überreichung eines Memorandums noch förmlich zur Kenntnis
                  gegeben wurde. Damit schien zwischen Polen und dem Deutschen Reich endgültig
                  der Konfrontationskurs eingeschlagen, Dies wurde auch nach der Rede des
                  polnischen Außenministers Beck vor dem Warschauer Abgeordnetenhaus am 5. Mai
                  deutlich, als er auf das gegenseitige Hilfeleistungsabkommen mit England und
                  die »Verstärkung« der Abmachungen mit Frankreich hinwies und zugleich Hitlers
                  Anregung, neue Verhandlungen über einen künftigen deutsch-polnischen Vertrag
                  einzuleiten, nur mit Vorbehalten aufnahm, bzw. Bedingungen an sie knüpfte.
                  Wörtlich meinte der polnische Außenamtschef: »Unsere von Kriegen mit Blut
                  getränkte Generation verdient gewiß eine Periode des Friedens. Aber der Friede
                  hat einen hohen, wenn auch bestimmbaren Preis. Für uns Polen gibt es den
                  Begriff des Friedens um jeden Preis nicht. Es gibt im Leben der Menschen, der
                  Völker und der Staaten nur ein Ding, das nicht bezahlt werden kann: die Ehre, «

                  Damit stellte Beck klar, daß für sein Land weder ein zweites »München« noch gar
                  eine »Protektorats-Lösung« in Frage komme, sondern die Toleranzschwelle
                  gegenüber den deutschen Forderungen erreicht war.

                  Dies bekamen auch die Volksdeutschen in Polen immer schmerzlicher zu spüren.
                  Mit ihnen und ihrer Lage befaßte sich die amerikanische Botschaft in ihrem
                  Telegramm Nr. 1023 vom 6. April 1939, Danach hatten zwischen 1919 und 1926
                  insgesamt 990000 Volksdeutsche Polen verlassen, um sich in Deutschland
                  niederzulassen, wobei der Anteil der städtischen Bevölkerung, der Lehrer und
                  Öffentlich Bediensteten aus den nun westpolnischen Distrikten am größten war.
                  Ausweislich der letzten Volkszählung in Polen betrug die Zahl der
                  Volksdeutschen in Polen - laut US-Botschaftsbericht vom 6. April 1939 - 741000
                  Personen, was einen Anteil an der Gesamtbevölkerung von 2,3 Prozent ausmachte.
                  Nach derselben Quelle lebten 1931 insgesamt 31915800 Menschen in der Republik
                  Polen. Die zahlenmäßig stärksten deutschen Minderheiten lebten in den Provinzen
                  Posen (193100), Lodsch (155300) und »Pomorze« (105400). Diese - deutsche -
                  Minderheit hatte neben den Juden in Polen am stärksten die
                  polnische »Staatshand« zu spüren und einschlägige Restriktionen der Regierung
                  hinzunehmen. Mit dem Erstarken des Deutschen Reiches und der »Heimkehr« der
                  Deutsch-Österreicher wie auch der Sudetendeutschen und der Memelländer erwachte
                  auch bei den Volksdeutschen in Polen ein stärkeres Selbstbewußtsein, dem die
                  Polen und ihre Behörden wiederum mit gesteigerten Amtsanmaßungen und Auflagen
                  begegneten; eine Vorgehensweise, die bereits Reichsaußenminister Stresemann in
                  den zwanziger Jahren scharf kritisiert und vor das Tribunal des Genfer
                  Völkerbundes gebracht hatte, Mit den sich verschlechternden politischen und
                  diplomatischen Beziehungen zwischen Berlin und Warschau gingen auch
                  Verständigungsbereitschaft und Verträglichkeit unter Deutschen und Polen in der
                  Republik merklich zurück.

                  Diese Entwicklung beschleunigte sich noch, als Mitte Mai 1939 Agentenmeldungen
                  in Warschau eingingen, die von einem unmittelbar bevorstehenden deutschen
                  Überfall auf Polen meldeten. US-Botschafter Biddle berichtete davon »strictly
                  confidential for the President and the Secretary« am 15, Mai 1939. Danach
                  wollte Hitler seine Weltmachtpläne mit einem Angriff auf Polen im Juni zu
                  verwirklichen suchen und einen Weltkrieg für den September in Kauf nehmen. Die
                  Attacke auf Polen würde mit motorisierten Kräften gleichzeitig von Nord und Süd
                  geführt und von einer schnellen Besetzung Danzigs flankiert. Darüber hinaus
                  plante angeblich das deutsche Oberkommando einen konzentrierten Ausbruch aus
                  dem Einkreisungsring im Osten und Südosten Deutschlands, bei gleichzeitigem
                  Überrennen der »Siegfried- und Maginot-Linie« im Westen und einer erwarteten
                  Bindung französischer Kräfte durch die Spanier im Pyrenäen-Gebiet sowie einem
                  Einsatz großer Teile der deutschen Luftwaffe gegen England.

                  In einem zweiten Telegramm vom gleichen Tage (dem 15. Mai 1939) gab Botschafter
                  Biddle die Einschätzung der aktuellen Lage und der Persönlichkeit Hitlers durch
                  den polnischen Außenminister Beck wieder und meldete nach Washington, daß man
                  in Warschau Hitler in der Defensive und ratlos sehe, da es deutsche - wie
                  Österreichische - Mentalität sei, in der Offensive stark, in der Defensive
                  dagegen verstört zu sein. Beck sah Hitlers inneres Gleichgewicht durch den
                  englisch-polnischen Pakt
                  • silesius Re: Bo My Niemcy chcielismy sie z wami dogadac 11.10.03, 22:22
                    Zwischenfall in Danzig

                    Wenige Tage nach diesem Botschaftsbericht kam es in der Nacht zum 21. Mai in
                    Danzig zu einem Zwischenfall, bei welchem ein Danziger Bürger von einem
                    polnischen Staatsangehörigen, nämlich dem Chauffeur eines Kraftwagens, in
                    welchem der polnische Legationsrat Terkofwski saß, erschossen wurde, Nach
                    polnischer Darstellung war die Tat des Chauffeurs Notwehr, da er Ziel eines
                    provokatorischen Überfalls gewesen sei; das heißt, die Schuld an diesem
                    Zwischenfall wiesen sich die deutsche und die polnische Seite gegenseitig zu.
                    Zwei Tage später beschloß das sogenannte Dreierkomitee des Völkerbundes für
                    Danzig, dem je ein Vertreter Englands, Frankreichs und Schwedens angehörten, in
                    Übereinstimmung mit der polnischen Regierung, an dem Statut der Freien Stadt
                    Danzig keine Änderung vorzunehmen und gleichzeitig den Hochkommissar des
                    Völkerbunds für Danzig zu ersuchen, sich baldigst wieder in die Stadt zu
                    begeben und einen Bericht über die dortige Lage zu verfassen. Am 24. Mai 1939
                    kam es zu einem scharfen Notenwechsel zwischen dem polnischen Generalkommissär
                    in Danzig und der Danziger NS-Regierung über die Verantwortung für den blutigen
                    Zwischenfall vom 21. Mai.

                    Am 31. Mai erhielt Polen eine indirekte Rückenstärkung durch Molotow, der in
                    einer Rede vor den beiden Kammern des Obersten Sowjets von einer Besserung der
                    Beziehung zwischen Moskau und Warschau sprach und im gleichen Zusammenhang die
                    Politik Berlins gegenüber der ČSR und gegenüber dem Memelland scharf
                    verurteilte. Es steht dahin, ob diese unfreundliche Rede des sowjetischen
                    Ministerpräsidenten und Außenministers eine bewußte Provokation Berlins sein
                    sollte oder die Antwort auf die geheime Anweisung aus dem Auswärtigen Amt war,
                    vorläufig keine weiteren Anstrengungen für eine deutsch-russische Annäherung zu
                    machen. Nach einem vertraulichen Botschaftsbericht Steinhardts aus Moskau vom
                    25. Mai 1939, soll der reichsdeutsche Missionschef, Graf von der Schulenburg,
                    entsprechend instruiert worden sein, da sich offenbar Japan dadurch beunruhigt
                    fühlte. Schon vierzehn Tage später hatte aber US-Botschafter
                    Steinhardt »confidential« nach Washington zu melden, daß die deutsche und die
                    sowjetische Regierung dennoch weiteren Kontakt miteinander halten. Drei Tage
                    später, am 12. Juni 1939, berichtete der amerikanische Botschafter in Warschau,
                    A. J. Drexel Biddle, über ein Gespräch, das er mit dem einflußreichen
                    polnischen Handelsrat im Warschauer Außenministerium, Jan Wszelaki, geführt
                    hatte, und teilte »strictly confidential« dem »Secretary of State« mit, daß
                    nach Meinung seines Gesprächspartners die Polen bereit wären, für ihren Staat
                    das Leben einzusetzen. Vor allem würde die polnische Armee einer Aggression
                    widerstehen, zumal dabei auch noch auf die Hilfe rumänischer Truppen gezählt
                    werden könnte. Auf alle Fälle würden sich die Polen anders verhalten als die
                    Tschechen und den aggressiven Deutschen die Stirn bieten. Diese
                    Entschlossenheit der Polen nahm man offenbar in Berlin immer noch nicht
                    gebührend ernst. Anders scheint die Rede Joseph Goebbels' am 17. Juni 1939 in
                    Danzig kaum erklärbar. Da qualifizierte Hitlers Propagandaminister die
                    Ansprüche Warschaus und ihre Vertreter als »polnische Scharfmacher« ab und
                    bezeichnete sie als »polnische Großsprechereien«, die man im Reich nicht
                    sonderlich ernst nehme.

                    Die von Goebbels in seiner Ansprache erwähnten Bestrebungen Polens, Ostpreußen
                    und Schlesien zu annektieren, die Oder als Grenzfluß zu erhalten und die
                    Deutschen bei einem etwaigen Krieg »in einer kommenden Schlacht bei Berlin
                    zusammenzuhauen«, sind freilich nicht neu. Sie wurden schon von den beiden
                    britischen Diplomaten, William Strang und Gladwyn Jebb, in ihrem geheimen
                    Reisebericht vermerkt und hatten insofern einen realen Hintergrund - ganz davon
                    abgesehen, daß sich diese polnischen Wünsche dann 1945 zu erfüllen schienen.

                    Am 29. Juni 1939 unterstrich die polnische Führung wiederum den
                    unerschütterlichen Selbstbehauptungswillen ihres Landes, indem Staatspräsident
                    Moscicki anläßlich des »Tages des Meeres« eine Rede hielt, in welcher er
                    feststellte: »Je mehr sich die außenpolitischen Verhältnisse zuspitzen, um so
                    größer ist die Entschlossenheit der polnischen Nation zur Behauptung dieses
                    Küstenstrichs an der Ostsee … Wir leben zwar in einer Zeit des
                    Rüstungswettlaufs. Wir sind entschlossen, am polnischen Ufer der Ostsee den
                    Frieden aufrechtzuerhalten; aber diese Absicht zwingt uns, die polnischen
                    Streitkräfte zur See zu vermehren. Mächtig auf der Erde und in der Luft, wollen
                    wir auch auf dem Meer stark werden zur Sicherstellung der Seemission der
                    polnischen Nation.« .

                    • silesius Re: Bo My Niemcy chcielismy sie z wami dogadac 11.10.03, 22:23
                      Erklärungen Frankreichs und Englands

                      Im gleichen Zusammenhang gab die polnische Regierung bekannt, daß ihr von der
                      Organisation eines deutschen Freikorps in Danzig zuverlässige Information
                      vorliege, was die Krise um die Freistadt noch verschärfe. Der französische
                      Außenminister Bonnet sah sich am 2. Juli veranlaßt zu erklären, daß Frankreich
                      ebenso wie England getreu den übernommenen Verpflichtungen fest entschlossen
                      sei, nicht zu dulden, daß der Status quo in Danzig oder im polnischen Korridor
                      geändert werde, »sei es durch eine einseitige Aktion von innen, sei es durch
                      eine Gewalthandlung von außen«.

                      Hintergrund dieser Verlautbarung waren verbreitete Gerüchte, nach welchen
                      Hitler angeblich nach Danzig kommen wollte, um dort den Anschluß Danzigs an das
                      Deutsche Reich zu proklamieren.

                      Dies unterstellte auch Chamberlain, als er am 10. Juli 1939 vor dem britischen
                      Unterhaus erklärte:

                      »Die jüngsten Vorkommnisse in Danzig haben unvermeidlich Anlaß zu Befürchtungen
                      gegeben, daß beabsichtigt sei, den künftigen Status der Stadt durch eine
                      einseitige, mit verborgenen Methoden organisierte Aktion zu regeln und auf
                      diese Weise Polen und andere Mächte vor eine vollendete Tatsache zu stellen …
                      Wir haben garantiert, daß wir Polen unseren Beistand geben im Falle einer
                      klaren Bedrohung seiner Unabhängigkeit, der mit seinen nationalen Streitkräften
                      Widerstand zu leisten es als lebenswichtig betrachtet, und wir sind fest
                      entschlossen, diese Verpflichtung auszuführen.« Die Anwesenheit des NS-
                      Gauleiters von Danzig, Forster, in Berchtesgaden und sein Gespräch mit Hitler
                      auf dem Berghof am 13. Juli verdichteten ausländische Zeitungen zu dem Gerücht,
                      daß die Danziger Nationalsozialisten Hitler zum Präsidenten der Freien Stadt
                      Danzig wählen und auf diese Weise durch Personalunion die Stadt mit dem
                      Deutschen Reich vereinen wollten. Die polnische Regierung reagierte auf diese
                      Vermutungen mit der amtlichen Mitteilung vom 24. Juli 1939, in welcher es hieß:

                      »Ohne Rücksicht auf die Art, in welcher Deutschland die Freie Stadt Danzig dem
                      Reiche einzugliedern wünscht, erklären die polnischen politischen Kreise, daß
                      schon die Tatsache des Anschlusses allein eine unerlaubte Beugung des
                      derzeitigen politischen und gesetzlichen Standes der Dinge darstellen und
                      deshalb auch die entsprechende Antwort nach sich ziehen würde.«

                      Mit diesen Erklärungen von britischer, französischer und polnischer Seite
                      sollte in Berlin nunmehr hinlänglich klar geworden sein, daß ein weiteres
                      Rütteln am Status von Danzig zu einer militärischen Auseinandersetzung führen
                      müßte und sich mithin ein »Münchener Abkommen« oder ein März 1939 nicht
                      wiederholen dürfte. Warschau erklärte den überkommenen Status quo Danzigs zum
                      Ehrenpunkt, der nicht verhandlungsfähig sei, und die verbündeten Westmächte
                      bestärkten Polen in seiner Haltung nachdrücklich.

                      Die Meinung polnischer Militärs

                      Im Sinne der Beckschen psychologischen Strategie gegenüber Hitler, nämlich der
                      Demonstration von Entschlossenheit und Stärke, meldeten sich in den
                      nachfolgenden Tagen und Wochen zunehmend mehr Militärs zu Wort.

                      Unter ihnen spielte naturgemäß Marschall Rydz-Smigly eine herausragende Rolle.
                      Und so nahm es nicht wunder, daß er auch bevorzugt von ausländischen Diplomaten
                      um seine Lagebeurteilung angegangen wurde. US-Botschafter Biddle gehörte zu
                      seinen ausgewählten Gesprächspartnern und meldete ausführlich über seine
                      Unterhaltung nach Washington. Dabei erscheint das Geheimtelegramm »strictly
                      confidential« vom 26. Juli 1939 »For the President and the Secretary« besonders
                      aufschlußreich. Es beinhaltet die neueste militärische Lagebeurteilung des
                      obersten polnischen Soldaten und zeugt von der schier unaufhaltsamen
                      Entwicklung zu einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Polen und
                      Deutschland, Etwa, wenn die polnische Armeeführung zwei Divisionen zusätzlich
                      an die deutsch-polnische Grenze verlegte, stationierten die Deutschen im
                      Gegenzug drei Divisionen in den Gebietsstreifen gegenüber, In den letzten
                      Tagen, so erläuterte Rydz-Smigly dem US-Botschafter, hätte eine Konzentration
                      deutscher Truppen vis-à-vis von Posen stattgefunden; und in allerjüngster Zeit
                      im Gebiet von Breslau-Oppeln, was aber immer noch nicht sehr alarmierend wäre,
                      Nach Meinung des polnischen Marschalls würden die Deutschen rund zwei Wochen
                      benötigen, um hinreichend Kräfte für einen Schlag gegen Polen zu mobilisieren:
                      eine Voraussage, welche Botschafter Biddle glaubte durch eine zusätzliche
                      Nachricht ergänzen zu müssen.

                      Nach jüngsten geheimdienstlichen Erkenntnissen, so vertraute Rydz-Smigly dem
                      amerikanischen Botschafter an, gäbe es bei den deutschen Offizieren eine
                      Urlaubssperre und wären im Ernteeinsatz befindliche Reservisten für den 10.
                      August 1939 zur militärischen Verwendung vorgesehen. Die Wahrscheinlichkeit
                      eines Krieges sei in letzter Zeit größer gewesen als die Möglichkeit seiner
                      Verhütung, doch hätte sich die Politik der Stärke und Entschlossenheit bewährt
                      und die Anti-Aggressions-Front an Stärke zugenommen, was zu Lasten der Achse
                      gegangen sei. Die Zeit arbeitete letztlich gegen Deutschland; nach einem Jahr
                      dürfte die militärische Stärke der Anti-Aggressions-Front (= Polen mit England
                      und Frankreich samt ihren Verbündeten) ziemlich sicher jene der Achse eingeholt
                      haben und in zwei Jahren sogar überflügeln. So seien sich Rydz-Smigly und
                      Außenminister Beck in der Überzeugung einig, daß nur eine feste Haltung der
                      Anti-Aggressions-Front letztlich ein wirksames Gegengewicht gegen Deutschlands
                      Expansionsgelüste darstelle und daß die Sprache der Stärke die einzige sei, die
                      Hitler mit Erfolg zum Stehen bringen könne. Der braune Diktator gebrauche seine
                      Streitkräfte eigentlich mehr als Erpressungsmittel denn als »a factor intended
                      to come actually to grips with formidable strength«, wie Biddle die Meinung
                      Becks und Smigly-Rydz' zusammenfaßte. Gleichwohl würde Hitler wachsam bleiben,
                      um jedes Zeichen von Schwäche der Anti-Aggressions-Front für sich auszunutzen
                      und loszuschlagen. Im State Department hielt man dieses Telegramm Biddles für
                      so bemerkenswert und wichtig, daß Unterstaatssekretär Sumner Welles es zusammen
                      mit anderen Depeschen aus Warschau Präsident Roosevelt zur persönlichen
                      Kenntnisnahme zuleitete, wie eine Briefanlage ausweist. Am 17. August 1939
                      wandte sich Botschafter Biddle wiederum »strictly confidential« an den
                      Präsidenten und an den Außenminister, um von den Massenverhaftungen
                      Volksdeutscher zu berichten, die unter dem Vorwand der Spionage und
                      Agententätigkeit festgenommen worden waren. Unter den Festgenommenen befand
                      sich auch Rudolph Weisner, einer der prominenten Führer der deutschen
                      Minderheit in Polen, den die Polen nunmehr als »ehemaliges« Mitglied des
                      Polnischen Senats bezeichneten, wie Biddle in seinem Geheimbericht vermerkte.
                      Hintergrund für die Verhaftungswelle war der Verdacht, daß die Volksdeutschen
                      als »fünfte Kolonne« für Berlin arbeiteten und auch hinter bestimmten
                      Grenzzwischenfällen, bei denen polnische Menschen zu Schaden gekommen waren,
                      steckten, Das amerikanische Botschaftstelegramm vom 17. August 1939 erwähnt
                      einige Beispiele, die der deutschen Minderheit angelastet wurden. Ob die
                      Vorwürfe objektiv zu Recht bestanden, dürfte nicht mehr feststellbar sein, Für
                      die aufgebrachte polnische Mehrheit genügte jedenfalls bereits der Verdacht, um
                      die Aktion als gerechtfertigt anzusehen. Daß möglicherweise mehr Ressentiment
                      und Stimmungsmache hinter dem Argwohn gegenüber den Volksdeutschen stand,
                      erhellt aus einer Bemerkung, die der schon erwähnte Handelsrat Wszelaki in
                      einem Gespräch mit den britischen Diplomaten Strang und Jebb im Mai 1939
                      machte. Danach befürchtete er nach dem möglichen Ausbruch ein
                      • silesius Re: Bo My Niemcy chcielismy sie z wami dogadac 11.10.03, 22:23
                        Von der emotional geladenen Stimmung der Polen hatte US-Botschafter Biddle
                        schon am 9. August 1939 nach Washington berichtet, als er die 25-Jahr-Feier der
                        Gründung der Pilsudski-Legion am 6. August in Krakau schilderte und die Rede
                        Marschall Rydz-Smiglys wiedergab. In ihr hatte der polnische Oberkommandierende
                        mit markigen Worten klargestellt, daß die Stadt Danzig Jahrhunderte hindurch
                        mit Polen und seiner Wirtschaft verbunden gewesen sei, daß Gewalt mit
                        Gegengewalt beantwortet würde und daß sich die Polen an Vaterlandsliebe nicht
                        von den Deutschen übertreffen ließen, um dann beim Schluß seiner Ansprache aus
                        dem Munde der versammelten Legionäre und der über hunderttausend Zuhörer aus
                        ganz Polen das Gelöbnis zu hören: »Wir schwören, während eines Krieges
                        ungebrochen bis zum Siege zu kämpfen.« Biddle meinte, daß die in Krakau
                        versammelte Volksmenge wohl die Stimmung aller Polen wiedergegeben habe. Im
                        übrigen habe Rydz-Smigly den Kern seiner Krakauer Ausführungen auch schon in
                        einem Interview mit der amerikanischen Journalistin Mary Heaton Vorse zum
                        Ausdruck gebracht. Biddle übermittelte dessen Wortlaut in einer Anlage zu einem
                        Geheimtelegramm vom 9. August. Danach sagte der Marschall seiner
                        Gesprächspartnerin, daß Polen entschlossen sei zu kämpfen, falls Deutschland
                        seine Anschlußpläne mit Danzig weiter verfolge. Darin seien sich im übrigen
                        alle Polen einig, da Danzig für Polen absolut notwendig sei. Im übrigen lerne
                        schon jeder polnische Junge gleichsam mit dem Gebet, daß er ein guter Soldat
                        werden soll, um sein Vaterland verteidigen zu können.

                        Quintessenz der Biddleschen Meldungen aus Warschau war, daß Marschall Rydz-
                        Smigly - wie Außenminister Beck - die Memung vertrat, »that durable peace could
                        not be secured by the granting of further territorial concessions in Eastern
                        and Central Europe to Hitler«, also mit weiteren Zugeständnissen an Hitler
                        letztlich doch kein dauerhafter Friede aufrechterhalten lasse.

                        Damit war der polnische Standpunkt oft und deutlich genug dem potentiellen
                        Kontrahenten im Westen klargemacht und eigentlich jeder Zweifel über seine
                        Ernsthaftigkeit beseitigt. Die deutsche Seite antwortete auf die zahlreichen
                        Entschlossenheitsbekundungen Warschaus nur in Reden untergeordneter Personen,
                        etwa des Danziger Gauleiters Forster oder eines beamteten Regierungssprechers.

                        Deutsch-sowjetische Verbindungen

                        Auf höchster Ebene enthielt man sich in Berlin auffallend einer eindeutigen
                        Stellungnahme; vielmehr arbeitete man dort an einem Überraschungscoup, der das
                        ganze Bündnis- und Beistandsgebäude, die sogenannte Anti-Aggressions-Front, zum
                        Einsturz bringen sollte: an einem Übereinkommen mit der Sowjetunion.
                        Ausweislich der vertraulichen amerikanischen Botschaftsberichte aus Moskau
                        steuerte Berlin auf einen solchen Abschluß seit dem Spätfrühjahr 1939 hin. Am
                        21. August 1939 waren die Verhandlungen dann soweit fortgeschritten, daß sie in
                        ein unterschriftsreifes Ergebnis mündeten und der Abschluß eines Vertrages
                        bekannt gemacht werden konnte.

                        Warschau, das man mit dieser deutsch-sowjetischen Annäherung einschüchtern
                        wollte, zeigte sich jedoch unbeeindruckt und ließ am 22. August erklären:

                        »Die Ankündigung des bevorstehenden Abschlusses des Nichtangriffspaktes
                        zwischen Deutschland und der Sowjetunion hat in den polnischen Kreisen keinen
                        großen Eindruck gemacht; denn im Grunde genommen bringt dieser Abschluß keine
                        tatsächliche Änderung des Gleichgewichts der Streitkräfte in Europa … Der
                        Abschluß des Nichtangriffspaktes wird keinen Einfluß auf die Lage und die
                        Haltung Polens ausüben. « Man konnte an der Weichsel kaum ahnen, daß der
                        Nichtangriffspakt lediglich das Feigenblatt für das viel bedeutsamere »Geheime
                        Zusatzprotokoll« zwischen dem Deutschen Reich und der UdSSR war, in welchem
                        Polen in ein künftiges deutsches und ein sowjetrussisches Einflußgebiet
                        aufgeteilt wurde, also seine Selbständigkeit beendet werden sollte, wie es dann
                        im September 1939 auch geschehen ist.

                        • silesius Re: Bo My Niemcy chcielismy sie z wami dogadac 11.10.03, 22:23
                          USA täuschen Polen weiterhin

                          Von dieser höchst bedrohlichen Absicht Hitlers und Stalins hätte freilich die
                          polnische Regierung Kenntnis bekommen können, wenn sich das State Department
                          oder das Weiße Haus in Washington entschlossen hätte, sein insgeheim erworbenes
                          Mitwissen um diese Diktatoren-Allianz dem befreundeten Polen weiterzugeben.
                          Seit Einsichtnahme in das Geheimtelegramm der US-Botschaft in Moskau vom 24.
                          August 1939 wissen wir, daß die amerikanische Regierung schon wenige Stunden
                          nach Unterzeichnung des »Geheimen Zusatzprotokolls« über seinen Inhalt
                          benachrichtigt worden ist. Bedenkt man die Freimütigkeit, mit der die polnische
                          Regierung die US-Vertreter in Warschau über alle wichtigen Vorgänge
                          informierte, wäre eine entsprechende Vertraulichkeit gegenüber Polen seitens
                          der amerikanischen Regierung natürlich zu erwarten gewesen; und erinnert man
                          sich der Öffentlichen Reaktionen westlicher Regierungskreise auf vermeintliche
                          Unternehmungen Berlins in Sachen Danzigs, muß man sich über die Hinnahme dieser
                          ebenso imperialistischen wie sensationellen Interessenaufteilung des polnischen
                          Landes wundern.

                          Die nach dem 23. August 1939 feststellbaren Verlautbarungen der »Anti-
                          Aggressions-Front« nahmen zumindest keinen Bezug auf den Inhalt des sowjetisch-
                          deutschen »Zusatzprotokolls« zum Hitler-Stalin-Pakt, sondern kommentierten im
                          wesentlichen die eingetretenen Ereignisse, bzw. reagierten gezielt und
                          Öffentlich auf den publizierten Text des deutsch-sowjetischen Abkommens, So
                          unterzeichnete die britische Regierung am 25. August 1939 das englisch-
                          polnische gegenseitige Hilfeleistungsabkommen und betonte dabei ihre
                          Entschlossenheit, zu ihren Verpflichtungen gegenüber Polen zu stehen, und
                          bekräftigte der französische Ministerpräsident Daladier am gleichen Tage die
                          schicksalhafte Verbundenheit seines Landes mit dem Volke der Polen. Und US-
                          Präsident Roosevelt richtete am 25. August 1939 eine Botschaft an Hitler: nicht
                          um dessen Komplizenschaft mit Stalin anzuprangern, sondern um eine
                          schiedlichfriedliche Lösung des deutsch-polnischen Gegensatzes anzuregen und
                          dabei die eigenen Dienste anzubieten. Nach Eingang der polnischen Zustimmung zu
                          Roosevelts Verhandlungsvorschlägen wandte sich dieser am 26. August 1939 erneut
                          an Hitler und führte aus: »Moscicki hat in seiner Antwort erklärt, die
                          polnische Regierung sei geneigt, auf der in meinen Botschaften vorgeschlagenen
                          Grundlage die Gegensätze zwischen Polen und dem Deutschen Reich durch
                          unmittelbare Verhandlungen oder durch ein Schlichtungsverfahren zu regeln. Man
                          kann noch das Leben zahlloser Menschen retten, und wir sind noch von der
                          Hoffnung erfüllt, daß die Nationen der modernen Welt die Basis friedlicher und
                          glücklicherer Beziehungen schaffen können, wenn Sie und die Reichsregierung der
                          von der polnischen Regierung angenommenen friedlichen Regelung zustimmen.«

                          Bei Eintreffen dieser Roosevelt-Botschaft sollte die deutsche Wehrmacht nach
                          den Plänen Hitlers bereits in Polen einmarschiert sein, hatte doch der deutsche
                          Kanzler schon am 25. August 1939, um 14:50 Uhr, den Befehl erteilt, am 26.
                          August um 4:45 Uhr den Angriff auf Polen zu eröffnen. Diesen Vormarschbefehl
                          ließ er dann am gleichen Tage, um 18:15 Uhr, widerrufen, um auf die neuesten
                          diplomatischen Interventionen Englands, Frankreichs und der USA eingehen zu
                          können. Die von ihm in das deutsch-sowjetische Bündnis gesetzte Erwartung, daß
                          sich England und Frankreich nunmehr von ihren Zusicherungen an Polen
                          distanzieren würden und ein Feldzug gegen Polen mithin isoliert geführt werden
                          könnte, hatte sich als Fehlspekulation erwiesen und veranlaßte ihn zu einem
                          Aufschub von einigen Tagen. In dieser Zeit bemühte sich bekanntlich
                          Großbritannien um eine direkte Verständigung zwischen Berlin und Warschau und
                          ließ Hitler (am 30. August) seinen 16-PunkteVorschlag für eine Regelung des
                          Danzig-Korridor-Problems sowie der deutsch-polnischen Minderheitenfrage
                          unterbreiten. Er sah die Rückkehr Danzigs in den deutschen Staatsverband, im
                          Gebiet des polnischen Korridors eine Volksabstimmung »nicht vor Ablauf von 12
                          Monaten« und einen danach stattfindenden Bevölkerungsaustausch vor sowie
                          polnische Sonderrechte im Hafen von Danzig, die Demilitarisierung der Halbinsel
                          Hela und eine »international zusammengesetzte Untersuchungskommission« zur
                          Beilegung der Minderheitenfrage. Bei Verständigung auf dieser Grundlage sollten
                          sich Polen und Deutschland bereit erklären, »die sofortige Demobilmachung ihrer
                          Streitkräfte anzuordnen und durchzuführen«. Ein Angebot, vor dem der deutsche
                          Chefdolmetscher Paul Schmidt nach dem Krieg berichtete, daß es von Hitler
                          selbst nur als »Alibi« und nicht ernst gemeint unterbreitet worden sei, wie ihm
                          der braune Diktator »mit nicht zu übertreffender Klarheit bestätigt« habe.

                          Fest steht jedenfalls, daß die polnische Regierung für den 30. August 1939 die
                          Generalmobilmachung angeordnet und bis zum Abend des 31. August keinen
                          bevollmächtigten Vertreter zur Entgegennahme der angeführten 16 Punkte nach
                          Berlin entsandt hatte, wie es auch aktenkundig ist, daß am 31. August 1939 um
                          12:40 Uhr die Weisung an die deutsche Wehrmacht ging, am 1. September 1939, um
                          4:45 Uhr, die Kampfhandlungen gegen Polen zu eröffnen.

                          Damit verstummten die Stimmen der Diplomaten und der Vernunft und dröhnten die
                          Waffen - begleitet von tönenden Deklamationen beider Seiten.

                          Die schlechteste aller Lösungen schien gekommen: der Krieg.
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    • silesius Dokumenty kryzysu 11.10.03, 22:25
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