Auf den Spuren oberschlesischer Technikdenkmäler

12.09.09, 00:14
zamknięty
Auf den Spuren oberschlesischer Technikdenkmäler

Zechen und Eisenhütten prägten lange Zeit das Oberschlesische Industriegebiet
im Süden Polens. Heute bilden moderne Unternehmen und Dienstleistungsbetriebe
das wirtschaftliche Rückgrat der Region, doch die steinernen und stählernen
Erinnerungen an die Vergangenheit sind noch überall sichtbar. In der
Woiwodschaft Śląsk (Schlesien) werden immer mehr dieser
industriegeschichtlichen Zeugnisse für Touristen zugänglich gemacht.

Die Stadt Zabrze war früher ein Zentrum des Bergbaus, heute ist es eines der
Zentren für Bergbau-Interessierte. Erst Anfang Dezember 2008 wurde dort ein
weiterer Abschnitt der denkmalgeschützten Bergwerksanlage „Guido“ für den
Publikumsverkehr geöffnet. Ein rund 1,4 km langer Teilabschnitt führt die
Besucher des 1855 gegründeten Steinkohlebergwerks in den Arbeitsalltag unter
Tage ein. Der restliche Teil der mehr als 2 km langen Sohle soll bis Mitte
2009 freigegeben werden. Die Ausstellung in 320 m Tiefe illustriert die
Entwicklung des Bergbauwesens seit dem 19. Jahrhundert. Besucher können einen
800 Tonnen schweren Kohlesammelbehälter sowie die Sohlebahn besichtigen und
dürfen am Ende ein eigenhändig geschlagenes Stück Kohle mit nach Hause nehmen.
In einem repräsentativ ausgestatteten Saal unter der Erde werden Bankette,
Konzerte und andere Veranstaltungen für Gruppen organisiert werden.

Die 1791 gegründete Zeche „Königin Luise“ in Zabrze wird ebenfalls touristisch
genutzt. Über Tage kann man eine noch funktionstüchtige Dampfaufzugsmaschine
besichtigen. Auf einem 1,5 km langen Touristenpfad können Besucher unter Tage
Schrämlader, Vortriebsmaschinen und Kohlehobel in Betrieb sehen. Am Ende der
Tour erwarten die Besucher schlesische Gerichte im unterirdischen Restaurant
Guibald. Zu den Attraktionen in Zabrze gehört das dortige Kohlebergbaumuseum,
das sich im 1875 gebauten ehemaligen Landratsamt befindet. Es verfügt über
umfangreiche Sammlungen aus der Bergbaugeschichte und -kultur. Ausgestellt
sind technische Geräte, aber auch zahlreiche Bergmannsuniformen und
-insignien. An vergangene Zeiten erinnern auch traditionelle
Arbeitersiedlungen wie die 1868 begonnene Siedlung Borsig im heutigen
Stadtteil Biskupice oder das Anfang des 20. Jahrhunderts für Bergarbeiter
gebaute Viertel Stara Rokitnica.

Zwei traditionelle Bergarbeitersiedlungen sind auch im benachbarten Katowice
(Kattowitz) zu finden. Giszowiec und Nikiszowiec entstanden Anfang des 20.
Jahrhunderts als Gartenstädte für die Beschäftigten der Zeche Giesche.
Architekten der für die damalige Zeit sehr fortschrittlichen Anlagen waren die
Berliner Brüder Georg und Emil Zillmann. Während das im Stil einer englischen
Gartenstadt gebaute Giszowiec Anfang der 1960er Jahre teilweise modernen
Hochhäusern weichen musste, blieb das benachbarte Nikiszowiec in seiner
Struktur bis heute erhalten. Das Viertel besteht aus neun geschlossenen
Wohnblocks mit zweigeschossigen Backsteinbauten. In der Nähe entstand vor
kurzem eine Galerie für moderne Kunst im ehemaligen Zechenhaus des Schachts
Wilson, das ebenfalls nach Entwürfen der Gebrüder Zillmann entstanden war.

Ein weiteres bedeutendes Bergwerksmuseum befindet sich in Tarnowskie Góry
(Tarnowitz) im nördlichen Teil des oberschlesischen Reviers. Bis ins 15.
Jahrhundert reicht die Geschichte der dortigen Silbermine zurück. 40 Meter
unter der Erde entstand eine 1.700 Meter lange Touristenroute. Die letzten 300
Meter legen die Besucher in Booten zurück. Etwa vier Kilometer entfernt
befindet sich der Stollen der Schwarzen Forelle. Er ist Teil eines
unterirdischen Entwässerungssystems aus dem 19. Jahrhundert, das dazu diente,
die Kellergewölbe der Stadt trocken zu halten. Auf 600 m Länge kann man dort
die längste unterirdische Bootsfahrt in Polen erleben.

In Gliwice (Gleiwitz) wurde 1796 ein Stück europäischer Industriegeschichte
geschrieben. Damals wurde dort der erste mit Koks befeuerte Hochofen auf dem
Kontinent in Betrieb genommen. Die Gleiwitzer Hütte gehörte später zu den
bedeutendsten Kunstgießereien. Bedeutende Bildhauer wie Gottfried Schadow und
Christian Daniel Rauch ließen dort im 19. Jahrhundert ihre Denkmale gießen.
Während die Hochöfen schon lange abgerissen sind, ist die Gießerei noch heute
in Betrieb. In einem Museum der Kunstgießerei werden einige der wichtigsten
Arbeiten aus Gleiwitz gezeigt.

Größte touristische Attraktion der Stadt ist der hölzerne Sendemast, der mit
110 Metern als die höchste Holzkonstruktion der Welt gilt. Mehr als 16.000
Messingschrauben halten den 1935 in Betrieb genommenen Sendemast zusammen.
Traurige Berühmtheit erlangte der Sender Gleiwitz am
31. August 1939. Der fingierte Angriff von sieben als Polen verkleideten
SS-Männern lieferte Hitler den Vorwand für den Angriff auf Polen. Seit 2003
gibt es vor Ort eine Ausstellung zur Geschichte des Senders und zur
Entwicklung der Rundfunktechnik.

Die Route der technischen Denkmäler in der Woiwodschaft Śląsk umfasst
insgesamt 31 Stationen. Das Brotmuseum in Radzionków (Radzionkau) und das
Feuerwehrmuseum in Mysłowice (Myslowitz) gehören ebenso dazu wie der
historische Bahnhof in Bielsko-Biała (Bielitz-Biala) und die in Bytom
(Beuthen) beginnende Oberschlesische Eisenbahn. Besichtigen kann man auch die
1882 gegründete Zündholzfabrik in Częstochowa (Tschenstochau). Die in den
1930er Jahren eingerichtete Fertigungsstraße ist bis heute in Betrieb.

Einzigartig in Europa dürfte es sein, dass es in Schlesien zwei bedeutende
Biermuseen in unmittelbarer Nachbarschaft gibt. Sie gehören zu den beiden
polnischen Markführern, den Brauereien Tyskie und Żywiec. Das Museum in Tychy
(Tichau) zeigt Ausstellungsstücke aus der 380-jährigen Geschichte der
Tyskie-Brauerei in einem denkmalgeschützten Bau aus dem Jahre 1902. Man kann
dort auch die modernen Brauanlagen besichtigen; im Sommer gibt es
Nachtführungen durch das Museum.

In Żywiec (Saynbusch) entstand vor knapp zwei Jahren ein neues Museum, das
bisher bereits 200.000 Besucher zählte. Anders als in traditionellen Museen
werden Besucher ausdrücklich dazu animiert, die Exponate anzufassen, zu
fotografieren und Fragen zu stellen. Eine Zeitmaschine versetzt sie in die
Gründungszeit der Brauerei, wo der kurzweilige Gang durch die 150-jährige
Geschichte beginnt. Zur Entspannung besteht unterwegs die Möglichkeit für ein
kleines Bowlingturnier. Am Ende lockt wie bei Tyskie ein frisch gezapftes Bier.

Infos: Zentrum Oberschlesiens ist die Stadt Katowice (Kattowitz). Der dortige
Flughafen ist von zahlreichen deutschen Städten direkt erreichbar. Eine
deutschsprachige Übersicht über die technischen Denkmäler der Region mit allen
Anschriften und Öffnungszeiten und einer Landkarte ist erhältlich beim
Polnischen Fremdenverkehrsamt, Kurfürstendamm 71, 10709 Berlin, Tel. 030-21 00
92 0, www.polen.travel Weitere Infos auch auf der Website www.gosilesia.pl.
(Polnisches Fremdenverkehrsamt)

Link do strony

www.reisenews-online.de/2009/03/11/auf-den-spuren-oberschlesischer-technikdenkmaler/
    • madohora Re: Auf den Spuren oberschlesischer Technikdenkmä 05.09.10, 16:21
      zamknięty
      W trochę innym języku
      • madohora2 Re: Auf den Spuren oberschlesischer Technikdenkmä 26.01.14, 12:39
        zamknięty
    • madohora Re: Auf den Spuren oberschlesischer Technikdenkmä 28.04.14, 09:33
      zamknięty

    • madohora Re: Auf den Spuren oberschlesischer Technikdenkmä 23.07.14, 17:46
      zamknięty

      • madohora Re: Auf den Spuren oberschlesischer Technikdenkmä 05.11.14, 17:40
        zamknięty

        • madohora Re: Auf den Spuren oberschlesischer Technikdenkmä 05.02.15, 14:50
          zamknięty

    • madohora Re: Auf den Spuren oberschlesischer Technikdenkmä 29.05.15, 21:51
      zamknięty

    • madohora Re: Auf den Spuren oberschlesischer Technikdenkmä 25.08.15, 22:43
      zamknięty

    • madohora Re: Auf den Spuren oberschlesischer Technikdenkmä 09.11.16, 14:39
      zamknięty
      ***
    • madohora Re: Auf den Spuren oberschlesischer Technikdenkmä 07.04.17, 20:07
      zamknięty
      ***
      • madohora Re: Auf den Spuren oberschlesischer Technikdenkmä 26.08.17, 14:39
        zamknięty
        888
Inne wątki na temat:
Pełna wersja