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03.06.04, 09:31
Lichter in Tempelhof gehen aus
IHK: Schließung des Flughafens ist ein Fehler
Von Karsten Hintzmann und Andrea Puppe
Das Aus für den traditionsreichen Flughafen Tempelhof scheint besiegelt.
Gestern Mittag hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mitgeteilt, dass
die bei ihr angesiedelte Luftverkehrsbehörde die Berliner Flughafen-
Gesellschaft (BFG) aus ihrer Betriebspflicht für den Airport zum 31. Oktober,
0.00 Uhr, entlässt.
Die von dieser Entscheidung betroffenen Airlines haben dagegen Beschwerden
und Klagen vor dem Oberverwaltungsgericht angekündigt. "Sobald der offizielle
Bescheid vorliegt, werden unsere Anwälte vor dem Oberverwaltungsgericht einen
Eilantrag gegen den Sofortvollzug anstrengen", sagt der Sprecher der
Fluggesellschaften, Bernhard Liscutin. "Wir sind alle als Flieger für einen
großen, leistungsfähigen Flughafen", so ein Sprecher der General
Aviation. "Aber was hier passiert, ist Satire." Solange es weder einen
Planfeststellungsbeschluss noch eine Finanzierung für den in Schönefeld
geplanten Großflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) gebe, sei es
unverständlich, die Kapazitäten in Tempelhof zu kappen.
Zufrieden zeigt sich hingegen die Berliner Flughafen-Gesellschaft. Die
Entscheidung der Luftverkehrsbehörde entlaste die Berliner Flughäfen "von
einer ihrer größten Verlustquellen", sagte der Sprecher der Geschäftsführung
der Berliner Flughäfen, Dieter Johannsen-Roth. Er fügte hinzu: "Auch wenn
unser Herz an diesem Flughafen hängt - weder die seit Jahren sinkenden
Passagierzahlen noch die jährlichen zweistelligen Millionenverluste
rechtfertigen den Weiterbetrieb." Nach Angaben der Berliner Flughäfen wurden
2003 in Tempelhof 450 000 Menschen abgefertigt, 26,4 Prozent weniger als im
Vorjahr. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte die
Kosten für die Schließung Tempelhofs jüngst auf rund 32 Millionen Euro
beziffert. Davon entfalle der größte Teil auf Ausgaben für den
sozialverträglichen Personalabbau. Die Verluste von Tempelhof hätten sich von
1991 bis 2003 auf 139 Millionen Euro summiert. Auch für dieses Jahr werde
wieder ein Minus von 15,2 Millionen erwartet.
CDU, FDP und Wirtschaftsverbände hatten sich dagegen immer wieder für den
Erhalt Tempelhofs als City-Airport ausgesprochen. "Die Verluste, die der
Flughafen derzeit einfährt, resultieren vollständig aus den
denkmalgeschützten Liegenschaften. So lange der Airport zur Flughafen-
Gesellschaft gehört, teilen sich Berlin, Brandenburg und der Bund die
Verluste. Nach der Schließung geht die Liegenschaft in den Besitz des Landes
Berlin über. Dann muss das Land vollständig für die Verluste aufkommen.",
sagt FDP-Fraktionschef Martin Lindner. Bislang habe der Senat keinerlei
Konzept erarbeitet, wie die Immobilie künftig zumindest kostenneutral weiter
genutzt werden könne, moniert er. Der verkehrspolitische Sprecher der CDU-
Fraktion im Abgeordnetenhaus, Alexander Kaczmarek, hofft, dass die "unsinnige
Entscheidung" kein Schlusspunkt für Tempelhof ist. "Immerhin wollten zwei
private Fluggesellschaften den Airport übernehmen", sagt Kaczmarek.