sapere
27.06.06, 09:59
Drodzy Współforumowicze,
przed kilkoma tygodniami w Die Welt, jednym z największych niemieckich
dzienników, ukazał się krótki artykuł, nawiązujący do wrocławskiej i
poznańskiej kampanii bilbordowej w Berlinie. Zamieszczam go poniżej w
oryginale i bardzo ciekaw jestem Waszych opinii. Może znajdzie się ktoś, kto
ma odrobinę więcej czasu niż ja i przełoży tych parę akapitów z ichniejszego
na nasze dla tych, co niemnieckiego nie znają?
Pozdro i SAPERE AUDE!
"Breslau und Posen sind wieder da"
Sprach Spiele
Auf Berlins Plakatwänden tobt scheinbar gerade ein verbaler
Rückeroberungskrieg: "Breslau ist eine Reise wert" schreit es gleich
gegenüber vom Bundespresseamt. "Posen ist wieder da" liest man auf einer
Litfaßsäule am Gendarmenmarkt. Und in der Tourismuswerbung am Bahnhof
Friedrichstraße ist ganz selbstverständlich von Stettin die Rede. Was ist
los? Haben die Falken unter den Vertriebenen eine Revision der Oder-Neiße-
Grenze durchgesetzt? Wird wieder mal seit 5.45 Uhr zurückgeschossen? Denn
schließlich gab es doch jahrzehntelang in der BRD und erst recht in der DDR
kein größeres linguistisches Tabu als den Gebrauch der alten deutschen
Städtenamen. Wer nicht Wroclaw, Posznan oder Szczecin sagte, wurde von der
Semantikpolizei mit Revanchismusverdacht nicht unter 30 Tonnen bestraft. Noch
Mitte der neunziger Jahr monierten PDS und SPD in Brandenburg die Benutzung
der alten deutschen Namen im Schulunterricht, weil damit polnische
Bürger "irritiert" werden könnten.
Doch offenbar läßt man sich gerade im selbstbewußten neuen Polen nicht so
leicht irritieren, wie es ängstliche deutsche Gutmeiner befürchten. Denn
hinter den vermeintlich revanchistischen Plakatanschlägen steckt nicht
Herbert Hupka, sondern ausgerechnet polnische Fremdenverkehrswerbung.
Offenbar handelt man dort nach der Devise "Von Königberg lernen, heißt
deutsche Touristen werben". Die jetzt russische Stadt im ehemaligen
Ostpreußen nennt hierzulande ja auch schon lange keiner "Kaliningrad" -
obwohl der von einem Tschekisten inspirierte Kunstname viel besser zur
heutigen Realität paßt. Und mit jedem Mal, daß von Königsberg die Rede ist,
wächst nicht nur beim Vertriebenen-Opa die Sehnsucht. Wer Königsberg sagt,
der träumt einen etwas vagen Traum vom deutsch-russischer Händedruck über dem
Grab von Kant.
Daß sich nun die polnischen Werber ausgerechnet in einer Zeit, wo auf
Regierungsebene das nationalistische und deutschenfeindliche Gepolter
Konjunktur hat, vom Königsberg-Trick der Russen inspirieren lassen, zeigt,
wie pragmatisch und ideologiefrei die alltäglichen Geschäftsbeziehungen
zwischen den beiden Nachbarländern mittlerweile sind.
Vielleicht finden wir ja so ausgerechnet mit polnischer Unterstützung zu
einer Normalität, in der der Gebrauch des Namens Breslau genauso
selbstverständlich sein wird wie man Mailand statt Milano sagen darf - ohne
deshalb gleich in den Verdacht zu geraten, man wolle Deutschland in den
Grenzen des Heiligen Römischen Reiches zur Barbarossazeit wiederhaben.
Matthias Heine
Artikel erschienen am Mo, 29. Mai 2006