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27.11.09, 09:16
Überbezahlt
Von Hendrik Kafsack
27. November 2009 Dass die Beamten der EU weltfremd sind und gnadenlos
überbezahlt, ist ein Klischee - und doch tut die EU-Kommission derzeit alles,
um es zu bestätigen. 3,7 Prozent mehr Gehalt will sie den ohnehin schon
äußerst gut verdienenden Beamten in diesem Jahr zuschustern, rückwirkend zum
1. Juli. Dass sich die Welt in der schwersten Wirtschaftskrise seit 1929
befindet und überall anders Zurückhaltung gepredigt wird, ficht sie nicht an.
Sie wende nur an, was das Beamtenstatut vorsehe, objektiv und nachprüfbar.
Dort steht in der Tat, dass das Gehalt jährlich abhängig von der Entwicklung
der Lebenshaltungskosten und den Beamtengehältern in einigen EU-Staaten
ansteigen soll. Das ergibt nach Angaben des EU-Statistikamts 3,7 Prozent. Was
soll die Kommission also machen? Nun, sie könnte einen zugegebenermaßen schwer
auszulegenden Passus des Statuts nutzen und die Erhöhung aussetzen, was nun
immerhin die Staaten durchzusetzen versuchen. Die Kommission erkennt indes
offenbar nicht einmal, was für ein Signal sie mit der Gehaltserhöhung
aussendet. Wer derart unsensibel vorgeht, muss sich nicht wundern, wenn die
Bürger kein positives Bild von der Union haben. Da kann sie die Roaming-Preise
noch so sehr senken.
(FAZ)