arnold7
27.04.04, 23:19
Von Robert Pfaff-Giesberg
Unter den volkstümlichsten, ursprünglichen, vorwiegend bäuerlich-ländlichen
Festtagen in Deutschland ist, bis in unsere folkloristisch so arm gewordene
Gegenwart herein die Kirchweih der bekannteste und am weitesten verbreitete.
Die Kirchweih - mundartlich Kirwe, Kerve, Kilbe im schwäbisch alemanischen,
pfälzischen und mainfränkischen Raum - Kirchtag, Kirta im bajuwarischen und
österreichischen Raum - Kirchmess, Kirmes in rheinischen, mittel- und
ostdeutschen Gebieten ist auch als Markttag hochgeschätzt und trotz des
Namens hauptsächlich eine weltliche Feier. Hier ist einer der Fälle, wo die
christliche Kirche in kluger Weise ein altes Naturfest - Ernte- oder
Herbstfest - zusammenfallen ließ, mit einer eigenen religiösen Veranstaltung,
dem Fest der Einweihung eines Gotteshauses und dem Namenstag eines bestimmten
Patrons. Damit sanktionierte sie die ursprüngliche heidnische Bräuche und, in
dem sie Lustbarkeit aller Art dabei duldete, gab sie dem Patronizium in den
Augen des Volkes Gewicht.
Im Laufe der Jahrhunderte verlor sich der kirchliche Charakter der Kerwe mehr
und mehr. Doch der Name des Festes blieb. Nur feierte die Kirche nun oft den
Tag für sich liturgisch, dieweil draußen die im schwäbischen Allerwelts -
oder gar Sauallerweltskirwe - genannte Kirchweih um so turbulenter ablief.
Die Gestaltung des Festes mit dem Aufrichten von Kerwebäumen, dem Einholen
von reich geschmückten Kerwejungfrauen und Kirbeburschen mit Musik, Tanz,
Schmaus und Gelage, Spielen und Wettschießen, Einkaufen von Geschenken bei
den Lebzeltnern und in den Marktständen, schließlich auch das Ausstellen und
zeriemonelle Vergraben einer Strohpuppe - im Rheinland "der schääbige
Zacheies" genannt - vielerorts kaum von den Sitten bei Fastnachts-, Sonnwend-
und Erntedankfesten zu unterscheiden. Es gibt noch heute Orte mit besonderer
berühmter Kirchweih ( z.B. Verdener Domweih),zu der die Besucher von weit her
kommen. Aber ein alter Spruch besagt: "Es ist kein Dörfchen so klein, im Jahr
muß einmal drin Kerwe sein! Früher waren mehrtägige Kerwefeiern ( in Verden
immer noch 6 Tage) allgemein. Es ging da hoch her und die niederländischen
Maler des 16. Und 17. Jahrhunderts fanden hier dankbare Bauernszenen, die
zweifellos bei Kirchweihfeiern in Deutschland nicht anders waren.
Pyrsk!