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Akcja Himmlerstadt ...

28.06.04, 16:15
"Aktion Zamosc" - 2. Teil

Zamosc sollte Himmlerstadt heißen

Die Vorbereitungen für die geplante Wehrmachtsausstellung in Schwäbisch Hall
(30.Mai bis 14.Juli 2003) laufen auf Hochtouren. Eher unerfreuliche Debatten
werden folgen ... Aber was hat die Wehrmachtsausstellung mit Halls polnischer
Partnerstadt Zamosc zu tun? Im Kreis Zamosc statuierten von November 1943 bis
August 1942 die Nazis mit Unterstützung der Wehrmacht ein Exempel. Dort
sollte die Idee der "Germanisierung des Ostens" durch Entvölkerung der
polnischen Bewohner und Bevölkerung deutscher Bewohner zum ersten Mal in die
Tat umgesetzt werden - der sogenannte "Generalplan Ost". Im folgenden geben
wir leicht gekürzt einen Artikel von Werner Röhr (junge Welt vom 27./ 28. 11.
02) wieder. (Teil 2)

Mit dem Krieg gegen die Sowjetunion hatten die deutschen Okkupanten ihre
Zielstellung für das "Generalgouvernement" (GG) entscheidend verändert. War
bis dahin verkündet worden, das Gebiet sei "Heimstätte des polnischen
Volkes", sollte es nun im Verlaufe von 15 bis 20 Jahren ein "rein deutsches"
Land werden. Hatte es bis dahin dazu gedient, die aus Deutschland und den
annektierten Gebieten "hinausgesäuberten" Juden und Polen aufzunehmen, sollte
es nun "entjudet" werden. Das bedeutete das Todesurteil für die dort
zusammengepferchten Juden.

"Generalgouverneur" Hans Frank hielt es für zweckmäßiger, mit der Aussiedlung
erst nach dem Krieg zu beginnen. Er warnte davor,
Unruhe "hereinzubringen": "Wir müssen mit brutaler Hand dort zuschlagen, wo
Gefahren drohen; aber auf weite Sicht große volkspolitische Experimente zu
machen, ist im Augenblick nicht angängig. Unlängst hat Reichsmarschall Göring
gesagt: ›Es ist wichtiger, daß wir den Krieg gewinnen als Rassenpolitik
durchsetzen‹. Wir müssen heute froh sein über jeden Polen, den wir in der
Werkstätte haben. Ob der Pole oder der Jude uns paßt oder nicht, spielt jetzt
keine Rolle; wichtig ist nur, daß er indirekt im Dienste des deutschen Volkes
steht."

Der Reichsführer SS Heinrich Himmler wollte nicht bis zur
vollständigen "Eindeutschung" der annektierten Gebiete Polens warten und
leitete im März 1941 die "Vorplanung" der Aussiedlungen ein. Die Zielstellung
war, den gesamten Distrikt Lublin mit deutschen bzw. nordischen Kolonisten zu
besiedeln und die Polen allmählich wirtschaftlich und biologisch zu
erdrücken. Als erstes wurde die unter der Losung "Heim ins Reich" laufende
Rücksiedlung deutscher Bauern aus dem Osten in das Wartheland eingestellt.


pyrsk !
Ballest
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    • ballest88 Akcja Himmlerstadt ... c.d. 28.06.04, 16:16
      Die Situation im Sommer 1942
      Ausgehend von den Erfolgen der Sommeroffensive der Wehrmacht 1942 in der
      Sowjetunion ("Fall Blau"), entschied Himmler, es sei an der Zeit, die
      Prioritäten für die Besatzungspolitik zu ändern und nunmehr mit der Ansiedlung
      von Deutschen in großem Maßstab zu beginnen. Am 12. November 1942 erklärte er
      den Kreis Zamosc zum "ersten deutschen Siedlungsbereich" im GG. Bis zum Sommer
      1943 sollten Stadt und Kreis "deutsch besiedelt" werden. Die "Regierung" des GG
      unter Frank und der Gouverneur des Distrikts Lublin wurden weder gefragt noch
      über die Entscheidung verständigt.
      Wie bereits in den annektierten Gebieten bildete die SS zunehmend ein eigenes
      Territorialregime aus, angefangen von ihren territorialen Dienststellen über
      ihre eigenen Gefängnisse, rund 2000 Konzentrations-, Straf-, Durchgangs- und
      Arbeitslager bis zu einem schnell wachsenden Netz von großen Gütern als
      offiziellen SS- und Polizeistützpunkten. Schließlich war das GG 1942 der
      territoriale Schwerpunkt des Judenmords.


      pyrsk !
      Ballest
    • ballest88 Dlaczego Himmlerstadt ? 28.06.04, 16:17
      Warum gerade Zamosc?
      Für die Auswahl des Kreises als erstes "Großsiedlungsgebiet im
      Generalgouvernement" war neben der ausgezeichneten Bodenqualität, die hohe
      Ernteerträge versprach, vor allem die geographische Lage maßgebend. Es lag im
      Zentrum des geplanten "Germanisierungsgürtels" von der Krim bis Leningrad und
      sollte als "deutsche Volksbrücke" Siebenbürgen mit den baltischen Ländern
      verbinden, die beide "deutsch besiedelt" werden sollten. Zugleich lag Zamosc an
      den geplanten West-Ost-Verkehrsadern, die das "Großdeutsche Reich" mit den
      eroberten sowjetischen Gebieten verbinden sollten und bildete ein Tor sowohl
      nach Rußland als auch in die Ukraine. Neben Lublin und Lwów (Lemberg) ließ
      Himmler von seinen Planern auch Shitomir und Winniza in der Ukraine
      als "Siedlungskerne" konzipieren. Sie sollten ein Viereck bilden, das später zu
      einem autonomen SS-Staat ausgebildet werden könnte. Vor allem in den Distrikten
      Lublin und Galizien eignete sich die SS seit März 1941 immer weitere
      Liegenschaften an. Sie wurden mit SS-Führern vom "Rasse- und Siedlungshauptamt"
      der SS besetzt. Diese SS-Güter sollten Schwerpunkte einer deutschen Besiedlung
      werden.

      Bei der Wahl von Zamosc spielte der hohe Anteil jüdischer Bevölkerung eine
      große Rolle. Sie sollten nach einer Anweisung Himmlers bis 31.12.1942
      vollständig ermordet bzw. in Ghettos gefangengesetzt sein. Die Entscheidung zur
      sofortigen Besiedlung des Kreises Zamosc 1942 fällte Himmler auch unter dem
      Druck überfüllter Umsiedlerlager. Etwa 10000 "Heim ins Reich!" gelockte oder
      gezwungene "Bessarabien- und Buchlanddeutsche" hatten nicht, wie ihnen
      versprochen, in Danzig-Westpreußen oder Oberschlesien angesiedelt werden können.

      Mit dem SS- und Polizeiführer des Distrikts Lublin, Odilo Globocnik, verfügte
      Himmler vor Ort über einen ebenso fanatischen wie skrupellosen Verfechter
      seiner Ideen einer "Germanisierung des Bodens". Zamosc sollte nicht
      nur "Himmlerstadt" heißen, sondern Himmlers Stadt werden. Globocnik war später
      (1942/43) Leiter des "Einsatzes Reinhard", das heißt des Völkermordes an den
      Juden in den drei Vernichtungsstätten Treblinka, Sobibór und Belzec. Diese
      unterstanden ihm persönlich und nicht der Inspektion der Konzentrationslager
      wie das ebenfalls im Distrikt Lublin gelegene Konzentrationslager Majdanek.
      "Fahndung nach deutschem Blut"
      Woher sollten die deutschen Ansiedler für den Kreis Zamosc kommen? Zuerst
      wollte Globocnik auf die sogenannten Deutschstämmigen zurückgreifen, das waren
      die Nachkommen von deutschen katholischen Siedlern aus der Pfalz, dem Elsaß und
      Lothringen. Nach hundert Jahren waren sie vollständig assimiliert, die deutsche
      Sprache ausgestorben. Zu ihrer "Wiedereindeutschung" schrieb er 1941
      eine "Fahndung nach deutschen Blut" aus. Diesen "Deutschstämmigen", die von
      ihrem Stamm nichts mehr wußten, wurde eingeredet und gedroht: "Nach erfolgter
      Überprüfung über die Wertigkeit durch die EWZ ist der Betreffende verpflichtet,
      in die deutsche Volksgemeinschaft einzutreten. Eine Weigerung gibt es nicht.
      Der Träger kann sein deutsches Blut nicht als Privateigentum betrachten,
      sondern als Volkstumsbestandteil".


      pyrsk !
      Ballest
      • ballest88 Dlaczego Himmlerstadt ? c.d. 28.06.04, 16:18
        Neben den "Deutschstämmigen" waren zunächst jene "volksdeutschen" Umsiedler
        vorgesehen, die bereits in den Lagern der "Einwanderer-Zentralstelle" (EWZ)
        warteten (sogenannte Ostfälle), vor allem aus Bessarabien (4000), Rumänien
        (3000), dem Leningrader Gebiet (6000), den baltischen Ländern (10000), der
        Bukowina (3000) und Serbien (1000). Später sollten "Kroatiendeutsche" aus
        Bosnien, "eindeutschungsfähige Slowenen", "Bulgariendeutsche" und 2500 Flamen
        (Holländer) zur Ansiedlung "bereitgestellt" werden.

        Von den vorgesehenen rund 60000 Ansiedlern wurden bis zum endgültigen Abbruch
        der "Aktion Zamosc" knapp 9000 in 126 Dörfern angesiedelt, die sich auf elf
        Hauptdorfbereiche verteilten: Komarów, Krasnobrod, Miaczyn, Rachanice, Ruskie
        Piaski, Skierbieszów, Szczebreszyn, Tarnawatka, Tomaszów Lubelski, Werszczyna
        und Zamosc. Diese Ansiedler kamen aus Bessarabien bzw. Polen ("Volksdeutsche"
        bzw. "Deutschstämmige"), nur sehr wenige direkt aus Deutschland
        ("Reichsdeutsche").


        pyrsk !
        Ballest
    • ballest88 Ruch oporu 28.06.04, 16:19
      Die von der zivilen Okkupationsverwaltung befürchteten Folgen traten sofort
      ein: Die Lebensmittelablieferungen der Bauern gingen stark zurück oder hörten
      ganz auf, die Widerstandsbewegung wuchs im ganzen Distrikt stark an, das
      Okkupationsregime wurde geschwächt und in Teilen des Distrikts Lublin
      funktionsunfähig. Himmler hatte zwar nach Stalingrad das Interesse an der
      weiteren Ausarbeitung des "Generalplan Ost" verloren, auch hatte Hitler
      derartige Zukunftsplanungen erst einmal untersagt. Dennoch hielten Himmler und
      Globocnik hartnäckig daran fest, diesen Distrikt noch während des
      Krieges "einzudeutschen".

      Zum bewaffneten Widerstand gegen die Massenaussiedlung der polnischen Bauern
      strömten Partisanengruppen der Bauernbataillone (BCh) und der Volksgarde (GL)
      in das Gebiet. Selbst die Landesarmee (AK) brach mit ihrem Grundsatz, bis zu
      einem Aufstand "Gewehr bei Fuß" zu stehen. Die Partisanen und die flüchtigen
      Bauern bekämpften vor allem die deutschen Ansiedler und suchten sie wieder zu
      vertreiben. Im Maße eigenen Erstarkens lieferten sie den eingesetzten
      Polizeikräften Gefechte und schützten schließlich sogar Ortschaften vor ihnen.
      Das für die Aussiedlungen mobilisierte Polizeibataillon z.b.V. konnte den
      Widerstand allein nicht niederhalten, so setzte Globocnik bereits im Februar
      1943 neben dem Polizeiregiment 25 das berüchtigte 1. mot. Gendarmeriebataillon
      sowie Landesschützen des Heeres ein.

      Da die bewaffneten Widerstandsbewegungen vorzugsweise die mit volksdeutschen
      Siedlern besetzten Dörfer angriffen, umgaben die Okkupanten die deutsch
      besiedelten Dörfer zu deren Schutz mit einem Kranz von ukrainischen Dörfern. Zu
      diesem Zweck wurde im Dezember 1942 bzw. im Februar 1943 je eine besondere
      sogenannte Ukraineraktion durchgeführt. Polnische Dörfer wurden evakuiert, um
      Platz für ukrainische Bauern zu schaffen, vor allem im Kreis Hrubieszów. Die
      deutschen Okkupanten spekulierten auf die nationalen Gegensätze und schürten
      sie, wo nur möglich. So trugen sie zu jenem mörderischen Krieg bei, der seit
      1943 von den Nationalisten der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) gegen
      die polnische Bevölkerung entfesselt worden war. Dieser Krieg der UPA gegen das
      polnische Volk tobte im Winter 1943/44 im Kreis Zamosc besonders heftig, es war
      ein Bürgerkrieg um Siedlungsboden zwischen verfeindeten Völkern.


      pyrsk !
      Ballest
    • ballest88 Akcja Werwolf 28.06.04, 16:20
      Großaktion "Werwolf"
      Die "Aktion Zamosc" wurde Mitte März 1943 wegen der Frühjahrsaussaat
      unterbrochen und vom 27. Juni bis zum 15. August 1943 als militärische
      Großaktion "Werwolf" wiederaufgenommen. Da die Polizeikräfte die erstarkende
      Widerstandsbewegung allein nicht niederhalten konnten, mußte die Wehrmacht nun
      ganze Divisionen einsetzen, so die 154. und die 174. Reserve-Division und die
      1. Staffel der Fliegergruppe 7, außerdem Ostlegionen der Eskadron Lublin und
      vier Polizeiregimenter. Sie umstellten die Dörfer. Ziel war es, zuerst und
      schlagartig alle "wehrfähigen" Männer ab 15 Jahren festzunehmen. Erst danach
      erfolgte die restlose Evakuierung. Diese Entvölkerung verlief womöglich noch
      brutaler als in der ersten Phase. Die Häuser wurden in kürzester Zeit geräumt;
      zahlreiche Menschen, vor allem Frauen, Kinder, Alte und Kranke überlebten
      bereits diese Exmittierung nicht. Den größten Haß unter den Ausgesiedelten
      erregte die Einteilung nach Wertungsgruppen. Da in der zweiten Phase die
      Verhaftungen oberste Priorität hatten, blieben in der Folge die Dörfer oft
      tagelang verwaist, das Vieh verendete.

      Doch auch die eingesetzten Wehrmachtkräfte konnten den Widerstand nicht
      brechen. Im Vordergrund der Angriffe standen die deutsch besiedelten Dörfer,
      die immer häufiger angezündet wurden. Andere Überfälle richteten sich auf
      Eisenbahntransporte und zunehmend auf die gesamte Infrastruktur, damit wollten
      die Partisanen die Ernteerfassung verhindern. Im Sommer 1943 wurden die
      bewaffneten Ernteerfassungskommandos von den Partisanen attackiert. Neben den
      Angriffen auf deutsche Polizeiposten gingen die Widerstandsgruppen seit 1943
      verstärkt dazu über, die mit den deutschen Okkupanten kollaborierenden
      ukrainischen und polnischen Polizisten zu liquidieren. Schließlich war die
      Widerstandsbewegung im Distrikt Lublin so erstarkt, daß sie geschlossene
      Abteilungen der Polizei in verlustreiche Gefechte verwickeln konnte. Am 30.
      Juni 1943 erklärte Himmler das gesamte GG neben anderen besetzten Teilen
      Europas zum "Bandenkampfgebiet".

      Die Niederlage der Wehrmacht in Stalingrad beflügelte den Widerstand gegen die
      Aussiedlungen. Doch sie hatte offenkundig noch nicht ausgereicht, um die
      deutschen Okkupanten zu zwingen, auf völkermörderische Experimente wie
      die "Aktion Zamosc" zu verzichten. Um deren Abbruch zu erzwingen, bedurfte es
      noch der Niederlage der Wehrmacht bei Kursk und des endgültigen Verlustes der
      Fähigkeit zur strategischen Offensive. Aus Mangel an Polizeikräften mußte
      Globocnik am 15. August 1943 die "Aktion Werwolf II" abbrechen. Diese
      Polizeikräfte schlugen nämlich gerade den Ghettoaufstand in Bialystok nieder.
      Dies war unwiderruflich das Ende der "Aktion Zamosc". Auch die sogenannte
      Sickersiedlung als unauffälligere Form der Eindeutschung mußte eingestellt
      werden. Himmler mußte Globocnik als Distriktpolizeichef und dann auch Krüger
      als Höheren SS- und Polizeiführer Ost ablösen.


      pyrsk !
      Ballest
    • ballest88 Bilans 28.06.04, 16:21
      Von November 1942 bis August 1943 vertrieben SS-, Polizei- und
      Wehrmachteinheiten rund 110000 Polen aus 300 Dörfern der Kreise Zamosc,
      Hrubieszów, Bilgoraj und Tomaszów Lubelski. Die Mehrheit flüchtete, 51000
      wurden "erfaßt" und in die Sammellager bzw. in Konzentrationslager deportiert.
      Bei rund 260 Terroraktionen wurden 7000 Menschen ermordet. Im
      Aussiedlungsgebiet erlitten 34 Dörfer das Schicksal von Lidice. Tausende Kinder
      und alte Menschen starben darüber hinaus an den Folgen der Gewalttätigkeit, sie
      erfroren, verhungerten oder kamen auf andere Weise ums Leben. Die polnische
      Bevölkerung unternahm große Anstrengungen, um die Kinder aus Zamosc zu retten
      und in polnischen Familien unterzubringen. 10000 Kinder überlebten nicht, rund
      30000 wurden von ihren Eltern getrennt.

      In den geräumten Dörfern wurden rund 9000 "volksdeutsche" Siedler in 126
      Ortschaften angesiedelt, vor allem aus Bessarabien. Als die Rote Armee nur noch
      80 Kilometer entfernt stand, mußten die letzten dieser deutschen Neusiedler den
      Kreis Zamosc räumen. Sie hatten ihre neue Existenz auf der Aussiedlung der
      Polen begründen wollen. Nun wurden sie die Opfer jener Politik, als deren
      Speerspitze im "Volkstumskampf" sie figuriert hatten. Zamosc wurden im Juli
      1944 von der Roten Armee befreit.

      Quellen:
      aCzeslaw Madajczyk (Hg.) Generalny Plan Wschód. Zbiór dokumentów, Warszawa
      1990;
      Rolf-Dieter Müller: Hitlers Ostkrieg und die deutsche Siedlungspolitik,
      Frankfurt/Main 1991;
      Mechthild Rössler/Sabine Schleiermacher (Hg.): Der "Generalplan Ost"
      Hauptlinien der nationalsozialistischen Planungs- und Vernichtungspolitik,
      Berlin 1993





      pyrsk !
      Ballest
    • ballest88 Plan Generalny Ost 28.06.04, 16:24
      * Der »Generalplan Ost« war die mörderischste Variante für ein »Europa unterm
      Hakenkreuz« und die »Aktion Zamosc« der von November 1942 bis August 1943
      unternommene Versuch, den »Generalplan Ost« für die deutsche Beherrschung und
      Besiedlung des eroberten Osteuropa an einem Teilstück zu realisieren. Zamosc
      ist zum Inbegriff dafür geworden, mit welchen verbrecherischen Experimenten die
      deutschen Okkupanten ihre Vorherrschaft über Europa erzwingen und dazu die
      demographische Landkarte Europas durch Völkervernichtung, »Umvolkung«
      und »deutsche Besiedlung« verändern wollten.

      Der Kreis Zamosc gehörte zum Verwaltungsdistrikt Lublin
      im »Generalgouvernement«, jenem kolonialen Gebilde außerhalb jeden Völker- und
      Staatsrechts, das die deutschen Okkupanten nach der Annexion der industriell
      und landwirtschaftlich entwickelteren westpolnischen Gebiete geschaffen hatten.
      Nach offizieller Erklärung des Generalgouverneurs Hans Frank sollte das
      Generalgouvernement (GG) eine »Heimstätte des polnischen Volkes« sein –
      jedenfalls bis dahin.

      In der Nacht vom 27. auf den 28. November 1942 begann das Polizeikommando
      z.b.V. (zur besonderen Verwendung) des SS- und Polizeiführers Lublin mit
      der »Evakuierung« des Dorfes Skierbieszów und ihm benachbarter Siedlungen im
      Kreis Zamosc. Die Polizei umstellte die Dörfer und trieb im Morgengrauen alle
      Bewohner mit Gewalt aus ihren Häusern: Männer, Frauen, Kinder, Alte und Kranke.
      Ihnen blieben nur wenige Minuten Zeit zur Vorbereitung, sie durften nur
      Handgepäck von höchstens 30 Kilogramm und 20 Zloty pro Person mitnehmen. Kein
      Inventar des Hofes und Hauses durfte entfernt oder zerstört, kein Vieh oder
      Kleinvieh geschlachtet werden. Weder Hausrat noch größere Lebensmittelvorräte
      konnten mitgenommen werden. Die Bewohner wurden auf dem Dorfplatz
      zusammengetrieben, dort ein erstes Mal selektiert und dann in das Sammellager
      in der Rotunde von Zamosc abtransportiert. Unmittelbar danach
      wurden »volksdeutsche« Ansiedler in die Höfe eingewiesen. Federführend bei den
      Aussiedlungen war die Sicherheitspolizei in Gestalt
      ihrer »Umwandererzentralstelle« (UWZ), den polizeilichen Masseneinsatz
      erledigte die Gendarmerie in Gestalt des »Polizeibataillons z.b.V«., außerdem
      waren an der »Aktion Zamosc« die SS-, die Luftwaffen- und die Heeresgarnisonen
      der Kreise Zamosc und Bilgoraj beteiligt.


      In Wertungsgruppen sortiert

      Diese Massenaussiedlungen unterschieden sich wesentlich von den bis dahin
      bekannten aus dem annektierten »Reichsgau Wartheland«: Die Bevölkerung eines
      Ortes wurde jetzt geschlossen und auf einmal evakuiert, um sofort ein rein
      deutsches Siedlungsgebiet im polnischen Territorium zu schaffen. Die
      ausgesiedelten Familien blieben nicht beisammen, sondern wurden im Sammellager
      Zamosc auseinandergerissen und mit größter Brutalität nach vier Wertungsgruppen
      sortiert: Die arbeitsfähigen Angehörigen der Gruppen I und II wurden
      zur »Wiedereindeutschung« bzw. »Feinmusterung« nach Lodz geschickt. Die
      arbeitsfähigen Angehörigen der Gruppe III zwischen 14 und 60 Jahren kamen »ohne
      arbeitsunfähigen Anhang« zur Zwangsarbeit nach Deutschland. Alle Personen unter
      14 und über 60 Jahre der Gruppe III wurden ohne Rücksicht auf die Familien in
      sogenannte Rentendörfer im Generalgouvernement verfrachtet, aus denen die
      mehrheitlich jüdischen Bewohner in die Vernichtungsstätten abtransportiert
      worden waren. Tausende Kinder und alte Menschen starben an den Folgen der
      Gewalttätigkeit, sie erfroren, verhungerten oder kamen auf andere Weise ums
      Leben. Die in die Wertungsgruppe IV Eingestuften galten als kriminell oder
      asozial, meist, weil sie Widerstand leisteten, sie wurden direkt nach Auschwitz
      oder Majdanek deportiert.

      Nach der anfänglichen Überrumpelung stieß die Massenaussiedlung bald auf
      Widerstand. Viele Bauern flohen bei Nacht aus dem Umsiedlungsgebiet in
      benachbarte Kreise und nahmen möglichst ihr Vieh und einen Teil des beweglichen
      Inventars mit. Die polnische Bevölkerung des GG unternahm große Anstrengungen,
      um die Kinder aus Zamosc zu retten und in polnischen Familien unterzubringen.
      Die UWZ konnte ihr Soll an »erfaßten« Arbeitskräften schon in der ersten Woche
      nur zu 36 Prozent erreichen. Sehr bald ging die Massenflucht in bewaffneten
      Widerstand über. Um ihn zu brechen, wurde die zweite Phase der »Aktion Zamosc«
      ab Juni 1943 als »Pazifizierung« ganzer Dörfer durchgeführt. Sie wurden mit
      militärischer Gewalt »befriedet«, indem die »bandenverdächtige« Bevölkerung als
      Basis der Partisanen erschossen, verbrannt, füsiliert oder ausgesiedelt wurde.
      Im Schatten der Partisanenbekämpfung ging die deutsche Ansiedlung weiter.

      Im November und Dezember 1942 fanden fast täglich Aussiedlungen aus den Dörfern
      des Kreises Zamosc statt, aber auch aus den angrenzenden Kreisen Bilgoraj,
      Hrubieszów und Tomaszów Lubelski. Für jede Aktion stellte der Leiter
      der »Umwandererzentralstelle Litzmannstadt, Zweigstelle Zamosc«, SS-
      Obersturmbannführer Hermann Krumey, einen »Einsatzbefehl« aus, in dem die
      beteiligten deutschen Kräfte und Dienststellen aufgeführt und für jedes Dorf
      die Sollzahl der zu exmittierenden Polen, der Sammelplatz innerhalb des Dorfes
      und die Fahrtroute des Trecks zum Sammellager festgelegt wurden. Die
      ausgesiedelten Bauern sollten auf ihrem Weg nicht der gleichzeitig
      herangeführten Wagenkolonne der anzusiedelnden »volksdeutschen« Kolonisten
      begegnen. In der Regel wurden mit jedem »Einsatz« mehrere benachbarte Dörfer
      geräumt, so in den ersten vier Tagen die Dörfer Skierbieszów (Hauptdorf),
      Liplina Nowa, Hajnowki, Zawoda, Laziska, Suchodebie, Ilowiec, Udrycze, Udrycze
      Kolonie, Wyslowice und Debowiec Kolonie. In der zweiten Woche wurde weitere 16
      Dörfer ausgesiedelt.

      Vom 27. November bis zum 31. Dezember 1942 wurden in 21 »Einsätzen« insgesamt
      60 polnische Dörfer ausgesiedelt. Von deren »erfaßten« 9 771 Bewohnern wurden 2
      716 Personen als Gesindekräfte für die deutschen Kolonisten ausgewählt, sie
      verblieben zu deren Verfügung. Über 7 000 wurden in das Sammellager deportiert
      und dort klassifiziert: 314 Personen (4,4 Prozent) galten
      als »wiedereindeutschungsfähig«, 285 von ihnen wurden von der UWZ nach Lodz
      geschickt. 5 147 Personen (73 Prozent) waren für den Arbeitseinsatz in
      Deutschland vorgesehen. Von ihnen wurde 1 310 sofort in vier Transporten nach
      Berlin deportiert und dort in der sogenannte Fabrikaktion gegen die noch in der
      Berliner Rüstungsindustrie beschäftigten Juden ausgetauscht. 2 207 ältere
      Menschen über 60 Jahre bzw. Kinder unter 14 Jahren schaffte die UWZ in
      sogenannte Rentendörfer im Kreis Garwolin im Distrikt Warschau.

      910 Personen der Wertungsgruppe IV sollten nach Auschwitz bzw. Majdanek
      abtransportiert werden. Durch Flucht und Tod reduzierte sich die Zahl auf 644.
      Im Bericht des SS-Untersturmführers Kinna über den am 12. Dezember in Auschwitz
      eingetroffenen Transport heißt es: »Arbeitseinsatzfähigkeit bezügl. erklärte SS-
      Hauptsturmführer Haumeier, daß nur arbeitsfähige Polen angeliefert werden
      sollten, um somit möglichst jede unnütze Belastung des Lagers sowie des
      Zubringerverkehrs zu vermeiden. Beschränkte, Idioten, Krüppel und kranke
      Menschen müssen in kürzester Zeit durch Liquidation zur Entlastung des Lagers
      aus demselben entfernt werden. Diese Maßnahme findet aber insofern Erschwerung,
      da nach Anweisung des RSHA entgegen der bei den Juden angewendeten Maßnahme
      Polen eines natürlichen Todes sterben müssen.« .


      Sonderlaboratorium der SS

      Viele Massenverbrechen d
      • ballest88 Plan Generalny Ost cz. II 28.06.04, 16:25
        Sonderlaboratorium der SS

        Viele Massenverbrechen der deutschen Okkupanten an den Völkern Europas hatten
        ein größeres Ausmaß als die »Aktion Zamosc«. Doch diesem völkermörderischen
        Experiment kommt eine signifikante Stellung in der gewaltsamen Durchsetzung
        der »Neuordnung Europas« zu. Die »Aktion Zamosc« von November 1942 bis August
        1943 war der erste und einzige Versuch der deutschen Faschisten,
        den »Generalplan Ost« auf einem Teilstück in die Tat umzusetzen. Der polnische
        Historiker Czeslaw Madajczyk nannte daher Zamosc ein »Sonderlaboratorium der
        SS«.

        Unter dem Namen »Generalplan Ost« firmierten Planungen verschiedener SS-
        Institutionen für die »Germanisierung« der bereits eroberten bzw. noch zu
        erobernden sowjetischen Gebiete bis zum Ural. Die beiden wichtigsten
        Planungszentren waren die Amtsgruppe III B des Reichssicherheitshauptamtes
        (RSHA), also der Sicherheitsdienst (SD), und die Planungshauptabteilung im
        Stabshauptamt des »Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums«
        (RKF) unter dem Agrarwissenschaftler Prof. Dr. Konrad Meyer. Im RSHA-Amt/III B,
        der zentralen Stelle für die gesamte Vernichtungsplanung, wurde konzeptionell
        und praktisch der Zusammenhang zwischen systematischem Völkermord
        und »Generalplanung Ost« hergestellt. Die Judenvernichtung war der Dreh- und
        Angelpunkt der gesamten Ostplanung der SS, ihr kam im Geflecht der drei Stränge
        Deportation – Vernichtung – Rückdeutschung »verlorengegangen Deutschtums« und
        Umsiedlung »Volksdeutscher« Priorität zu, an sie knüpften alle anderen
        Vernichtungen »nichteindeutschungsfähiger« Bevölkerungsgruppen an.

        Konrad Meyer war seit 1934 Direktor des Instituts für Ackerbau- und
        Landbaupolitik der Berliner Universität und im »Dritten Reich« der führende
        Fachmann für die Siedlungsplanung. Bereits 1939 erhielt er von Heinrich Himmler
        den Auftrag, für die annektierten polnischen Gebiete
        einen »Gesamtentwicklungsplan« zu erarbeiten. Dazu wurde er im Rang eines SS-
        Oberführers zum Leiter der Planungsabteilung im Stabshauptamt
        des »Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums« berufen, nachdem
        Himmler am 7. Oktober 1939 von Hitler eine Generalvollmacht zur Umgestaltung
        aller demographischen Verhältnisse Osteuropas erhalten hatte. Nach den Vorgaben
        Himmlers erarbeitete Meyer 1940 bis 1943 stufenweise »Generalpläne Ost« (GPO) –
        gestützt auf die Arbeiten seines eigenen Instituts und die Mitarbeit
        zahlreicher deutscher Geographen und Landschaftsplaner, Anthropologen und
        Juristen aus der von ihm geleiteten »Reichsarbeitsgemeinschaft für
        Raumforscher«.

        Sowenig Meyers Planungsamt die einzige SS-Dienststelle war, die »Generalpläne
        Ost« erarbeitete, sowenig waren die SS-«Generalpläne Ost« die einzigen
        Neuordnungspläne für ein vom deutschen Kapital beherrschtes Europa. Die Genese
        und Spezifik der verschiedenen Programme für ein »Europa unter dem Hakenkreuz«
        können hier nicht erörtert werden. Die »Generalpläne Ost« wurden entwickelt,
        als der Völkermordpraxis bereits Millionen europäischer Juden, sowjetischer
        Kriegsgefangener und der Großteil der polnischen Intelligenz zum Opfer gefallen
        waren. Die von den SS-Ämtern betriebenen Planungen für
        eine »volkstumspolitisch« gestaffelte Vernichtung verliefen zwar parallel und
        partiell konkurrierend, waren aber miteinander verschränkt. So war
        der »Räumungsplan« zur »Endlösung der europäischen Judenfrage«, von dem
        Reinhard Heydrich, Leiter des Reichssicherheitshauptamtes, Teile auf der
        Wannseekonferenz im Januar 1942 vortrug, ein Element dieser Planungen. Die
        Haltung maßgeblicher Vertreter der deutschen Großindustrie und des
        Großgrundbesitzes zu diesen GPO-Planungen war ambivalent. So ging die sowohl
        von der Wehrmacht als auch von den Wirtschaftsstäben praktizierte Politik
        zerstörerischer Raubzüge in der besetzten Sowjetunion mit Himmlers Planern
        völlig konform, andererseits bevorzugten sie die annektierten polnischen
        Gebiete.


        pyrsk !
        Ballest
      • ballest88 Plan Generalny Ost cz. III 28.06.04, 16:26
        Probeaussiedlung

        Zwischen dem »Hungerplan« der Wehrmachtführung, also dem von
        Landwirtschaftsminister Backe und Wirtschaftsgeneral Thomas ausgeheckten Plan,
        Dutzende Millionen Sowjetbürger verhungern zu lassen, und den Planungen des
        Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums besteht direkte
        Kompatibilität. Er war schließlich die Grundlage der militärischen
        Operationsplanung der Wehrmacht. Außerdem hatten die zuständigen
        Wehrmachteinrichtungen Himmlers Planungshoheit für den Osten nach einer
        Übergangsphase ausdrücklich akzeptiert. Zwischen dem Vorgehen der
        Wehrmachtstäbe und der zentralen SS-Dienststellen hinsichtlich der deutsche
        Siedlungspolitik bestanden enge Wechselbeziehungen.

        Der »Generalplan Ost« der RSHA-Gruppe III B von Ende 1941/Anfang 1942 ist bis
        heute nicht aufgefunden, seine Aussagen und Zielsetzungen sind aber durch
        mehrere Stellungnahmen bekannt. Wir können daher die Eckdaten anhand der
        Kritiken rekonstruieren. Dieser GPO sah die Ansiedlung von vier Millionen
        Deutschen in zehn Jahren und von mindestens zehn Millionen in 20 Jahren im
        Osten vor. Für die Besiedlung waren das besetzte Polen, die baltischen Länder,
        Weißrußland, die russischen Gebiete Shitomir, Kamenez-Podolski und Leningrad
        sowie die ukrainischen Winniza, Dneprbogen und die Krim vorgesehen. Von den
        dort lebenden 45 Millionen Menschen galten 31 Millionen als »rassisch
        unerwünscht«. 80 bis 85 Prozent aller Polen, d.h. 15 bis 20 Millionen Menschen,
        waren nach Sibirien »auszusiedeln« und sollten dort verhungern, die restliche
        polnische Bevölkerung zur Hälfte liquidiert und zur Hälfte »eingedeutscht«
        werden.

        Bereits zwei Tage nach dem Überfall auf die UdSSR am 22. Juni 1941 hatte der
        Reichsführer SS Heinrich Himmler dem Leiter des Planungsamtes im Stabshauptamt
        des »Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums«, Prof. Konrad
        Meyer, den Auftrag gegeben, einen Gesamtplan der Besiedlung im Osten zu
        erarbeiten. Meyer hatte die erste Fassung am 15. Juli 1941 vorgelegt und
        Himmler hatte sofort reagiert und am 20. Juli 1941 bei einem Besuch in Lublin
        angeordnet, »ein Großsiedlungsgebiet in den deutschen Kolonien bei Zamosc« zu
        schaffen. Es sollte zwischen den einzudeutschenden annektierten polnischen
        Gebieten und den künftig von Deutschen zu besiedelnden Teilen der UdSSR
        eine »deutsche Volksbrücke« herstellen. Tatsächlich ließ der SS- und
        Polizeiführer im Distrikt Lublin, Odilo Globocnik, im November 1941 eine
        Probeaussiedlung vornehmen: Sieben Dörfer im Kreise Zamosc wurden vollständig
        von polnischen Bauern evakuiert und an ihre Stelle »volksdeutsche« Siedler
        gesetzt. Die ausgesiedelten polnischen Bauern wurden an anderer Stelle des
        Distrikts angesiedelt. Weder die Bauern noch die Widerstandsbewegungen
        erkannten Funktion und Tragweite dieser Probeaussiedlung. Himmler und Globocnik
        werteten sie als Erfolg.


        »Ingermanland« und »Gotengau«

        Am 28. Mai 1942 übergab Meyer seinen zweiten »Generalplan Ost. Rechtliche,
        wirtschaftliche und räumliche Grundlagen des Ostaufbaus« an Himmler. Der
        polnische Forscher Czeslaw Madajczyk hat diese Fassung in den Beständen der
        National Archives in Washington gefunden und publiziert. Der Dokumentenfund
        ermöglichte eine Neubewertung der Strategien und Funktionszusammenhänge der SS-
        Planungen. Seither wurde die von Helmut Heiber in die Welt gesetzte Legende
        westdeutscher Historiker, daß es sich beim GPO um wirre Phantasiegebilde
        gehandelt hätte, die weiter zu untersuchen sinnlos sei, destruiert und durch
        gründliche Forschung abgelöst. 1)

        Dieser Plan sah vor, daß die annektierten polnischen Gebiete zu 100
        Prozent »einzudeutschen« seien. Im Anschluß seien in der eroberten Sowjetunion
        drei »Reichsmarken« zu bilden: 1. »Ingermanland« südlich Leningrad, 2. das
        Narewgebiet mit Bialystok und Litauen, und 3. den »Gotengau«, sprich die Krim
        und nördlich der Krim das Gebiet um Cherson. Diese »Marken« sollten im Laufe
        von 25 Jahren zu 50 Prozent »deutsch besiedelt« sein. Ein Netz
        von »Siedlungsstützpunkten« sollte sie miteinander verbinden, die vor allem
        entlang der zu bauenden Magistralen im Abstand 100 Kilometer zu schaffen seien.
        Meyer sah 36 »Siedlungsstützpunkte« vor, davon 14 im »Reichskommissariat
        Ostland« und neun im »Reichskommissariat Ukraine«, jeweils von der Größe dreier
        Kreise. Der erste »Siedlungsstützpunkt« auf dem Wege dorthin aber sollte in
        Zamosc im Distrikt Lublin des Generalgouvernements entstehen.
        Diese »Siedlungsstützpunkte« sollten nach 25 Jahren jeweils zu 25
        Prozent »eingedeutscht« sein.

        In dem zu kolonialisierenden Ostgebiet sollte die einheimische Bevölkerung auf
        ein Zehntel »ausgedünnt« und die Kontrolle des Territoriums durch die SS
        wirtschaftlich und administrativ gesichert werden. Wirtschaftlich wurde das
        landwirtschaftliche Siedlungswesen bevorzugt, einschließlich radikaler Re-
        Agrarisierung etwa des industriell entwickelten Leningrader Gebietes. Das
        Eigentumsrecht sollte sich am Muster eines feudalen staatlichen Bodenmonopols
        orientieren, exekutiert vom Apparat Himmlers. Zugleich sollte die Unterordnung
        unter den Reichsführer SS durch dessen staatliche und Gerichtshoheit über diese
        Siedlungen gewährleistet werden. Dieser »Generalplan Ost« Meyers behandelte den
        Judenmord nicht, er setzte ihn als geschehen voraus.

        Himmler hatte erhebliche Änderungswünsche, erstens wollte er, daß auch das
        gesamte »Generalgouvernement« sowie Estland und Lettland »total eingedeutscht«
        werden müßten, nicht nur als »Siedlungsstützpunkte«. Zweitens wollte er Böhmen
        und Mähren, Elsaß-Lothringen, die Untersteiermark und Oberkrain einbezogen
        wissen. Drittens sollte die Frist der Eindeutschung auf 20 Jahre herabgesetzt
        werden. Mit dem »Gesamtsiedlungsplan« vom 23. Dezember 1942 kam Meyer Himmlers
        Änderungswünschen nach.

        1) Czeslaw Madajczyk (Hg.) Generalny Plan Wschód. Zbiór dokumentów, Warszawa
        1990; Rolf-Dieter Müller: Hitlers Ostkrieg und die deutsche Siedlungspolitik,
        Frankfurt/Main 1991; Mechthild Rössler/Sabine Schleiermacher (Hg.):
        Der »Generalplan Ost« Hauptlinien der nationalsozialistischen Planungs- und
        Vernichtungspolitik, Berlin 1993


        pyrsk !
        Ballest
    • ballest88 Akcja Pomorze 28.06.04, 16:33
      W pierwszych miesiacach II wojny swiatowej i okupacji ziem polskich przez
      Rzesze Niemiecka, w odleglosci okolo 10 km od Wejherowa, po lewej stronie szosy
      do Krokowa, na obszarze 250 ha Puszczy Darzlubskiej, zostala popelniona przez
      hitlerowcow zbrodnia okreslana jako najwieksza na Pomorzu i pierwsza na tak
      duza skale w Europie. Liczbe ofiar szacuje sie od 12 do 14 tysiecy.

      Pierwsze ofiary

      Przyczyn tej zbrodni nalezy szukac w rewizjonistycznej polityce Rzeszy
      Niemieckiej po I wojnie swiatowej oraz w planach Niemieckiej
      Narodowosocjalistycznej Partii Robotniczej Niemiec (NSDAP), ktora doszla do
      wladzy w 1933 roku. Glownym jej celem bylo zdobycie nowej przestrzeni zyciowej
      dla Niemcow we wschodniej Europie, usuniecie Polakow jako przeszkody w tej
      ekspansji oraz zniszczenie ich w taki sposob, by juz nigdy nie mogli wskrzesic
      wlasnego niepodleglego panstwa.

      Te cele spowodowaly, ze Polacy stali sie pierwszymi ofiarami niemieckiej
      polityki podboju Europy. Jeszcze przed agresja na Polske na niemieckich listach
      przygotowanych przez policje i gestapo znalezli sie Polacy najbardziej
      zasluzeni dla odbudowy Rzeczypospolitej Polskiej. Polska inteligencje
      hitlerowcy obarczyli "wina" za polityke polonizacyjna na Pomorzu w okresie
      miedzywojennym i w jej przedstawicielach upatrywali potencjalnych przywodcow
      ruchu oporu, mogacych przeszkodzic w szybkim i calkowitym zniemczeniu Pomorza
      Gdanskiego.

      Zalozenia niemieckiej polityki przyczynily sie do wymordowania na Pomorzu
      Gdanskim w krotkim okresie od jesieni 1939 r. do wiosny 1940 r. kilkudziesieciu
      tysiecy osob. Polscy historycy ostroznie szacowali liczbe ofiar od 36 do 42
      tysiecy osob. Niemiecki badacz Dieter Schenk w najnowszej ksiazce na temat
      Alberta Forstera, namiestnika okregu Gdansk - Prusy Zachodnie i jego ludzi,
      opublikowal dane przechowywane w centrali badan zbrodni hitlerowskich w
      Ludwigsburgu, z ktorych wynika, ze w 432 miejscach na Pomorzu wymordowano w tym
      okresie 52.794-60.750 osob, w tym 25 tysiecy na Kociewiu i 18 tysiecy na
      Kaszubach, w tym w okolicach Wejherowa 14.033 osoby.
      Z dotychczasowych badan wynika, ze Piasnica jest najwiekszym miejscem masowych
      egzekucji w woj. pomorskim i drugim miejscem po KL Stutthof pod wzgledem liczby
      zamordowanych osob w tym regionie w czasie II wojny swiatowej.

      Kim byli?

      Prowadzone w Polsce badania naukowe pozwolily na czesciowa identyfikacje ofiar
      w Piasnicy.
      Ofiary mozna podzielic na kilka grup.

      Do dzisiaj ustalono, ze z Pomorza Gdanskiego pochodzilo ok. 2.000 ofiar
      (Polakow i niewielka liczba rodzin zydowskich polskiego obywatelstwa, ktorych
      mordowano z przyczyn rasowych), aresztowanych najczesciej we wrzesniu i
      pazdzierniku 1939 roku. Na miejsce stracen zwozono ofiary z wiezien z
      Wejherowa, Pucka, Gdanska, Kartuz, Koscierzyny, z obozow dla jencow cywilnych w
      Gdansku - Nowym Porcie i Stutthofie. Dotad zidentyfikowano z imienia i nazwiska
      ok. 500 osob. Wsrod skazanych na smierc byli przedstawiciele wszystkich warstw
      spoleczenstwa polskiego zaangazowani w latach miedzywojennych w dzialalnosc
      polityczna, spoleczna, oswiatowa, kulturalna, religijna, sportowa. Najwieksze
      straty ponioslo duchowienstwo, nauczyciele, czlonkowie administracji panstwowej
      i samorzadowej - glownie z Gdyni, Wejherowa, Pucka - funkcjonariusze Polskiej
      Policji Panstwowej i Strazy Granicznej, lesnicy, lekarze, prawnicy,
      przedsiebiorcy handlowi. Osoby te wyroznialy sie tez aktywnoscia w dzialalnosci
      spolecznej jako czlonkowie organizacji i stowarzyszen, takich jak: Polski
      Zwiazek Zachodni, Zwiazek Obrony Kresow Zachodnich, Kurkowe Bractwo
      Strzeleckie, Towarzystwo Powstancow i Wojakow, Towarzystwo
      Gimnastyczne "Sokol". Ustalono tez, ze w Lasach Piasnickich zginelo najwiecej
      mieszkancow Wejherowa, Gdyni, Gdanska, Pucka, Redy, Rumi, Kartuz i innych
      okolicznych miejscowosci.

      Druga kategorie i zarazem najwieksza wsrod ofiar stanowia rodziny polskie,
      czeskie i niemieckie, uznane za przeciwnikow rezimu hitlerowskiego,
      przywiezione do Piasnicy z glebi Rzeszy Niemieckiej. Straty szacuje sie w tej
      grupie od 10 do 12 tysiecy osob: mezczyzn, kobiet, dzieci i niemowlat. Do
      dzisiaj nie udalo sie odszukac w archiwach niemieckich list imiennych tych
      ofiar. Na tak duza liczbe osob zamordowanych wskazuje liczba i wielkosc
      odkrytych grobow w Piasnicy oraz zeznania polskich kolejarzy, ktorzy w latach
      1939-40 pracowali na stacji kolejowej w Wejherowie. Dzieki ich zeznaniom
      wiadomo, ze byly to glownie polskie rodziny robotnicze, ktore w latach
      miedzywojennych wyjechaly z Polski do Niemiec w celach zarobkowych. We wrzesniu
      i pazdzierniku 1939 r. niemieckie wladze policyjne przeprowadzily akcje
      internowania obywateli polskich i niemieckich narodowosci polskiej oraz Niemcow
      obywatelstwa polskiego uchodzacych za niebezpiecznych dla Rzeszy. Jeden z
      obozow dla wrogich cudzoziemcow zostal rozwiazany w Norymberdze 31 pazdziernika
      1939 r., czyli w momencie, kiedy zaczely nadchodzic transporty z Rzeszy do
      Piasnicy. Placowki gestapo mialy ewakuowac tych ludzi z Rzeszy do konca marca
      1940 roku. W celu zatuszowania zbrodni Hitler domagal sie wymordowania calych
      rodzin. Internowanych przywozono z Saksonii, Meklemburgii, Westfalii, Bawarii i
      innych regionow Niemiec.

      Nastepna kategorie ofiar Piasnicy stanowia psychicznie chorzy. W transportach
      kolejowych przywieziono na miejsce stracen, jak na to wskazuja procesy
      powojenne funkcjonariuszy SS, co najmniej ok. 2.000 osob z zachodniopomorskich
      zakladow leczniczych ze Stralsundu, ökermunde, Treptov i Leborka. Zostaly one
      zamordowane w ramach akcji eutanazji oznaczonej kryptonimem 14 F 13,
      wykluczajacej ze spoleczenstwa niemieckiego psychicznie chorych jako
      nieuzytecznych. Akcje te rozpoczeto w 1939 r. na terenie Rzeszy, ale i tez na
      okupowanych ziemiach polskich, jak na to wskazuje Piasnica i Szpegawsk. Fakt
      ten potwierdzony zostal w czasie procesow o przeprowadzanie eutanazji w
      Niemczech w 1966 i 1967 roku. Nazwiska tych ofiar sa nadal nieznane opinii
      publicznej w Polsce. Wiadomo jedynie, ze sprawcy zbrodni wysylali do
      niemieckich rodzin zawiadomienia o tzw. smierci naturalnej.

      Zacieranie sladow

      W drugiej polowie 1944 r., kiedy najwyzsze wladze Rzeszy Niemieckiej stanely
      wobec koniecznosci ewakuacji z okupowanych terenow, sprawcy zbrodni w Piasnicy
      przystapili do zniszczenia wszelkich sladow w obawie przed ujawnieniem zbrodni
      i odpowiedzialnoscia karna. Do akcji wybrano grupe wiezniow KL Stutthof. Zakuto
      im nogi w kajdany, aby nie uciekli. Zostali zmuszeni do zamieszkania w lesnym
      legowisku i pracy przez okres sierpnia i wrzesnia 1944 r. przy rozkopywaniu
      grobow, wydobywaniu z nich cial i paleniu w lesnych paleniskach. Po wykonaniu
      tego zadania esesmani zamordowali ich i rowniez spalili.

      Po wojnie, w dniach 7-22 pazdziernika 1946 r., specjalna komisja przeprowadzila
      prace ekshumacyjne w Lasach Piasnickich. Sposrod 35 masowych grobow, o ktorych
      mowili swiadkowie, odnaleziono 30 - zbudowano 26 z nich. Tylko w dwoch grobach
      znajdowaly sie zwloki 305 rozstrzelanych, w tym 5 kobiet. W pierwszym grobie
      bylo 191 zwlok, w drugim 114. Czlonkowie rodzin po charakterystycznych cechach
      lub zachowanych rzeczach osobistych zdolali rozpoznac zaledwie 55 osob, w tym
      31 gdynian (zakladnikow i pracownikow polskich urzedow i instytucji).
      W 1962 r., dzieki badaniom prowadzonym przez historyka dr Barbare Bojarska,
      pracownika Instytutu Zachodniego w Poznaniu, doszlo jeszcze do odkrycia w
      Piasnicy dwoch palenisk i mogily wiezniow KL Stutthof.

      Nalezy podkreslic, ze zbrodnia popelniona przez Niemcow w Piasnicy zostala
      zaplanowana i zorganizowana przy wspoludziale kilku formacji (specjalna
      jednostka wyloniona z 36. Pulku SS Wachsturmbann "Eimann", do grudnia dowodzona
      osobiscie przez Kurta Eimanna, Einsatzkommando 16 dowodzone przez szefa
      gdanskiego gestapo R. Trögera, Selbstschutz dow
      • ballest88 Akcja Pomorze c.d. 28.06.04, 16:34
        wypraszajac za posrednictwem bl. s. Alicji potrzebne laski


        pyrsk !
        Ballest

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