szwager_z_laband
09.11.05, 08:00
Diktatoren beim Striptease
JOSEF: Ober! Noch eine Flasche Krimsekt!
ADOLF: Und für mich noch ein braunes Lager!
OBER: Oui, Messieurs …
ADOLF zu Josef : Noch eine ganze Flasche?
JOSEF: Ja. Wenn ich mal mit was anfange, dann bringe ich es auch zu Ende.
ADOLF: Und was ist die Endlösung für heute Abend?
JOSEF: Allen Krimsekt und alles Braunbier vernichtet zu haben!
Der Kellner bringt Krimsekt und Braunbier.
JOSEF: Es lebe der Tod - hicks!
ADOLF: Auf das totale Fest!
Beide trinken.
JOSEF: Dieses Lokal ist aber nicht jugendfrei.
ADOLF erschrickt : Nicht judenfrei?
JOSEF: Nicht jugendfrei!
ADOLF: Warum nicht?
JOSEF: Die Dame, die seit fünf Minuten auf unserem Tisch tanzt, ist seit
mindestens zwei Minuten nackt.
ADOLF: Stimmt, jetzt fällt es mir auch auf.
JOSEF: Aber du starrst ihr doch die ganze Zeit schon auf den Busen!
ADOLF: Oh, ich habe mir nur vorgestellt, wie es wäre, wenn man beide
Halbkugeln der Welt gleichzeitig sehen könnte.
JOSEF: Planst du schon wieder einen Feldzug?
ADOLF: Du meinst, ob ich die Frau erobern will?
JOSEF: Was sonst …
ADOLF: Aber das ist eine Negerin!
JOSEF: Du stehst doch auf braun.
ADOLF: Lass Eva aus dem Spiel.
JOSEF: Magst du auch Blondinen?
ADOLF: Nur wenn sie gebräunt sind.
JOSEF: Du hast einen Allerweltsgeschmack. Jeder steht auf gebräunte
Arierinnen. Du müsstest auf rothaarige Frauen stehen, dann wärst du sozusagen
ein Revolutionär!
ADOLF: Die Menschheit ist nicht durch Revolution entstanden sondern durch
Evolution.
JOSEF: Mir ist egal, wo die Menschheit herkommt, Hauptsache, sie stammt nicht
von Gott ab. Ich bin Sozialist.
ADOLF: So ein Zufall! Ich auch!
JOSEF: Du bist Sozialist?
ADOLF: Ja, Nationalsozialist.
JOSEF: Ich bin Internationalsozialist. Was macht ihr Nationalsozialisten denn
so?
ADOLF: Die zerstrittene Welt einen. Und ihr Internationalsozialisten?
JOSEF: Wir auch.
ADOLF: Wir könnten sie uns teilen.
JOSEF: Die beiden Halbkugeln der Tischtänzerin?
ADOLF: Ja, du kriegst die linke Halbkugel, ich die rechte.
JOSEF: Wir beginnen ganz vorne an den Polen.
ADOLF: Ja, wir beginnen in Polen …
JOSEF: Nein! An den Polen: Südpol, Nordpol …
ADOLF: Es wird ein Winterfeldzug?
JOSEF: Ja, hehehe, und je mehr wir von der Welt erobert haben, desto näher
kommen wir dem Äquator, wo es so heiss ist, dass man keine Kleider mehr trägt
…
ADOLF: Ja, nur noch Uniformen!
JOSEF: Blödmann. Nicht Uniformen, nur noch Blumenkränze.
ADOLF: Ja, Feuerlilien und Eichenlaub.
JOSEF: Oh, schau dir die Schwarze an!
ADOLF: Die Katholikin?
JOSEF: Nein, die Negerin auf dem Tisch. Jetzt geht sie aber in die Offensive.
ADOLF: Die Welt bewegt sich …
JOSEF: Das sind aber zwei dunkle Welthalbkugeln, die da kreisen.
ADOLF: Stell dir einfach vor, auf der ganzen Welt wäre auf einmal Nacht …
JOSEF: Dieses Feuer! Wenn die Tanzt, sehe ich die Welt in Flammen stehen.
ADOLF: Ja, was du siehst, sind die Massenvernichtungswaffen einer Frau …
JOSEF: Gegen die kommt keine Armee an.
ADOLF: Nana, nun übertreib mal nicht.
JOSEF: Dieses Rhythmusgefühl …
ADOLF: Ja, bei den Negern geht alles auf zwei und vier... der Deutsche Marsch
hingegen geht auf eins und drei! Rätätää rätätää rätätää …
JOSEF: Was versteht ihr Deutsche von Rhythmus? Bei euch gibt es doch nur Takt.
ADOLF: Die Deutschen haben immerhin den Bauchtanz erfunden.
JOSEF: Nicht die Türken?
ADOLF: Äh … die waren als privilegierte Partner daran beteiligt.
JOSEF: Sag mal, wenn dir die Welt gehören würde, was würdest du machen?
ADOLF: Einen Spanischkurs.
JOSEF: Einen Spanischkurs? Warum Spanisch?
ADOLF: Ich habe mal von der Spanischen Inquisition gehört, das klang
lehrreich …
JOSEF: … jetzt wirst du aber nostalgisch.
ADOLF: Ich bin romantisch veranlagt. Deshalb fliegen ja auch die Frauen so
auf mich …
JOSEF: … die deutschen Frauen …
ADOLF: … oh, nicht nur! Auch die Österreicherinnen...
JOSEF: Ja, Frauen lieben Männer wie uns: Autorität und Willenskraft
ausströmend, mit dunklem, entschlossenem Blick, und wenn sie uns tief in die
Augen schauen, können sie dort lesen: «Bitte verletze mich nicht …»
ADOLF: Sniff … Josef, du bist ja ein Poet! Du solltest auch ein Buch
schreiben.