betelka
05.11.06, 18:47
Über 1.600 Jahre Gedenken an den heiligen Martin von Tours
Der Heilige Martin von Tours, der das Reich der Franken und die von ihnen
besiedelten Gebiete geprägt hat, war in der lateinischen Kirche der erste,
der den Grad der Heiligkeit nicht durch seinen heldenhaften Tod als Märtyrer,
sondern durch sein heroisches Leben erreichte. Vor mehr als 1.600 Jahren, am
8.11.397, ist der dritte Bischof von Tours gestorben. Martin, personales
Bindeglied zwischen Rom und dem Frankenreich, verkörperte modellhaft für
Jahrhunderte das neue spätantike Priester- und Bischofsideal: Ein asketischer
Mönch, gebildet und tatkräftig zugleich, für den Kult und Kultur der gleichen
Quelle entsprangen, der lebte, was er predigte, der sich vor Christus beugte,
um ihn herrschen zu lassen. Am 11. November 1997 wurde zum
eintausendsechshundertsten Mal seines Todes gedacht. Papst Johannes Paul II.
hat bei seinem Pastoralbesuch in Frankreich am Grab des heiligen Martin von
Tours gebetet.
„Mein Herr, es ist ein harter Kampf, den wir in Deinem Dienste in diesem
Dasein führen. Nun aber habe ich genug gestritten. Wenn Du aber gebietest,
weiterhin für Deine Sache im Felde zu stehen, so soll die nachlassende Kraft
des Alters kein Hindernis sein. Ich werde die Mission, die Du mir
anvertraust, getreu erfüllen. Solange Du befiehlst, werde ich streiten. Und
so willkommen dem Veteranen nach erfüllter Dienstzeit die Entlassung ist, so
bleibt mein Geist doch Sieger über die Jahre, unnachgiebig gegenüber dem
Alter.” Die überlieferten letzten Worte des heiligen Martin klingen wie ein
Rapport. Sie lassen die innere Einstellung eines ehemaligen Soldaten
erkennen: Disziplin und Pflichterfüllung kennzeichnen diesen Mann, der sich
nicht blind einem Gott unterworfen, sondern sich Gottes Sache zu eigen
gemacht hat. Schwärmerisches, unkontrolliertes Gefühl müssen diesem Mann
fremd gewesen sein.
Gesprochen wurden diese Worte im Jahr 397, vor über 1.600 Jahren. Der diese
Worte gesprochen hat, hieß Martinus und war Bischof von Tours, schon zu
Lebzeiten eine Legende. Von Geburt ein Römer, stammte er aus einer Familie
mit militärischer Tradition. Schon sein Name war Programm: „Martinus” leitet
sich ab vom Kriegsgott Mars. Man könnte den Namen übersetzen als „zum
(Kriegsgott) Mars gehörend” oder „Kämpfer, Kriegerischer”. Durch Martin von
Tours wurde dieser martialische Name von den Christen übernommen. Er hatte
einen neuen Sinn erhalten: „Martin” war nicht mehr länger ein disziplinierter
Kämpfer unter dem römischen Kriegsgott, sondern ein Soldat Gottes, einer, der
sich mit Eifer und Disziplin in die Pflicht der Kirche nehmen ließ.
www.martin-von-tours.de/geschichte/index.html