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09.02.09, 14:28
SPIEGEL: Der Vatikan fordert, dass Sie die Leugnung des Holocaust widerrufen,
und droht damit, Sie nicht mehr als Bischof einzusetzen. Wie werden Sie reagieren?
- Holocaust-Leugner Williamson: "Nehmt mich und werft mich ins Meer"
Williamson: Ich habe in meinem ganzen Leben immer die Wahrheit gesucht.
Deshalb bin ich zum Katholizismus konvertiert und Priester geworden. Ich kann
auch jetzt nur etwas erklären, von dem ich überzeugt bin. Weil ich einsehe,
dass es viele ehrliche und kluge Menschen gibt, die anders denken, muss ich
nun die historischen Beweise nochmals einsehen. Ich habe das ja in dem
Interview mit dem schwedischen Fernsehen gesagt: Es geht um historische
Beweise, nicht um Emotionen. Und wenn ich diese Beweise finde, dann werde ich
mich korrigieren. Aber das wird Zeit brauchen.
SPIEGEL: Wie kann ein gebildeter Katholik den Holocaust leugnen?
Williamson: Ich hatte mich mit dem Thema in den achtziger Jahren beschäftigt.
Damals hatte ich verschiedene Schriften gelesen. Im Interview habe ich den
Leuchter-Report zitiert, er schien mir plausibel. Nun sagt man mir, dieser sei
wissenschaftlich widerlegt. Damit werde ich mich jetzt auseinandersetzen.
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SPIEGEL: Sie könnten doch persönlich nach Auschwitz fahren.
Williamson: Nein, nach Auschwitz werde ich nicht fahren. Ich habe mir das Buch
von Jean-Claude Pressac bestellt, auf Englisch heißt das "Auschwitz. Technique
and operation of the gas chambers". Es ist nun zu mir als Ausdruck unterwegs,
ich werde es lesen und studieren.
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SPIEGEL: Die Bruderschaft hat Ihnen ein Ultimatum bis Ende Februar gestellt.
Nehmen Sie auch einen Bruch in Kauf?
Williamson: Im Alten Testament sagt der Prophet Jona zu den Seeleuten, als das
Schiff seinetwegen in schwerer Seenot ist: "Nehmt mich und werft mich ins
Meer, damit das Meer sich beruhigt und euch verschont. Denn ich weiß, dass
dieser gewaltige Sturm durch meine Schuld über euch gekommen ist." Die
Bruderschaft hat eine religiöse Mission, die meinetwegen Schaden nimmt. Ich
prüfe jetzt die historischen Beweise. Wenn diese mich nicht überzeugen, dann
tue ich alles, was in meiner Kraft liegt, um unter keinen Umständen die Kirche
und die Priesterbruderschaft weiter zu beschädigen.
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SPIEGEL: Was bedeutet für Sie die Aufhebung der Exkommunikation durch Papst
Benedikt XVI.?
Williamson: Wir wollen immer nur katholisch sein, nichts anderes. Wir haben ja
keine eigenen Lehren entwickelt, sondern bewahren nur das, was die Kirche
immer gelehrt und praktiziert hat. Und als in den sechziger und siebziger
Jahren alles im Namen dieses Konzils verändert wurde, da war das plötzlich ein
Skandal. So sind wir an den Rand der Kirche gedrängt worden, und nun, wenn das
Scheitern dieser Veränderungen an den leeren Kirchen und dem überalterten
Klerus deutlich wird, rücken wir wieder in die Mitte. Das ist so bei uns
Konservativen: Wir behalten recht, wir müssen nur lange genug warten.
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SPIEGEL: Im Vatikan wurde behauptet, man kenne Sie nicht. Ist dem so?
Williamson: Die meisten Kontakte laufen über Bischof Fellay und den
Generalrat, dem ich nicht angehöre. Aber drei von uns vier Bischöfen waren
2000 bei Kardinal Castrillón Hoyos zu einem privaten Essen. Es war eher ein
Kennenlernen, sicher sprachen wir auch über theologische Fragen und
philosophierten ein wenig. Der Kardinal war sehr freundlich.
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