Gość: Edulik
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23.11.03, 20:21
Die Arbeitslosenquote in der Woiwodschaft „Schlesien“ (Kattowitz) von rund
17 Prozent, wo über fünf Millionen Menschen leben, schneidet - statistisch
gesehen - nicht so schlecht ab im Vergleich zum Rest des Landes (21
Prozent). Aber in den Revieren um Beuthen, Kattowitz und Rybnik sowie um
Sosnowice und Dabrowa Górnicza konzentriert sie sich aber auf einem
verhältnismäßig kleinen Gebiet. Hier gibt es mit den Ausnahmen Kattowitz und
Gleiwitz keine Stadt mit weniger als 15 Prozent Arbeitslose. Es kommt sogar
vor, daß alle Leute, die in einem Wohnblock leben, arbeitslos sind. Dasselbe
gilt für ganze Straßen und Wohnviertel. Die Arbeitslosigkeit unter den
Jugendlichen in den Revierstädten übersteigt nicht selten 50 Prozent und
Alkoholismus und harte Drogen sind längst ein Dauerthema für die Soziologen.
„Das ist eine Bombe, die immer lauter tickt“, warnt der Soziologe
Szczepanski bei jeder Gelegenheit. Von den 30.000 Bergleuten, die sich nach
den letzten Reformen im Bergbau dazu entschlossen hatten, die einmalige
Abfindung von 55.000 zloty anzunehmen und freiwillig aus dem Berufsleben
auszuscheiden, haben fast 8.000 bei den Sozialämtern im Revier Anträge auf
Unterstützung gestellt. Damals wurde behauptet, daß aus dem Bergbau die
besser ausgebildeten und die dynamischsten Bergleute ausscheiden würden. Und
daß die Kumpels eine gesicherte Zukunft haben würden, dank Umschulung und
des Weges in die Selbständigkeit. Aber 80 Prozent der Bergleute, die noch
arbeiten, verfügen höchstens über einen Berufsschulabschluß. 16 Prozent
haben lediglich einen Grundschulabschluß vorzuweisen. „Wenn ich keine Arbeit
mehr im Bergwerk habe, was soll ich dann machen, auf die Müllkippe gehen?
Ich werde doch keinen neuen Beruf erlernen können“, sagt ein Bergmann, der
in einem der vier Bergwerke arbeitet, die geschlossen werden sollen.