szwager_z_laband
28.10.09, 19:35
Der Begriff Intermarium bezeichnete ein Konzept der polnischen
Politik nach 1919, das Polen als natürliches Zentrum der
osteuropäischen Politik zwischen Ostsee und Schwarzem Meer
betrachtete. In seiner extremen Ausprägung bedeutete dies die
Forderung nach einer Rückkehr zu den Grenzen des 17. Jahrhunderts,
als das mit Litauen verbundene Polen phasenweise an beide Meere
grenzte. Radikale Nationalisten wie der Historiker Adolf Bochenski
forderten eine entsprechende Politik, die gegenüber Deutschland
mindestens auf eine Abspaltung und mögliche Annexion Ostpreußens
durch Polen abzielte. Polens Außenminister Beck ließ 1938 erkennen,
neben Ostpreußen auch Schlesien und Pommern als Eroberungsziele im
Auge zu haben. Die polnische Heimatarmee gab während des Krieges
1942 Flugblätter und Briefmarken heraus, auf denen entsprechend der
Intermarium-Pläne die Landkarte eines siegreichen Polen abgebildet
war, das neben umfangreichem Kolonialbesitz (Kamerun, Tansania und
Madagaskar) auch Land bis zu Oder und Neisse besaß, sowie ans
Schwarze Meer reichte.
Heute wird das Intermarium gelegentlich als ein Gegenkonzept zur
deutschen Mitteleuropakonzeption Friedrich Naumanns gedeutet, der
während des Ersten Weltkriegs eine wirtschaftliche Union
Deutschlands mit Ungarn, Rumänien, Jugoslawien und Polen
vorgeschlagen hatte.
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