pistulka2
28.12.05, 00:27
Der Erzbischof von Warschau und Primas von Polen, Jozef Kardinal Glemp, hat
kürzlich erklärt, daß der katholische Sender ‘Radio Maryja’ angeblich die
Kirche spalte.Links: Der Direktor von ‘Radio Maryja’
Rechts: Der Primas von Polen, Kardinal Glemp. Der Direktor des Radios, Pater
Tadeusz Rydzyk (60), solle seinen Ehrgeiz mäßigen und sich der Kirche
unterwerfen, erklärte der Kardinal vor dem Nachrichtendienst der
Bischofskonferenz ‘KAI’.
Pater Rydzyk ist ein Redemptorist. Er lebte von 1986 bis 1991 in
verschiedenen Klöstern in Deutschland. 1991 kehrte er nach Polen zurück und
gründete den Sender ‘Radio Maryja’.
Später eröffnete er auch die ‘Hochschule für Sozial- und Medienkultur’ in
Torun sowie den Fernsehsender ‘Trwam’. Außerdem begann die Tageszeitung ‘Nasz
Dziennik’ – ‘Unsere Tageszeitung’.
Kardinal Glemp beschuldigte den Radiosender von Pater Rydzyk
einer „besonderen Art der Religiosität“ und einer selektiven Auswahl bei den
Lehren der Kirche. Das Radio betrachte sich selber als die einzig wahre
Kirche.
Diese Aussagen sind ein Hinweis darauf, daß die von den polnischen Bischöfen
gewollte Anpassung der heimischen Kirche an die kirchlichen Realitäten
Westeuropas zu den ersten Streitereien und Spaltungen führt, die in der
Kirche Westeuropas seit dem Konzil üblich sind.
Der Kampf des Kardinals gegen den Sender dürfte nicht einfach sein.
Denn ‘Radio Maryja’ besitzt in Polen einen gewaltigen kirchlichen und
politischen Einfluß.
Der Sender kann auf ungefähr 6 Millionen Zuhörer – die „Familie von Radio
Maria“ – zählen. Für dieses riesige Medienimperium arbeiten nicht weniger als
50 Journalisten.
Es gibt keine normalen Angestellten, sondern das Werk wird von Priestern und
Freiwilligen getragen.
In manchen Studios herrscht eine monastische Atmosphäre. Gebete werden
gemeinsam gesprochen. Fluchen ist streng verboten.
Der Sieg des gegenwärtigen polnischen Präsidenten Lech Kaczynski soll nicht
zuletzt auf die Wahlempfehlungen von ‘Radio Maryja’ zurückzuführen sein.
Vertreter der gegenwärtigen Regierungspartei ‘Pis’ – ‘Recht und
Gerechtigkeit’ sind inzwischen häufige Gäste beim Sender.
Die polnische Ausgabe des Wochenmagazins ‘Newsweek’ glaubt, nach dem Sieg der
bürgerlich-katholischen Kräfte bei den letzten Wahlen einen Imagewandel
bei ‘Radio Maryja’ festgestellt zu haben.
In der Vergangenheit wurde der Sender gerne plakativ als „anti-
russisch“, „anti-deutsch“, „anti-jüdisch“, „anti-EU“
oder „fundamentalistisch“ bezeichnet.
Tatsache ist, daß der Sender auch den bisherigen ex-kommunistischen
Machthabern und den antikirchlichen Kräften in Polen ein Dorn im Auge ist.