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Burza w Washingtonie

IP: *.NYCMNY83.covad.net 01.10.03, 19:50
Washingtoner Turbulenzen

Bushs Chefstratege im Zwielicht. Affäre um Ex-US-Botschafter in Irak wird zum
Bumerang für Regierung

Einer der schärfsten Kritiker der Irak-Politik Washingtons ist der früher in
Bagdad akkreditierte US-Botschafter Joseph C. Wilson. Er war im
Regierungsauftrag nach Afrika gereist, um Beweise dafür zu finden, daß die
irakische Regierung in Niger waffenfähiges Uran eingekauft hat. Doch Wilson
deckte auf, daß dieses angebliche Geschäft in Wirklichkeit nie stattgefunden
hat. Präsident George Bush aber hatte am Vorabend des Angriffs auf Irak das
Uran-Geschäft als einen der Gründe für den Krieg angeführt.

Nun steht das Weiße Haus im Verdacht, durch gezielte Anrufe bei Journalisten
in Washington eine CIA-Agentin enttarnt zu haben, um deren Ehemann zu
schaden. Die aufgeflogene Agentin ist mit Joseph Wilson verheiratet und
dieser vermutet, daß man sie »wie Flegel an den Haaren über den Schulhof
schleift«, um ihn damit zu treffen und mundtot zu machen. Joseph Wilson sieht
in Karl Rove, dem Chefstrategen hinter dem Präsidenten, den Verantwortlichen
für die gezielte Indiskretion. Er habe es gewagt, Rove öffentlich zu
kritisieren. Rove oder seine Mitarbeiter hätten ihm das nun durch die
Aufdeckung der Geheimdiensttätigkeit seiner Frau heimgezahlt.

Für die besagten »dirty tricks« ist Karl Rove bekannt. Seine Karriere im
Hause Bush hat schon sehr früh begonnen. Er war bereits 1973 ein enger
Vertrauter der Familie, als er noch Vorsitzender des College Republicans
National Committee war. 1980 war er für die Kampagne von Bush sen. und Ronald
Reagan im Präsidentschaftswahlkampf zuständig und gründetet 1981 seine eigene
Beratungsfirma Karl Rove & Co. Er machte seine Sache gut: Als er seine
Tätigkeit in Texas aufnahm, gab es dort keine Republikaner in hohen
Regierungsämtern. Zwanzig Jahre später gehörten der Gouverneur, der Justiz-
und der Landwirtschaftsminister, einige Mitglieder des Obersten Gerichtshofes
des Bundesstaates sowie einige Senatoren zu seinen systematisch aufgebauten
republikanischen Klienten.

Während seiner Wahlkämpfe für das Gouverneursamt hat Bush junior die meisten
Spendengelder in die Beraterdienste von Rove gesteckt. Rove gilt als
der »Hauptarchitekt« der politischen und organisatorischen Strategie, die
George W. Bush zuerst zweimal zum Gouverneur von Texas und dann zum
Präsidenten machte. Als Bush jun. 1998 seine Wiederwahl zum Gouverneur
gewonnen hatte, bat er seinen »guten Freund und Vertrauten« Rove, seine
Beraterfirma zu verkaufen und seine ganze Kraft daranzusetzen, als sein
Chefberater den kommenden Präsidentschaftswahlkampf zu leiten. Nach dem Sieg
im Herbst 2000 wurde Rove mit der Position eines politischen Beraters im
Weißen Haus belohnt.

Eines der damaligen Opfer der skrupellosen Vorgehensweise von Karl Rove war
der Journalist James H. Hatfield, der 1999 die politische
Biographie »Fortunate Son« (deutsch: »Das Bush-Imperium. Wie George W. Bush
zum Präsidenten gemacht wurde«) über den Präsidentschaftskandidaten der
Republikaner schrieb. Hatfield sagte anläßlich der ersten beiden Auflagen,
die durch die Machenschaften des Teams um Rove blockiert wurden, Rove habe
ihn zunächst sogar ins Vertrauen gezogen, ihn aber dann, als er merkte,
Hatfield werde den nicht ganz sauberen Lebensweg von George W. Bush
schonungslos beschreiben, mit gezielten Falschinformationen versorgt und
fallengelassen. Hatfield hat die Gegnerschaft von Karl Rove nicht überlebt:
Am 18. Juli 2001 wurde er in einem Motel tot aufgefunden.

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Nakarm Pajacyka