Gość: jacek
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10.08.04, 15:22
przemija epoka lotnisk w srodku miasta
FLUGHAFEN BERLIN-TEMPELHOF
Letzte Landung im Oktober
Hier landeten der erste Zeppelin und die Rosinenbomber, die während der
Berlin-Blockade die Hauptstädter mit Lebensmitteln versorgten: auf dem
Flughafen Tempelhof. Gegen vehementen Widerstand wird der erste Airport
Berlins Ende Oktober geschlossen.
DPA
Willkommen den Rosinenbombern: Ab Juni 1948 wurde die Berliner Bevölkerung 15
Monate lang über eine Luftbrücke versorgt
Berlin - Der britische Architekt Norman Foster - Konstrukteur der gläsernen
Reichstagskuppel - nannte Tempelhof einmal die "Mutter aller Flughäfen". Doch
obwohl der mehr als 80 Jahre alte City-Airport ein Stück Berliner Geschichte
verkörpert, soll er nun aus vorwiegend wirtschaftlichen Gründen geschlossen
werden. Die Stadt Berlin will alle finanziellen Kräfte für den Ausbau des
Großflughafens Schönefeld bündeln. Gegen die Schließung Tempelhofs regt sich
massiver Protest. Mehrere Fluggesellschaften und in Tempelhof ansässige
Unternehmen haben dagegen geklagt.
Mit Beginn des Winterflugplans am 31. Oktober soll der Flugverkehr in
Tempelhof eingestellt werden. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit
stellt die Position Berlins so dar: "Ein guter Kaufmann kann es sich nicht
leisten, auf Dauer Verluste zu machen." Seit 1991 hat Tempelhof 139 Millionen
Euro Defizite aufgehäuft. Allein 2003 wurde ein Minus von 15,3 Millionen Euro
eingefahren.
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Auch die Passagierzahlen für Tempelhof gingen kontinuierlich zurück. Nach der
Wiedervereinigung nutzten noch mehr als eine Millionen Passagiere jährlich
den traditionsreichen Flughafen. Heute sind es gerade mal rund 460.000. "Der
Markt hat sich gegen Tempelhof entschieden", sagt der Sprecher der Berliner
Flughäfen, Ralf Kunkel. Ein Produkt, das nicht nachgefragt werde, könne nicht
mit Subventionen künstlich am Leben gehalten werden. Neben den
wirtschaftlichen Gründen sei aber auch entscheidend, den Fluglärm in der
Innenstadt zu begrenzen und den Passagieren bessere Umsteigemöglichkeiten zu
bieten.
Germania und Co. wollen Tempelhof übernehmen
Trotz der Zahlen wollen sich Fluggesellschaften und Unternehmen nicht mit dem
Schließungsbeschluss abfinden. Die seit 1995 bestehende
Interessengemeinschaft City-Airport Tempelhof (ICAT) hat 33.000
Unterschriften für den Erhalt des Flughafens gesammelt, der gerade mal sechs
Kilometer vom Zentrum entfernt und mit der U-Bahn gut erreichbar ist. Die
Hauptstadt verspiele gewachsene Strukturen, Zukunftschancen, Arbeitsplätze
und Renommee, wirft sie den Verantwortlichen vor.
Dass Tempelhof auch profitabel betrieben werden kann, wollen die
Fluggesellschaften Germania, Windrose und Cirrus beweisen. Sie haben einen
Antrag auf Betriebsgenehmigung bei der Senatsverwaltung gestellt. "Wir würden
den Flughafen gerne nahtlos zum 1. November übernehmen", sagt Germania-
Geschäftsführer Wolfgang Vieweg. Bei der Flughafengesellschaft und dem Senat
bemerke er aber "keine große Neigung, dem Vorschlag zu folgen".
Sieben Fluggesellschaften und mehrere am Flughafen ansässige Unternehmen
haben vor dem Oberverwaltungsgericht einen Eilantrag und eine Klage gegen die
Schließung eingereicht, weil es für sie nicht ausreichend Kapazitäten auf den
anderen Berliner Flughäfen Tegel oder Schönefeld gibt, wie der Sprecher des
Airlines Operators Committee (AOC), Bernhard Liscutin, sagt. Luxair und Swiss
Air, die sich ursprünglich der Klage anschließen wollten, sind inzwischen
nach Tegel umgezogen. SN Brussels Airlines erwäge ebenfalls einen Umzug und
würde dann aus der Klägergemeinschaft ausscheren. Auch für die restlichen
Kläger kommt laut Liscutin lediglich ein Transfer nach Tegel in Frage. Und
der komplette Rückzug aus Berlin werde beispielsweise von Intersky nicht
ausgeschlossen.
Tempelhof als Abfertigungsterminal für Schönefeld
Eine Entscheidung über den Eilantrag wird noch im September erwartet. Darüber
hinaus hat die Oberfinanzdirektion gegen die Schließung geklagt, weil das
öffentliche Interesse an der Aufrechterhaltung dreier Flughäfen bis zur
Inbetriebnahme des Großflughafens Schönefeld 2010 in der Entscheidung nicht
ausreichend berücksichtigt worden sei. Auch der Bundesverband der Deutschen
Industrie (BDI) und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK)
kritisieren die Entscheidung.
Weiteres Argument gegen die Schließung von Tempelhof ist der Verlust an
Arbeitsplätzen. Hiergegen wehrt sich Flughafen-Sprecher Kunkel. Zwar würden
kurzfristig Jobs wegfallen, doch werde das mit der Schaffung neuer
Arbeitsplätze in Schönefeld mehr als kompensiert. Als Faustformel gelte, pro
eine Million neuer Passagiere würden 1000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Und
Schönefeld sei der am stärksten expandierende Flughafen in Deutschland.
Als "sehr unrealistisch" bezeichnete eine Senatsverwaltungssprecherin das
Konzept, den Flughafen Tempelhof künftig als Abfertigungsterminal für
Schönefeld zu nutzen. Als Verbindung müsse eine 17 Kilometer lange
unterirdische Bahntrasse gebaut werden, deren Finanzierbarkeit man sich nicht
vorstellen könne.
Von Claudia Kemmer, AP