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26.06.12, 17:55
Nobelpreisträger Stiglitz: Amerikanischer Traum nur noch ein Mythos
Heute um 17:00 Uhr von Christian Hoyer
New York (BoerseGo.de) - Die USA, die einmal den Ruf des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten hatten, kämpfen heute nach Einschätzung des Wirtschaftsnobelpreisträgers Joseph Stiglitz mit zunehmender Ungleichheit und einem politischem System, welches die Reichen auf Kosten der übrigen begünstigt, was zu geringerem Wachstum und der Gefahr des Unterganges des amerikanischem Traumes führt. "Die USA haben hart daran gearbeitet, den amerikanischen Traum der Möglichkeiten zu schaffen. Heute aber ist dieser Traum ein Mythos", so Stiglitz. Er vertritt die Ansicht, dass die Ungleichheit den höchsten Punkt in den letzten knapp 100 Jahren erreicht hat und dass die Kluft zwischen den Beziehern mittlerer Einkommen und den Spitzenverdienern wächst. "Die USA waren es gewohnt, sich für ein Land des Mittelstandes zu halten - dies stimmt aber nicht mehr länger. Heutzutage hängen die Lebenschancen eines Kindes in den USA mehr vom Einkommen der Eltern als in Europa oder irgendeinem anderen Industrieland ab", so Stiglitz.
Seiner Meinung nach tragen insbesondere die Regulierungen, die den Finanzsektor bestimmen, zu den Ungleichheiten bei. Er argumentiert, dass man die Amerikaner zunehmend in den Glauben versetzt hat, dass die größere Ungleichheit bei den Einkommen ein Nebenprodukt des schnelleren Wachstums sei, doch stimme dies nicht. Die US-Wirtschaft sei in den Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg schneller gewachsen, als die Ungleichheiten noch geringer waren. Westliche Länder mit den gesündesten Volkswirtschaften wie diejenigen in Skandinavien weisen nach seiner Beobachtung den höchsten Grad von Gleichheit auf.