hanys_hans
10.09.06, 12:18
[Von Baurat P. Scheitza]
In unmittelbarer Nachbarschaft des Stadtbezirks Gleiwitz lagen seit
Jahrhunderten die Güter der Grafen Welczek, Freiherrn von Dubensko und
Petersdorf. Der Ursprung dieser Familie läßt sich bis ins zwölfte Jahrhundert
zurückverfolgen. Ältester Stammsitz war eine Burg im Dorfe Raschütz, etwa 6 km
nordöstlich von Ratibor, von der noch im Jahre 1860 ansehnliche Bauteile
erhalten und sogar noch bewohnt waren. Heute freilich ist kaum noch etwas von
der Burg zu sehen. Nach Dorf und Burg nannte sich die Familie zuerst „von
Raschütz". Urkundlich wird der erste Raschütz (Egid Rasicha) in der Zeit um
1239 bis 1246 genannt, und zwar zunächst als Schatzmeister, später als
Unterkämmerer des Herzogs Mesko von Op-peln. Im Laufe der Zeit teilte sich die
Familie Raschütz in mehrere Linien, die wohl auch den Namen Raschütz
beibehielten, sich aber schließlich nach den in ihren Besitz gekommenen
Dörfern nannten, wie z. B. ,die Welczek von Dubensko, Kozlowski von Koslow,
die Raschütz von Wydow (Kr. Gleiwitz), die wohl identisch sind mit den
Wieprzowski von Wieprz, denn eine Familie Wieprzik von Schweinoch besaß vor
1685 Wydow und Lohnia. Wieprz ist ein Dorf, das 19 km südöstlich von Auschwitz
(Os-wieczim) liegt. Weiter gehören zur Sippe Raschütz die Borinski von
Rostropitz (= Rostropitz bei Skotschau zwischen Bielitz und Teschen) sowie die
Osinsky von Zietna und andere. Wenn nun auch die Namen sich geändert hatten,
so führten doch alle diese Familien dasselbe Wappen, nämlich zwei silberne
Türme in rotem Feld. Dieses Wappen nannten die älteren polnischen Historiker
„Reszyca", erst nach 1600 ging man zu der Bezeichnung „Wieze" (= Türme) über.
Der Familiensage nach soll das Wappen ursprünglich nur einen Turm enthalten
haben. Den zweiten Turm erhielt ein Raschütz ins Wappen als Belohnung dafür,
daß er um das Jahr 1100 die Burg Cosel tapfer und erfolgreich gegen die Mähren
oder Böhmen verteidigt hatte. Die hervorragendste Familie vom Stamme Raschütz
ist wohl die der Welczek von Dubensko, die im Laufe der Jahrhunderte
zahlreiche bedeutende Staatsmänner und Diplomaten hervorgebracht hat. Doch
auch der bekannte schlesische Dichter Angelus Silesius (Johannes Scheffler,
geb. 1624) hatte in seinen Adern Welczeksches Blut.
Wie kömmt es nun, daß die Familie Raschütz von Dubensko den Namen „Welczek von
Dubensko" annahm? Der Genealoge Pilnacek, Wien, glaubte, daß der Name
„Welczek" vielleicht durch Heirat eines Raschütz von Dubensko mit einer Frau
aus der Adelsfamilie Wilczek übernommen worden sei. Diese Familie Wilczek
führt aber ein ganz anderes Wappen als die Welczeks, nämlich einen
aufspringenden silbernen Ziegenbock in rotem Schilde. Es stimmen also nur die
Wappenfarben -Rot-Silber. Die Wilczeks hatten den Beinamen von Gutenland. Auch
sie spielten in der ältesten Geschichte der Stadt und Burg Cosel eine große
Rolle. Wohnsitz der Grafen Wilczek ist heute die Burg Kreuzenstein bei Wien.
Dubensko war schon im 13. Jahrhundert Stammsitz der Familie Welczek. Das Dorf
liegt etwa 15 km südlich von Gleiwitz. Unweit davon befindet sich das Dorf
Ör-nontowitz, das im Jahre 1587 einem Christoph von Welczek gehörte.
Christophs Sohn Johann war einer der bedeutendsten Männer aus der Familie
Welczek. Geboren 1593, studierte er schon im Jahre 1607 in Olmütz und stand
später als Edelknabe in Diensten ,des Erzherzogs (späteren Kaisers) Mathias.
1631 erwarb er das Stammgut Dubensko, 1638 das Dorf Niepaschütz bei Laband
(Kreis Gleiwitz), 1649 Petersdorf und Ellgut bei Gleiwitz, 1651 eine Mühle in
Petersdorf und von Frau Katharina Strzela, geb. von Holy, am 4. 4. 1667 das
Dorf Pschyschowka (Waldenau bei Laband). Im Jahre 1638 wurde er mit der
Kanzlerschaft für das Herzogtum Oppeln-Ratibor beauftragt, und verwaltete
dieses Amt 31 Jahre hindurch bis zum Jahre 1669. Im Jähre 1645 hatte der
Kaiser Ferdinand II,, der dauernd in Geldverlegenheit war, die Fürstentümer
Oppeln-Ratibor an den König Wladislaw IV. von Polen verpfändet und dessen
Nachfolger, König Johann Casimir hatte das Pfandrecht seinem Bruder, Karl
Ferdinand, Bischof von Breslau und Plock, im Jahre 1648 überlassen.