hanys_hans
04.12.06, 20:05
Bayern und Schlesien von Dr. Josef Jokiel
Man könnte bis in die Ur- und Frühgeschichte zurückgehen, wenn man die
Beziehungen zwischen Schlesien und Bayern (über die europäische Drehscheibe
Böhmen und Mähren hinweg) verfolgen wollte. Hier hinterlassen schon die
Illyrer ihre Spuren (Urnengräber, Schmuck und Waffen, Hallstattkultur) und die
Kelten die noch bis heute beibehaltenen Namen der Berge und Flüsse - wie die
„Iser“ im schlesischen Gebirge, die „Isar“ in den bayerischen Alpen und die
„Isere“ in den französischen Alpen. Dann kamen die Germanen, die jedoch im
Zuge der Völkerwanderung wieder abzogen: die Wandalen und Hasdingen aus
Schlesien zum Teil nach Böhmen, von wo aus sie mit den Markomannen nach Bayern
gelangten, mitunter nach blutigen Zusammenstößen mit den Franken über
Südfrankreich und Spanien ( noch heute Andalusien von Vandalusien) nach
Nordafrika, wo sie Karthago eroberten und das Wandalenreich unter Geiserich
gründeten. In die leer gewordenen Siedlungsräume sickerten dann die Slawen
ein. Schlesien gehörte bis 990 zu Böhmen, und da Böhmen sich die ersten
Missionare aus Bayern (Regensburg 814) holte, kam das Christentum nach
Schlesien auf diesem Wege auch aus Bayern. Nachdem Polen seine Machtträume
(Boleslaus Chrobry) bis an die Elbe und den Bayerischen Wald ausdehnte, kam es
zu drei Kriegen mit Kaiser Heinrich II. (Sohn des Bayernherzoges Heinrich
des Zänkers), der eigens für die Ostmission das Bistum Bamberg gegründet hatte
und die Polen wieder zurückdrängte. Von Bamberg aus zog dann der große
bayerische Missionar und spätere Bischof Otto der Heilige über Schlesien
(Wartha; Zobten) und Gnesen nach Stettin und wurde Missionar der Pommern. Mit
Polen kam es zu neuen schweren Auseinandersetzungen, als die schlesischen
Piasten, die inzwischen mit regierenden Häusern in Deutschland verwandt und
verschwägert waren, von ihren polnischen Verwandten vertrieben wurden. Kaiser
Friedrich Barbarossa rief von Freising aus (wo er einen Dom errichtet hatte)
zu einem Feldzug gegen Polen auf und führte die schlesischen Piasten 1163
wieder in ihr Land zurück. Diese hatten in ihrer 17jährigen Emigration engere
Beziehungen zu Bayern (auch zu Bamberg) geknüpft. Herzog Boleslaus von Breslau
holte sich seine Frau aus Bayern (Adelheid von Sulzbach) und da er sich
in den Heereszügen Friedrich Barbarossas nach Italien mit dem Herzog Berthold
von Andechs, einem der Mächtigsten in Bayern, befreundet hatte, erbat er
dessen Tochter Hedwig zur Gattin seines Sohnes Heinrich. Und so wurde die Hl.
Hedwig Herzogin von Schlesien. Dies war ein Wendepunkt in der
Schicksalsgemeinschaft Schlesien - Bayern. Mit Heinrich und Hedwig beginnt die
große deutsche Siedlungsbewegung Schlesiens, in deren Verlauf 60 deutsche
Städte und 1200 deutsche Dörfer gegründet wurden. Ziemlich am Anfang gab es
eine schwere Unterbrechung und Störung durch den Tatareneinfall von 1241, bei
dem Zehntausende von deutschen und polnischen Rittern, Mönchen, Bauern und
Bürgern das Leben für die Rettung des Abendlandes ließen. Zu den Mitstreitern
des Heerführers Heinrich II., des Sohnes der Hl. Hedwig, des „Helden von
Wahlstatt“, gehörte der Hochmeister des Deutschen Ritterordens
Poppo von Osterna aus Osternohe bei Nürnberg. Ein anderer fränkischer
Hochmeister, Konrad von Feuchtwangen, der auf der Rückkehr aus dem Hl. Land
gestorben war, wünschte zum Zeichen der Schicksalsverbundenheit neben Herzog
Heinrich im Kloster Trebnitz beigesetzt zu werden. Es war eine Gründung
Hedwigs, die die Nonnen dafür aus Bamberg und Kitzingen hatte kommen lassen.
Beim Bau der Kirche hatte sie ihr Bruder Eckbert, Bischof von Bamberg, durch
Rat und Bauleute tatkräftig unterstützt. Zur gleichen Zeit ließ dieser den
Bamberger Dom erbauen. Als sein Nachfolger, Bischof Popp, ebenfalls ein
Andechser, 1242 den Schlußstein setzen ließ, ließ er dafür den „Bamberger
Reiter“ schaffen, man nimmt an als Ehrenmal für Hedwigs Sohn, den „Helden von
Wahlstatt“. Sie hielt ja enge Verbindung zur bayerischen Heimat. Und als
Herzogin Ludmilla zu Ehren des auf der Donaubrücke ermordeten Herzogs Ludwig
des Kelheimers in Landshut das Zisterzienserinnenkloster Seligenthal gründen
wollte, schickte ihr Hedwig dafür die Nonnen aus Trebnitz. Diese Kontakte mit
Bayern führten dazu, daß Hedwigs Enkel Wladislaus Kanonikus in Bamberg, dann
Bischof von Passau und Erzbischof von Salzburg und damit Metropolit von Bayern
wurde.