Dodaj do ulubionych

1848 - ein Notjahr in Oberschlesien

09.03.08, 14:47
1848 - ein Notjahr in Oberschlesien

Außer dem Mongolensturm (1241 Schlacht bei Liegnitz), den Hussitenstürmen 1428
und 1430, den Feldzügen der Dänen 1626/27 und der Schweden 1642 und dem
neuerlichen Ansturm aus dem Osten 1945 hat unsere oberschlesische Heimat 1848
Schreckliches erdulden müssen. Die Jahre 1847 und vor allem 1848 waren
furchtbare Hungerjahre. Während des Sommers 1847 regnete es ununterbrochen.
Das Korn auf den Feldern wurde schwarz, die Kartoffeln in der Erde faulten zu
einem stinkenden Brei. Die Folge war eine Hungersnot ohnegleichen. Gras,
Blätter, Quecken und Moos wurden gekocht gegessen. Noch größer wurde die Not
in dem folgenden strengen Winter 1847/48. Selbst für viel Geld war kein Brot
zu haben. Zu Hunderten starben die Menschen, hinzu kam im Gefolge dieses
Hungers und der unaufhörlichen Regengüsse der Typhus. Wie groß damals das
Elend war, geht aus einem Brief des Erzpriesters Aloys Hansel von der Pfarrei
Allerheiligen in Gleiwitz, Kriegsfreiwilliger von 1813 und Inhaber des
Eisernen Kreuzes, hervor. Gleiwitz, den 16. Februar 1848
Ich habe die von edlen Menschenfreunden für das bedrängte Oberschlesien mir
überschickte Summe von 200 Reichstalern in Parzellen (= Teilen) den
verschiedenen Ortsgeistlichen im Gleiwitzer Kreise, wo der Typhus herrscht,
zur Verteilung an die Bedürftigsten eingehändigt. Von allen Seiten empfange
ich den innigsten Dank von den Herren Amtsbrüdern, die sich mit unablässigem
Eifer dem Geschäft unterziehen, den Kranken, Nackten und Hungernden in ihrer
Gemeinde die erwünschte Gabe unmittelbar zu überreichen, und die dadurch
wieder neuen Mut fassen, wenn es ihnen möglich gemacht wird, zugleich, mit
geistlicher und leiblicher Hilfe der schrecklichen Not entgegen zu wirken. Wie
gern möchte das tiefbekümmerte Herz des Menschenfreundes darin Trost suchen,
daß das Elend seinen Gipfelpunkt erreicht habe, aber leider lauten die
Berichte der Augenzeugen in dieser Hinsicht weniger als beruhigend. Hier
greift die Krankheit immer mehr um sich und mit ihr die Not. Doch ist es nicht
meine Absicht, hier die Trauerbilder, wie sie uns in den Zeitungen dargestellt
werden, nachzuzeichnen und zu erweitern: ich will nur bemerken, daß jene
Bilder weder unwahr noch zu grell gezeichnet sind. Das Grausige der
Wirklichkeit vermag keine Feder zu beschreiben. Groß sind die Verwüstungen,
welche Mangel und Hunger anrichten. Man behauptet sogar, daß der hier
grassierende Typhus noch nicht von der bösesten Art sei; aber Mangel, Not und
Hunger arbeiten gemeinschaftlich für den Tod. Einen Beweis, wie verlassen die
Landbewohner oft sind, liefert folgende Tatsache: Vor kurzem erkrankte zu
Ostroppa (Stroppendorf, Kr. Gleiwitz) die Witwe Eva Markiefka zugleich mit
ihren Kindern. Niemand wußte etwas davon, und es hungerten unterdessen in
ihrem Stalle 2 Pferde und 2 Kühe. Es ist wohl schrecklich, wenn man es erleben
muß, daß Menschen im eigentlichen Sinne des Wortes des Hungers sterben. Man
beachte nur die bedeutende Anzahl von Leichen, die auf Straßen, in Wäldern und
Feldern aufgefunden werden, die unverkennbar der Klasse derjenigen angehören,
welche der Not und dem Hunger noch fortwährend erliegen. Ein Teil der
unglücklichen Landbewohner, der noch gesund ist, kann aus Mangel der nötigen
Bekleidung weder Arbeit im Freien noch in Ortschaften aufsuchen; ein anderer,
der den Typhus überstanden hat, wird, da es ihm an Mitteln zur Erholung fehlt,
noch lange arbeitsunfähig bleiben. Nur sehr energische Maßregeln seitens der

hohen Regierung können dem allgemeinen Notstand Abhilfe verschaffen. Derselbe
rührt auch nicht von heute und gestern her, er hat schon lange über den
Häuptern geschwebt; nur haben wir in unserer menschlichen Kurzsichtigkeit die
bedenklichen Anzeichen nicht erkennen mögen und nicht geahnt, daß das Übel zu
dieser kaum zu bewältigenden Größe anwachsen werde. Dabei muß rühmlich
anerkannt werden, daß schon in dem vergangenen Jahre mehrer Dominien große
Opfer für die Ernährung und Erhaltung ihrer verarmten Landleute gebracht u.
alle nur mögliche Hilfe gewährt haben. Ich will nur das in meiner Nähe
gelegene Dominium Plawniowitz (Flössingen, Kr. GL, erwähnen, wo der Graf v.
Ballestrem von jeher für die Armen in seiner Gemeinde wahrhaft väterlich
sorgt. Aber auch verhärtete Herzen kann man finden, die von dem Elend und dem
Notstand nichts wissen wollen. Eine Bemerkung drängt sich dem Beobachter der
Menschen unwillkürlich auf: wie doch der Charakter der oft verkannten
Oberschlesier in seinem innersten Kern ein so religiöser und höchst
achtungswürdiger ist. Bei dem grenzenlosen Notstande findet man keine Spur von
Unordnung, Widersetzlichkeit, Meuterei usw. Mit ruhiger Gottergebenheit
empfangen die dem äußersten Elend Preisgegebenen die letzten Tröstungen der
Religion, und überall erfüllen sie in unverbrüchlicher Treue und Abhängigkeit
ihre Untertanenpflicht. Indem ich abermals für die empfangenen reichlichen
Geldspenden im Namen der armen Oberschlesier des Gleiwitzer Kreises den edlen
Wohltätern Dank abstatte, hege ich nur noch den Wunsch, daß dieselben durch
den von hier aus immer von neuem ertönenden Hilferuf sich nicht möchten
ermüden lassen. Es ist der Hilferuf unglücklicher Menschen, die Stimme eines
noch schwachen Lebens, aber immer noch vorzuziehen der Stille des Grabes,
welche in manchen Ortschaften unfehlbar in kurzem eintreten wird, wenn nicht
die vereinigte Kraftanstrengung christlicher Brüder und vor allem der
allmächtige Gott dem Elende Ziel und Grenze steckt.

Erzpriester Hansel

Mögen obige Zeilen nicht manchen von uns mahnen, unsere Landsleute in der
Heimat nicht zu vergessen? v. Z.
Obserwuj wątek

Popularne wątki

Nie pamiętasz hasła

lub ?

 

Nie masz jeszcze konta? Zarejestruj się

Nakarm Pajacyka