siegbrecht1
31.10.05, 15:33
Am 13. Juli 1747 wurde in Berlin der Grundstein der Hedwigskathedrale gelegt
und 1773 wurde diese Kirche der Heiligen Hedwig geweiht. Indem man die
schlesische Landespatronin zur Patronin der neuen katholischen Kirche in
Berlin bestimmte, sollte ein Zeichen der Versöhnung zu Polen gesetzt werden.
Noch heute gilt die Heilige Hedwig als Wegbereiterin des Friedens zwischen
dem deutschen und dem polnischen Volk. Denn die 1174 in Andechs (Bayern)
geborene Deutsche wurde bereits mit 12 Jahren mit Herzog Heinrich I. von
Schlesien vermählt und heiratete somit ins Ausland. Ihr ganzes Leben war
geprägt von Werken der Nächstenliebe und Frömmigkeit. Sie lebte sehr
bescheiden und stellte stets ihre eigenen Bedürfnisse unter das Wohl der
Armen und Kranken, die sie selbst pflegte und versorgte. Sie führte eine
glückliche Ehe mit ihrem Mann, dem sie insgesamt sieben Kinder gebar. Nach
der Geburt des siebenten Kindes lebten die Eheleute auf Hedwigs Bitte hin bis
zum Tode Heinrichs (1238) in Enthaltsamkeit. Man vermutet, dass Hedwig dieses
Enthaltsamkeitsgelübde als Zeugnis Ihres Glaubens ablegte. Sie war
unerschütterlich und absolut in ihrer Lebensform und Hingabe zu Gott und
Christus. Sie setzte Zeichen, indem sie radikale Formen der Askese lebte und
zu jeder Zeit barfuß ging, um ihre Demut zu bekunden.
Neben ihrer großen Güte und Wohltätigkeit unterstützte sie ihren Mann bei der
Kultivierung Schlesiens und ebnete den Weg für die Vertreter zahlreicher
Orden, damit sie sich in Schlesien niederlassen konnten. Hedwig widmete ihr
ganzes Leben dem Wohl ihres Volkes und der Vertiefung des christlichen
Glaubens in der Bevölkerung. Trotzdem sie in wirren, kriegerischen Zeiten
lebte und viele Schicksalsschläge sie ereilten (sechs ihrer Kinder und ihr
Mann starben vor ihr, ihr Heimatschloss Andechs wurde völlig zerstört und
ihre Schwester Gertrud fiel einem Mordanschlag zum Opfer), verlor sie nie
ihren festen Glauben und ihre unendliche Nächstenliebe. Sie schränkte sich
selbst auf das Notwendigste ein, um Christus in seinem Leid nachfolgen zu
können. Die Legende sagt, dass sie während eines Gebetes sah, wie Christus
eine Hand vom Kreuz löste, um sie zu segnen und mit ihr sprach.
Nach dem Tode ihres ältesten Sohnes Heinrich, der 1241 in einer Schlacht
gegen die Mongolen starb, zog sie sich in das von ihr selbst gestiftete
berühmte Zisterzienserinnenkloster Trebnitz im Norden von Breslau zurück, wo
sie am 15. Oktober 1243 starb. Schon am 26. März 1267 sprach Papst Clemens
IV. sie heilig.
Berlin, Schlesien, Polen, Krakau und Trebnitz verehren Hedwig als ihre
Patronin. Vertriebene aus Schlesien versammeln sich seit dem Ende des Zweiten
Weltkriegs immer wieder in der Klosterkirche zu Andechs, um ihrer
Schutzheiligen und Trösterin zu gedenken. Sie ist auch Schutzheilige der
Brautleute, weil sie Mädchen in den Ehestand half und ihnen oft großzügig
eine entsprechende Aussteuer schenkte.
Dargestellt wird die Heilige Hedwig von Schlesien als Herzogin, seltener auch
als Zisterziensernonne. Meist hält sie ein Kirchenmodell in der Hand,
manchmal betet sie vor einem Kruzifix oder spendet Almosen. Häufig hat sie
eine Marienstatuette oder ein Marienbild bei sich und oft wird sie barfuß,
ihre Schuhe in der Hand tragend, abgebildet.
Am 16. Oktober feiern wir das Fest der Heiligen Hedwig, die noch heute
gläubigen Menschen sehr viel bedeutet.