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Martin Urban

19.02.04, 22:05
Matthäus-Evangelium, Kap. 9
9,37 Die Ernte zwar ist groß, der Arbeiter aber sind wenige;
9,38 bittet nun den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter aussende in seine Ernte.

Eine große Industriestadt in Deutschland im Jahr 1902: Kattowitz. Zentral
gelegen in unmittelbarer Grenznähe zu Russland, Galizien, Mähren und Ungarn.
Die Massen werden auf der Suche nach Arbeit und Leben angezogen. Dreckig,
verrufen und verarmt liegt die Stadt unter rauchenden Schornsteinen. Die
Schattenseiten einer Industriegesellschaft sind sowohl Bewohnern als auch
Besuchern Tag und Nacht offenbar. Kaum einer will in diesen Tagen freiwillig
hier wohnen. Dennoch geht ein 26-jähriger junger Mann nach Kattowitz. Sein
Name: Martin Urban.

Erwartungen an Jesus
Martin Urban will kein normales Leben führen. Als er 18-jährig fern seiner
Heimat Jesus Christus persönlich in sein Leben lässt, wächst in ihm der
Wunsch, Jesus Christus vorbehaltlos in der Mission zu dienen. Zunächst will
er nach China. „Zu jung und unerfahren“, ist die Antwort der
Missionsgesellschaft. Aus China wird Ostdeutschland. Als er 1902 von Hamburg
nach Kattowitz kommt, hat er große Erwartungen an Jesus Christus. Er ist
überzeugt: Was auf den Missionsfeldern in der weiten Welt geschieht, das kann
auch in den gottlosesten Zentren seines Heimatlandes erlebt werden.

1903 gehört er als 27-Jähriger zu den Gründern der Mission für Süd-Ost-
Europa. Bis 1938 steht er in der Leitung eines Missionswerkes, das seit
seinem Beginn mit der Kraft Gottes rechnet. Einfache, schwache Menschen, die
auch versagen, kann und will Jesus Christus gebrauchen, damit das Evangelium
bis an die Enden der Welt getragen wird. Was sie brauchen? Herzliche Liebe zu
Jesus und opferbereite Liebe zu den Verlorenen.

Hinaus zu den Menschen
In einer kleinen Privatwohnung in Kattowitz sitzen einige Christen zusammen.
Sie lesen Gottes Wort und sie beten. Der Missionsbefehl treibt sie durch die
Treppenhäuser der anonymen Mietskasernen hin zu den Menschen. Innerhalb
kurzer Zeit verteilen sie systematisch unzählige Traktate in dieser gottlosen
Stadt. Gottes Wort säen, das hat Verheißung.

Daran halten wir bis heute fest. Drei Millionen verteilte Traktate im Jahr
und viele Bibelkurse, persönliche Besuche und tage- oder wochenlange Reisen.
Zu Fuß durch einsame Dörfer, mit dem PKW über gefährliche Straßen, mit dem
Zug durch endlose Weiten. Missionsarbeit ist immer aufwändig. Wie viel Zeit,
Geld und Kraft kostet Lebensrettung! Es wird immer mehr gesät als aufgeht.
Aber dieser Einsatz von vielen motivierten Christen hat Wirkung. Das ist bis
in die Gegenwart so.

Erweckung
Wann wird die Saat aufgehen? In großer Erwartung mieten Martin Urban und
andere motivierte Christen die größten säkularen Säle der Stadt. In Hotel-
Säle, in denen sonst rauschende Feste stattfinden, stellen sich junge
Nachfolger Jesu hin und reden ganz einfach von Jesus Christus. Die Menschen
strömen herbei. Wie durch einen Magneten werden sündige Menschen von Jesus
Christus angezogen. Ohne christliches oder unchristliches Beiwerk wird das
Wort Gottes weitergegeben. Das Wunder geschieht. Menschen bekehren sich.
Immer neue Veranstaltungen werden durchgeführt. Jesus wird zum Stadtgespräch.
Kein Zweifel: Hier schenkt Jesus Christus Erweckung. Ohne Schulungen im
heutigen Sinne sind sie mit Jesus bei den Menschen. Mission macht
erfinderisch und ist kreativ. Jeden Sonntag gibt es in öffentlichen Räumen
diese missionarischen Gottesdienste. In der Woche bieten sie Versammlungen
für die Neubekehrten an. Es gibt organisierte Zielgruppenarbeit: An den
Alkohol gebundene Menschen treffen sich in der Woche, genauso wie Leute aus
dem Rotlichtmilieu. Gebundene Menschen erleben durch Jesus Christus
Befreiung. „Wen der Sohn frei macht, der ist wirklich frei.“

Was bereits am Anfang die Arbeit prägte, das dürfen wir bis heute erleben –
auf den Plätzen wo Sinti und Roma heute noch am Rand der Gesellschaft leben,
unter Asylanten in den engen Flüchtlingsunterkünften, unter ausländischen
Drogenabhängigen in den Gefängnissen.

Missionsgemeinde
Und sie behält das Evangelium nicht für sich. Die neu entstandene
Gemeinde: „Evangelische Gemeinschaft Kattowitz“ wird von Anfang an Träger des
1903 entstehenden Missionsbundes für Süd-Ost-Europa und ein Jahr später des
Missionsseminars Kattowitz. Als die immer größer werdende Gemeinde ein Haus
baut, hat die Mission dort ihren festen Platz. Nicht nur ein Abstellzimmer.
Nicht nur eine Pinnwand. Nein, da wird ein neu gebautes Haus bereits nach
einem Jahr renoviert, weil für die Missionsarbeit zu wenig Platz ist. Die
Empore wird für Schulungsräume genutzt. Auf drei Stockwerken breitet sich die
wachsende Mission aus. Hier werden junge Männer und Frauen ausgebildet für
den Dienst auf dem Missionsfeld. Der Segen fließt auf solche
Missionsgemeinden zurück – auch heute. Wer an der Mission spart, spart sich
tot – geistlich tot.

Vor der eigenen Haustür
In Kattowitz beginnt die Mission buchstäblich vor der eigenen Haustür.
Tausende von unerreichten Menschen vieler Nationen leben dort. Die Not in
ihren Heimatländern treibt sie in die Industriestädte. 100 Jahre später –
2003 – leben allein in Deutschland 7,5 Millionen ausländische Mitbürger. Sie
kommen aus jedem Land der Erde. Wir sind vor Gott für sie verantwortlich. Wir
haben etwas, das sie retten kann: das Wort Gottes, die Bibel.

Von Anfang an hat sich die Mission um die Verbreitung der Bibel in jeder
zugänglichen Sprache bemüht. Die ruthenische Bibel war eine der ersten, die
die Mission für Süd-Ost-Europa fertiggestellt und herausgegeben hat. Ein Volk
mit mehr als 20 Millionen Menschen im Südosten Europas, also in unmittelbarer
Nachbarschaft, hatte bis 1903 noch keine Bibel in seiner Sprache! Bibeln und
Bibelteile in mehr als 100 Sprachen geben wir heute weiter.

Jeder ein Missionar
Zurück zu den Anfängen der Mission. Jungen Christen wird die wichtigste
Lektion im Christsein gelehrt. Martin Urban schreibt: „Unsere Gemeinschaft
lernt immer mehr, dass jeder Christ ein Missionar werden muss und jede
Gemeinde eine Missionsgemeinde!“ Natürlich provoziert er mit seinen Worten
verbürgerlichte Christen, die den Namen tragen aber keine Kraft Gottes mehr
erleben. „Lass einmal die Millionen verzweifelter Menschen vor deinem Geiste
vorüberziehen. Willst du dich auch kühl zurückziehen und nur an deine
Interessen denken, zufrieden, dass du im geistlichen Le-ben Überfluss hast,
unbekümmert um die Darbenden? Die Zeichen unserer Zeit sind ein mächtiger
Appell an die Gewissen der Kinder Gottes.“

„Wir freuen uns, dass das Gemeinschaftshaus nun auch Missionshaus geworden
ist!“ Wer das sagen kann, der kann Wunder Jesu erleben. Auch im 21.
Jahrhundert. Junge und ältere Christen lassen sich mit hineinnehmen in die
weltweite Missionsarbeit. Was können wir tun? Damals schrieb Martin
Urban: „Du brauchst nichts von deinem Eignen zu geben. Es würde ebenso wenig
ausreichen, wie ein Mensch mit sieben Broten 5000 sättigen kann. Aber gib
dich selbst hin in den Dienst Jesu und er wird dich gebrauchen und wird
Wunder tun, wo solche bisher noch nicht geschehen sind. Ein einziger Knecht
Gottes, bereit zum Dienst, erfüllt mit der Kraft des Heiligen Geistes und mit
brennender Liebe zu den Verlorenen, ist mehr wert als 100 bloße Spender und
2000 Leser unserer Mitteilungen.“

Seit Jesus Christus den Missionsbefehl an seine Nachfolger gegeben hat, steht
eines fest: Mission ist immer aktuell. Und es steht uns für diese
lebensrettende Arbeit nie eine andere Zeit zur Verfügung als die
gegenwärtige. Das wäre unser bester Gottesdienst: Dass wir uns selbst Tag für
Tag an Jesus Christus verschenken!


Der Verfasser ist Missionsleiter der Mission für Süd-Ost-E
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Nakarm Pajacyka