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22.09.09, 14:08
Hitlers Partner
Amerika, die Bushs und der Holocaust



"Sie haben Millionen daran verdient", sagt die Journalistin Eva
Schweitzer. "Sie haben an den ganzen Geschäften mit der
Schwerindustrie verdient und hinterher noch Entschädigungen
kassiert. Ein Gutteil ihres Vermögens stammt aus Geschäften mit dem
Dritten Reich. Daran gibt es überhaupt keine Zweifel." Was die in
New York lebende Journalistin in ihrem neuesten Buch "Amerika und
der Holocaust" belegt, waren bisher Gerüchte: Wo Geschäfte und
Dollars winken, ist die amerikanische Wirtschaft dabei.



Stahl für Auschwitz

Prescott Bush, der Großvater des heutigen Präsidenten, war Teilhaber
der Bank Brown Brothers & Harriman in New York. Die Bank besaß
Fabriken in Schlesien, die später Stahl bei Auschwitz produzierten.
Die Züge, die nach Auschwitz rollten, wurden mit Brennstoff
angetrieben, der aus von Bush mitfinanzierten Kohleminen stammte.
Diese Dokumente belegen: Bushs Firma Brown Brothers Harriman hatte
noch weitere gewichtige Geschäftspartner in Nazi-Deutschland.

"Prescott Bush war einer von wenigen Teilhabern, einer der sehr
wichtigen Leute bei der Bank", sagt Schweitzer. "Die Bank hatte
beispielsweise Thyssen als Partner, Flick, Schlesische Kohlemiene,
Stahlwerke, also alle Industrieproduktionen, die wichtig für den
Krieg und für die Aufrüstung waren."



Alles dokumentiert

Aber nicht nur die Bank von Prescott Bush, auch viele US-Konzerne
haben an der Aufrüstung des Dritten Reiches verdient. Die
Kampfbomber der Wehrmacht baute der US-Gigant General Motors. Über
die Bombardierung Londons 1983 schreibt Schweitzer: In letzter
Sekunde lieferten amerikanische Firmen in einem Geheimdeal 500
Millionen Liter Flugbenzin an die deutsche Wehrmacht. Außerdem
lieferte General Motors mit Hilfe seiner deutschen Tochter Opel der
Wehrmacht Lkws.

1942 werden im Konzentrationslager Auschwitz Juden mit Lochkarten
registriert, die der heutige Computerriese IBM über seine deutsche
Tochterfirma Dehomag produzierte. Eva Schweitzer zeigt, dass das
tödliche Gas Zyklon B von Rockefellers US-Firma Standard Oil of New
Jersey stamme, ein Partner der IG Farben. Woher stammen die Beweise
für ihre Behauptungen?

"Es ist alles dokumentiert", sagt die Journalistin. "Es gibt das
National Archives in Washington, wo auch die ganzen
Prozessunterlagen aufgehoben worden sind. 1942 gab es lange
Verfahren, Firmen zu enteignen oder ihre Konten zu beschlagnahmen,
die mit deutschen Firmen zusammengearbeitet haben. Da gibt es
Unterlagen, die ich zum Teil selbst aufgespürt habe, es gibt auch
Wissenschaftler, die daran gearbeitet haben." Es sei schon relativ
gut dokumentiert. "Bei einigen Firmen ist es so, beispielsweise Ford
und General Motors, dass sie mittlerweile selbst in der Defensive
sind."



Henry Ford bewunderte Hitler

Während es der Wirtschaft scheinbar nur um den Profit ging, gab es
in den USA auch offenen Antisemitismus: Henry Ford, der wohl
wichtigste Autoproduzent der Geschichte, gehörte zu den engsten
Geschäftsfreunden der Nazis. Darüber hinaus verlegte er
antisemitische Literatur. Adolf Hitler hatte in Henry Ford einen
seiner eifrigsten Bewunderer und prominenten Freund.

"Ford dachte Hitler wäre der große kommende Staatsmann und für
Hitler war Ford der Held", erklärt Schweitzer. "Hitler hatte ein
großes Bild von Ford in seinem Parteibüro in München, sämtliche
Bücher, die Ford je geschrieben hat in deutscher Übersetzung. Ford
war ungeheuer populär in Deutschland. Es gab das Buch 'Der
internationale Jude', das auf Ford zurückgeht, das Ford
herausgegeben hat, und das in 30 bis 40 Länder verbreitet wurde - es
hatte in Deutschland eine Millionenauflage."



Hollywood schaut weg

Wer nicht Antisemit war, lief in den USA Gefahr, als Kommunist
abgestempelt zu werden. Am Besten man schaute weg. Hollywood und der
Holocaust, das hieß Anpassung und Distanz. Eva Schweitzer beschreibt
das Dilemma vieler Hollywoodbosse: einerseits selbst Jude zu sein,
andererseits das Geschäft nicht zu gefährden. Einzig Charlie Chaplin
kritisierte offensiv den Faschismus in seiner Hitlerparodie "Der
große Diktator" - und wurde zum Staatsfeind.

"Hollywood ist eine Stadt, in der es um Geldverdienen geht", erklärt
die Journalistin. "Die hatten in den 30er Jahren Angst als
Kommunistenfreunde dazustehen. Es gab eine große Kampagne gegen
Hollywood von Rechten aus Washington, die in der McCarthy-Ära noch
einmal aufgegriffen wurde. Um sich davon zu distanzieren, haben sie
den Ball flachgehalten. Es gab außerdem ein großes deutschstämmiges
Publikum, das man nicht verärgern wollte. Kurz und gut, es kam
relativ selten vor."



Visa hinausgezögert

Während viele jüdische Intellektuelle, Schauspieler und Künstler in
Amerika ein Exil fanden, warteten Tausende jüdische Flüchtlinge
vergeblich auf das rettende Ufer in Ellis Island. Eva Schweitzer
belegt, dass die Bearbeitung ihrer Visa Anträge so lange wie möglich
hinausgezögert wurde. Obwohl die Medien und die Geheimdienste über
Judenverfolgungen informiert waren, mahnte Präsident Roosevelt zur
Neutralität gegenüber Hitler-Deutschland.

Roosevelts Ziel sei es gewesen, den Engländern zu helfen, die
Deutschen zu besiegen, und nicht so sehr, die Juden zu retten, so
Schweitzer. "Es gibt heute noch eine große Verehrung der jüdischen
Organisationen für Roosevelt. Es ist ein Tabu, ihn zu kritisieren.
Das ist aber eigentlich nicht berechtigt. Natürlich hätten sie Leute
aufnehmen können."



Nazis aufgenommen

Aufgenommen wurden dafür nach dem Krieg viele ehemalige Nazis, vor
allem Wissenschaftler. Und auch die Geschäfte mit Deutschland gingen
nahtlos weiter. US-Firmen und Banken verdienten weiter an den auf US-
Konten geparkten Geldern jüdischer Arbeiter und Emigranten, schreibt
Schweitzer.

Ihr akribisch recherchiertes und spannend geschriebenes Buch
enthüllt ein dunkles Kapitel in der Geschichte Amerikas. Sollte
George W. Bush die Wahlen gewinnen, bekommt er neben dem Irak-Krieg
ein weiteres gewichtiges Problem: Wie soll er seinen Wählern die
schwarzen Flecken seiner Familiengeschichte erklären.



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Nakarm Pajacyka