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21.01.06, 16:31
AGGRESSION GEGEN ISRAEL

"Iran erhebt Irrsinn zum Staatsprogramm"

Die geplante Holocaust-Konferenz in Iran ist nach Einschätzung des
Historikers Götz Aly brandgefährlich. Dort könnten sich
unberechenbare "Spinner mit einer Staatsmacht verbinden". Im SPIEGEL-ONLINE-
Interview erklärt Aly, wie in Iran aus Vorurteilen eine Staatsideologie wird.


SPIEGEL ONLINE: Die iranische Regierung plant eine Konferenz zum Thema
Holocaust. Gibt es tatsächlich Defizite in der Aufarbeitung der
Judenvernichtung während des Nationalsozialismus?

Aly: Die internationale Forschung zum Holocaust ist sehr gründlich. Es gibt
kein Thema des 20. Jahrhunderts, das differenzierter erforscht ist als der
Mord an den europäischen Juden während des Zweiten Weltkriegs. Dass diese
Forschung noch nicht abgeschlossen ist und abgeschlossen sein kann, dass es
daher notwendigerweise immer Defizite gibt, und dass jede Generation an ein
solch traumatisches Ereignis andere Fragen stellt, versteht sich von selbst.



REUTERS
Ahmadinedschad: Obsessive Geschichtskonstrukte
SPIEGEL ONLINE: Neben Vertretern der "hergebrachten Sicht des Holocausts"
wollen die Veranstalter vor allem Zweifler und Leugner einladen wie die
Revisionisten Horst Mahler, den Franzosen Robert Faurisson und den russisch-
stämmigen Israeli Israel Shamir.

Aly: Mir erscheint die geplante Konferenz als Ausdruck erheblicher
politischer Verbohrtheit. Mit Geschichtswissenschaft hat das nichts zu tun.
Ein Mann wie Mahler versteht von der Sache nichts. Es genügt nicht,
professioneller Rechthaber zu sein und Ressentiments zu verbreiten. Diese
Konferenz wird gewiss keine neuen Erkenntnisse gewinnen.

SPIEGEL ONLINE: Es soll etwa um die Zahl der in Auschwitz ermordeten Juden
gehen.

Aly: Man muss klar sagen: Diese Zahl ist lange übertrieben worden. Offiziell
war in dem ehemaligen Lager auf einer Tafel noch 1989 zu lesen, es seien
allein in Auschwitz vier Millionen Menschen umgebracht worden. Diese Zahl ist
unter anderem durch mein Betreiben kurz nach der Wende revidiert worden. In
Auschwitz wurden etwa eine Million Menschen ermordet. Diese Korrektur war
notwendig, das ändert jedoch nichts am Charakter des Vernichtungslagers.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es weitere Beispiele dafür, dass mit falschen Fakten
operiert wurde?


ZUR PERSON

MARCO- URBAN.DE
Götz Aly, 58, gehört zu jener kleinen Gruppe von Experten, die seit Jahren
die Holocaust- Forschung vorantreiben. Er lehrt an der Freien Universität
Berlin. Zur Zeit hat er eine Gastprofessur für interdisziplinäre Holocaust-
Forschung am Fritz Bauer Institut in Frankfurt am Main. Aly hat mit seinem im
vergangenen Jahr erschienenen Buch "Hitlers Volksstaat" eine breite Debatte
angestoßen.

Aly: Ich denke an die Ermordung der Sinti und Roma. Da wird inzwischen selbst
in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand unter der wissenschaftlichen
Verantwortung von Peter Steinbach behauptet, es seien 500.000 Menschen aus
dieser Gruppe von den Nazis umgebracht worden. Das ist weit übertrieben. Des
Weiteren: In Deutschland hat es fast 50 Jahre gedauert, bis man allgemein
akzeptiert hat, dass die Wehrmacht im Krieg in Ost- und Südosteuropa
fürchterliche Verbrechen beging. Bis man die Zahl der Toten nach dem
britischen Bombardement auf Dresden von über 300.000 Toten auf realistische
30.000 bis 40.000 Tote reduzierte, dauerte es in West- und Ostdeutschland
Jahrzehnte. Die sudetendeutsche Landsmannschaft hat noch vor zehn Jahren
behauptet, bei der Vertreibung der Sudetendeutschen aus Böhmen und Mähren
seien mehr als 400.000 Deutsche ums Leben gekommen; auf der tschechischen
Seite verdrehte man offiziell ebenfalls die Fakten, und sprach von einigen
Tausend Selbstmorden. Inzwischen hat die deutsch-tschechische
Historikerkommission ermittelt, dass zwischen 15.000 und 40.000 Menschen bei
diesen Vertreibungen umkamen.

SPIEGEL ONLINE: Um eine ähnlich ernsthafte Auseinandersetzung dürfte es der
iranischen Führung kaum gehen ...

Aly: ...nach allem, was ich über die Veranstalter weiß, zweifle ich an deren
lauteren Absichten. Offensichtlich liegt dem Ansinnen eine politische
Obsession zu Grunde, nicht wissenschaftliche Wahrheitssuche.

SPIEGEL ONLINE: Kritiker aus Iran etwa aus dem Verband muslimischer
Journalisten werfen westlichen Ländern vor, ihre Gesetze gegen die Holocaust-
Leugnung beschränkten die Meinungsfreiheit. Mit ihrer Konferenz wollten sie
Historikern eine "freie und demokratische Plattform" bieten.

Aly: Als Historiker halte ich Gesetze, die verbieten, irgendetwas zu leugnen
für Quatsch. Genauso wie ich das Gesetz in der Türkei für Unsinn halte, das
festschreibt, es habe den Völkermord an den Armeniern nicht gegeben. Gesetze
gegen die Holocaust-Leugnung gehen doch ins Leere. Es wird immer einige
Verrückte geben, an denen Tatsachen einfach abperlen.



SPIEGEL ONLINE: Sie stimmen den iranischen Kritikern zu?

Aly: Ganz und gar nicht. Die genannten Gesetze sind unnütz, die
Meinungsfreiheit bedrohen sie nicht. Die Gefahr der iranischen Konferenz
liegt darin, dass sich hier einige Spinner mit einer Staatsmacht verbinden
können, die erhebliche Macht hat, aus ideologischen, hier vor allem
antisemitischen Obsessionen Taten folgen zu lassen. Insofern hat das eine
ganz andere Qualität, als wenn irgendein wild gewordner NPD-Mann behauptet,
den Holocaust habe es nicht gegeben.

SPIEGEL ONLINE: Eine Verfolgungsideologie ist in Iran bereits politisches
Programm. Präsident Mahmud Ahmedinedschad hat mehrfach gefordert, Israel
müsse aus dem Nahen Osten verschwinden. Wie sollte dieser Politik begegnet
werden?

Aly: Der Historiker ist da überfragt. Da gibt es die üblichen politischen und
militärischen Mittel. Wenn man sieht, was sich in Iran gerade zusammenbraut -
die Atompolitik ist ja komplementär zu dieser verstärkt aggressiven Haltung
gegen Israel zu sehen -, dann ist die Weltgemeinschaft aufgerufen, sich damit
zu befassen.

SPIEGEL ONLINE: Iran wirft Israel vor, den Holocaust zu funktionalisieren.
Das "Institut für Forschung und Studien über Zionismus" in der heiligen Stadt
Ghom regt Arbeiten zu den "Implikationen des Holocausts für die Entstehung
und Legitimierung des zionistischen Regimes" an. Ist der im Iran virulente
Antisemitismus in Wahrheit ein Antizionismus?

Aly: Ich bin mir da nicht sicher. Die arabische Welt hat sich lange dadurch
ausgezeichnet, dass sie den europäischen Rassenhass nicht übernahm.
Historisch gesehen, muss die zionistische Idee als Reflex auf den
europäischen Nationalismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts eingeordnet
werden, und natürlich bildeten die nationalsozialistische Vertreibungspolitik
und der Mord an sechs Millionen europäischen Juden eine sehr konkrete
zusätzliche Voraussetzung für die Entstehung des Staates Israel. Den Wunsch
der überlebenden Juden, und der Juden überhaupt, nicht noch ein weiteres Mal
in dieser wehr- und hilflosen Weise Opfer zu werden, sondern einen eigenen
Staat mit eigenem Militär anzustreben, halte ich für legitim, jedenfalls wird
er jedem vernünftig und gerecht Denkenden plausibel sein.

SPIEGEL ONLINE: Ahmedinedschad untergräbt diese Legitimität, wenn er
behauptet, der Holocaust sei ein Märchen. Ist dies nicht verwunderlich, da in
der arabischen Welt die Schoah häufig als positives Ereignis gepriesen wird?

Aly: Gegen obsessive Geschichtskonstrukte lässt sich mit Argumenten und
einfachster Logik nicht ankommen. Es ist einfach absurd, wenn man sich, was
es ja leider gibt, einerseits bei Hitler-Deutschland für den Holocaust
bedankt und im nächsten Schritt sagt, es habe die Ermordung von sechs
Millionen Juden gar nicht gegeben. Wie ein Staat, der sich durchaus zu
modernen Lebensformen bekennt, offensichtlichen Irrsinn zum Staatsprogramm
erheben kann, ist schwer zu verstehen.

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    • szwager_z_laband Re: w " Der Spiegel" 21.01.06, 16:51
      Sam je na zicher jedyn trynd kery nic dobrego niy prziniesie - Zydy i Araby, i
      Holocaust, to je na zicher miyszanka piorunujonco - sam cza uazic na palcach i
      dowac obacht na kozde suowo, jak sie chce rzeczowo dyskutowc.

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Nakarm Pajacyka