klausberg
28.01.03, 12:52
Wir wissen, dass um 600 Slawen an der Saale auftauchten. So wie die Slawen
bis zur Elbe und zum oberen Main gekommen sind, müssen sie auch Schlesien
besiedelt und sich dort wohl mit den zurückgebliebenen Wandalen verschmolzen
haben. Auf der „Völkertafel des bayerischen Geographen“ (vor 900) erscheinen
vier voneinander unabhängige, durch dichte Waldungen getrennte Stämme, die
Dedositzen beim späteren Glogau, die Slensanen bei Breslau, die Opolanen bei
Oppeln und die Golensitzen bei Leobschütz/Troppau.
Nun beginnt die Geschichte Schlesiens, die sich merkwürdigerweise in
Zeitabschnitten von jeweils ungefähr 200 Jahren abgespielt hat.
I. Schlesien als Streitobjekt zwischen Böhmen und Polen (von etwa 900 bis
1137).
In Böhmen herrschte von 894 bis 921 der Przemyslide Wratislaw. Er gründet an
der Oder beim späteren Breslau eine Burg, nach ihm Wratislawia genannt. Aus
diesem lateinischen Namen ist Breslau, polnisch Wroclaw geworden, tschechisch
noch heute Wratislaw. Etwa um diese Zeit muss in der Gegend des späteren
Posen ein Staatsgebilde entstanden sein, das von dem Fürstengeschlecht der
Piasten beherrscht wird, die 400 Jahre lang das daraus entstandene Polen
regiert haben. Der erste bekannte Piast (in den lateinischen Urkunden Misica
oder Miseko oder auch Dago genannt, 963-992), heiratet eine böhmische
Prinzessin (Enkelin von Wratislaw) und lässt sich 966 taufen. Diese „Taufe
Polens“ ist der Beginn des polnischen Staates. 990 beginnt er einen Krieg
gegen Böhmen, den sein Sohn Boleslaw Chrobry (Boleslaus der Tapfere) (992-
1025) siegreich beendet und Schlesien gewinnt. Boleslaus (nach dem Vater und
Bruder seiner böhmischen Mutter genannt) war ein gewaltiger Eroberer und
blieb bis heute Nationalheros der Polen. Im Jahre 1000 wird vom Kaiser Otto
III. das Erzbistum Gnesen gegründet, ihm unterstellt die Bistümer Breslau und
Krakau. Nach dem Tode von Boleslaus wandelt sich das Bild, Böhmen gewinnt
Schlesien zurück und weitere Gebiete. Das Schicksal Schlesiens ist
wechselhaft. Der Streit zwischen Böhmen und Polen wird beendet durch
den „Pfingstfrieden von Glatz“ 1137. Schlesien wird polnisch, nur die
Grafschaft Glatz und das Gebiet von Troppau, Jägerndorf, Leobschütz und
Hultschin bleibt bei Böhmen bzw. Mähren.