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18.11.03, 17:52
Wirtschaft
Zahlungsmoral erreicht Tiefstand
Die Zahlungsmoral der Deutschen hat angesichts der schlechten
wirtschaftlichen Lage einen neuen Tiefstand erreicht. Eine immer größer
werdende Zahl säumiger Schuldner landet vor dem Kadi.
In den ersten 6 Monaten des Jahres gingen einer Studie der
Wirtschaftsauskunftei Bürgel deutsche Gläubiger in mehr als 732.000 Fällen
mit harten gerichtlichen Maßnahmen gegen ihre Schuldner vor. Binnen
Jahresfrist entspreche dies einer Steigerung von 9,1%. Für diese Aussage
zählt Bürgel eidesstattliche Versicherungen, Haftanordnungen, gerichtliche
Mahnverfahren und private Insolvenzen zusammen.
In den ostdeutschen Bundesländern sei der Anstieg der gerichtlichen
Verfahren wegen unbezahlter Forderungen besonders ausgeprägt gewesen. Dort
sei die Zahl der Verfahren um 13,3% auf gut 142.000 Fälle gestiegen. Im
Westen fiel der Anstieg mit einem Plus von 8,1% etwas schwächer aus.
Fast 248.000 Privatpersonen seien von der schärfsten gerichtlichen Maßnahme,
der Haftanordnung zur Durchsetzung des Offenbarungseids, betroffen. Das
seien 11,3% mehr gewesen als im Vorjahreszeitraum.
Bürgel führt die schlechte Zahlungsmoral nicht nur auf leere Haushaltskassen
zurück. "Zahlungsunfähigkeit ist selten der Grund für unbezahlte
Rechnungen", so die Studie. Etwa 2,9% oder rund 10.000 Haushalte seien so
überschuldet gewesen, dass eine Verbraucher-Insolvenz unabwendbar gewesen
sei. Jedoch könne eine neue Gesetzesregelung für den Anstieg gerichtlicher
Maßnahmen gegen Privatpersonen verantwortlich sein. Denn Banken können
neuerdings schon dann Kredite kündigen, wenn eine Verschlechterung der
Zahlungsfähigkeiten eines Klienten drohe, zum Beispiel bei Arbeitslosigkeit