szwager_z_laband
22.12.09, 08:36
Die polnische Generalmobilmachung
Dezember 12th, 2009 | Kategorien: Geschichte
Am 30.8.1939 wurden die polnischen Mobilmachungsbefehle versandt.
Der Deutsche Einmarsch in Polen erfolgte am 1.9.1939
– um 18.40 h nach U. Walendy 1965;
– um 12.40 h nach D. Hoggan 1976;
– um 16.20 h nach A. v. Ribbentrop 1963.
Um es vorwegzunehmen: Der den Deutschen angelastete, angeblich
fingierte Überfall auf den Radiosender von Gleiwitz – als
Rechtfertigung zum deutschen Einmarsch in Polen – stammt aus der
Hexenküche der Nachkriegspropaganda. Sie ist vergleichbar mit den
Lügen über die Iraker, welche im Spital von Kuwait Säuglinge aus
Brutkästen gezerrt hätten, und Iraks nicht existierende
Massenvernichtungswaffen usw.
Die Grenzübergriffe auf das Deutsche Reich und die Ermordung und
Verfolgung von Deutschen in den polnischen Gebieten sind so
zahlreich, dass es den Überfall auf den Gleiwitzsender als
Rechtfertigung gar nicht gebraucht hat:
Auf den 31.8.1939 fallen eine Reihe von Ereignissen, die hingereicht
hätten, um von einem völkerrechtlich eindeutig durch Polen gegebenen
Kriegsgrund zu sprechen, von der Generalmobilmachung gar nicht zu
reden, die gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung an Deutschland
war (vgl. B. Schaposchnikow ca. 1930, in W. Post 1995, S. 51) – die
Polen planten einen sofortigen «Marsch nach Berlin», «sie hofften,
Berlin in einem Überraschungsangriff nehmen zu können…» (D. Hoggan2
1976, S. 426). So gesehen war der deutsche Einmarsch nicht einmal
mehr ein Präventivkrieg, sondern nur noch eine Massnahme der
Selbstverteidigung. Für Polen traf 1939 noch der alte Grundsatz aus
den Tagen vor 1914 zu, dass eine Mobilmachung Krieg bedeute.
Es sei daran erinnert, dass der polnische Aussenminister Oberst
Joseph Beck schon am 23. März 1939 einen (Teil-) Mobilmachungsbefehl
gegeben hatte, mit allen Konsequenzen wie Einberufung von
Reservisten usw. Am selben Tage erhielten die obersten Befehlshaber
aller Waffengattungen den derzeit gültigen Aufmarschplan für einen
Krieg gegen Deutschland. (Hoggan, S. 425)
Nachdem Hitler von der überraschenden Teilmobilmachung Polens
Kenntnis erhalten hatte, hielt er eine Besprechung mit Walter von
Brauchitsch, dem Oberbefehlshaber des deutschen Heeres ab. Dabei
setzte er ihm auseinander, es seien sehr wichtige Verhandlungen mit
Polen im Gange. Hitler hielt die polnische Teilmobilmachung nicht
für eine übermässige Drohung. Darum seien auch keine besonderen
militärischen, sondern lediglich Vorsichtsmassnahmen zum Schutz der
deutschen Grenze erforderlich.
England gab Polen einen Blankoscheck: Der britische Aussenminister,
Edward Fredericke Lindley Wood – Earl of Halifax –, teilte dem
britischen Botschafter in Polen, Sir Howard William Kennard, seinen
Entschluss mit, sein Versprechen an Polen nicht nur auf Fälle
unprovozierter Aggressionen zu beschränken. Er habe sich
entschieden, die Frage des Aggressors zu ignorieren. Er wünsche
nicht, dass Grossbritanien neutral bleibe, wenn die Polen
Deutschland zum Kriege zwängen. (Hoggan, S. 451).
In der Rede vor dem Reichstag am 1.9.1939 führte Hitler aus:
«Man hat versucht, das Vorgehen gegen die Volksdeutschen damit zu
entschuldigen, dass man erklärte, sie hätten Provokationen begangen.
Ich weiss nicht, worin die ‹Provokationen› der Kinder und Frauen
bestehen sollen, die man misshandelt und verschleppt oder
die ‹Provokationen› derer, die man in tierischster, sadistischster
Weise gequält und schliesslich getötet hat. Eines aber weiss ich:
dass es keine Grossmacht von Ehre gibt, die auf Dauer solchen
Zuständen ruhig zusehen würde … Ich habe trotzdem noch einen letzten
Versuch gemacht, … habe ich einen Vermittlungsvorschlag der
englischen Regierung angenommen … Und ich bin dann mit meiner
Regierung volle zwei Tage gesessen und habe gewartet, ob es der
polnischen Regierung nun endlich passt, einen Bevollmächtigten zu
schicken … Damit sind diese Vermittlungsvorschläge gescheitert, denn
unterdes war als Antwort auf diesen Vermittlungsvorschlag 1. die
polnische Generalmobilmachung gekommen und 2. neue schwere
Greueltaten … Nachdem neulich in einer Nacht 21 Grenzzwischenfälle
zu verzeichnen waren, sind es heute Nacht 14 gewesen, darunter drei
ganz schwere. Ich habe mich nun entschlossen, mit Polen in der
gleichen Sprache zu reden, die Polen seit Monaten uns gegenüber
anwendet» (M. Domarus, Leonberg 1988, S. 1312 f.).
Die Annahme einer deutschen Provokation durch das IMT Nürnberg in
dessen Feststellung, dass Deutschland als seinen Anlass zum Kriege
den selbst fingierten Überfall auf den Gleiwitzer Sender gehabt
habe, ist falsch. Die dieser Feststellung zugrundeliegende
Darstellung, die in Schul- und Geschichtsbücher einging und die
Joachim Fest, ehemaliger Chefredakteur der FAZ, in seiner Hitler-
Biographie noch um einige Tote erhöht hat, Heydrich habe den
Überfall inszeniert und in polnische Uniformen gesteckte getötete KZ-
Häftlinge als Beweismittel hinterlassen, beruht auf einer
eidesstattlichen Falschaussage vor dem IMT Nürnberg. Im Sender zu
der betreffenden Zeit Anwesende sagten später aus, dass sich dort
keine Zwischenfälle ereignet hätten (H. Wendig, Richtigstellungen
zur Zeitgeschichte, H. 8, Tübingen 1995). Im übrigen hat Hitler in
seiner oben auszugsweise zitierten Rede zur Rechtfertigung seines
Vorgehens nirgendwo von dem Überfall auf den Sender Gleiwitz
gesprochen. Warum sollte er oder Heydrich den Überfall inszenieren,
wenn dieser dann anschliessend keine Rolle spielt?
Die Beweise
«Documents on British Foreign Policy» sind die amtlichen Dokumente
des englischen Aussenministeriums, nachfolgend British FP genannt.
«Documents on Foreign Relation of the United States» sind die
amtlichen Dokumente des amerikanischen Aussenministeriums,
nachfolgend FR of the US genannt.
20.3.39: Bündnisangebot von Halifax an die UdSSR und an Polen gegen
Deutschland (British FP, III, Bd. 4, Nr. 446)
23.3.39: 162 Tage vor Kriegsbeginn (!) Teilmobilmachung der
polnischen Armee mit Herausgabe des Operationsplans (Marsch nach
Berlin).
25.3.39: Bericht des britischen Botschafters in Polen, Kennard, an
Halifax, 750’000 Polen stünden bereits unter Waffen. Viele
ausländische Diplomaten in Warschau glaubten, Polen wolle einen
Krieg provozieren. Es bestünde Hoffnung man könne in diesem
kommenden Krieg Deutschland zum Aggressor stempeln (British FP, III,
Bd. 4, Nr. 518 und Nr. 523).
26.3.39: Telegramm des US-Botschafters in Polen, Biddle, an US-
Präsident Roosevelt: «Polen heute auf dem Kriegsfuss. Hat dieses
rasch und ohne Aufsehen erreicht.» (FR of the US 1939, I, 101).
31.3.39: Halifax teilt dem britischen Botschafter in Polen seinen
Entschluss mit, sein Versprechen an Polen nicht nur auf
unprovozierte Aggression zu beschränken. Er wünsche nicht, dass
Grossbritannien neutral bleibe, wenn die Polen Deutschland zum Krieg
zwängen (British FP, III, Bd. 4, Nr. 577 und 584).
06.4.39: Halifax sagte dem US-Botschafter Kennedy, die Polen hätten
nun ihren Blanko-Scheck, und er gestand dabei, dass weder Hitler
noch Mussolini einen Krieg wollten. (FR of the US 1939, I, 113 f).
05.5.39: Hetzrede des polnischen Aussenministers Oberst Beck vor dem
Sejm. Auf diese Rede hin wurden in Polen Tausende von Volksdeutschen
vor dem Beginn des Krieges ermordet.
14.8.39: Beginn der Massenverhaftungen von Deutschen und Greuel
gegen sie im östlichen Oberschlesien.
28.8.39: Der britische Botschafter in Polen, Kennard, telegraphierte
an Halifax, die polnische Regierung habe die Generalmobilmachung
beschlossen. (d.h. dass der Ausbruch des Krieges nur noch eine Frage
von Stunden sein konn