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Frisch gepresst, oder auch nicht;-)

28.12.05, 00:32
Riefenstahls Schwägerin. Auch unbeirrbare Bewunderer der Filmkunst Leni
Riefenstahls stellen in der Regel ihre menschlich äußerst unangenehmen
Eigenschaften nicht ernstlich in Abrede. Wenn die Erinnerungen ihrer
Schwägerin Ilse Collignon nun versprechen, sich den charakteristischen
Schattenseiten der Regisseurin zu widmen, vor allem zu zeigen, wie sie
als "rücksichtslose Karrieristin" ihre "engen Kontakte zum NS-Regime" nutzte,
um "ihren Willen durchzusetzen", dann müßte sie bislang unbekannte
Schäbigkeiten ans Licht ziehen. Statt dessen kann die Verfasserin nur mit
einem häßlichen Streit um das Sorgerecht der Kinder aus ihrer geschiedenen
Ehe mit "Lenis" Bruder aufwarten. Überhaupt ist von der weltberühmten
Schwägerin wenig die Rede. Auch die politisch-gesellschaftliche Welt Berlins
in den dreißiger Jahren bleibt so blaß wie der Familienhintergrund der
Tochter des Berliner Gymnasiallehrers Victor Rehtmeyer, eines "alten
Kämpfers", der zu den ersten bürgerlichen NS-Aktivisten Charlottenburgs
zählte. In diesem egozentrischen Desinteresse an der Mitwelt zeigt sich Ilse
Collignon der ichbesessenen Künstlerin durchaus verwandt ("Liebe Leni,..."
Eine Riefenstahl erinnert sich. Langen Müller, München 2003, 255 Seiten,
Abbildungen, 19,90 Euro).

Breslau nach 1945. Herbert Hupka, der einstige Vormann der Landsmannschaft
Schlesien, hat das Buch des heute in Pittsburgh lehrenden jungen deutschen
Osteuropahistorikers Gregor Thum in der FAZ nahezu zerpflückt, während ein
polnischer Publizist in der Zeit einen regelrechten Lobgesang anstimmen
durfte. Die polnische Seite hat in der Tat allen Grund, mit diesem opulenten
Werk zufrieden zu sein. Thum, der so konsequent wie beschönigend
von "Aussiedlung" der deutschen Breslauer spricht, beschreibt die
polnische "Landnahme" streckenweise in einem fast regierungsamtlichen
Warschauer Ton, der sich von allen Regeln wissenschaftlicher Historiographie
verabschiedet (Die fremde Stadt. Breslau 1945. Siedler Verlag, Berlin 2003,
640 Seiten, Abbildungen, 29,90 Euro).

GLEIWITZ. Der Kölner Schriftsteller Wolfgang Bittner hat das zweisprachig
angelegte Porträt seiner oberschlesischen Geburtsstadt derart auf deutsch-
polnische Versöhnung weichgezeichnet, daß es sogar für Lesungen an polnischen
Hochschulen geeignet ist (GLEIWITZ heißt heute Gliwice. Athena Verlag,
Oberhausen 2003, 166 Seiten, broschiert, 12,90 Euro).
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Nakarm Pajacyka