ballest88
28.06.04, 17:03
Unmittelbar nach der Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944
erhielt die in Südwestfrankreich stationierte 2. SS-Panzer-Division "Das
Reich" unter General Heinz Lammerding (1905-1971) den Marschbefehl zur
Invasionsfront nach Norden. Auf ihrem Weg dorthin verübte sie als Vergeltung
für den wachsenden französischen Widerstand gegen die deutschen Besatzer
massive Kriegsverbrechen an der Bevölkerung. So erhängten am 9. Juni 1944
Mitglieder der 2. SS-Panzer-Division 99 Geiseln in Tulle. Gegen Mittag des
darauffolgenden Tags erschienen 120 Angehörige der 3. Kompanie des 1.
Bataillons des 4. Regiments dieser Division im 30 Kilometer nordwestlich von
Limoges gelegenen Oradour-sur-Glane. In dem Dorf vermuteten sie Kämpfer und
ein Waffenlager der Résistance.
Auf Befehl von SS-Obersturmbannführer August Dieckmann (1912-1944) wurden die
Dorfbewohner zunächst auf dem Marktplatz zusammengetrieben. Während die
Männer, in fünf Gruppen aufgeteilt, in Scheunen erschossen wurden, sperrten
die SS-Soldaten Frauen und Kinder in die Dorfkirche ein, die sie anschließend
in Brand steckten. Außerhalb des Gebäudes postierte Einheiten erschossen die
Frauen und Kinder, die versuchten, dem Feuer zu entkommen. Danach betraten
die Soldaten das Kirchengebäude, um die Überlebenden zu erschießen. Nach der
Plünderung des Dorfs brannten sie es nieder.
Insgesamt kamen bei dem Massaker 642 Dorfbewohner ums Leben, unter ihnen 245
Frauen und 207 Kinder. Nur wenige Einwohner konnten entkommen. Obwohl die SS
am 11. Juni 1944 zur Beseitung der Spuren ihres Verbrechens die Opfer
verscharrte, wurde das Ausmaß des Massakers bald bekannt. Als Symbol
deutscher Kriegsverbrechen im besetzten Frankreich trug Oradour dazu bei, den
Widerstand gegen deutsche Besatzer und französische Kollaborateure zu
verstärken.
Offiziell wurde die Ermordung der Zivilbevölkerung Oradours vom NS-Regime
als "Vergeltungsmaßnahme" hingestellt, da die von Toulouse an die
Invasionsfront marschierende 2. SS-Panzer-Division durch Angriffe von
Résistancekämpfern schwere Verluste erlitten habe.
Erst in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg konnte in Frankreich eine
gerichtliche Verfolgung der an dem Massaker Beteiligten eingeleitet werden.
Am 13. Februar 1953 verurteilte ein Militärtribunal in Bordeaux 21 von 65
überlebenden SS-Soldaten zu Todes- und mehrjährigen Haftstrafen.
Die Ruinen Oradours sind als nationale Mahn- und Gedenkstätte erhalten, der
Ort selber wurde in unmittelbarer Nähe wieder aufgebaut.
pyrsk !
Ballest