ballest
02.04.07, 11:04
geboren: 13.03.1759 in Seedorf
gestorben: 21.09.1830 in Kattowitz
Johann Friedrich Wedding wurde 1759 in Seedorf bei Lenzen geboren und
verstarb 1830 in Kattowitz. Der Baukondukteur, war Ober-Hütteninspektor und
Erbauer der Hüttenwerke Königshuld, Gleiwitz und Königshütte (Oberschlesien).
Seine Schulzeit verbrachte er in Berlin, besuchte das Gymnasium zum Grauen
Kloster und anschließend praktizierte er auf verschiedenen Eisenwerken und
studierte Maschinenbau, ehe er 1779 in den Kgl. Preußischen Staatsdienst
übernommen wurde, als Baukondukteur, und baute als solcher den Finow-Kanal.
Mit dem Jahre 1784 kam er im Auftrage der Regierung nach Oberschlesien, wo er
sich große Verdienste um die Entwicklung des Hüttenwesens erwarb. Hier
heiratete er die älteste, und als diese nach kurzer Ehe starb, die zweite
Tochter des Kommisionsrats Koulhaascz, des "biederen Koulhaascz", wie er in
Oberschlesien genannt wurde, eines um die oberschlesische Industrie
hochverdienten Mannes, des letzten Sprosses aus dem Geschlechte des berühmten
Zeitgenossen Luthers. Koulhaascz hatte damals seinen Wohnsitz in Stahlhammer
bei Tarnowitz, kaufte später das Gut Kattowitz, das nach seinem Tode in den
Besitz der Familie Wedding überging. Durch Weddings eigenes Geschick war also
ein Nachkomme der Weddinger, die einst Kohlhaasens Söhne in Pflege genommen
hatten, etwa 150 Jahre später in die engste Familienbeziehung zu dem letzten
Spross dieser Familie getreten.
Schon bald übertrug man Wedding den Bau- bzw. den Wiederaufbau der
Königlichen Metallhütte Friedrich bei Tarnowitz, zusammen mit dem Grafen
Reden bereiste er England, um neuartige Techniken und Industrieanlagen kennen
zu lernen. Den Ersatz der Holzkohle durch Koks als Medium zur Verhüttung von
Eisen- und Metallerzen in den Hüttenwerken ist ebenfalls auf Weddings
Einfluss zurückzuführen: Nach seinen Plänen wurde auf der Gleiwitzer Hütte
der erste Kokshochofen Preußens und des europäischen Festlandes erbaut, 1799
bis 1800 folgte die Errichtung der Königshütte am gleichnamigen Ort (heute
Chorzow) nach seinen (und Assessor Bogatschs) Plänen und unter seiner
Leitung. Für die gute Ausführung erhielt Wedding eine Prämie in Höhe von 800
Talern.
Das der Dichter Heinrich von Kleist mit Johann Friedrich Wedding befreundet
war und von diesem die Anregung zu seiner Novelle "Michael Kohlhas" erhielt,
ist sicher. Johann Friedrich Wedding hatte sich, durch doppelte
Familienbeziehungen interessiert an der Persönlichkeit und dem Geschick Hans
Kohlhaases, sich Zeit seines Lebens gegen den in den Berliner Chroniken
tendenziös gefälschten Sachverhalt über Leben und Tod des Kohlhaases
aufgelehnt. Wedding fand in Kleist den lange gesuchten Dichter, der seinen
Intentionen entsprechend an die Abfassung der Chronik Kohlhaases heranging.
Auf diese Weise entstand in Königsberg der erste Teil des Michael Kohlhaas,
der nach Auffassung und Darstellung immer schon als eine fast vollendete
historische Erzählung erschien, und wie wir nunmehr wissen auch tatsächlich
eine solche ist.
Hans Kohlhaase, 1500 - 22.3.1540, Held der Novelle "Michael Kohlhas" von
Heinrich von Kleist. Der Krämer, der auf der Fischerinsel lebt, wurde von
einem sächsischen Junker beim Pferdehandel betrogen und unterlag bei Gericht.
Daraufhin wurde er Freischärler und gründete 1534 eine Bande, die
Selbstjustiz ausübte. Im Februar 1540 erbeutete er im Teltower Fließ eine
Ladung Silberbarren der kurfürstlichen Münze, Daraufhin lockte ihn Joachim
II. zu angeblichen Verhandlungen nach Berlin, wo er aber verhaftet wurde. Am
Morgen des 22.3.1540 tagte das Gericht, noch am selben Nachmittag wurde
Kohlhaase (wahrscheinlich am Stralauer Tor) hingerichtet, zusammen mit seinen
Gefährten Meißner und Nagelschmidt.
Im Jahre 1818 legte Wedding die unmittelbare Leitung der Königshütte nieder
und zog sich auf sein Gut bei Kattowitz zurück – er blieb dem
oberschlesischen Montanwesen aber weiterhin verbunden. So ist es wohl zu
erklären, dass man Wedding auch nach seinem offiziellen Ausscheiden noch
weiterhin mit Aufgaben betraut hat.
1830 verstarb Oberbergrath Wedding auf seinem Gut in Kattowitz und wurde in
Tarnowitz beerdigt."