ballest88 28.06.04, 16:53 20. Jun. 1940 Massaker der Wehrmacht im polnischen Palmiry (378 Ermordete) pyrsk ! Ballest Odpowiedz Link Zgłoś Obserwuj wątek Podgląd Opublikuj
ballest88 Ruiny 28.06.04, 17:00 Dr. Danuta Jackiewicz, die Leiterin der ikonographischen Sammlungen des Nationalmuseums Warschau und Vorstandsmitglied des Vereins der Fotohistoriker beim Kunstinstitut der Polnischen Akademie der Wissenschaften, referierte zu (ausschließlich) polnischen Bildbänden der Nachkriegszeit zum Schicksals Warschaus im 2. Weltkrieg. Bisher ist zu diesem Thema keine Monographie erschienen. Die in Polen veröffentlichten Bildbände behandelten vier Grundmotive: die gesamte Besatzungszeit, das Warschauer Ghetto, den Warschauer Aufstand von 1944 und Warschau als Trümmerfeld. Zur gesamten Besatzungszeit liefert neben einigen Erscheinungen aus den 50er Jahren das reichhaltigste Bildmaterial der 1989 erschienene Bildband von Stanislaw Kopf "Die Besatzungszeit. Eine Bildchronik des kämpfenden Warschaus". Er enthält Fotos aus dem Besitz einschlägiger polnischer Einrichtungen, als auch aus Privatsammlungen. Ein gravierender Mangel sind die fehlenden Autorenhinweise, obwohl in vielen Fällen die Autoren identifiziert sind. Über das Warschauer Ghetto erschien 1963 zum 20. Jahrestag der erste Bildband, ein weiterer zum 45. Jahrestag 1988. Im Jahr 1997 erschien ein Bildband, der Archivaufnahmen aus dem Ghetto mit aktuellen Fotos dieses Stadtviertels kontrastiert. Zum Warschauer Aufstand von 1944 durften erst nach dem politischen "Tauwetter" im Jahr 1956 Bildbände erscheinen. Bis dahin war das Thema vollständig tabuisiert. 1957 erschienen drei illustrierte Titel zum Thema; die erste Monographie entstand 1979 mit Fotos von Jerzy Tomaszewski, der Untergrundreporter im Warschauer Aufstand war. Erst in den 80er Jahren wurde das Thema durch die Solidarnosc- Bewegung endgültig enttabuisiert und es entstanden weitere Bildbände. pyrsk ! Ballest Odpowiedz Link Zgłoś
ballest88 Pawiak 28.06.04, 17:16 Ich wurde am 16. April 1940 in Warschau verhaftet. Bewaffnete Beamte des Sicherheitsdienstes gingen in der Nacht mit dem Hausmeister und einem Dolmetscher von Tür zu Tür und nahmen offensichtlich gezielt Verhaftungen vor: Ich war damals 20 Jahre alt. Meine Mutter machte die Tür auf, alle mußten sich anziehen. Wir waren 5 Geschwister: Der Beamte zeigte auf mich, vielleicht weil ich der Älteste war oder weil sie eine Namensliste hatten. Über den Grund meiner Verhaftung denke ich bis heute nach. Ich glaube, meine Verhaftung hat mit den Sabotageakten gegen die Deutsche Wehrmacht in Warschau zu tun. Damals wurden in Warschau viele Anschläge gegen deutsche Soldaten verübt. Ich bin mehrmals mitgelaufen, habe aber selbst nie etwas gemacht. Eine Begebenheit bei meiner Verhaftung kann ich nie vergessen. Meine Mutter versuchte die Hände des Sicherheitsbeamten zu küssen, um zu verhindern, daß sie mich mitnehmen. Es hat nichts geholfen. Es war das letzte Mal, daß ich meine Mutter gesehen habe. Sie ist, wie mir nach dem Krieg meine Tante erzählt hat, 1944 nach Auschwitz gebracht worden und dort umgekommen. Auf der Straße standen Lastwagen, auf denen schon andere mir teilweise bekannte junge Männer verladen waren. Mit den LKW wurden wir in das Pawiak-Gefängnis gebracht." Wladislaw Zuk, Jahrgang 1919, geboren in Warschau, spricht heute über die dreijährige Internierung im Pawiak-Gefängnis nur ungerne. Erst letztes Jahr hat er zu erzählen begonnen. Wenn der Warschau-Reisende heute über die Straßenkreuzung Jan Pawel ll. und Dzielna geht, fällt ihm ein kahler Baum auf, der mit Grabtafeln behängt ist. Er ist das Symbol von Pawiak, das erste Denkmal, das schon 1945 entstanden ist. Vom ursprünglichen Gefängnis blieb nahezu nichts mehr erhalten. Am 21. August 1944, kurz vor der Räumung der Stadt durch die deutsche Besatzung, wurde es sorgfältig vermint und in die Luft gesprengt. Nach 1945 errichtete die polnische Regierung ein Museum, das der Erinnerung an die Opfer gewidmet ist. Die Ausstellung wurde im November 1965 eröffnet. pyrsk ! Ballest Odpowiedz Link Zgłoś
ballest88 Pawiak c.d. 28.06.04, 17:17 Von Oktober 1939 bis August 1944 waren in Pawiak rund 100.000 Polen, darunter 20.000 Frauen im Gefängnistrakt "Serbia" inhaftiert. 37.000 Gefangene wurden innerhalb der Mauern oder in der Gestapozentrale in der Szucha-Allee zu Tode gefoltert, in der Stadt selbst, in den Warschau umgebenden Wäldern und nach Zerstörung des Warschauer Ghettos in dessen Ruinen hingerichtet.1 Etwa 60.000 Menschen wurden vom Pawiak-Gefängnis aus in die Konzentrationslager Auschwitz, Buchenwald, Sachsenhausen, Majdanek, Stutthof, Groß-Rosen und Ravensbrück deportiert. Der Bau von Pawiak begann 1830 nach Plänen des Architekten Henryk Marconi und wurde 1855 endgültig fertiggestellt. Seinen Namen erhielt das Gebäude nach der Pawia Straße, an der der Haupteingang lag. Von Anfang an war der Gebäudekomplex mit einer Gesamtausdehnung von 1,5 Hektar mit Höfen, Wirtschaftsgebäuden und Wohnungen für das Personal als Gefängnis konzipiert. Am 2. Oktober 1939, also unmittelbar nach der Besetzung Polens durch die Deutsche Wehrmacht brachte die Sicherheitspolizei die ersten 400 Gefangenen in das Pawiak-Gefängnis, Professoren, Lehrer, Rechtsanwälte und politische Funktionäre, darunter Stefan Stazynski, den Organisator der Verteidigung Warschaus im September 1939. Im März 1940 übernahm die Sicherheitspolizei und der Sicherheitsdienst für den Distrikt Warschau die Führung des Gefängnisses. Das polnische Stammpersonal, also die Mehrzahl der Aufseher, verblieb in ihren Posten bis 1942. Aus Solidarität mit ihren Landsleuten konnten sie bis zu diesem Zeitpunkt den Gefangenen im Rahmen ihrer Möglichkeiten Hilfe zu teil werden lassen. Das polnische Wachund Pflegepersonal brachte Botschaften nach Außen, gestattete handwerkliche Arbeiten, den Besuch der Gefängnisbibliothek und versorgte die Verletzten nach Folterungen. Ab 1942 übernahm ausschließlich die SS und ukrainische Freiwillige den Wachdienst, wodurch der Terror innerhalb der Mauern Pawiaks wesentlich verstärkt wurde. Wladislaw Zuk erinnert sich: "In den ersten Monaten wurde ich ständig von der Gestapo verhört. Es kam zu Gegenüberstellungen, wobei man mir sagte, der andere habe bereits alles zugegeben. Es hätte keinen Sinn, weiter zu lügen. Weil ich mir keiner Schuld bewußt war, konnte ich nichts aussagen. Die Verhörmethoden waren fürchterlich. Abgesehen von den Schlägen und Tritten, steckte man den Gefangenen Bleistifte zwischen die Finger und drückte zu, bis die Finger brachen. Mit einem Gummihammer schlug man in die Geschlechtsteile. Nach diesen Mißhandlungen brachte man sie zurück in die Einzelzelle und schüttete ihnen, da die meisten kaum mehr reagieren konnten oder bewußtlos waren, einen Kübel kaltes Wasser über den Körper. Mehrmals bin ich mit Mitgefangenen in der Nacht aus der Zelle geholt worden. Wir mußten uns im Hof an einer Mauer aufstellen und die Wachleute begannen zu schießen. Wir meinten, wir werden erschossen, sie schossen aber in die Luft. Später kam ich in eine Sammelzelle und man ließ mich in Ruhe." pyrsk ! Ballest Odpowiedz Link Zgłoś
ballest88 Pawiak c.d. II 28.06.04, 17:18 Widerstandsaktionen der polnischen Bevölkerung, die Sprengung von Eisenbahnlinien am 15. Oktober 1942, Attentate auf deutsche Offiziere und Anschläge auf Lokale, die nur für Deutsche zugelassen waren ("Cafe Club", "Restaurant Mitropa") oder auf Druckereien der Besatzung wurden mit Massenhinrichtungen von Pawiak-Gefangenen vergolten. Vom Mai 1943 bis August 1944 wurden die Hinrichtungen routinemäßig zweimal in der Woche durchgeführt, manchmal täglich oder mehrmals am Tag. Als Abschreckungsmaßnahme kündigte die deutsche Verwaltung die Hinrichtungen mittels Megaphonen oder Plakatanschlägen öffentlich an. In der Zeit der Auflösung des Pawiak-Gefängnisses fand die Hinrichtungswelle ihren Höhepunkt. Am 13. August 1944 wurden bei der HI. Augustyn Kirche 97 Gefangene erschossen. Unter ihnen mehrere schwangere Frauen, zwei Hebammen und zwei Säuglinge im Alter von 10 und 6 Tagen. Während der gesamten Bestandszeit des Gefängnisses unter deutscher Herrschaft diente Pawiak als Ausgangspunkt für die Deportation in die Konzentrationslager, in erster linie nach Auschwitz. Der erste große Transport von Pawiak ging am 2. Mai 1940 mit 1040 Gefangenen nach Sachsen hausen und Oranienburg. Der letzte der 93 bisher festgestellten Transporte deportierte am 30. Juli 1944 1400 Männer nach GroßRosen und 400 Frauen nach Ravensbrück. Wladislaw Zuks Häftlingspersonalkarte von Mauthausen weist nach, daß er nach 31/2jähriger Internierung in Pawiak am 26. November 1943 durch den Sicherheitsdienst Warschau in das Kl Auschwitz eingewiesen wurde. Er erinnert sich nicht an das Datum, nur an die lange dauernde Bahnfahrt in einem Güterwaggon. "Als in Auschwitz der Waggon aufgemacht wurde, sah ich die ersten Toten, ganz schwarz im Gesicht, während der Fahrt gestorben. " Am 11. Februar 1944 wurde Wladislaw Zuk in das KL Mauthausen überstellt und genau eine Woche später in das Nebenlager Ebensee, wo er am 6. Mai 1945 befreit wurde. Er lebt heute in Ebensee. Über seine Aufenthalte in den Konzentrationslagern kann Herr Zuk sprechen. Die Schilderung seiner Haftzeit in Pawiak fällt ihm jedoch schwer. Mißhandlungen und Folter haben sich zu tief in sein 8ewußtsein eingeprägt. Der Bericht basiert auf einer Dokumentatlon des Museums des Gefängnisses "Pawiak", Warschau 1994 und auf mehreren Gesprächen des Autors mit Herrn Wladislaw Zuk im Lauf des Jahres 1998 pyrsk ! Ballest Odpowiedz Link Zgłoś
ballest88 Monteluppich - dr. Jan Nowak 28.06.04, 17:21 1909 geboren in Polen Kinderarzt 5. 5. 1941 wegen Verbreitung illegaler Flugblätter im Krakauer Gefängnis Monteluppich mit anderen politischen Häftlingen inhaftiert 26. 6. 1941 Deportierung in das Konzentrationslager Auschwitz, wo er später im Krankenbau tätig war 19. 2. 1942 Abtransport nach Majdanek, wo er als Häftingsarzt das Lagerrevier mit aufbaute Dr. Nowak leistete aktiv Widerstand, indem er Krankenberichten fälschte oder durch "organisieren" von Medikamenten andere Häftlinge vor Selektionen bewahrte und war Mitglied des Häftlingskomitees. Außerdem benachrichtigte er heimlich das Polnische Rote Kreuz über die Zahl der Kranken und deren Beschwerden, so dass diese gezielte Hilfe senden konnten. Juni 1947 Aussage in einem Prozess gegen Angehörige der Mannschaft des Lagers Auschwitz, von denen fünf auch in Majdanek tätig waren, z.B. Arthur Liebehenschel, der letzte Kommandant von Majdanek, und Erich Muhsfeld, der Chef des Krematoriums Nov.1975 Aussage im Majdanek-Prozess in Düsseldorf Jan Nowak lebt heute mit seiner Familie in Polen. pyrsk ! Ballest Odpowiedz Link Zgłoś
ballest88 Fort VII 28.06.04, 17:24 Owinska ist eine Stadt in der Nähe von Poznan (etwa 10km nördlich Poznan). Seine Heilanstalt war das älteste Krankenhaus für Psychiatrie-Patienten in der Region Wielkopolska. Die deutschen Truppen besetzten Owinska Mitte September 1939. Die Heilanstalt wurde von der "Gau-Selbstverwaltung" in Poznan übernommen, ein Beauftragter der deutschen Verwaltung leitete nun das Krankenhaus. Der neue Chef verlangte bald eine Liste aller Patienten und verbot deren Entlassung aus der Anstalt. Dem Personal wurde mitgeteilt, dass das Krankenhaus geschlossen und alle Patienten in andere Anstalten verlegt würden. Das "SS-Sonderkommando Lange" wurde nach Owinska verlegt um alle Patienten umzubringen. Eingang des Fort VII In der zweiten Oktoberhälfte 1939 wurden die ersten Patienten auf Militärlastwagen verladen, unter Bewachung von SS-Männern. 1 - 3 solcher Lastwagen fuhren täglich ab. Das Personal der Anstalt wusste nicht, wohin sie fuhren und warum. Zuerst wurden alle Männer deportiert, gefolgt von den Frauen. Zuletzt wurden am 11. November 1939 78 Kinder in den Tod geschickt. Bis zum 30. November 1939 wurde das Hospital entleert, abgesehen von einigen Verwaltungsangestellten der Wirtschaftsabteilung. Viele Patienten wurden in einer primitiven Gaskammer im Fort VII in Poznan getötet. Später wurden die Opfer in Gaswagen nach Murowana Goslina gefahren. Während der Fahrt starben die Menschen durch Auspuffgase. Hauptflur Jeder im Fort VII ankommende Lastwagen transportierte etwa 25 Personen. Nach der Ankunft brachte man die Kranken in eine Gaskammer, die in einem Bunker im Hof eingerichtet worden war. Die geschlossene Tür der Gaskammer wurde mit Lehm abgedichtet. Die Opfer warteten in der Gaskammer, während die SS-Männer volle Gasflaschen mit (wahrscheinlich) Kohlenmonoxid neben dem Eingang installierten. Nachdem alle Opfer getötet worden waren, öffnete ein Kommando von regulären Gefangenen die Tür und holte die Leichen heraus. Die Körper lud man auf Lastwagen, die sie weg fuhren. Die Namen der Opfer sind noch unbekannt, weil offenbar alle Dokumente vernichtet wurden. Die Namen der Fort VII-Mannschaft sind hier aufgeführt. Die Kommandeure waren: SS-Sturmbannführer Herbert Lange (10.-16. Oktober 1939), SS- Hauptsturmführer Hans Weibrecht (16. Oktober 1939 bis Juni oder Juli 1940), SS- Hauptsturmführer Kühndel (Sommer 1940 bis 1941) und SS-Obersturmführer Hans Walter (1943 bis 1944). Zwischen 1941 und 1943 wurde Fort VII geleitet von diesen Männern: Langes, Mollendorf, Wagner und Werner. Angehöriger der Mannschaft Während des Krieges wurde das Krankenhaus in Owinska als Unterkunft für SS- Männer eingerichtet. Beim Rückzug der deutschen Truppen brannte das Gebäude im Sommer 1944 teilweise ab. Danach wurde es nicht mehr verwendet. Für viele polnische Gefangene war Fort VII nur ein vorübergehendes Gefängnis. Später wurden sie in andere KZs gebracht, vorwiegend nach Auschwitz, Dachau, Ravensbrück und Groß-Rosen. Die letzten verbliebenen Gefangenen brachte man ins Lager Zabikowo. Höchstwahrscheinlich brachten die Nazis etwa 10.000 - 15.000 Menschen im Fort VII um, durch Folter, Exekutionen und Vergasungen. Nur 479 Opfer sind namentlich belegt. Heute ist Fort VII ein Mahnmal. pyrsk ! Ballest Odpowiedz Link Zgłoś