Gość: Pippi
IP: *.protonet.pl
26.02.05, 21:52
Weil eine Mutter am 21.02.2005. 16:23, so:
"Chcę prosić o krótkie bajki po niemiecku na poziomie
szkoły podstawowej/ 5 kl./"
geschrieben hat, da möchte ich ein Märchen empfehlen.
Der Titel des Märchens habe ich jedoch extra geändert und den Verfasser nicht
angegeben. Das soll bei der Gelegenheit ein Rätsel werden. Also, wer von Euch
weiß die Antwort ? In ersten Linie richte ich die Frage an alle Deutsch-
Anfänger, wie z.B. ich. Dann kommen die Mächtigste, wie Crannmer, Tigger,
Jecki, Alma, etc. dran.
Also, avanti popolo, bandera ...!
Mit freundlichen Grüßen.
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Der Sklave
Nicht jeder Raum eignet sich zum Nachdenken, und wenn man hundert Räume
besitzt, muß man herausfinden, welcher von ihnen die Gedanken am meisten
fördert. Sooft der Sultan von Tubodin über etwas nachsinnen wollte, begab er
sich in die Grüne Kammer, legte sich auf Sofa und schloß die Augen, fast
immer kam er zu guten Einsichten. Allerdings musste es in der Kammer ganz,
ganz still sein, - vor allem durfte dort nie eine Fliege summen, denn dieses
Geräusch war dem Sultan verhasst.
Der Sklave Maurus hatte dafür zu sorgen, dass in die Grüne Kammer keine
Fliege drang. Ein bequemes Amt, wird mancher sagen, ein Faulenzerposten, wie
er nur im Morgenland vergeben wird. Doch damit tut man dem Sklaven Maurus
Unrecht. Zum einen hatte er sich das Amt ja nicht erwählt, sondern es war ihm
der in seiner Heimat als ein kundiger Baumeister galt, vom Schicksal
auferlegt worden, und er litt unter der Erniedrigung. Zum anderen ist es gar
nicht so leicht, im Orient Fliegen aus dem Zimmer zu halten.
An dem Tage, von dem hier berichtet wird, ruhte der Sultan in der Grünen
Kammer auf dem Sofa und sann vor sich hin. Maurus, der mit seiner
Fliegenpatsche bei der Tür stand, war unruhig. Er wusste es nicht geradezu,
aber er ahnte, er argwöhnte, dass irgendwo eine Fliege sitze, und konnte nur
hoffen, dass sie sich nicht zeige. Doch da hörte, da sah er sie schon. In
taumligen Kurven flog sie einher und summte wie eine Hornisse.
Der Sultan schlug die Augen auf. „So liederlich“, sprach er, „versiehst du
dein Amt! Wie soll ich nachdenken, wenn das Zimmer voller Fliegen ist?“
„Verzeiht, Herr“, antwortete Maurus. „Es ist nur eine einzige Fliege, und ich
werde sie sofort erlegen.“ Der Sultan blickte nach einem Tisch aus Jaspis,
auf dem vielerlei Kostbarkeiten standen. „Wende die goldene Sanduhr um. So
lang der Sand rieselt, hast du Zeit, die Fliege zu töten. Gelingt es dir
nicht, stirbst du.“ Es war eine kurze Frist, denn das goldene Ding diente als
Zeitmaß für die Ansprachen, die der Sultan an seine Minister richtete; in
vier Minuten lief der Sand durch Glas. Mit zitternder Hand kehrte Maurus die
Sanduhr um und begann eine Jagd, die keinen guten Ausgang versprach. In der
Grünen Kammer standen auf sieben langen Tischen unzählige Kunstgegenstände,
an den Wänden hingen Ampeln, Waffen und geschnitzte Figuren: lauter Verstecke
für die Fliege, sichere Verstecke, weil Maurus nichts beschädigen durfte. Die
Fliege stieß ans Fenster, zweimal, dreimal, und Maurus schlich hinzu. Als sie
erneut gegen die Scheibe fuhr, schlug er nach ihr; doch er verfehlte sie. Mit
empörtem Gesumm stürzte und wirbelte die Fliege umher, sie führte sich auf
wie eine Besessene. Obwohl ein winziges Wesen nur und des Denkens nicht
fähig, spürte sie genau, dass man ihr ans Leben wollte. Zudem war es die
Stunde, in der alle Fliegen der Welt, auch wenn sie sich nicht bedroht
fühlen, unsinnig Tänze aufführen, - die Stunde vor Sonnenuntergang. Die
Fliege in der Luft zu treffen, schien unmöglich. Blitzschnell schoß sie dahin
und änderte in einem fort die Richtung. Maurus behielt sie im Auge, er betete
im Stillen, sie möge sich endlich niedersetzen. Es kam ihm jetzt nicht mehr
darauf an, ob er mit seiner Patsche etwas beschädigte: wenn er das leidige
Insekt dabei erschlug. Da setzte sich die Fliege nieder, und es war, als
vermöge sie doch zu denken, denn nunmehr befand sie sich jenseits aller
Gefahr. Sie saß auf der rechten Schulter des Sultans. Maurus blickte auf die
Sanduhr und sah, dass sie zur Hälfte abgelaufen war. Was sollte er bloß tun?
Es ging nicht an, den Sultan von Tubodin mit der Fliegenklappe zu treffen,
und wer es dennoch unternahm, musste mit einem qualvollen Tode rechnen. Da
war der flinke Säbel des Henkers noch das kleinere Übel. Der Sultan lag mit
geschlossenen Augen auf dem Sofa, er tat, als sinne oder träume er vor sich
hin, er weidete sich jedoch an der Verzweiflung des Sklaven. Er horchte auf
dessen Schritte und suchte zu erraten, wie es um die Fliegejagd stand. Als er
Maurus nicht mehr gehen, die Fliege nicht mehr summen hörte, wurde er
unmutig. Am Ende gelang es dem Tölpel, sich im allerletzten Augenblick zu
retten! Der Sultan konnte nicht wissen, dass die Fliege auf seiner eigenen
Schulter saß, dass sie seinen hohen Schutz genoß.
Maurus stand reglos, er hatte keine Hoffnung mehr. Ohne hinzuschauen sah er,
wie die Sanduhr drüben ihm eilig Urteil ausfertigte. Vor seinen Augen wuchsen
Häuser empor, Rathäuser und Handelshöfe und Getreidespeicher, eine ganze
Stadt, die er hätte bauen wollen und die nun ungebaut blieb, einer Fliege
wegen. Indem er dies dachte, hob die Fliege sich von des Sultans rechter
Schulter und kreiste in der Luft. Gleich darauf fuhr sie nieder, dicht an
Maurus vorbei. Sie streifte die Fliegenpatsche, flog das Sofa an, lief
darüber hin, stieg erneut auf und setzte sich schließlich auf des Sultans
rechtes Knie. Dort verhielt sie. Ein wilder Zorn befiel Maurus. „Wenn ich
ohnedies sterben muß“, dachte er, „soll auch der Sultan sterben. Er ist nicht
allzu kräftig, es wird leicht sein, ihn zu erwürgen, und hinterher werde ich
mich aufhängen.“ Aber schon kam ihm ein neuer Gedanke: „Meine Tat wird
sicherlich nicht gleich entdeckt. Ich fliehe – vielleicht habe ich Glück,
nach so viel Unglück!“ Er trat leise auf den Sultan zu und steckte seine
Hände aus. Sie zitterten nicht, wie vorhin, als er die Sanduhr umgewendet
hatte, sie waren ganz ruhig. Jetzt kam es daraf an, den Hals des Sultans
rasch und fest zu umklammern, damit ihm kein Schrei mehr entfahre. In diesem
Augenblick verließ die Fliege ihren Sitz, zog einen Halbkreis und lies sich
auf der Stirn des Sultans nieder. Der Sultan schlug nach ihr, die Fliege fiel
auf das Sofa herab. Im Zuschlagen öffnete der Sultan die Augen. Er sah die
Hände des Sklaven dicht bei seinem Hals und erkannte, was jener mit ihm
vorhatte. „Du willst mich töten?“ fragte er. Maurus nickte. „Ich wollte es,
Herr, weil ich um einer Fliege willen sterben sollte.“Als dem Sultan aufging,
wie nahe ihm der Tod gewesen, erschrak er. Sein Herz pochte, er wurde bleich.
Einer Fliege wegen, sann er und konnte es gar nicht fassen, einer kleinen
Fliege wegen, wäre ich ums Haar ermordet worden. Er brauchte ein Weilchen,
bis er seine Stimme wieder fand. Dann sprach er: „Daß du mich töten wolltest,
lassen wir beiseite. Fest steht, dass nicht klar entscheiden worden ist, ob
di dein Leben verwirkt hast oder nicht, denn als ich die Fliege erschlug, war
die Frist noch nicht abgelaufen. Oder irre ich mich?“ „Ich weiß es nicht,
Herr“, erwiderte Maurus. „Ich habe zuletzt den Anblick der Sanduhr
gemieden.“ „Wir wollen“, fuhr der Sultan fort, „den Fall zu Ende bringen. Du
wendest jetzt noch einmal die Sanduhr; dann rennst du, so schnell du kannst
und so weit du kommst, um dein Leben. Sobald die Zeit um ist, schicke ich
meine Aufseher und die Jäger mit den Hunden hinter dir her. Faßt man dich,
gehörst du dem Henker.“ Maurus tat, wie ihm befohlen war. Er kehrte die
Sanduhr um, stürtzte aus der Grünen Kammer,