die_pubertierende_jungfrau
18.07.07, 09:14
Es ist nun endlich so weit.
Das mit allergrößter Spannung erwartete Ereignis wird sich in nur noch
wenigen Tagen komplett vollziehen.
Das Wort wird zum lebendigen Fleisch.
Ich, die pubertierende jungfrau, komme endlich in Bestseller Listen der
führenden Magazine der Welt vor. Ausgenommen die Jerusalem Post.
Meine Erstlings Übersetzung wird demnächst in den führenden Buchhandlungen
Europas erscheinen. Erstmal nur in deutscher Sprache. Wieso nur in Deutsch?
Nun, weil in Europa zufälligerweise 80 Mill. Deutsche leben. Dazu kommen noch
ein paar Österreicher, die auch etwas Deutsch sprechen, einige Bergvölker in
den Alpen, die man mit dem Sammelbegriff Schweizer bezeichnen könnte. Plus
Liechtenstein, plus Bayern, plus Luxemburg, die alle eine Untergruppe des
Deutschen ziemlich gut beherrschen. Auch noch Namibia hinter den Äquator.
Lothringen und Elsas nicht zu vergessen. Dolny i Górny Slonsk ist etwas
umstritten, weil man noch nicht genau untersucht hat, mit welchen Dialekten
die dortigen Völker sich verständigen.
Nun hat man mich des öfteren gefragt, wie ich, die pubertierende jungfrau, zu
der Schriftstellerei komme, wo ich doch kaum die richtige Reihenfolge im
deutschen Satz beherrsche.
Ganz einfach, sage ich. Die Strömungen in der Kunst ändern sich. So ein
Picasso, zum Beispiel, der kann konservativ und fortschrittlich schaffen. Ich
dagegen habe mich nur auf das fortschrittliche Schaffen spezialisiert. Die
Reihenfolge der Satzglieder in den Sätzen meiner zukünftigen Romane wird
überhaupt keine Rolle mehr spielen. Ebenso die Orthographie.
Meine Kunst ist vergleichbar zu der weltberühmten Skulptur vor der
Kanzlerinresidenz. Sieht aus wie ein verrostetes Eisengewirr vom
Schrottplatz, ist aber kein Schrott, sonder edelste Kunst.
Genau so ist es mit meiner Kunst! Die Epoche, in der man Bücher mit
gewöhnlicher Grammatik schrieb, ist endgültig vorbei. Die Literatur hat ja
sowieso schon einige Jahre hinter der Malerei herumgedöst. Dies ist nun
endgültig vorbei. Das verspreche ich Ihnen, meine Damen und Herren, so wahr
ich die pubertierende jungfrau bin.
Sz. A.
PS
Hiermit erkläre ich noch, dass ich die “Jerusalem Post” niemals gelesen habe.
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